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ersftliicl Kreisliliitt.
WiL wöchentlicher Kratis-Aeilage „Jllustrirtes IlnLerhattungsölatt".
Nr. 115.
Sonnabend den 29. September
1888.
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Hersfeld, den 25. September 1888.
Nach8.4Absatz3derAufsichtsmaßregelngegendie Einführung und Verbreitung der Schafräude im Regierungsbezirk Gaffel darf die Wiederaufnahme der für räudig befundenen, von den Heerden getrennten und dem Heilverfahren unterworfenen Schafe in die Heerde von dem Schäfereiaufseher erst gestattet werden, wenn der Eigenthümer durch ein Zeugniß des beamteten Thier- arztes den Nachweis führt, daß die Schafe
^Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im richtigen Kurs.
Von Helene Ptchler.
(Fortsetzung.)
Cord ließ die Arme sinken und sah der spielenden Katze zu. Er schien sein Vorhaben ganz vergessen zu haben. Da plötzlich wurde er durch eine heftige Bewegung Antje's daran erinnert. Das junge Weib saß am Fenster, ein braunes Netzwerk lag aus ihren Knieen, an dessen Geflecht sie strickte und ausbesserte. Bet der heftigen Bewegung nun schleuderte sie das Gestrick von sich und nahm der Katze ihr Spielwerk ab. Cord nahm den Knopf und nickte. Ihm war ein böser Gedanke durchs Hirn gefahren: »Haha, es dauert ihr zu lange, sie will mich tos sein, will mich aus dem Hause haben; ich bin ihr unbequem.* Solche bösen Gedanken rumorten seit einigen Wochen sehr oft in Cord's Kopfe. O diese schrecklichen Ge- danken! Wie konnten sie nur so schmerzlich wehe thun. Cord hatte bis dahin nimmer geglaubt, daß Gedanken auch weh thun können. Bis jetzt hatte er auch recht sorgsam acht gehabt, daß Antje von diesen schmerzenden Gedanken nichts erfahre — o, litt das Weib doch selber, er sah es ja, täglich, stündlich; Nachts sagten es ihm die leisen Klagelaute, die ohne Wissen der Schlafenden über ihre Lippen drangen — sie sollte auch heute nichts von dem dumpfen Jammer seiner Seele merken. Während Antje ohne ein Wort dabei zu reden, den Knopf seinem Hemdärmel annähte, gab ihr
geheilt find und daß sich innerhalb 8 Wochen nach Beendigung des Heilverfahrens keine verdächtigen Krankheitserscheinungen gezeigt haben.
Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 31. Mai d. I. Nr. 6051 (Kreisblatt Nr. 65) bezw. vom 2. Juni 1888 Nr. 6200 (Kreisblatt Nr. 66) erhalten die Herren Ortsvorstände zu
Aua, Gittersdorf, Hattenbach, Heenes, Niederjosfa, Untergeis, Wippershain, Geth semane, Harnrode, Motzfeld und Ransbach die Weisung, die betreffenden Schafetgenthümer alsbald nach Ablauf der 8wöchigen Frist zur Beibringung des Zeugnisses des Kreisthierarztes über die Räudefreiheit der gebadeten Schafe anzuhalten und mir bis spätestens zum 10. October d. I. über das Resultat Bericht zu erstatten.
9654. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schle initz.
Hersfeld, den 27. September 1888.
Die Wiederwahl des Bürgermeisters Georg Braun dahier auf weitere acht Jahre ist von Königlicher Regierung bestätigt worden.
9736. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 27. September 1888.
Der Ackermann Georg Rödiger aus Tann jetzt zu Oberrode hat für sich und seine 4 Kinder um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsver- bande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
9773. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 24. September 1888.
Der Pflastermeister Nikolaus Herbst von Kalkobes ist heute als Ortsschätzer-Stellvertreter der Gemeinde Kalkobes eidlich verpflichtet worden. 9731. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Cord einen freundlichen Schlag auf die Schulter, unter dem Antje jedoch zusammenzuckte, dann trat sie einen Schritt zurück. Cord hatte ihren geheimen Widerwillen vor seiner Berührung nur zu sehr empfunden, aus seinem gesunden Seemannsgesichte war für einen Augenblick alles Blut gewichen. Aber er biß die Zähne zusammen und versuchte sogar sröhltch zu lachen. »Adjüs, min leiv söt Antje! un blieb gesund." Deu Faden mit der daran baumelnden Nadel riß er gewaltsam ab, daß der Knopf abermals absprang und dann ging er.
Der Mann ging wirklich. Er ging trotz drohenden Wetters auf den Fang. Noch vor vier Wochen hätte sein Weib ihn mit allen Mitteln sorgender Liebe zurückzuhalten gesucht und — er wäre ihr zu Liebe auch gerne daheim geblieben, trieb ihn doch keine Nothwendigkeit von bannen. Sie hatten gut zu leben. Heute aber machte sie keinen Versuch, ihn zu halten, sie war gleichgiltig — nein schlimmer als das — sie machte kein Hehl aus ihrem Widerwillen, sie schauderte unter seiner Hand zusammen, sie wartete ungeduldig daraus, von seiner Gegenwart befreit zu werden. Aber sie war wenigstens ehrlich. Er indeß — o, er suchte noch immer, wenigstens äußerlich, den Schein des früheren trauten Herzensverständniffes festzuhalten; er that, als sei Alles beim Alten. Und doch schrie es in ihm nach dem Ende dieser Qual gerade wie in ihr. War das nicht Heuchelei, eine Lüge, so niederträchtig, daß er vor Scham seine großen Hände vor's Gesicht drücken mußte, als die Stuben-
3ut Abwendung der Schäden, welche durch die sog. Engerlinge in der Haut des Rindviehes bedingt werden.
Von Dr. <Schmidt-Mühlheim.
Vom Vorsitzenden des „Börsenvereins der Häute-, Fell- und Lederbranche für Rheinland und Westfalen" wurde Verfasser aufgefordert, sich über die Frage zu äußern, was zur Abwendung der Schäden geschehen könne, welche durch den Aufenthalt der sog. Engerlinge in der Haut des Rindviehes verursacht werden. Diesem Ersuchen sei um so lieber entsprochen, weil die genannte Frage eine weit größere Volks, wirthschaftliche Bedeutung besitzt, als allgemein bekannt ist, und weil Verfasser in der Lage zu sein glaubt, einfache und ohne große Mühe und Kosten anwendbare Mittel angeben zu können, welche zu einer Verminderung, vielleicht zu einer völligen Abwendung dieser Schäden führen können. Diesen Vorschlägen seien einige orientirende Bemerkungen vorausgeschickt.
Die sog. „Dasselbeulen" in der Haut des Rindes enthalten die Larven (Engerlinge) der Dasselfliege, Biesfliege, oder Rinderbremse — Oestrus bovis — einer ca. 17a ein langen, schwarzen und dicht behaarten Fliege mit weißgelbem Gesicht. Dieses Insekt schwärmt vom Juni bis September, am liebsten an schwülen Tagen in der Mittagssonne. Das Weibchen legt dabei seine Eier auf die Haut der Rinder. Aus den Eiern gehen Maden hervor, welche in die Unterhaut eindringen, hier ihren Wohnsitz aufschlagen, sich daselbst völlig entwickeln und zur Bildung von taubenci- großen Beulen mit einem grützebreiartigen Inhalt Veranlassung geben. Nach einem Aufenthalte von ca. 9 Monaten verlassen die reifen Larven ihre Wohnstätte, durchbohren die Haut, fallen auf den Erdboden und verpuppen sich in den oberflächlichen Erdschichten meistens noch innerhalb der ersten 24 Stunden zu einem tonneuförmigen Gebilde, aus welchem nach Verlauf von 28—30 Tagen das fertige Insekt entschlüpft.
Wenn die Fliege, an heißen Sommertagen schwärmt und sich den Rindern auf der Weide nähert, so werden die Thiere durch das Summen des Insektes außerordentlich geängstigt, laufen laut brüllend und mit aufgerichtetem Schwänze wie toll umher und stürzen sich, wo es angeht, in ein schützendes Wasser. Dieses ganz eigenartige Benehmen des Rindviehs bezeichnet man als „Biesen", und es dürfte von Interesse sein, daß bereits Virgil (Georgica Lib. III, 146—151) dasselbe genau beschreibt. Die Angst der Thiere vor ihren beflügelten Peinigern ist so außerordentlich groß, daß Rinder sich schon wie wahnsinnig geberden, sobald ein
thür ihn von Antje trennte?
O Gott, das Schlimmste war ja, er hatte Antje noch eben so lieb, nein tausendmal lieber als früher. Jede Faser seines Seins, jeder Gedanke, jeder Wunsch, jede That gehörte ihr, — ihr allein.
»O Gott! wo is dat swoar!" (O Gott! wie ist das schwer!) stöhnte Cord, als er in dem dunklen Vorraum stand, der zugleich als Küche, Vorplatz und Rüstkammer diente. Hier hingen Netze und Körbe und Angelschnüre und allerlei Fischerwerkzeua in schönster Ordnung; sauber reihten stch Töpfe und Kessel daneben aneinander; und Cords Oelzeug, der lange Schifferrock nebst Seestiesel und Südwester hing weich und glattgestrichen an seinem Nagel. O ja, Antje that ihre Pflicht; der blieb sie getreu, wenigstens in den äußeren Dingen.
Und im Innern? Wie sah es da bei ihr aus? Cord stöhnte abermals leise auf und seine Rechte ballte stch zur Faust, die sich drohend nach der Stubenthür richtete.
Dort! dort saß sie, die Urheberin alles Elends!
Er verließ das Haus.
D^e Hausthür flog krachend in's Schloß; fauchend und pustend umwirbelte ihn der Wind, dem er seine mächtigen Glieder entgegen stemmte.
»O Gott, wo is dat swoar," murmelte Cord wiederum. Er meinte mit dieser dumpfen Klage weder die körperliche Anstrengung, die ihm der wachsende Nordwest verursachte, noch die Last des Netzwerks, die er in einer Lack auf der Schulter trug. 'n wär ja lächerlich gewesen, daß dem Cord