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Hersstliitt Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes AnLerhaktungsölatL"

Nr. 111. Donnerstag den 20. September 1888.

Amtliches.

Hersfeld, am 19. September 1888.

In Betreff der bevorstehenden Wahlen zu der siebenzehnten Legislaturperiode des Hauses der Abgeordneten werden die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises unter Hinweis auf die im Kreisblatt Nr. 68 vom Jahre 1879 abgedruckte Verordnung über die Ausführung der bezeichneten Wahl vom 30. Mai 1849, sowie das dazu erlassene im Amtsblatt de 1885 Seite 829 und ff. abgedruckte Reglement vom 22. August 1885 hierdurch beauftragt, die Urwähler- listen, zu welchen das nöthige Formularpapier Ihnen zugehen wird, sofort aufzustellen.

In die Urwählerlisten sind aufzunehmen alle selbstständigen Preußen, welche das 24ste Lebens­jahr vollendet und nicht den Vollbesitz der bürger­lichen Rechte in Folge rechtskräftigen richterlichen Erkenntnisses verloren haben, nicht aus öffent­lichen Mitteln Armen-Unterstützungen erhalten und in der Gemeinde seit sechs Monaten ihren Wohnsitz haben, sowie die Militairbeamten. Die zum activen Heere gehörigen Militairpersonen mit Einschluß der zum Dienste einberufenen Personen des Beurlaubtenstandes wählen nicht mit. (cfr. §§. 8 und 9 der cit. Verordnung )

Bei jedem Namen ist der in der Gemeinde (oder in dem aus mehreren Gemeinden zusammengesetzten Urwahlbezirke) zu zahlende Jahresbetrag an sämmtlichen direkten Staatssteuern (die Klassen- bezw. Einkommensteuer nach dem vollen Jahres- betrage) nach Anleitung des Formulars anzu- geben. Wer die meisten Steuern zu zahlen hat, wird zuerst in die Urwählerliste ein­getragen, dann folgt derjenige, welcher nächst jenem die höchsten Steuern entrich­tet, und so fort biszu denjenigen, welche die geringste oder gar keine Steuer zu

(Unbefugter Nachdruck verboten Im richtigen K«rs.

Von Helene P t ch l e r.

(Fortsetzung.)

Jost schien den kleinen Zwifchenfall nicht zu be­merken; er hattte sich an die Wand zurückgelegt und fühlte sich als Matador aus dernassen Braut- so recht behaglich. Brandstedel aber, der noch immer lachte, daß seine Augen unter den weißen buschigen Brauen fast verschwanden, rief Cord ent­gegen:Dat is hei dat is hel tzoll Kurs, min Jung, un smiet de Towline (Hattetau) ut, süs kannst Watt derlewen din Fahrtüg swenkt aff!' (Sonst kannst Du erleben, daß Dein Fahrzeug abschwenkt.)

Cord wollte ein hartes, bitteres Wort erwidern. Jedoch bei seiner schwerfälligen Art dauerte es lange, ehe das Wort den Weg auf die Lippen zurücklegte, deshalb kam ihm der fixe Jost zuvor. Dieser fragte:Wat vor'u lütt Antje? Is dat söt Gör (süße Kind) vun 'n Snieder Pitter graut worrn?*

Graut und flank as 'n Dannenboom und ok so spitz; Snieder Pitter sin söt Gör, un Cord sin söt Frue sünd gau datsülvtge Antje!' rief Brand- fiedel.

Guck Gens an!" sagte Jost lachend zu dem Freunde,denn lohnt dat woll de Mäuh, di vör- bitolopen?' (Denn ist das wohl lohnend, Dir vorbeizulaufen, d. h. bet der Frau auszustechen.)

Sord holte tief Athem und ballte in der weiten

zahlen haben. Bei Gleichbesteuerten, sowie bei den Nichtbesteuerten giebt die alphabetische Ordnung der Familiennamen den Ausschlag bezüglich der Reihenfolge. Auf jeder Seite bezwse am Schlüsse jeder Urwählerliste müssen sämmtliche Steuerbeträge, und zwar in allen Spalten, genau zusammen gezählt sein.

Alsbald nach Fertigstellung der Urwählerlisten sind dieselben drei Tage lang öffentlich auszu- legen. Daß und in welchem Locale dies geschieht, ist beim Beginn der Auslegung in ortsüblicher Weise bekannt zu machen?)

Die Urwählerlisten sind sodann mit der voll­zogenen Bescheinigung über die erfolgte Offen- legung und desbezügliche ortsübliche Bekannt­machung, nebst den etwa gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Listen angebrachten Einwen­dungen (mit Ausnahme von der Stadt Hersfeld) schleunigst anher einzureichen, dergestalt, daß sämmtliche Listen rc. spätestens am 1. Ok­tober d. I s. in meinen Händen sich befinden. Bet Nichteinhaltung dieses Termines würde ich die fehlenden Listen sofort durch Warteboten ab­holen lassen müssen.

9503. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

*; Die betreffende Bekanntmachung würde in folgender Form zu erlaffen sein:

Es wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Liste der in hiesiger Gemeinde vorhandenen Urwähler vom ......bis......bei dem OrtS. Vorstände zu Jedermanns Einsicht öffentlich ausgelegt wird, und daß Einwendungen gegen deren Richtigkeit oder Vollständigkeit binnen drei Tagen bei dem Orts- vorstande schriftlich angebracht oder mündlich zu Proto­koll gegeben werden können.

.......den ... ten...... . 1888.

Der Ortsvorstand.

Hosentasche die rechte Hand. Doch besann er stch. Es war ja nichts Unrechtes gesagt oder geschehen. Er mußte wohl ein rechter Dummkopf sein, daß er bei jedem Wort, das sein Weib betraf, zusammen« fuhr, wie ein Schiffsjunge, der unrecht Gut an sich genommen hat.

So machte er den schon geöffneten Mund wieder zu, zog die Hand aus der Hosentasche, stützte sich auf den Tisch und sagte: Mi dücht, wt künnt lotben! Wt sünd all lang up de Bänken.'*)

Brandfiedel ließ seine Faust schwer auf den Tisch fallen und rief: .Noch lang nicht will deklauke Mann' mi kummanderen?'

.Jk denk nich dran!' antwortete Cord und da­bei ward sein braunes Gesicht von einem heiteren Lächeln überflogen. Er wußte ja ganz genau, daß der alte Fischer auch von der besten Flasche nicht festgehalten werden konnte, wenn die Arbeit und die Pflicht riefen. In dem kleinen Kreise entstand dann nun auch allgemeine Bewegung.

De Dunnerslag schall den .Fisch' Haien l* schimpfte zwar Brandstedel, .krebste'**) aber doch mit Cords Unterstützung das steile Treppchen zum Deck empor.

Die Andern, Jost in ihrer Mitte, banden die Südwester unterm Kinn fest, zogen die Leib­riemen unter dem Wollhemde an und folgten dann dem Alten.

*) DieDoggerbank" eine unterseeische große Sandbank, ein vorzüglich günstiger Ort für die Fischerei.

**) krebsen ^ klettern.

Uslitische Nachrichten.

(Deutschland.) Bon den Kaiserma­növern. Hauptquartier, Müncheberg, den 17. September 1888. Ein Ost-Corps (Garde-Corps, General der Infanterie von Pape), ist nach Ein­schließung von Küstrin über Göritz und Frankfurt a/O. im Vormarsch auf Berlin. Ein West-Corps (III. Armee-Corps, General-Lieutenant Bronsart von Schellendorff) ist über Oranienburg im An­marsch zum Schutz der Hauptstadt. Das Ost- Corps wird gebildet aus der 1. und 2. Garde-Jn- fanterie-Division und der Cavallerie-Division Alten (6 Garde-Cavallerie Regimenter). Das West- Corps besteht aus der 5. und 6. Infanterie-Division und der Cavallerie-Division Krostgk (4 branden- burgische, ein westpreußisches und ein Magde- burgisches Cavallerte-Regiment). Das Ost-CorpS hat den Auftrag, baldigst Berlin zu besetzen. Dem West-Corps fällt die Aufgabe zu, die Hauptstadt zu vertheidigen. Das Ost-Corps ist somit strategisch in der Offensive, das West-Corps in der Defen­sive; will letzteres aber seinen Zweck erreichen, so wird es tactisch gleichfalls zur Offensive greifen müssen. Das ist die Idee, die den Kaiserma- növern für die Tage vom 17. bis 19. Sep­tember zu Grunde liegt. Heute, als am Morgen des ersten Tages derUebung stand das West-CorpS aus der Linie Kagel, Ltchenow (6. Division), Garzin (5. Division), Pritzhagen (Cav.-Div. Kro- sigk); die Vortruppen bei Kienbaum, Heidekrug, Wüsten-Steversdorf und Münchenhofen. Diese Linie bildet einen flachen Bogen von Nordosten nach Südwesten um Müncheberg herum. Oestlich und südöstlich von Müncheberg stand das Ost-Corps zwischen Jahnsfelde (1. Garde-Diviston), Tempel­berg (Cav.-Div. Alten) und Petershagen (2. Garde- Div.). Müncheberg selbst war von der Avantgarde des Ost-Corps besetzt. Mit dem Schlage 9 Uhr begann die Uebung. Seine Majestät der Kaiser a'."""'.^1...""-!".......[xssssssssssa

Die Arbeit begann.

Zuerst ward das Loth ausgeworfen um den Standort des Schiffes festzustellen. Dienasse Braut' führte außer diesem primitivsten aller Hülfsmittel keinerlei nautische Instrumente an Bord. Sextant und Meridian waren ihrer Be­satzung eben so unbekannte Dinge, wie Seekarten und Fluthtabellen. Nur dieKlock', eine Uhr in grobem Holzgehäuse und ein dürftig ausgestatteter Kompaß, der seit Jahr und Tag nicht revidirt worden war, bildeten zwei nautische Prunkstücke imBolkslogis', nach denen sich aber kein Mensch umfah. Dienasse Braut' verließ sich ebenso, wie die übrigen tausend und abertausend Fischerfahr­zeuge, die in den Meeresweiten der Nordsee umher- treiben, auf den natürlichen Scharfsinn und die Erfahrung ihrer Besatzung. Allein durch die winzigen Theilchen, die unten auf dem Meeres­boden an dem schweren, an seinem unteren Ende mit einer Talgschicht bedeckten Bleiloth gleben blieben, wußte die Besatzung dernassen Braut' ihren Standpunkt zu bestimmen.

Zwar mußte Brandstedel nach einem Halt für seine schwankenden Glieder suchen, ha, dieHalsen'*) des Großsegels bot einen guten Stützpunkt doch seine Seemannsaugen prüften mit voller Schärfe das eben über dem Wasserspiegel wieder auttauchende Loth. Cord haschte das schwere Bleistück mit der Hand; er hatte bereits sein Messer in der Rechten,

*) Halsen Tau, welches ein Segel nach vornaus und nach unten straff hält.