Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal

Dienstag, Donnerstag und Sonnabend AbonnementSpreiS;

vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postausschlag.

Die JnsertionSgebühr« betragen für den Raum cintr^Lpalizeiie 10 Pfg., im amtlichen Theile 16 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.' Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hklsftliier Kreisblßtt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Zlnterhaltungsblatt".__________

Nr. 118. Sonnabend den 6. October 1888.

Wonnements-ßinladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1888 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief, trägern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Für die Wahlen zur siebenzehnten Legislatur- Periode des Hauses der Abgeordneten habe ich auf Grund der §§. 17 und 28 der Verordnung vom 30. Mai 1849 (Ges. Sammt. S. 205) als Wahltermine und zwar für

und für die Wahl der Abgeordneten den 6. November d. I. festgesetzt, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Berlin, den 23. September 1888.

Der Minister des Innern. Herrfurth.

Hersfeld, den 1. October 1888.

Der Ackermann Heinrich Fischer V. zu Rans- bach ist als Bürgermeister dieser Gemeinde auf 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.

9875. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 2. October 1888.

Die Nummerliste der auf den 1. Januar 1889 gekündigten 3/2 °/0 Staatsschuldscheine von 1842 liegt im Geschäftslokale des hiesigen Land»

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Im richtigen Kurs.

Von Helene Ptchler.

(Fortsetzung.)

In dem Moment, wo Niklas und Johann drunten den Besinnungslosen in Empfang nahmen, schlug dieser die Augen aus, und durch das Tosen und Wüthen der Elemente drang ein Schrei in die Lüste: »Cord! Cord?

War das ein Schrei aus Höllengründen? O nein! Es däuchte dem Mann droben im Wirr­warr des Schiffbruches, er habe niemals so süße, wonnevolle Töne gehört. Er gönnte sich einen Moment Rast in seiner Arbeit, um herabzuschauen in das schwankende Boot, wo der Gerettete lag, dessen Sinne abermals schwanden: er winkte hinab und sagte leise:ja, ik bin Cord?

Nach weiteren fünfzehn Minuten waren die übrigen Schiffbrüchigen wohl geborgen.

Welch seltsames Ding ist doch der Mensch? Was find Entschlüsse und Entwürfe? Von Cords Rachegedanken war nicht ein Ständchen, nicht ein Atom zurückgeblieben. Statt mit voller Ueber- legung den Gegner zu vernichten, hatte er sein eigenes Leben gewagt, um das des Gehabten zu retten. Hatte er mit Ueberlegung gehandelt? nicht vielmehr höheren Gesetzen gehorchend? Er wußte es nicht, er wellte es nicht wissen. Er hatte jetzt überhaupt keine Gedanken, nur Empfindungen und diesen folgte er blindlings.

Nur nicht aus halbem Wege stehen bleiben.

rathsamtes sowie auch in denjenigen der König- lichen Steuerkassen des Kreises während der Dienststunden den Inhabern zur Einsicht offen.

Zugleich mache ich auch auf die diese Nummer­liste betreffende Bekanntmachung der Hauptver­waltung der Staatsschulden vom 4. d. M., ab- gedruckt auf Seite 203/4 des diesjährigen Amts­blatts, aufmerksam.

9866. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 2, October 1888.

Die Nummerliste der zum 1. April 1889 aus- geloosten Schuldverschreibungen der Staats­anleihen von 4852, 1853 und 1862 liegt im Geschäftslokale des hiesigen Landrathsamtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuer- kassen des Kreises während der Dienststunden den Inhabern zur Einsicht offen.

Zugleich mache ich auch auf die diese Nummerliste -MrMnde Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 5. d. Mts., abgedruckt auf Seite 203 desdiesjährigen Amtsblatts, aufmerksam. 9867. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Zur Aaiserreise.

München, 2. October. Bei dem heutigen Galadiner im Ballsaale saßen rechts von Sr. Majestät dem Kaiser die Königin-Mutter, der Her­zog von Genua, Prinzessin Gisela, Prinz Arnulf, Prinzessin de la Paz, Prinz Alfons, Prinzessin Elvira, Herzog Carl Theodor, Herzogin Max Emanuel, Herzog Ludwig und der preußische Ge­sandte Graf Rantzau, links von Sr. Majestät hatten Platz genommen die Königin Jsabella von Spanten, der Prinzregent, die Herzogin von Genua, Prinz Leopold, Prinzessin Adalbert, Prinz Louis Ferdinand, Herzogin Karl Theodor, Herzog Max

Was angefangen ist, muß vollendet werden, vollendet, bis----------

Das Boot stieß ab, dicht hinter ihm krachte das Wrack vollends zusammen, das Meer verschlang die Reste.

Wie so ganz anders als die Ausfahrt gestaltete sich die Rückfahrt. Wohl hatte das überladene Boot große Mühe, um ohne Fährniß durchzu- kommen, doch Wind und Seegang waren mit ihm und die Fahrt ging dennoch schnell von statten. Die sieben Männer sprachen nur das Nöthigste, nur was Bezug auf den Gang des Fahrzeuges hatte. Was konnten auch Menschenworte bedeuten gegenüber der grauenvollen Stimme des Schick­sals, die sie im Wirbel- und Meeresbrausen noch immer hörten.

Cord, dessen Augen blitzten, stand aufrecht, mit der Linken auf das Fahrzeug gestützt, er komman- dirte mit gedämpfter Stimme, als fürchte er, einem Kranken wehe zu thun, Jost, der sich noch sehr schwach fühlte, saß hinten auf dem Steuer- bänkchen neben Niklas, durch einige Persennigs (getheertes Segeltuch) vor dem einschlagenden Wasser geschützt und brütete still vor sich hin. Nur wenn Cord ihn anrief: »Jost nimmn Droppen? oder: »Jost, min Jung, dat's gau glückt? Dann hob er den Kops und nickte dem alten Freunde zu. Cord lachte dann wohl ver­stohlen in sich hinein, als wenn er einen besonders schönen Gedanken, eine freudige Ueberraschung zu verbergen habe. Gleich darnach fuhr aber seine schwielige Hand über seine nasse Stirn und unhör«

Emanuel, Herzogin Amalie und Herzog Ernst von Meiningen. Gegenüber dem Kaiser saßen Oberst- marschall Malsen und Staatsminister Graf Herbert Bismarck. Außerdem nahmen an dem Diner daS gesammte Gefolge Sr. Majestät, die zum Ehren­dienst commandirten Herren, die Minister, sowie beide Bürgermeister Theil. Die Musik wurde vom Leibregiment und dem 1. Infanterie-Regiment ge­stellt. Gegen Ende der Tafel erhob sich der Prinz- regent, dankte Sr. Majestät für Allerhöchstdeffen Besuch herzlichst und trank auf das Wohl des Kaisers und der Kaiserin Augusta Victoria. Die Musik intonirte die preußische Nationalhymne. Se. Majestät erwiderte sofort mit folgenden Worten:

Alb durch des Himmels unerforschlichen Nathschluß Ich nach dem Tode Meines geliebten Großvaters und Vater- auf den Kaijerthron berufen wurde, legte sich schwer« Sorge auf Mein Herz Angesichts der großen Verantwortung Meines neuen Amtes. Diese Sorge wandelte sich indeß bet ernster Pflichterfüllung bald in Genugthuung an Meinem Beruf.

Ew. Königliche Hoheit waren e8, der in hochherzigster Weise die altbewährte Freundschaft, welche Sie mit Meinem verewigten Großvater verband, auf Mich übertrugen. Wie damals im Jahre 1870 daS bayrische KönigShaus den ersten Schrit zum Neuerstehcn unserer geeinten Vater­landes that, so hat Ew. Königliche Hoheit daS Beispiel für Deutschlands Fürsten gegeben und haben alS Erster Mir Ihren Rath und Ihre Freundschaft in kräftigem Hand­schlag dargeboten.

Mit dem innigsten Dank für diese wahre FreundeSthat verbinde ich den Dank, der aus vollem Herzen kommt, unter dem überwältigenden Eindruck des großartigen Empfanges JhreS Hauses und Ihres Volkes.

Ich ergreife gern diese Gelegenheit, um Ew. Königliche» Hoheit Meine Gefühle wärmster und herzlichster Freund­schaft auszudrücken und zu versprechen, daß Ich in Hohen- zollernscher Treue mit dem Hause Wittelsbach und dem braven Bayernvolk« in engstem Bunde zusammenstehen werde, in guten wie in bösen Tagen. Denn eS erheischen die hohen Ausgaben unseres großen deutschen Volkes und Vaterlandes, daß alle Kräfte zu dessen gemeinsamen Nutzen und Heile eingesetzt werden, welches nur dann möglich ist, wenn die Fürsten des Reichs in fester Gemeinschaft Schul­ter an Schulter vertrauensvoll bei einander stehen.

bar stiegen aus tiefster Seele die Worte auf CordS Lippen: »O Gott, wo is dat swoar? Ein anderes Mal rief er Niklas zu:giff dat Dook 'n beten mehr Lust/*) seine Stimme klang fest und be­stimmt, aber leise, fast verzagt, kamen die Worte hinterdrein: »O dat mott jo sin; nu graul Di nich/

Was aber sein mußte, was dem starken Cord Grauen einjagte das hörte und erfuhr keiner von den Männern im Boot, das blieb CordS innerstes Eigenthum.

Das Wetter war verrauscht, die schweren Wolken- müssen im Osten wurden von der im Westen sinkenden Sonne mit Purpur übergossen, Millionen Funken sprühten auf den Wellenköpfen des dumpf grollenden Meeres ganz leise, allmählich kam der Frieden über die aufgeregte Schöpfung. Die Möven zogen wieder ihre ruhigen Kreise, auf den Dünen nickte der Sandhafer im Abendwinde und schwach und schwächer leckte die See an dem feuchten Strande hinaus; es war Ebbezeit, Niedrigwaffer, Stille, Friede,

DaS Boot war gelandet, rüstigen Schrittes gingen die sieben Männer die nassen Dünenwege entlang dem Sorte zu. Als sie die ersten Häuser erreicht hatten, blieb Cord stehen und faßte Jost am Aermel.

»Lat mi vörgahn; et is man wie! Antje

*) Gieb dem Segel etwa» mehr Lust, d, 6. mache »u

Segelfläche größer.