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fjttsftlher Kreishliltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes NnLerhakLungsötatL^__________

Nr. 126. Donnerstag den 25. Octover 1888.

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Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Heck er zu Hersfeld hat unter seiner vollen persönlichen Verantwort- lichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privat- gehülfen Georg Barthelmes zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse daselbst bevollmächtigt. Die Be­vollmächtigung des Gehülfen Hildebrand ist zurückgezogen.

Cassel, den 19. October 1888.

Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten.

von Eschwege

C. I. 7785. i. V.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser machte am Dienstag in der Frühe einen Spazier­ritt, nahm darauf die Vorträge des stellver­tretenden Chefs der Admiralität Grafen Monts und des Chefs des Militärcabinets General­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Das erste Lied.

Von N. A. G u t h m a n n.

~ (Fortsetzung.)

«Ich habe Ihre Familie zwar nicht gekannt' schloß sie diese etwas unlogische Entschuldigung, «aber es hat mir gleich von vorn herein durchaus fern gelegen, in dem Berhätnitz meines Sohnes zu Ihrer Fräulein Schwester etwas Erniedrigendes zu finden. Meine schriftlichen Auseinandersetzungen enthielten doch gewiß nichts Verächtliches/

Die feinen Lippen deS seltsamen Gastes im Salon der Hosrälhin von Mola verzogen sich ein ganz klein wenig und die schwarzen flammen­den Augen ruhten mit einem Ausdrücke auf ihrem Gesicht, der sie die ihren senken ließ.

«Verächtlich?- wiederholte er eiskalt, «dazu hatten Sie auch keine Veranlassung, gnädige Frau/

Dann verneigte er sich tadellos und M»fl-

Ein junger Kunsttischler sei dieser Strom, erfuhr sie später aus Umwegen, aber er verkehre nicht viel in seinen Kreisen, näher kenne man ihn nicht. Er sitze nach der Arbeitszeit daheim bet seiner Familie anstatt sich mit den anderen zu vergnügen, Vater und Kinder die Mutter sei todt schienen einander schwärmerisch zu lieben, und im Uebrigen habe der alte Musikant den bekannten Bettelstolz, ehe der einen Menschen etwa um Geld und Wohithaten anspreche, verhungere er lieber bet lebendigem Leibe. Das sei ausgemachte Sache.

Meser Stolz mochte auch dazu betgetragen

lieutenants von Hahnke entgegen und arbeitete später noch längere Zeit allein.

Der Geburtstag d^r Kaiserin wurde am Montag in Potsdam im engsten Familienkreise gefeiert. Zuerst gratulirte der Kaiser mit den fünf Prinzen. Darauf wurde gemeinsam das Frühstück eingenommen unter den Klängen der Morgenmusik der Kapelle des 1. Garderegi­ments z. F. Am Vormittag erschienen auch^die Vri.'r?ö!s,'"Miierin'Friedrich blieb inBerlinH hat sich am Sonntag in Bornstedt eine Erkältung zugezogen. Um 11 Uhr brachten der Hof und das Kaiserliche Hauptquartier, sowie die Com­mandeure der Leibgardehusaren und des 1. Garde-Regiments z. F. ihre Glückwünsche dar. Nachmittags fand engere Familientafel statt.

Der Regent von Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen, hat sich am Montag Abend nach Blankenburg begeben, wo in den nächsten Tagen größere Jagden, an denen auch der Kaiser theil- zunehmen gedenkt, abgehalten werden sollen.

Der Kaiser wird am Montag der feierlichen Einweihung der Zollanschlußbauten in Hamburg beiwohnen. Mit ihm sind Fürst Bismarck, Feld­marschall Moltke, der Bundesrath, die preußischen Minister und das Präsidium des Reichstags ge­laden. Am 31. October bezieht der Kaiser sich auf Einladung des Königs von Sachsen zur Grundsteinlegung des Reichsgerichtsgebäudes nach Leipzig.

Prinz Heinrich ist am Sonntag in Wien eingetroffen, um dem Kaiser Franz Joseph seinen Dank für die Ernennung zum Corvetten- Capitain ä la suite der österreichischen Marine abzustatten. Er wurde am Bahnhof vom Kaiser und dem Kronprinzen in preußischer Uniform empfangen, der Prinz trug österreichische Marine- uniform. In der Hofburg waren für ihn die Zimmer bereitgestellt, welche kürzlich Kaiser

haben, daß der alte Mann so bereitwillig auf die Pläne der besorgten Hoiräthin eingegangen war, und ste dankte im Stillen Gott für diesen Stolz des Musikanten, der ihr, ohne daß sie von seinem Dasein eine Ahnung gehabt, in die Hände gear- bettet hatte. Eins stand fest, sie hatte ihr Ziel erreicht. Zwischen ihr und ihrem Sohne war seit jener uns bekannten Unterredung nie wieder ein Wort über den streitigen Punkt gefallen, und mit größter Befriedigung bemerkte die Hosräthin, daß Siegfried sich mit einem förmlichen Feuereifer in seine Arbeit versenkte, und jede freie Minute be­nutzte, um nur bei seiner Oper sitzen zu können, die denn auch von Tag zu Tage anwuchs. Das bleiche und nervöse Aussehen des jungen Mannes schrieb sie aus Rechnung seiner geistigen Ueberan- strengung. Sie hoffte, er solle schon wieder frisch und wohl werden, wenn das gesteckte Ziel erreicht, die Composition vollendet, und der erste Schritt zum Ruhme zurückgelegt sei. Dann sollte sich Siegfried auf einer Reise nach Italien gründ­lich erholen, und alle thörichten Träume würde er dann von selbst hinter sich lassen. Eins that ihr jedoch bitter weh. Es lag in dem ganzen Be­gegnen Siegfrieds ihr gegenüber ein indirectes Ab- lehnen, er zog sich in der letzten Zeit mit fast ängstlicher Scheu von ihr zurück, mied so viel als nur irgend möglich ihre Nähe, und entzog sich in fast verletzender Weise ihren Zärtlichkeiten, die er nicht mehr erwiderte. Es war überhaupt etwas Fremdes zwischen Mutter und Sohn getreten, ein Schatten stand zwischen Beiden, und Frau von

Wilhelm bewohnt hatte. Am Sonntag war ihm zu Ehren Tafel beim Kaiser, am Montag beim Erzherzog Albrecht. Montag Abend hat der Prinz sich von Wien zu seiner Gemahlin nach Darmstadt begeben.

Ihre Majestät die Kaiserin-Königin August« empfing in Baden-Baden am Sonntag den Besuch des Königs von Sachsen.

Se. Majestät der Kaiser hat Im Namen deS U^IW» VHI »w»Hu^ K.v-bt?^»«$-.bs«ei«5iS- Director Böttrich zu Liegnitz zum Reichsge- richts-Rath ernannt.

Der Kaiser besucht auf der Rückreise von Ham­burg nach Berlin am 29. October den Fürsten Bismarck und übernachtet in FriedrichSruh.

Der «Kreuz-Zta/ zufolge wäre die Ankunft deS Kaisers vonRußland in Berlin um die Mitte des nächsten MonatS ziemlich sicher zu gewärtigen.

Die Arbeiten der Commission zur Ausarbeitung eines bürgerlichen Gesetzbuches sollen anderweitiger Meldung zufolge in einem Zeitraum von etwa fünf Monaten zum völligen Abschluß gelangen. Die Commission dürfte sich zum 1. April 1889 auslösen.

Nach einem Berichte des «Centralbl. d. Bauw/ hoben sich diejenigen Maßnahmen, welche in letzter Zeit bezüglich der Betriebssicherheit der Bahnen, namentlich für den Eintritt heftigen Schnee­gestöbers, getroffen sind, bewährt.

Kaum ist der Zwischenfall in Havre beigelegt, so kommt eine neue Meldung von französischem Uebermuth: «Der König von Württemberg wurde bei seiner Ankunft in Nizza am Montag mit Pfeifen und mit dem Rufe «Nieder mit Preußen empfangen.

Der persische Botschafter bei der Pforte, wel­cher Kaiser Wilhelm II. anläßlich seiner Thronbesteigung die Glückwünsche des Schahs von Persien zu überbringen beauftragt ist, wird

Mola, die den genialen, mit geistigen und körper­lichen Borzügen von der Natur förmlich über­schütteten Jüngling abgöttisch liebte, litt unter dieser Zurückweisung seinerseits, aber sie schrieb diese Kälte weniger dem in seiner Liebe beleidigten Jünglinge, als vielmehr dem in seinem Willen ge­hinderten Mola'schen Trotzkopf zu. War doch ihr verstorbener Gatte ganz der gleiche Character ge­wesen. Er hatte nie durch Worte, immer nur durch Kälte und eisige Zurückhaltung sein Miß­fallen an irgend welcher, ihm nicht sympathischen Handlung seiner Gemahlin, zu erkennen gegeben. Aber ewig hatte er doch nicht getrotzt, und so meinte sie, würde auch bei Siegfried der Dickkopf endlich weich werden.

Endlich war die Composition fertig. Siegfried von Mola hatte sie selbst zu seinem Gönner, dem gefeierten Dramaturgen getragen, und dieser seinen Protegs in der herzlichsten Weise empfangen. Er war schon von vorn herein überzeugt, daß daS Werk ein gelungenes sei, denn er hatte eine sehr hohe Meinung von der Begabung seines Schütz­lings. Siegfried von Mola dagegen stand ab­wehrend vor dieser Ueberzeugung Olliverias, er theilte diese ÄMten über seine eigene Unfehlbar­keit keineswegeMlmd bat in sehr trockener Weise den Verfasser des Operntextes, das Werk nur erst zu prüfen ehe er lobe. Er selbst war keines- Weges zufrieden mit sich, obgleich er sein bestes Können eingesetzt hatte, weil ihm an dem Erfolge dieser Arbeit alles lag. War es doch schon eine alle seine Collegen zum Neid reizende Auszeichnung