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Hersselder Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Anterhattungsölatt^._________

Nr. 116. Dienstag den 2. Octoder 1888.

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Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage Illustrirtes Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1888 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

# Gegen die Verunglimpfe? des Kaisers Friedrich

lzen gegenüber den Bedenken des Arenen gehabt habe, während das

hat Fürst Bismarck mit Allerhöchster Ermäch­tigung wegen der Veröffentlichung oder Fälschung des Tagebuchs das Strafverfahren einleiten lassen.

In der an Seine Majestät den Kaiser gerich» teten Jmmedtat Eingabe über diese Angelegenheit führt der Reichskanzler zunächst den Nachweis, warum dasTagebuch" in der Form, wie es vorliegt, nicht echt sein kann, indem er auf viele in demselben enthaltenen Irrthümer hin» weist, welche selbst dann unerklärlich sind, wenn man berücksichtigt, daß der damalige Kronprinz betreffs der Verhandlungen über politische Vor­gänge nicht unterrichtet sein konnte, weil der Reichskanzler nicht die Erlaubniß des Königs hatte, über intimere Fragen der Politik mit dem Kronprinzen zu sprechen. Diese Irrthümer und Widersprüche rechtfertigen den Schluß, daßent­weder die täglichen Aufzeichnungen selbst oder doch spätere Vervollständigungen von Jemand aus der Umgebung des Kronprinzen herrühren." Usn Einzelnes hier anzuführen, so wird es für unmöglich erklärt, daß i Tagebuch geschrieben habe, leihung des Eisernen Kreuzes an Richt-Preußen

der Kronprinz in sein ,er setze die Ver-

mit Mühe durch", weil wie Fürst Bismarck I diese Mittheilung ganz zweifellos in die Kategorie mittheilt er noch Monate später im Auftrage1 ^^»"-u-rmnm- «nh

des Königs den Kronprinzen wiederholt zu bitten gehabt habe, mit der Verleihung des Eisernen Kreuzes auch an Nicht-Preußen vorgehen zu wollen, und er den Kronprinzen dazu nicht sofort geneigt fand, es vielmehr wiederholter Anregung Seiner Majestät bedurfte, um i die befohlene Maßregel in Fluß zu bringen. Weiter führt der Kanzler aus, daß er sich in Versailles in Fragen der Zukunft Deutschlands des Einverständnisses des Kronprinzen gegenüber den Bedenken des Kaisers zu erfreuen gehabt habe, während das Tagebuch" auf das vollkommene Gegentheil schließen läßt. Diejenige Behauptung aber des Tagebuchs", daß der Kronprinz beabsichtigt haben könne,Gewalt gegen unsere Bundesge­nossen anzuwenden und denselben eventuell die von ihnen treu gehaltenen und mit ihrem Blute besiegelten Verträge zu brechen", wird geradezu für eine Verleumdung des Hochseligen Herrn erklärt:Derartige vom Standpunkt des Ehr­gefühls wie von dem der Politik gleich verwerf­liche Gedanken mögen in der Umgebung Sr. Königl. Hoheit Vertreter gefunden haben, aber sie waren zu unehrlich, um in seinem Herzen, und zu ungeschickt, um bei seinem politischen Ver­stände Anklang zu finden." Diese und andere Irrthümer geben dem Kanzler die Ueberzeugung, daß das Tagebuch in der Form, wie es in der Deutschen Rundschau" abgedruckt ist, unecht ist.

Ob aber echt oder unecht, der Reichskanzler steht in der Veröffentlichung oder Fälschung eine gegen den Kaiser Friedrich selbst gerichtete Ver­unglimpfung und ein Preisgeben von Staats­geheimnissen. Was das Letztere betrifft, so ist die Erwägung zutreffend und schlagend, daß, wenn wirklich was der Kanzler bezweifelt der Kronprinz damals die Absicht der Gewalt gegen unsere treuen Bundesgenossen gehabt hätte,

zweifellos in die Kategorie der Staatsgeheimnisse und der Nachrichten fällt, deren Veröffentlichung den Bestand und die Zukunft des deutschen Reichs, die auf der Einig­keit seiner Fürsten wesentlich beruhen, gefährdet, also unter Artikel 92 des Strafgesetzbuchs fällt. Weiter aber erblickt der Kanzler mit Recht, falls die Veröffentlichung eine Fälschung ist, darin eine nach § 189 des Strafgesetzbuchs strafbare Beschimpfung des Andenkens des Kaisers Friedrich, welches ebenso wie das Andenken des Kaisers

Wilhelm ein werthvolles Besitzthum des Volkes und der Dynastie ist; dieses muß, wie Fürst Bismarck mit Recht erklärt,vor der Entstellung bewahrt werden, mit welcher diese anonyme, im Interesse des Umsturzes und des inneren Un­friedens erfolgte Veröffentlichung in erster Linie sich gegen den Kaiser Friedrich richtet."

Der hiermit in seinen wesentlichen Zügen wiedergegebene Gedankengang der Jmmediatein- gäbe ist ein neues Zeichen von der Klarheit und Sicherheit des Urtheils, von dem echten Patrio­tismus und der monarchischen Gesinnung des großen Staatsmannes und wird überall, wo man das Andenken Kaiser Friedrichs wirklich hoch und in Ehren hält, ebenso ungetheilte Be­friedigung hervorrufen, wie der Entschluß Seiner Majestät, ein strafgerichtliches Verfahren einzu» leiten,durch welches wenigstens die Entstehung und die Zwecke dieser strafbaren, für die hoch­seligen Kaiser Wilhelm und Friedrich und für Andere verläumderischen Publication aus Licht gezogen werden können."

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Als der Eisenbahnzug mit Sr. Majestät dem K a i s e r am Donnerstag Abend in Stuttgart einlief, flammten ringsum auf allen Bergen Freudenfeuer auf, aus den Weinbergen

^Unbefugter Nachdruck verboten.)

Im richtigen Kurs.

Von Helene Pichler.

(Fortsetzung.)

Da lag das Fahrzeug in der schützenden kleinen Ducht und richtig, da saßen auch Johann und Niklas, die Kameraden, die auf Cord warteten. Mit stummen Gruß trat der Ankömmling hinzu.

Na, fett den Boom!" (setzt den Mastbaum ein) sagte Cord, indem er. seine mit wohlgeordneten Netzen angefüllte Back niedersetzte.

Watt? büs'överspönig" wann? Dat't bi dat Wäer rut willst?" (Bist Du verrückt geworden, daß Du bet diesem Wetter aus Wasser willst) fragte Johann.

Aber Cord antwortete giftigen ToneS:Wat kamm' Ji dann her, wenn Jt nich mit wöllt?

Ohne weitere Reden machten sich die beiden Fischer daran, das Boot zu rüsten.

Wenn's für Cord nicht zu schlechtes Wetter war, wollten sie ganz gewiß nicht zurückbleiben; sie waren ja ledig, hatten weder für Frau noch Kind zu sorgen und sie dursten Cord nicht allein hinaus lassen. Wie sah der Mann aus? Sein gesundes rothes Gesicht war grau, wie der Himmel über ihnen und eben so wild zerrissen, wie die jagenden Wolken da oben. Nein, d e n Mann durften sie nicht allein ausfahren lassen, der wäre vielleicht nicht wieder zurückgekommen.

So, derBaum" war gesetzt, das Segel mit zwei, nein, drei festen Raffen versehen, konnte

dem Boote nicht gefährlich werden, denn eS bot dem Winde nur eine geringe Druckfläche dar.

Ueberdies, Johann und Niklas waren auf der See zu Hause also. Nein, sie zögerten doch, von Norden heran kam eine mächtige Welle gleich einem in's Rollen gerathenen Berge dem Strande zu; näher und näher, immer näher, jetzt erreichte sie den sichtbaren Saum des Landes, ihr schäum- gekröntes Haupt stürzte weit über den feuchten Strand hinweg in die Dünenthäler hinein.

Niklas und Johann guckten sich an, sie ver­standen sich; wenn die Sturzwelle das Boot bereits flott getroffen hätte, wär in diesem Augenblick weder von dem Boot, noch von Niklas und Johann, noch von Cord eine Erdenspur mehr zu finden gewesen. Eine solche Riesenwelle geht wie die Hand des Schicksals über die Erde hinweg und räumt auf, das wußten die beiden Fischer ganz genau.

Aber das Boot lag ja noch sicher in der kleinen Bucht, nur der Ausläufer der Riesenwelle hatte die Bucht erreicht und das kleine Fahrzeug in hoch schwankende Bewegung gebracht.

Sie konnten noch immer Nein sagen und heim­kehren in ihre warmen Hütten. Cord mochte dann allein--

O Gott, wie sah der Mann aus nein, nein, nimmer würden sie ihn verlassen.

Zwei Minuten später schwamm das Fischerboot auf den dunklen Wassern.

Ob der Fang heut lohnen würde? Johann und

Niklas sahen sich wieder an; des Fanges wegen

gingen sie sicher nicht, sondern na sie verstanden sich schon

Cord hatte sich an's Steuer gesetzt, hielt eS fest und brütete vor sich hin.

Wie schön Antje war! Und wie jung! Wie mochte es in ihrer jungen Seele wühlen? Hatte sie nicht ein Recht auf Glück, Freude, Wohlleben und Sonnenschein? Glück? Was ist Glück? Da springt ein Fisch aus den aufgeregten Wogen, der muß wohl glücklich sein, oder wird auch er von Angst und Noth aufwärts geschleudert? Wer kann's wissen, welche Creatur glücklich ist?

Der Regen ließ nach, am Himmel kämpften die schwer zerrissenen Wolken mit den Sonnenstrahlen, die hie und da siegreich hervorbrachen und wunder­baren Glanz über die tobenden dunklen Wellen breiteten. So mußte es jetzt in Antje's Seele kämpfen nein, nein, die ist ruhig und glücklich, denn sie weiß Cord weit weg auf der See und hat den geliebten Mann wahrscheinlich in der Nähe. Weshalb hatte Cord doch die Kameraden zu der waghalsigen Fahrt in's Blaue hinein be­stimmt? Was wollte er selbst auf der See, die in der stürmenden Erregung keinen Segen spenden konnte, sondern nur Gefahr und wieder Gefahr? Das war's. Die Gefahr wurde von ihm, von Cord gesucht. Um mit etwas Furchtbarem, etwas noch Qualvollerem, als die Pein in seiner Seele, diese Pein zu betäuben, trieb ihn ein unbe­wußtes Verlangen zu der alten Freundiu, dem alten, grollenden, trügerischen Meere.

Wenn er von den wilden Wellen getrieben und