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Hersstliitt Klkishsött.
__________Mit wöchentlicher Kratis-AeLlage „IllustrirLes AnLerhattungsölatt".
Nr. 119. Dienstag den 9. Oktober 1888.
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Hrrsfetdrr Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Jllustvirtes Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1888 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Cassel, den 27. September 1888.
Es ist zu meiner Kenntniß gekommen, daß in wiederholten Fällen Bürgermeister in ländlichen Ortschaften an Zigeuner und andere ohne ausreichende Legitimationspaptere im Lande umher- ziehende Personen auf deren Ansinnen Bescheini- S ausgestellt haben, welche denselben als is über ihre Person dienen und somit den Mangel gehöriger Legitimationspapiere ersetzen sollen. Durch diese Bescheinigungen wird theils bezeugt, daß der Vorzeiger angeblich die Ertheilung eines Gewerbescheins beantragt habe, theils, daß er seinen Gewerbeschein mit dem Anträge auf Ausdehnung für den Umfang des Regierungsbezirks hierher eingesandt habe, theils endlich, daß er zu einem gewissen Zeitpunkt innerhalb des Gemeindebezirks übernachtet und sich gut geführt habe.
Durch Vorzeigung solcher Bescheinigungen werden andere ländliche Ortsbehörden, welche in der Regel mit den Bestimmungen über die Berechtigung zur Ausübung des Wandergewerbes oder über das Verbot des zwecklosen Umherziehens nicht hinreichend vertraut zu sein pflegen, leicht ge
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im richtigen Knrs.
Von Helene P t ch l e r. (Fortsetzung.)
Auf dem dämmerigen Loden angekommen, setzte Antje sich auf ein zusammengebrochenes Faß nieder, stützte den Kopf und starrte in eine Ecke. In der Natur draußen wehten bereits herbstliche Stürme, hier aber unter dem Dache lag über dem staubbedeckten Gerumpel eine dumpfe, brütende Luft, die Kopf und Brust bedrückte.
Lange saß Antje in trostlose Gedanken versunken unbeweglich; daß sie um aufzuräumen hier heraus- gekommen war, hatte sie ganz vergessen. Zwischen den Dachsparren webte eine verspätete Spinne an ihrem Netze; „läuft (warte) tk führ dt in bin Hus as de Stormwind,' murmelte das unglückliche Weib und hob die Hand, um das Spinnennetz zu zerstören. Aber die Hand sank herab, ohne das grausame Werk ausgeführt zu haben. Antje schlug beide Hände vor's Gesicht und stöhnte tief au*. Um das Haus wüthete der Sturm, die Dachbalken knarrten, die Spinnenweb schwebte leise hin und her. Antje schauderte zusammen und klomm die Leiter wieder herab, ohne oben etwas angerührt zu haben. Was sollte sie beginnen? Ihre Glieder waren schwer und sie war so müde, o so müde; schon seit vielen Wochen war sie müde und sehnte den Schlaf herbei, einen tiefen, traumlosen, schweren Schlaf. Ob es einen solchen Schlaf wohl gab, wie sie ihn sich wünschte? — Dann würde sie
täuscht und zu der Annahme verleitet, daß der Vorzeiger ausreichend legitimirt sei.
Die Ausstellung derartiger Bescheinigungen ist somit dazu angethan, das Landstreichen, insbesondere auch das zwecklose Umherziehen der Zigeuner, zu begünstigen und widerspricht also den Bestimmungen, welche höheren Orts hinsichtlich des Einschreitens gegen umherziehende Zigeuner erlassen worden sind.
Euer Hochwohlgeboren 2c. ersuche ich ergebenst, die Bürgermeister Ihres Kreises über die MiM läffigkeit eines derartigen Ä-rfuhren^ gefälligst zu belehren, ihmu 4ie-schwere Verantwortung vor Augen zu führen, welche sie durch Ausstellung von Bescheinigungen über zweifelhafte Thatsachen an unbekannte Personen übernehmen, und ihnen unter Strafandrohung zur Pflicht zu machen, daß sie die Ausstellung derartiger Bescheinigungen an solche Personen, welche weder ortsangehörig noch ihnen persönlich bekannt sind, in Zukunft unterlassen.
Der Regierungs - Präsident.
I. V.: Schwarzenberg.
An sämmtliche Königliche Landräthe des Regierungsbezirks, außer Witzenhausen und Schmalkalben. I. Nr. A. II. 11673.
*
Hersfeld, den 5. Oktober 1888.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und mit der Auflage mitgetheilt, sich jeder Ausstellung von Bescheinigungen an solche Personen, welche weder ortsangehörig noch persönlich bekannt sind, zu enthalten.
Nichtbeachtung dieser Verfügung würde ich mit Ordnungsstrafen ahnden.
9935. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 5. October 1888.
Den Herren Ortsvorständen der Landgemein-1
nichts wissen von Cord und von Jost, nichts von der ganzen Welt, das wäre das Beste.
Ein Krachen dröhnte durch die Hütte. Antje zitterte am ganzen Leibe, und wagte nicht, sich umzusehen. War Cord zurückgekommen? Nein, Gottlob, es war nicht ihr Mann, der Wind hatte nur eine Thüre zugeschlagen. O, wie sie den Mann haßte! Bit, es hatte doch niemand den furchtbaren Gedanken in ihrer Seele gelesen? Nein, sie haßte ihn nicht, sie hatte ja keinen Grund zum Haß.
Sich selber mußte sie Haffen, verabscheuen. Was hatte sie denn verbrochen, daß sie so elend war, so namenlos elend? Nichts, gar nichts. Nicht einmal war Jost in ihr Haus gekommen, wenn Cord abwesend war, seinen Mund durste sie nicht berühren. Nur ein einziges Mal hatte sein Arm um ihre Schulter gelegen. Ein einziges Mall Das war an jenem Vollmondabend im Garten — Antje schauderte in der Erinnerung. Was hatte sie sich zu schulden kommen lassen? Floh sie nicht seit jener Stunde vor Jost wie vor der Sünde?
Und doch! Und doch! schrie es in dem unglücklichen Weibe. Da drinnen wühlte das heimliche Verlangen, die Sehnsucht nach dem unerlaubt geliebten Manne; da drinnen quälte das Bewußtsein, die tägliche Pflicht vernachlässigt, den rechtmäßigen Gatten tief unglücklich gemacht zu haben. A u ch e r l t t t. Sie wußte es, obwohl er sich Mühe gab, durch Freundlichkeit noch immer das furchtbare Weh zu verbergen. Kein einziges Wort
den 2c. des Kreises sende ich in den nächsten Tagen die nöthigen Formulare nebst einem Ablieferungsschein zum Zwecke der am 2. November d. J. in Gemäsheit des §. 11 des Reglements vom 14. Januar 1882 (Amtsbl. S. 59) zu bewirkenden Aufnahme des Pferde- und Rind- viehbestandes mit der Weisung zu, nach Aufstel- lung der Verzeichnisse nach den Vorschriften des All des gedachten Reglements weiter zu verfahren, und solche -iwrm bis zum 1. Dezember d. I. zur Prüfung und Feststellung mir einzureichen.
Auf Grund des §. 9 des Reglements wird auch pro 1889 von der Erhebung einer Abgabe für Pferde rc. abgesehen, jedoch ist die Aufnahme des Pferde- 2C. Bestandes gleichwohl erforderlich, nur bleibt die Rubrik für den Abgaben-Betrag unausgesüllt.
Für jedes Stück Rindvieh beträgt die einfache Abgabe pro 1889 — 5 Pfennig.
Die Ablieferung des Hauptbetrages hat bis zum 15. Februar k I. an die ständische Schatzkasse zu Cassel, nach Abzug von 2 °/0 Er- Hebegebühren, mittelst des Ablieferungsscheines, ohne Beifügung des Specialverzeichnisses des Viehbestandes unter der besonderen Bezeichnung „Viehseuchesache" mit dem Vermerk „portopflichtige Dienstsache unfrankirt" zu geschehen.
9937. Der Königliche Landrath ____________ Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 5. October 1888.
Für den am 10. Dezember 1870 geborenen Friedrich Otto Zinn zu Philippsthal ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
9974. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 8. October 1888.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden
des Vorwurfes oder der Klage war über Cord's Lippen gekommen. Wenn er doch hätte schelten oder toben wollen, daß sie sich dagegen auflehnen könnte. Aber eS blieb ein stummes Nebeneinanderleben in schrecklicher Seelenqual. — Dazu flüsterten und raunten schon die Nachbarn allerlei Wahres und Unwahres.
Antje war an's Fenster getreten und schaute in den Aufruhr der Elemente, es raste in den Lüften, tiefhängende schwarze Wolken wurden durcheinander gejagt. Die See wälzte ihre schäumenden Wogen donnernd gegen die Insel.
O, wie war es dunkel ringsum, nirgends ein Lichtstrahl, nirgends eine Hoffnung.
Noch einmal rosste sich Antje auf. Sie holte eine Jacke ihres Mannes hervor, in deren Aermel schon seit acht Tagen ein großes Loch sich befand; Cord hatte heute beim Fortgehen diese Jacke anziehen wollen, sie aber wieder weggeworsen, weil das Loch noch immer nicht geflickt war. Nun hastete sie darüber her mit Nadel und Faden. Plötzlich aber starrten ihre Augen auf die Näherei ---sie hatte einen Flicken von I o st' s Sonntagszeug auf Cords Arbeitsjacke gesetzt. Laut lachend schleuderte sie alles von sich. Glühende Funken begannen vor ihren Augen zu tanzen.
„Cord! Jost! Cord! Jost!'
Diese beiden Namen sprachen ihre Lippen laut vor sich hin, während sie ruhelos durch die Hütte wanderte: aus der Stube in die Kammer, von da in den Schafstall und wieder zurück. Hülfesuchend irrten ihre Augen umher, sie faßte nach hundert