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Die Jnsertionigebührm
Mit wöchentlicher KraLis-Aeilage „Illustrirtes AnLerl-akLungsölaLL".
Nr. 117» Donnerstag den 4 Oktober
1888.
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HersfeLder KreisMatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Mustrirtes Unterhattungsblatt" pro IV. Quartal 1888 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Gesunden: 1) ein Halstuch, 2) eine Peitsche. Meldung der Eigenthümer bet dem Ortsvorstand zu Oberngeis.
# Des Kaisers Siegeszug.
Die Reise unseres Kaisers nach Stuttgart, die Fahrt durch das schwäbische Land bis zum Bodensee, der Empfang in Konstanz und München sind im wahrsten Sinne des Wortes nationale Festtage geworden, der gewaltige Hintergrund zu dem glänzenden Bilde, das die erlauchte Fürstenversammlung am 25. Juni im Weißen Saale des Berliner Schlosses darbot.
„Schöner und großartiger denn je," sagt König Karl von Württemberg in seinem Dankerlaß an den Oberbürgermeister von Stuttgart, „war der Willkommen, welchen Schwaben dem erhabenen Gaste entgegengebracht hat. Die Zeichen, wie unser Volk die Verehrung und Zuneigung, welche es für den Großvater und Vater hegte, auf den Enkel übertragen hat, und die Huldigungen, welche Sr. Majestät dem Kaiser dargebracht wurden, haben Wir, die Königin und Ich, als einen Uns gewordenen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im richtige« K«r».
Von Helene Pichler.
(Fortsetzung.)
Das Wort und der Ton sagten genug, Niklas mit der Flasche in der Hand, Johann, der wieder am Steuer saß, wandten sich schnell rückwärts und — tief am Horizonte, da wo die finstern Wolkenmassen mit den wilden Wogen in Eins zu- sammevflutheten, erkannten ihre scharfen Seemannsaugen ein schwarzes Fleckchen und ste erkannten auch das Fleckchen als ein beschädigtes, mit dem Seegang schwer kämpfendes Schiff.
Was für ein Schiff, das vermochten sie freilich noch nicht zu erkennen. Welcher Nationalität es aber auch angehören, welchen Namen es tragen mochte, sein Schicksal bot der äußeren Erregung genug für Cord, um der inneren Erregung Herr zu werden.
Da war das furchtbare Etwas. Das Schicksal kam dem unglücklichen Cord zu Hülfe. Nun zeige Deine Kraft, Du Mann der That! Hier, hier ist Etwas, das noch schlimmer, tausend Mal schlimmer ist, als Dein eigenes Leid. Todesnoth. Handle! Schaffe! Rette!
Nein, so dachte Cord nicht, wenigstens nicht mit klarer Ueberlegung. Er folgte nur dem in- stinctiven Zuge seines Herzens, wenn sein ganzes Sein stch mit einem Male dem Drama, das da in Sturm und Noth vor seinen Augen sich abspielte, zusvand; er folgte, ohne es zu wissen, dem großen
Beweis von treuer Anhänglichkeit empfunden." Beredter als in diesen Worten des Königs kann die schöne Einheit der deutschen Fürsten und deutschen Stämme kaum zum Ausdruck gebracht werden, zugleich das glänzendste Zeugniß für die Richtigkeit der Politik, welche Kaiser Wilhelm I. und sein Kanzler zur Grundlage des deutschen Einigungswerkes gemacht haben. „Wir wollen kein verstimmtes, wir wollen ein freiwilliges Bayern . . ," — diese in Versailles zu dem bayrischen Ministerpräsidenten Grafen Bray gesprochenen Worte sind die Basis der Politik gewesen, welche heute auf den 25. Juni d. J. und auf den unbeschreiblich glänzenden und, was mehr noch: unbeschreiblich begeisterten Empfang des Kaisers in Süddeutschland mit Genugthuung zurückblicken kann.
Selbst französische Blätter können nicht umhin einzugestehen, daß diese Reise „ein großer Erfolg" für den Kaiser gewesen, alle Specu- lationeu und alle Versuche von Innen oder Außen, das Reich zu erschüttern, haben sich damit als völlig hinfällig erwiesen.
Als Kaiser Wilhelm I. im September 1885 von Stuttgart Abschied nahm und auf der Freitreppe des Bahnhofs sich den versammelten Tausenden zum letzten Gruße zuwandte, da schallte ihm von allen Seiten der einmüthige Ruf entgegen: Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen, Majestät! Der Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen: drei Jahre sind verflossen und der schwergeprüfte Enkel stand an der Stelle, von welcher das ehrwürdige Antlitz Kaiser Wilhelms I. zum letzten Male das schwäbische Volk und Land, Stuttgart und seine reben- umkränzten Höhen grüßte. Aber der Jubelrus, der Kaiser Wilhelm II. empfing, die fast rührende Bethätigung der Festfreude der gesammten Einwohnerschaft, die Herzlichkeit der Aufnahme, in welcher Hof und Bürgerschaft wetteiferten, sie
Characterzuge des Friesenstammes, der sich selbst und das eigene Leben vergißt, wenn ein anderes Leben in Seegetahr kämpft.
Von „Landwärts" war nun keine Rede mehr. In stummer Uebereinkunft handelten die Männer im Boot. Vorwärts durch Wind und Wellen lautete ihre Parole. Ihre Fahrt hatte nun doch einen Zweck und derselbe hieß: Hülse, Rettung!
Sie ließen noch etwas „Tuch fallen". Sofort faßte der noch immer hart wehende Nordwest so kräftig in das Segel, daß das Boot von dem starken Drucke auf die Seite gelegt wurde. Und in dieser Lage, mit dem einen Lordrande frei- stehend, mit dem andern tief im Wasser pflügend, schoß das Fahrzeug durch die heftig andringenden Wellen. Die drei Fischer verwandten kein Auge von dem schwankenden Wrack, dem sie unter übermenschlicher Anstrengung allmählich näher rückten. Cords Augen waren völlig klar. Kopf und Herz hell und ruhig geworden.
Jetzt waren sie soweit nahe gekommen, daß sie das verunglückte Schiff als ein Fahrzeug von ihrer Insel zu erkennen vermochten.
„Wer is buten (draußen)?" fragte Cord die Gefährten.
„Wilm Klasen wer mit de Betterschaft von Morgen to gange sagte Johann und legte die Hand über die Augen, um schärfer zu sehen.
„ - Jo, un I o st gung mit em —" ergänzte Niklas. -
Jost?"
Durch die breite, feste Gestalt Cords lief ein
beweisen, daß in den Gauen Schwabens ebenso wie in den heimischen Marken und an den Gestaden der Nord- und Ostsee unser jetzt regierender Herr das kostbare Erbe der Liebe und Verehrung, die seinem unvergeßlichen Großvater zu Theil geworden, voll und ganz überkommen hat. Und wie in Württemberg so in Baden und Bayern. Geleiteten den Kaiser auf seiner Fahrt durch Schwaben zum Bodensee die Erinnerungen an den glorreichen Weg, den sein Haus vom Fels zum Meer durchmessen: die stattliche Hohen Zollern-Burg auf der schwäbischen Alp, in Konstanz die Stätte der Belehnung des Burggrafen Friedrich von Nürnberg mit der Mark Brandenburg durch Kaiser Sigismund, so trat ihm von Lindau nach München und dann in der bayrischen Hauptstadt selbst das Gedächtniß der treuen Bundesgenossenschaft zur Seite, welche im Jahre 1870 so unerreichte Erfolge erringen und Kaiser und Reich begründen half. „Vom Fels zum Meer," der Wappenspruch seines Hauses, schmückte die Nacht „Hoheuzollern," welche den Kaiser über die Ostsee und noch vor wenigen Tagen von Bremerhaven zu dem mächtigen Reichsbollwerk am Jahdebusen getragen; vom Meer zum Fels hat der Kaiser-Aar in diesen Tagen seinen Flug genommen, und überall die gleichen Gesinnungen der Treue und Liebe, überall die hell auflodernde Flamme des nationalen Gedankens gefunden. Wohl ist die Begeisterung kein' Factor in der Rechnung und in der mühevollen Arbeit der nüchternen Tagespolitik, aber diese Politik, soll sie wirksam sein und Erfolge erzielen, muß sich von dem Vertrauen der Nation getragen wissen. Wenn es eines Zeugnisses bedurft hätte, daß Kaiser Wilhelm dem Zweiten dieses Vertrauen des deutschen Volkes in demselben Umfange und mit derselben Hingebung zur Seite steht, wie dem großen Begründer des Reiches, Kaiser Wilhelm dem
merkliches Zittern. Durch Wellenbrausen und Windesfauchen hörten die beiden andern Männer einen tiefen Seufzer. — „I o st!"
Der unheilvolle Name rief abermals die Geister des Wahnsinns wach und wieder begannen ste in Cords Gehirn ihren tollen Wirbeltanz. Doch dies Mal fanden ste den Mann gerüstet. Cord preßte einen Augenblick seine Fäuste auf die Augen. Während dieses Augenblicks durchlebte der Mann eine Sekunde der Ewigkeit.
„Du hast ihn in Deiner Hand; Du kannst ihn stürzen, vernichten. Er wird untergehen, sterben und nicht ich, sondern der Sturm ist Schuld, der Sturm und das Schicksal. Nicht ich. Oh bewahre, ich fahre ihm ja zu Hülse, ich wollte ihn retten. Dann wird's heißen, er thar einen unglücklichen Schritt, er ließ zu früh los und — was kann nicht alles passiren in solch' schrecklichem Moment — er ist für immer verschwunden."
Cords Hände sanken herab, seine Züge trugen den Ausdruck fester Entschlossenheit. Er lächelte, wie Jemand, der über eine bedeutende Frage mit sich in's Reine gekommen ist. Nun faßte er wieder mit zu, hatte Acht aus Gang und Bewegung des Bootes und riet Johann zu: „paß up, dor kümmt 'ne See," daß der Kamerad durch einen rechtzeitigen seitlichen Druck seines Körpers auf den Vordrand in Lee das Boot in schräge Lage bringen, sich selbst vor gründlicher Durchnässung und das Boot vor Kentern (Umschlägen) bewahren konnte. Cord achtete nicht weiter darauf.
Drüben im Wogengebraus brach ja das verun«