des Kreises werden hierdurch angewiesen, als. bald einen Plakat-Fahrplan über die Züge auf den der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a. M. unterstellten Eisenbahnen dahier abholen zu lassen, welcher an einer geeigneten Stelle, im Wirthshaus oder wo es sonst passend erscheint, zugänglich auszuhängen ist.
Der Königliche Landrath ___Freiherr^ o n Schlein i tz.
Gefunden: ein Packet. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Friedewald.
* Kaiser Wilhelm in Wien.
Oft genug im Laufe des letzten Jahrzehnt ist Prinz Wilhelm von Preußen Gast des Kaisers Franz Josef und des Kronprinzen Rudolf in Wien und Schönbrunn gewesen und namentlich hatte der Kaiser von Oesterreich alljährlich den jagdfreudigen Prinzen zu den Hochwildjagden in Steiermarck geladen, an denen — wie auch diesmal wieder — auch König Albert von Sachsen regelmäßig theilnahm. Im frühen Morgen grauen waren dann die drei fürstlichen Jäger in das Gebirge hinaufgestiegen und in der Morgen- stille der steirischen Hochthäler hatte sich so jene persönliche Annäherung vollzogen, welche sich in den ernsten Geschicken dieses Jahres als treue Freundschaft erwiesen hat. An die allsommer- liche Begegnung mit unserem ehrwürdigen Kaiser in Gastein hatten sich für den Kaiser Franz Josef die herbstlichen Jagdausflüge mit dem Enkel geknüpft, es war daraus ein intimer und herzlicher Verkehr beider Höfe erwachsen, eine schöne und werthvolle Ergänzung des Bündniß- —^ —Mrtrages, der die beiden Dynastien und die beiden ——--^K^v vereint.
A Lv!llUi|n. Milholm. als er am 4. October d. I. die ihn mit vollem GkMe und
Freude begrüßende österreichische Hauptstadt betrat, weder dem Hofe noch der Bevölkerung mehr ein Fremder gewesen, er kam als ein langjähriger, gern gesehener lieber Gast, wie er es noch im vorigen Jahre als Prinz gewesen, aber umgeben von allen Ehren, die dem Oberhaupte des mächtigen und verbündeten Deutschland gebühren. In ersichtlich tiefer Bewegung hat der österreichische Monarch den Enkel und Sohn der ihm so eng befreundet gewesenen beiden ersten Kaiser in seine Arme geschlossen und es war das ----— alte Bedürfniß, die alte Treue und doch eine neue Zeit, die dem Kaiser in den jugendkräftigen Hohenzollernfürsten entgegentrat. An der innigen Umarmung der beiden Herrscher hatte nicht nur eine langjährige persönliche Sympathie, sondern auch die Geschichte ihren vollen Antheil, denn wohl war es ein Augenblick von bleibender Bedeutung, als Kaiser Wilhelm H. die Hand in die des Kaisers Franz Josef legte: ein historisches Bild zu jenem „Vermächtniß der deutschen Geschichte", an welchem „in deutscher Treue festhalten zu wollen" Kaiser Wilhelm in der Thronrede vom 25. Juni, umgeben von den versammelten deutschen Fürsten, vor dem Reichstage feierlich gelobt hatte. Die seitdem verflossene Zeit hat den jungen Monarchen als einen Herrscher erwiesen, der gewillt und im Stande ist, ein von ihm gegebenes Wort einzulösen,
Dingen und ließ sie gleich wieder fahren; todt, todt war Alles, sie aber suchte nach dem Leben, dem heißen schwellenden Leben, nach — Jost. Hahaha, da mußte sie lachen! Sie sehnte sich nach dem Unmöglichen; leichter hätte sie mit dem Mann im Monde zusammen kommen können, als mit Jost. Sie wußte es ja, das sechste Gebot wird von dem Volke der Jnselsriesen als das höchste und unantastbarste gehalten. Wie lange war es doch her, daß ein gefallenes Weib von der eigenen Verwandtschaft gezwungen, den Tod in der kalten See erleiden mußte? Das war Brand» siedei's Großmutter gewesen. Die Geschichte war war sehr heimlich betrieben worden und nun waren mehr als hundert Jahre darüber hingegangen.
Jetzt konnte das alte Ehrengericht wieder aus- geübt werden. Antje lachte wieder gellend auf, zugleich erschütterte ein furchtbarer Windstoß das Haus. Das Lachen der Unglücklichen verstummte, sie hockte aus der Schwelle und horchte mit gespannten Zügen auf das Brausen und Toben in der Natur, Wenn nun das alte Meer herein- bräche, die Insel, das Dorf, das Haus — Antje vernichtete, dann wäre alle Schuld getilgt, es wäre Frieden, Ruhe — Schlaf.
„Dor kann ik lang töwen/*) sagte Antje. Sie erhob sich und strich das Haar glatt. Dann ging sie zu dem Wandschrank, aus dem sie vor einigen Monaten den Willkommentrunk für Jost hervor- geholt hatte. In dem Schränk ganz hinten lag
*) Da kann ich lange warten.
ebenso gewillt, ehrlichen Frieden ehrlich zu halten, als Drohung und Feindschaft thatkräftig und entschlossen abzuwehren. Rüstig zu Lande und zur See, getragen von der herzlichen Hingebung und Verehrung des deutschen Volkes von dem Meere bis zu den Alpen, schlicht, fromm, aber thatenentschloffen und Hellen Blickes, so trat der junge Kaiser dem älteren Freunde, dem Freunde seines Vaters und Großvaters entgegen, als Erbe nicht nur der Krone, sondern auch der Gesinnungen und der Treue des ehrwürdigen Begründers des deutschen Reiches.
Kaum konnte es für den Besuch Kaiser Wilhelms in Wien eine würdigere, politisch- werthvollere Einleitung geben, als die Kaiserfahrt durch das südliche Deutschland. Der Werth eines Verbündeten bemißt sich in der Politik nach seiner Macht. Bevor Kaiser Wilhelm die Grenze des befreundeten und verbündeten Kaiserstaates überschritt, war ihm vorauf die Gewißheit geflogen, daß die schweren Geschicke dieses Jahres das deutsche Reich und seine Macht nicht nur nicht erschüttert, sondern nur um so fester geeint und verbunden haben und daß der Verbündete Deutschlands mithin nicht nur auf den guten Willen, sondern auch auf die Kraft des Freundes zählen darf. Die öffentliche Meinung von Oesterreich-Ungarn hat dies wohl erkannt und verstanden. Einstimmig begrüßt die Presse von Wien und Pest unter den Eindrücken von Stuttgart, Konstanz und München in dem Besuch des Kaisers die feierliche Bestätigung und Bekräftigung des Friedensbundes, in dessen Dienst das dauernd fest geeinte Deutschland seine volle Kraft stellt; die Verheißung Kaiser Wilhelms II., in den Wegen seines Großvaters wandeln zu wollen, gilt jenen Zeitungen mit Recht als eine willkommene Bürgschaft der Fortdauer friedlicher Verhältnisse. So erscheint unser Kaiser in Wien *7^ . Gast des ngjsn'hrff» -ober auch herzlich ...........111 " Psfl^"^"'!! die in ihm den Burgen auch ihre., Rwlnm.
die Aufnahme innerhalb des Reiche? Werws. das Gepräge eines glänzenden, aber ersehnten Familienfestes, so richtet die Herzlichkeit des Empfanges in Wien ihre Sprache an das gesammte Europa und sie wird verstanden werden in Ost und in West.
UsiMsche NacheichtsK.
(Die K a i s e r r e i s e.) Wien, 5. October. Der gestrige Empfang des diplomatischen Corps durch Se. Majestät den Kaiser Wilhelm im Palais der deutschen Botschaft begann um 2 Uhr. Zunächst wurden die Botschafter einzeln, sodann die Gesandten und Geschäftsträger gemeinsam vom Kaiser empfangen und zwar als erster der Nuntius Galimberti, mit welchem Se. Majestät sich etwa eine halbe Stunde unterhielt. Nach dem diplomatischen Corps wurden Deputationen der reichsdeutschen Vereine.WienS empfangen. In die Residenz zurückgekehrt, begab der Kaiser sich mit dem Kaiser Franz Joseph zum Empfang der österreichischen Generalität, welche sich in der Burg versammelt hatte. Zu der Vorstellung hatten sich 38 active Generale unter der Führung des Kriegsministers Baron Bauer eingefunden. Nachdem die Kaiser mit glänzendem militärischen Gefolge erschienen waren, trat der Kriegsminister Baron Bauer vor und hob in einer Ansprache hervor, daß es ihm zur hohen Ehre gereiche, Sr. Majestät dein Kaiser Wilhelm die in Wien befindlichen activen Generäle vorstellen zu dürfen, worauf Kaiser Wilhelm seinen Dank aussprach, dem Kriegsminister die Hand reichte und bat, mit der Vorstellung zu beginnen. Kaiser Wilhelm
auch ein Päckchen in Zeitungspapier eingewickelt und mit altem Strumpigarn fest umwickelt. DaS suchte sie hervor und wachte eS los; eine kleine Düte, auf welcher ein Todienkopf gedruckt stand, kam zum Vorschein. Eord hatte vor einiger Zeit das Päckchen mit von Emden gebracht, um einigen Mäuslein, die sich in der Hütte gezeigt hatten, den Garaus zu machen. Antje öffnete die Düte, tippte mit dem «abgemachten Zeigefinger hinein und führte ein weißes Körnchen an die Lchpen.
„Dat is säut, als de Dod! De Müs könnt lewen blieben; ik krieg min Rau.* (F. f.)
— In echt neapolitanischer Weise wird der Kaiser Wilhelm am blauen Golf von Neapel mit einer Serenade begrüßt werden, welche von hundert Mandoltnspielern und Sängern aufgeführt werden soll. Einer der bekanntesten Neapeler Volks- dichter hat die Worte gedichtet, welche in der Uebersetzung aus dem Dialect also lauten:
„Dies Gestade der Sirenen, Dieser Himmel, diese See Wo der Frühling nimmer endet, Wo man wähnt das Reich der Fee, Dieses Heimathland der Liebe, Das nichts seines Gleichen fand, Grüßt von Herzen Dich; es grüßt Dich Laut Neapels goldner Strand.
Und es rüst Dir dieses Willkomm
Jedes Ding in weiten Rund: Himmel, Erde, Blätter, Blüthen Thun Dir dieses Eine kund.
O wie oft doch stiegen weiland Fremde Fürsten hierher nieder,
reichte hierauf jedem einzelnen der vorgestellten Generäle die Hand und zeichnete fast alle durch eine Ansprache aus. Nach der Vorstellung verabschiedete sich Kaiser Wilhelm in herzlicher Weise von den Vorgestellten und zog sich in seine Gemächer zurück. — Kaiser Wilhelm hat ferner den Minister Grafen Kalnoky in längerer Audienz empfangen, Kaiser Franz Joseph zu gleicher Stunde den Grafen Herbert Bismarck, bei welchem auch das gesammte diplomatische Corps Wiens vorgesprochen hatte. Am Abend fand im großen Redouten- saale ein glänzendes Festmahl statt. Kaiser Wilhelm saß zwischen dem Kaiser und der Kaiserin von Oesterreich in österreichischer Uniform, der Kaiser Franz Joseph und die Erzherzöge, welche Chefs preußischer Regimenter sind, waren in preußischer Uniform. Nach dem vierten Gange erhob sich der Kaiser Franz Josef und sprach Folgendes:
„Ich gebe Meiner innigen Freude und Meinem Danke Ausdruck, daß es Mir gegönnt ist, Se. Majestät den Kaiser Wilhelm in Unserer Mitte zu begrüßen. Mit den Gefühlen jener herzlichen, treuen, unauflöslichen Freundschaft und Bundesgenossenschaft, welche Uns zum Besten Unserer Völker vereint, trinke Ich auf das Wohl Unseres Kaiserlichen Gastes. Der Allmächtige geleite Ihn auf der Bahn, die Er mit jugendlicher Kraft und männlicher Weisheit und Entschiedenheit betreten. Se. Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen, Ihre Majestät die Kaiserin und Königin und das Königliche Haus leben hoch!"
Beide Monarchen ließen darauf ihre Gläser aneinander klingen, die Musik spielte die preußische Volkshymne.
Kaiser Wilhelm erwiderte:
Ew. Kaiserlichen Königlichen Majestät spreche Ich für die huldvollen Worte aus gerührtem Herzen Meinen innigsten Dank aus und- freue Mich besonders, dies an Ew. Majestät Namenstag thun zu können. Nicht als Fremder bin Ich hierhergekommen, sondern, schon seit Jahren durch Ew. Majestät Güte ausgezeichnet, führe Ich ein heiliges Vermächtniß Meines in Gott ruhenden Großvaters aus. In dem Gefühle bewährter, unverbrüchlicher Freundschaft erhebe Ich Mein Glas und trinke auf das Wohl Meines hochverehrten Bundesgenossen, Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich und KönigS von Ungarn, Ihrer Majestät der Kaiserin und des gc- sammten Kaiserlichen Königlichen Hauses!"
Die Musik intonirte die österreichische Volkshymne. Alle anwesenden Herrschaften hatten die Toaste stehend angehört und nahmen nun wieder ihre Plätze ein, erhoben sich jedoch sofort aufs Neue, als Kaiser Franz Josef nochmals das Glas ergriff und sprach:
„Gestatten Mir Ew. Majestät, daß Ich das Glas erhebe auf Ew. Majestät Armee und auf das leuchtendste Muster aller militärischen Tugenden ein Hoch ausbringe. Unsere demsch-" Kameraden, sie leben hoch, hoch, i -
Jeder der Hochrufe wurde vonder^gWwM»^»lrunj)e stürmisch wiederholt. Kaiser Wilhelm verneigte sich, Uey» Sein Glas an dasjenige des Kaisers Franz Josef anklingen, verbeugte sich vor der Kaiserin und erwiderte:
„Ich trinke auf das Wohl der österreichisch-ungarischen Armee, Unsere Kameraden von der österreichisch-ungarischen Armee, sie leben hoch, nochmals hoch, dreimal hoch!"
Auch hier fand jedes Hoch ein hundertfaches Echo. Der spätere Abend versammelte die fürstliche Gesellschaft zum Thee im Palais des Erzherzogs Carl Ludwig.
Freitag früh gegen 7 Uhr begab sich der Kaiser Wilhelm mit dem Kronprinzen Rudolf nach dem Thiergarten in Lainz, um dort einige Stunden zu pürschen. Von Lainz begab sich der Kaiser nach Schönbrunn, wo der König von Sachsen, sowie Prinz Leopold von Bayern bis zu der Abreise nach Steiermark Aufenthalt genommen hatten. Der König von Sachsen stattete sogleich nach seiner Ankunft dem Kaiser Wilhelm einen Besuch ab, welchen derselbe sofort erwiderte. Mittags fand in Schönbrunn ein Dejeuner statt, woran auch die Kaiserin und die Kronprinzessin theilnahmen. Um 2 Uhr 54 Min. traten dann die Kaiser Wilhelm und Franz Josef, der König von Sachsen, der Kronprinz Rudolf, der Groß-- Herzog Ferdinand von Toskana und der Prinz Leopold von Bayern nebst Gefolge vom Hetzendorfer Bahnhof aus die Fahrt nach Mürzsteg an. Das große Gefolge des Kaiser- Wilhelm bleibt bis zum 10. October in Wien und begibt sich sodann nach Mürzzuschlag, von wo der Kaiser Wilhelm nach Rom abreist.
Um sie ungezähltes Kriegsvolk Blank in Stahl gehüllt die Glieder!
O, wie oft sind sie gekommen Aus der Fremde bis hierher, Unsern Frieden uns zu rauben. Unsre Freiheit und noch mehr! Jene Zeiten sind vorüber, Alle Furcht ist abgethan! Güt'gen Herzens kommst Du zu uns, Dir gehört Neapel an!
Könnte dieser Mund Dir Alle», Was er wünschet, heute sagen Könnten diese Reime alle» Dir zu offenbaren wagen, Könnten die Gedankenschaaren Frei zu Deinem Ohre dringen, Ach, e» würd' an Zeit uns fehlen, Dir genügend nur zu singen:
Vivat! — Wenn Du heimgekehrt, Werde dies zuerst entschleiert: Nur ein Fest des Herzens war eS, Das Neapel Dir gefeiert."
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