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Hersfel-el Kreisblitt
Mit wöchentlicher Hratis-ZLeilage „IllustrirLes NuterhaltungsSkatt".
Nr. 123. Donnerstag den 18. Octover 1888.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Für die Wahlen zur siebenzehnten Legislatur- Periode des Hauses der Abgeordneten habe ich auf Grund der §§ 17 und 28 der Verordnung vom 30. Mai 1849 (Ges. Samml. S. 205) als Wahltermine und zwar für
die Wahl der Wahlmänner den 30. Oktober d. J. und für die Wahl der Abgeordneten
de« 6. November d. J. festgesetzt, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
Berlin, den 23. September 1888.
Der Minister des Innern, gez.: Herrfurth.
* * *
Hersfeld, den 16. October 1888.
Unter Hinweis auf vorstehende Bekanntmachung des Herrn Ministers des Innern und mit Bezug auf meine Verfügung vom 9. d. Mls. Nr. 10438 im Kreisblatt Nr. 121 wird in Gemäßheit des 8. 11 des Reglements vom 4. September 1882 zur Ausführung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten hierdurch bezüglich der Landgemeinden des Kreises bestimmt, daß die Wahl der Wahlmänner am 30. d. Mts. Vormittags 9 Uhr in den durch meine gedachte Verfügung bezeichneten Wahllokalen stattzufinden hat.
Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises hierdurch die Weisung, folgende, entsprechend zu ergänzende Bekanntmachung in Ihren Verwaltungsbezirken sofort in ortsüblicher Weise veröffentlichen zu lassen:
„Die Wahl der Wahlmänner des Urwahlbe«, zirks Nr. . . findet am 30. d. Mts. Vormittags I
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Ias erste Lied.
Bon N. A. G u t H m a n n.
(Fortsetzung.)
„Sie verdient ihr Brod durch das Winden von Kränzen und Bouquets in der großen Blumenhandlung am Markte. Sie ist Meisterin im sinnigen Arrangement, und sie ist arm. Nur durch Fürsprache eines Gönners ihres Vaters erhält sie die theueren Gesangstunden bet Professor Arnoldi für den halben Preis und auch dieser halbe Preis ist eine Lebensfrage für den armen Teufel von Musikanten. So sucht sie ihr Theil dazu beizu- tragen und arbeitet. Blumen zu Kränzen zu winden — findest Du das so erniedrigend? Ich meine, eS könnte gar keine lieblichere, weiblichere Beschäftigung geben! Und eine „Theaterpuppe" sagst Du t Aber liebste Mama, was sollte aus den Liedern Deines Sohnes werden, wenn es keine Sängerinnen gäbe, die sie dem Publikum zu Gehör brächten."
„Nun, dann tafle sie erst eine berühmte Sängerin werden, und werde vor allem Du ein berühmter Componist!" entgegnete die Dame gereizter noch als vorher. „Darin, daß Du nicht warten magst, liegt das Unglück! Du denkst und träumst nichts alS diese Liebe und das hindert Dich ganz entschieden in Deinem Schaffen. Anstatt Deinem Talente zu leben und es zu pflegen, schreibst Du Liebesbriefe, und alle Deine Gedanken weilen nicht hei Deiner Kunst, sondern bet jenem Mädchen, das
9 Uhr in dem Geschäftslokale des Bürgermeisters zu......statt, und werden zu derselben sämmtliche Urwähler der hiesigen Gemeinde (des Gutsbezirks) hierdurch mit dem Bemerken zu- sammenberufen, daß der.....zu . >... zum Wahlvorsteher, und der.....zu .... zu dessen Stellvertreter ernannt ist.
.......den . . ten October 1888.
Der Ortsvorstand
Demnächst ist diese Bekanntmachung mit der Bescheinigung, daß dieselbe in ortsüblicher Weise veröffentlicht worden ist, zu versehen, und ungesäumt, jedenfalls aber noch vor Beginn der Wahl, dem betreffenden Herrn Wahlvorsteher zu übersenden.
Gegen diejenigen Herren Ortsvorstände, welche dieser Vorschrift nicht pünktlich nachkommen sollten, würde ich unnachsichtlich mit Strafen vorgehen müssen.
10686. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Zum Geburtstage des Kaisers Friedrich.
(18. October.)
In Frühlingsschauern, Veilchengrüßen Erjauchzte ringsum Wald und Feld, Da schwuren Treue Dir zu Füßen Alldeutschlands Herzen, edler Held. Und heut, kaum feuchtes Nebelgrauen Frühherbstlich um die Berge wallt — Vorbei der Freude himmlisch Blauen; Du schlummerst traumlos, todtenkalt.
O, herrlich Saitenspiel — zersprungen Zu ew'ger Stummheit abgedämpft, Wie wunderbar hast Du geklungen Und Steg in manchem Streit erkämpft!
Dein böser Dämon Dir in den Weg führte. Sie ist sür Dich ein Stein auf dem Wege zum Ruhme. Du theilst Dich zwischen ihr und Deiner Kunst, und so wird hüben wie drüben nur halbes zu Stande kommen. Glaube mir Friedel, das ist nicht der Weg zum Ruhme."
„Ach redet mir doch nicht so abgestandenes Zeug!" rief der junge Musiker, jetzt aufs äußerste gereizt, mit flammenden Augen und einem heftigen Aufstampfen mit dem Fuße. „Was ist der Genius ohne Gefühl? Noch jeder große Meister hat seine Muse gehabt, die ihn zum Schaffen begeisterte! Schon rein Eingelerntes wird ohne Empfindung kalt lassen. Lasse von einem Schulktnde das glühendste Liebeslted singen, es wird ein leeres Geplärre werden, weil das Kind nichts dabei empfindet, mag die Leistung auch an und für sich technisch tadellos sein. Und nun vollends eine elbstständige Schöpfung aus sich heraus! Was oll mich denn begeistern? Etwa die Thatsache, daß Du mir meine Träume mit rauher Hand zerstörst? Was soll mich denn anregen? Vielleicht Eure geschraubten Salonmenschen oder die gedrillten Backfische in den Häusern Deiner Freundinnen ? Oder meinst Du, baß es mir lebenslang genügen werde, mich mit süßem Mehlschmarrn füttern und — Friedel nennen zu lassen? Denkst Du, daß es den Vogel zum Singen begeistert, wenn Du ihm den Käfig verhängst, damit die „Sonne" ihn beim Auswählen seiner Töne nicht störe? Laßt mich doch aus meine Weise glücklich sein, und meint nicht, daß ungestillte Sehnsucht
Du Herz, darin nur Perlen ruhten, Die Deine Huld so freudvoll gab — Der Schmerz, im stillverhaltenen Fluthen, Pflanzt ew'gen Lorbeer Dir aufs Grab.
So ging ein Sonnenball zu Rüste, Der eine ganze Welt durchsonnt, Erlosch an fernentlegner Küste Ein Prachtgestirn am Horizont. So ruht ein Haupt, das her umwallet Der Schmerzverklärung lichter Schein, Und durch der Nachwelt Tempel hallet Das süße Wort: „Vergiß nicht sein!"
Und doch getrost! Die goldnen Bahnen, So dieser Held fürs Reich erstritt — Die Herzen hoch und hoch die Fahnen, So folgt das Volk in Schritt und Tritt. Und folget so auch seinem Sohne In Liebe, tausendfach verzweigt, Und preist den Kaiser auf dem Throne, Der vor des Reichs Panier sich neigt. —
Der Tag verglüht, die Wipfel kosen, Im Herbstesschwermuth schwebt die Welt — Alldeutschland legt mit Dankesrosen Den Kranz aufs Grab Dir, todter Held! — Und dann, was auch das Schicksal sende, Dem Weltlauf scharf ins Aug' geschaut, Und fest verschlungen Herz und Hände, Und auf der Zukunft Stern vertraut!
Carl Böttcher,
Auszüge aus der im Verlage von Alexander Dunkel in Berlin erschienenen Brochüre
„Fürst Bismarck und seine Gegner.^ Lose Blätter zur Militärvorlage.
Sechstes Blatt.
Die Budgetfrage. — Auslastungen bei Herrn von BiSmarck.
Wollte die Regierung nicht ihre heiligsten Pflichten ver« i—^^^M———■"——^ oder zerstörtes Hoffen zu freudigem Schaffen begeistern! Du bist es, die mich zum Stümper machen wird! Mit welcher Lust habe ich die Composttion von Olliverios Operntext begonnen, an deren Gelingen Dir und dem berühmten Dichter so viel liegt! Welcher Schaffensdrang beseelte mich! Die Melodien quollen nur so in mir auf beim Lesen der köstlichen Dichtung. Wie gut ist mir das erste Lied gelungen — heute sitze ich nun schon zwei Stunden hier vor meinem Schreibtische und starre auf das grüne Tuch meiner Schreibunterlage, aber es kommt mir nicht eine vernünftige Idee! Warum? Weil ich weiß, daß Du Dir fest vorgenommen hast, mir diese „unselige Liebe" zu zerstören, und weil ich eben so genau weiß, daß Du das, was Du Dir einmal vorgenommen hast, auch durchzusühren pflegst. Meine Arbeit gelingt mir nicht, sie wird meinem verwöhnten Gönner nicht genügen, und ich hoffte durch diese Arbeit bekannt zu werden, mir einen Namen zu erringen. Mit meiner ganzen Seele war ich bei meinem Werke, bin ich noch bei ihm, aber — es gelingt mir nichts mehr!"
Die Stimme brach ihm. Hastig griff er nach dem weichen, weißen Filzhute, der auf dem nächsten Tische lag, verneigte sich ziemlich kurz vor seinem Gaste, und verließ das Zimmer.
Die Hosräthin blickte ihm aufs Aeußerste gereizt nach, trat dann ans Fenster und sah, wie er leichten elastischen Schrittes die Straße hinab schritt. Mit mütterlichem Stolze hing ihr Auge an der hohen männlichen Gestalt des noch so sehr