Einzelbild herunterladen
 

Mensch das eigenthümliche Summen der Fliege mit dem I Munde nachmacht.

Das Insekt richtet nun nach vierfacher Richtung hin Schaden an:

1. Die gewaltige Unruhe, welche die schwärmende Fliege unter den Thieren aus der Weide verursacht, beeinträch­tigt den Fleischansatz und die Milchproduction der Rinder in ganz namhafter Weise. Einer der obersten Grundsätze der Viehproductiouslehrc verlangt, daß Thiere, die zu den genannten Nutzungszwecken gehalten werden, vor jeder Aufregung zu schützen sind.

2. Die Rinder können sich bei ihrem rasenden Benehmen erhebliche Beschädigungen zuziehen.

3. Eine zahlreiche Ansiedelung der schmarotzenden Larven unterhält einen Hautreiz, der bei seinem monatelangen Bestehen nicht selten zu einem bemerkenswerthen Rück­gänge der Thiere im Ernährungszustände und in der Milchabsonderung führt.

4. Die Löcher in der Haut, durch welche die Larven ein­und auswandern, führen zu einer namhaften Ent- Werthung der Häute und verursachen den Gerbern zahllose Verdrießlichkeiten. _

Diese immerhin ganz namhaften Schäden müssen die Beachtung der Viehproduzenten um so mehr verdienen, als sie sich bei einiger Umsicht aus ein Minimum reduziren oder vielleicht völlig vermeiden lassen, wenn auch zugestanden wer­den muß, daß die Maßnahmen, welche man bisher zur Ab­wendung der Schäden empfohlen hat, sich kaum sonderlich bewähren konnten.

Ein von Brauer (Ueber Oestridenlarven, Zool. Anzeiger, 1865, Zahrg. VI.) gemachter Vorschlag, alle Viehbesitzer einer vonBiesen" geplagten Gegend möchten sich vereinigen, ihre Rinder von April bis August erst nach 10 Uhr Morgens auf die Weide zu treiben, stützt sich auf die an sich ganz zutreffende Beobachtung, daß die reifen Larven stets in den frühen Morgenstunden, (etwa bis 8 Uhr Vormittags) die Haut ihrer Wirthe verlassen, auf den Boden fallen und in den Stellungen entweder zertreten werden oder dort durch die Einwirkung der Nässe zu Grunde gehen. Denn aus der Larve geht ja, wie oben erwähnt wurde, nicht alsbald das fertige Insekt hervor, sondern zunächst bildet sich eine Tonne, die erst in 2830 Tagen zum Ausschlüpfen der Fliege reif ist. Der Vorschlag hat hin und wieder Beachtung gefunden; seine praetische Anwendbarkeit für weitere Gegenden scheitert aber wesentlich daran, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse den Weidebetrieb meistens nur bei ununterbrochenem Aufent­halt der Thiere auf den Weiden rentabel erscheinen lassen.

Sodann hat man eine Reihe von therapeutischen Maß­nahmen sowohl zur Abhaltung der Fliegen von der Haut als zur Entfernung oder Zerstörung der Eier auf der §aut empfoh­len. Alle diese Mittel haben nur eine sehr untergeordnete Bedeu­tung, da ste einen Aufwand an Mühen und Kosten ver­ursachen, der zu dem erzielten Vortheil nicht immer in dem richtigen Verhältnisse steht. So hat man z. B. empfohlen, die Haut auf dem Rücken, am Kreuz und an den Schultern regelmäßig mit einer Abkochung von Wallnußblättern, Wer- muth oder Asa foetida in Essig zu waschen, oder Petroleum, Theer und ähnliche «Substanzen aus die besonders bedrohten Hautstellen zu appliziren. Praktischer erscheint uns dann noch der auf einige» größeren Gütern Schleswigs bestehende t Brauch, das Vieh auf den Weiden mit in Theer oder Petroleum getränkten Decken zu versehen. Doch alle diese Maßregeln sind nur Palliativmittelchen, welche zudem das von den Landwirthen mit Recht gefürchtete Biesen nicht zu verhindern vermögen.

Ein Radikalmittel kann nur in der völligen Ausrottung der Dasselfliege gefunden werden, und diese dürfte bei einiger Umsicht ohne gar zu große Mühe wohl zu bewirken sein. Man weiß, daß die Larve nur in der Haut deö Rindes (sehr selten auch in der des Pferdes, Esels und Schafes) gedeiht und daß sie sich hier ohne Weiteres durch leicht wahrnehm­bare Beulen verräth. Man weiß ferner, daß die Larve viele Monate lang in diesen Beulen leben muß, bevor sie einer weiteren Entwickelung fähig ist und weiß auch, daß die Aus­wanderung der Larven aus der Haut nicht vor Beginn des Monats Mai erfolgt. Achtet man deshalb bei den Thieren sorgfältig auf das Vorkommen von Dasselbeulen und zerstört dieselben, wo man sie antrisst, so wird man der Plage voll­ständig Herr werden können. Ganz besonders möchte es sich empfehlen, vor bem Austrieb des Rindes im Frühjahr, etwa

irgend etwas zu schwer sein sollte, wußte doch Jeder, daß er der stärkste Mann auf der Insel war. Immer gellender pfiff es in den Lüsten hui die schwarzen Wolken kamen wie Gespenster daher gejagt und der Nordwest fegte hinterdrein, daß das harte Dünengras platt in den Sand gedrückt wurde. Cord hielt den Körper in schrägem Winkel zu der Richtung des Sturmes so konnte er ihn besser durchschneiden. Das war ihm grad recht, die dabei nöthige Anstrengung der Muskeln und Sehnen that ihm wohl. Nur um alles in der Welt nicht ruhig und unthätig sitzen müssen. Wenn nur die beiden Kameraden, Johann und Niklas Jansen, die er zur Fahrt bestellt hatte, nicht auf sich warten ließen ! Ein Fischermann, der gesunde Sinne besitzt, geht bet so drohendem Wetter freilich nicht aus die Fahrt. Aber mochten die Kameraden doch hinter den O^en kriechen; er, Cord ging jedenfalls hinaus, er würde sogar allein gehen. Allein am allerliebsten! Dann sah er doch keine gleichgültigen, oder was noch schlimmer, mitleidigen Menschengesichter. Un­erträglich!

Woher Einem nur die dummen Gedanken kommen? Hahaha l Jetzt war Antje mutterseelen­allein in dem Hause, wo die Unrast, das heimliche Leid in allen Ecken sitzen. Ob sie wirklich allein ist?

Hahaha hui hui! so sauste eS wie tzohn- gelächter um den unglücklichen Mann. Wenn Antje doch schuldig wäre? Schuldig mit ihm?

Cords Zähne knirschten auseinander, er sah

im Monate April die ganzen Viehbestände einer Gegend aus Dasselbeulen zu untersuchen, eine Maßnahme, die man zwcck- mäßig alsDasselschau" bezeichnen und zu deren Aus­führung man besondere Commissionen ernennen könne. Wo man hierbei Dasselbeulen begegnet sie sitzen gewöhnlich auf dem Rücken, am Kreuz, an der Schulter oder an der Brust da drücke man sie unter Zuhülfenahme eines geeigneten kleinen Messers gehörig aus und vernichte sorg­fältig ihren Inhalt. Bei dieser Operation, für welche die BezeichnungA b d a s s e l n" vorgeschlagen sei, verfahre man mit der nöthigen Umsicht und berücksichtige, daß schon ein­zelne zurückbleibende Larven den Erfolg der ganze» Maßregel in Frage stellen können. Denn aus jeder Larve kann sich eine Fliege entwickeln und ein einziges weibliches Insekt ver- mag nach Lennis soviel Eier zu legen, daß es eine ganze Viehheerde mit Engerlingen versorgen kann. Diese Vor­schläge seien hiermit der besonderen Beachtung der Land­wirthe, namentlich auch derjenigen der landwirthschaftlichen Vereine, empfohlen.

Hersfeld, den 25. September 1888.

Wird hierdurch veröffentlicht.

9720. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Dem Vorstände der christlichen Gemeinschaft St. Michael zu Berlin ist Seitens der Herren Ressort-Minister die Erlaubniß ertheilt worden, im Lause dieses Jahres eine öffentliche Ver- loosung von christlichen Büchern und Schriften zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. Zu dieser Lotterie dürfen 10000 Loose zu je 50 Pfg. ausgegeben werden, und es muß der Gesammtwerth der Gewinne 3500 Mk. betragen.

Cassel, den 21. September 1888.

Der Regierungs-Präsident. I. A.: A l t h a u s.

UoMischr Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Ka ise r, welcher zum Besuch bei dem Fürsten zur Lippe in Detmold weilte, begab sich in Begleitung des­selben bereits am Mittwoch früh kurz vor 4 Uhr zu Wagen von Detmold nach dem Jagd- .schlöffe Lopshorn, um in der nächsten Umgegend eine Pürschjagd auf Hirsche abzuhalten. Auf dieser Pürsche erlegte Se. Majestät der Kaiser eigenhändig einen prächtig starken Vierzehn-Ender. Nach dem Schluß der Jagd kehrten Se. Majestät der Kaiser und der Fürst mit ihren Begleitern vom Jagdschlösse aus zu Wagen nach Detmold zurück, woselbst beide von der Bevölkerung und den Spitzen der Civil- und Militärbehörden mit enthusiastischen Hochrufen begrüßt wurden. Auch der Magistrat und die Stadtverordneten hatten zur Begrüßung des Monarchen vor dem Rathhausgebäude Aufstellung genommen. Später stattete Se. Majestät der Kaiser dann noch einige Besuche ab und begleitete sodann um 3 Uhr des Nachmittags den Fürsten wieder nach der Oberförsterei Hartröhren im Teutoburger Walde, um die am Morgen begonnene Pürsche bis zum Eintritt der Dunkelheit fortzusetzen. Nach der Rückkehr zur Stadt fand am Abend von 7 Uhr ab zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers eine prachtvolle Illumination statt, welche der Kaiser in Augenschein nahm. Abends 9 Uhr wurden dem Monarchen ein Fackelzug und eine Serenade dargebracht, welche einen glänzenden Verlauf nahmen. Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist trotz der großen Anstrengungen ganz vorzüglich. Am Donnerstag Vormittag

nicht, daß die grollende Fluth seine Füße umspielte, er blickte nur geradeaus dort mußte gleich hinter der hohen Düne, aus welcher eine einsame Birke ihre verkrüppelten Zweige unter dem Sturme neigte, der kleine Hafen zum Vorschein kommen, wo sein Boot zur Fahrt bereit lag.

O, hätte er das schöne blonde Weib jetzt in diesen seinen Händen gehabt, wie hui, pfiff der Sturm über ihn dahin wie der unstäte Wind, so flüchtig sollte ihre Seele unter seinen Fäusten vergehen.

Nein, nicht sie, nicht Antje mit den großen klaren Augen, die noch heute ihn so offen anblicken konnten, wie an jenem Tage, da Antje im feier­lichen Brautkletde neben ihm in der kleinen Kirche stand da, da konnte er eben noch den kleinen Thurm sehen wo ihrJa" so laut und kräftig schallte, daß darüber alle Weiber der Insel nach­her großes Maulaufreißen hatten.

Nein, nicht Antje war die Schuldige! Was hatte sie gethan? O, Cord kannte sich selbst, seinen Volksstamm und dessen Frauen ganz genau; das friesische Weib würde eher in langsamer Folter sterben, als schuldig werden. Und Cord würde jeden Mund für immer stumm machen, der es watge, an Antje's Treue zu zweifeln.

Und doch I Und doch!

Konnte es denn sein? Hatte nicht Brandfiedel, der Unglücksvogel, Recht gehabt? Freilich war Jost keinThranpot* wie der alte Brandfiedel selber, der mehr Thran aus seine Lebenslampe goß, als ihr gut that; doch besaß Jost 'nen fröh­

achteinhalb Uhr hat Se. Majestät der Kaiser Detmold wieder verlassen um sich mit den Herren seiner Begleitung von dort zu Wagen zunächst nach der etwa 1«/, Stunden entfernten Station Bergheim zu begeben. Von dort aus reist der­selbe sodann mittels Sonderzuges über Wilhelms- Höhe und Frankfurt, Heidelberg und Bruchsal ohne Unterbrechung nach Stuttgart weiter. So­weit bis jetzt bekannt, gedenkt Se. Majestät der Kaiser in Stuttgart bis Freitag Nachmittag zu verbleiben und dann über Ulm und Friedrichs­hafen nach der Insel Mainau weiterzureisen, um daselbst am Geburtstage der Kaiserin Augusta, am 30. September, derselben seine Glückwünsche persönlich abstatten zu können. Von der Mainau aus begiebt sich Se. Majestät der Kaiser sodann direct nach München und demnächst von dort zu mehrtägigem Besuch bei der österreichischen Kaiser­familie nach Wien.

Der Kaiserliche Sonderzug, welcher die Kaiserin Victoria am Dienstag nach sechsjähriger Trennung in die Heimath führte, traf um 4 Uhr 35 Min. auf der Endstation Waltersdorf in Niederschlesien ein. Der Perron war mit Flaggen uud Blumengewinden geschmückt. Dem Salonwagen entstieg zunächst der Herzog Ernst Günther in der Uniform der Garde-Husaren. Darauf folgte die Kaiserin in einfachem Trauer­kostüm, begrüßt von dem tausendstimmigen Ruf des dichtgeschaarten Publikums. Kein Ende wollte der Jubel nehmen, als darauf die Prinzen, ihnen voran der Kronprinz, aus dem Waggon gehoben wurden; in militärischer Form dankten sie für die Empfangsgrüße, so oft sie wiederholt wurden.

Der Kaiser übernahm das Protectorat über die im Jahre 1889 in Berlin stallfindende Aus­stellung für Unfallverhütung.

Fürst Bismarck ist am Dienstag Nachmittag, vom Grafen Rantzau und Herrn v. Rotten» bürg begleitet, nach Friedrichsruh zurückgereist.

Aus Stuttgart wird gemeldet: Zu Ehren des Besuches Sr. Majestät des Kaisers prangt die Stadt in festlichem Schmuck. Ueberall sieht man prachtvolle Decorationen, vom Bahnhof durch die Schloßstraße an dem Königsbau vorbei bis zur Planie ist eine großartige Via triumphalis her­gestellt, auf welcher 10 Pyramiden, die mit da­zwischen stehenden Maststangen durch Guirlanden verbunden sind, sich erheben. Die Maststangen tragen Gruppen von Fahnen und die allegorische Figur der Württembergia mit dem Palmzwcig. Se. Majestät der Kaiser wird bei der Ankunft am Bahnhof von dem König und den sämmtlichen Königlichen Prinzen nebst dem Gefolge und dem Hofstaate empfangen, ferner werden die Staats­minister, die Präsidenten beider Kammern, die preußische Gesandtschaft, sämmtliche Generäle und Regiments-Commandeure, der Ehrendienst, sowie die Stadtbehörden anwesend sein.

Die diesjährige sechsmonatige Reise des Schulgeschwaders geht, soweit die jetzigen Dispositionen bekannt sind, ausschließlich nach dem Mittelmeere, dessen östlichere Theile diesmal voraussichtlich längere Zeit besucht werden. Die Abfahrt des Geschwaders soll am 1. October erfolgen.

lichen Sinn, der ihm dem schwerfälligen Cord abgeht; undn hübsches Gesicht, das er der struppige Cord auch nicht hat; und »loses Sprechwasser", das ihm dem Cord ganz und gar fehlt.

Wenn er den Räuber seines Glückes jetzt vor sich hätte! Das wäre eine Wohithat!

Ein Räuber nimmt gewaltsam für sich, was einem Anderen gehört. Hat Jost genommen?

Ja! Ja! Ja! Und abermals ein furchtbares gellendes I a tönte ihm in die Ohren. Erschrocken blieb Cord stehen und fuhr mit dem Handrücken über seine schweißtriefende Stirn. Wer hatte denn gerufen? Nirgends war ein menschliches Wesen zu erblicken, das den Ruf hätte ausstoßen können? Zwischen den Dünen kreiselten Sandwolken in die Höhe und aus dem jagenden Gewölk stürzte der Regen herab. Alle Wettergewalten schienen sich vereinigt zu haben, um Cords Abfahrt unmöglich zu machen.

(Fortsetzung folgt.)

Ilnlnim ""d Kammgarne für Herren- V Hlllll I und Knab entleih er, reine Wolle I U1UU1 u. nadelfertig ca. 140 cm. bereit N. 3.43 per Meter versenden direct »»Private -it einzelnen Metern sowie in ganzen Stücke» portofrei in's Haus Buxkin- Fabrik -Döpät Oettinger & Co., Frankfurt a. M. Muster unserer reichhaltigen Collectionen bereitwilligst franko.