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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

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Htrsftlilcr Kreislillltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes ZlnLerfiatLungsötaLL".

Nr. 108.

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Amtliches.

Bei der Postagentur in Ulmbach wird am 30. eine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrieb eröffnet.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. gez. zurLtnde.

Gesunden: eine wollene Pferdedecke. Meldung des Eigenthümers bei dem Orlsvorstand in Mccklar.

Gefunden: eine Tabakspfeife. Meldung des Eigenthümers beidemOrtsvorstandinLautenhausen.

Kin fröhlicher Kirchgang.

Ihre Majestät die Kaiserin hielt am Sonntag an der Seite ihres hohen Gemahls nach der Geburt des Prinzen Oskar ihren ersten Kirch­gang, um bevor sie wieder in das öffentliche Lehen Hinaustritt zunächst GM die Ehre zu geben und ihm frohen Herzens zu danken für das Glück, welches ihr als Mutter beschieden, und für die Genesung, die sie wieder gefunden.

Es ist dies eine schöne christliche Sitte, welche die Kaiserin befolgt hat in dem Bewußtsein, daß die Geburt eines Kindes ein Segen Gottes und daß es Pflicht einer christlichen Mutter ist, nicht nur in stillem Gebete zu danken, sondern hierfür auch vor der christlichen Gemeinde durch einen Besuch des Gotteshauses Zeugniß abzulegen.

Leider ist diese Sitte unter den Einflüssen der Zeit, welche der Geistesrichtung eine andere Rich­tung gegeben hat, vielfach außer Brauch gekom­men, leider wird der Pflicht des Dankes oft nicht genügt, weil auch das Bewußtsein, daß Kinder ein Segen Gottes sind, sich mehr und mehr verflüchtigt hat.

Das hohe Beispiel der erhabenen Frau wird

Waldschatten.

Erzählung von R o b e r t S ch w e i ch e l. (Schluß.)

Ihre stillen Thränen galten dem Unseligen, in dessen verwildertem Gemüth sie das ein­zige warme Licht war. Wie zu einem höheren Wesen hatte er zu ihr ausgeschaut und sich schon von ihren Kinderhänden leiten lassen, glücklich und stolz, daß sie ihn tyrannisirte, wie er sich später unter ihren überlegen ruhigen und rechtlichen Ver­stand beugte. Was der Störrische an sanftem Gefühl besaß, er hatte es ausschließlich der Schwester gewidmet, und diese mußte jetzt der schrecklichen Stunde gedenken, in der sie seine blutige That errathen hatte. In welchen Schmerzen und in welcher Angst um ihn hatte sie seitdem gelebt und lebte ste noch! Wie hätte sie es ge­schehen lassen können, daß er zum zwiefachen Mörder wurde, indem er der Gerechtigkeit, die schon das Schwert wider einen Unschuldigen zückte, nicht in den Arm fiel? Freilich hatte sie dadurch Lindenau gerettet, aber auch sein Lebensglück zer­stört. Allein darüber glitten ihre Gedanken jetzt hinweg zu dem Bruder, aus dessen Aufschrei sie es herausgehört, daß ihm der Stab zerbrochen war, auf den er sich bisher trotzig gegen den An­prall seines Gewissens gestützt hatte.

Sie täuschte sich nicht. Allerdings hatte ihn zuweilen die Ahnung überschleichen wollen, daß seine That ihren eigentlichen Zweck verfehlt habe, er hatte sie jedoch wie eine Raupe abgeschüttelt,

Donnerstag den 13. September

hoffentlich nicht ohne Eindruck bleiben und der christlichen Sitte, wie auch dem Bedürfniß, sie mehr und mehr zu Ehren zu bringen!, förder­lich sein.

# Königthum und Parlamentarismus.

Durch das segensreiche Wirken des großen Kaisers Wilhelm ist die Ueberzeugung mehr und mehr in das Bewußtsein Aller eingedrungen, daß ein starkes Königliches Regiment die nothwen- dige Grundlage nicht nur eines nach außen starken und mächtigen Staates, sondern auch des Friedens und der Harmonie der Gesellschaft ist.

Preußen ist allein durch ein solches Regiment zu dem geworden, was es jetzt ist; es steht an der Spitze des geeinten Deutschlands, Heer und Verwaltung erfüllen unsere Nachbarn mit Be­wunderung, die Finanzen des Staates werden mit größter Gewissenhaftigkeit und Sparsamkeit verwaltet, die wirthschaftlichen Verhältnisse des Volkes haben sich zu vollster Blüthe entwickelt, und wenn ein Zweig der Wirthschaft leidet, trägt er doch das Bewußtsein der Königlichen Fürsorge mit sich, welches ihm über die schweren Zeiten hinweghilft, alle Klassen der Gesellschaft erfreuen sich jeder mit dem Wohl des Ganzen vereinbaren freien Bewegung. Wie das Königs- thum in der Vergangenheit unablässig thätig gewesen ist, um den Frieden der Gesellschaft herzustellen, die Benachtheiligungen der einen Klasse durch die anderen zu beseitigen, der früher abhängigen bäuerlichen Gesellschaft Freiheit der Person und des Besitzes zu verschaffen, so hat es jetzt sich der Hebung und Besserung der wirth­schaftlichen Lage des sog. vierten Standes zuge­wandt, zugleich für das Bürgerthum einen Schutz gegen die Ausschreitungen und Auswüchse des­selben errichtend. Das Alles verdanken wir dem starken Königlichen Regiment. I

die ihm unvermuthet über den Nacken kroch. Er wollte es nicht merken und mußte es doch inne werden, obgleich es ihm das Herz abiraß. Jetzt war eine schreckliche Helle in ihm. Gericht hatte er über den Schuldigen halten wollen und die mörderische Kugel die Schwester ins Herz getroffen.

Er lag mit dem Kopf auf den Armen, die er über den Tisch geworfen und merkte in seinem finstern Brüten nicht, daß es Abend wurde. Eine Hand berührte seine Schulter; es war Käthe, die ihn bat, daß er zum Abendessen kommen möchte. Er regte sich nicht und sie verlieb ihn trübselig.

Am nächsten Morgen wartete sie vergebens mit dem Frühstück auf thu, zu dem er sich einzustellen pflegte, nachdem er bereits die Steinklopfer und Chausseearbeiter auf der ihm anvertrauten Weg­strecke beaufsichtigt hatte. Endlich ging sie in seine Stube, deren Thür sich zu ihrer Verwunderung nur schwer öffnen ließ. Karl war nicht da, doch auf dem Tische lag ein Stück Papier. Mit ungestüm klopfendem Herzen ergriff sie es und las in des Bruders ungefügen Schrittzügen:Ich habe den Oberförster Barkow erschossen aus Rache. Karl Radusch."

Das Blut gerann ihr, und wie sie sich jetzt umsah, stieß sie einen gellenden Schrei aus. Karl hatte sich an der obersten Thürangel erhenkt.

Wie Sturmesbrausen durchfuhr die Nachricht davon den Wald. Badak, der seine Unfehlbarkeit plötzlich zu Schanden und sich zum Spott der Leute werden sah, verlor darüber den Verstand. Frau Lindenau war von der Enthüllung nicht

1888.

Trotz alledem sind politische Richtungen bei uns thätig, welche dem Volke die angeblichen Wohlthaten desparlamentarischen Reg ments" verschaffen wollen. Diesem steht aber, wenn wir Umschau halten, zur Empfehlung nichts zur Seite. Durch die thatsächliche Herrschaft des Parlaments ist Frankreich von Stufe zu Stufe gesunken; seit der großen Revolution hat es sein Regiment zn wiederholten Malen gewechselt, und jedes neue Regiment hat nur immer wieder den Wunsch nach einer abermaligen Aenderung hervorgerufen. Darunter haben fortdauernd die wirthschaftlichen Verhältnisse gelitten, der Friede der Gesellschaft ist fortwährend von den Unzufriedenen, deren Interesse keine genügende Berücksichtigung fand, bedroht, der ständige Wechsel in den höchsten Staatsstellen gebiert eine große Unsicherheit in den inneren Verhältnissen, die eine Partei sucht sich des Einflusses der anderen zu bemächtigen und sie aus dem Besitze zu drängen.

Und das Musterland des Parlamentarismus, England, kann auf seine Errungenschaften auch nicht stolz sein. Mit Bezug auf dieses heißt es in einer soeben erschienenen Flugschrift von W. EisenhartKönigthum und politische Freiheit" (Halle a. S-, Adolf Kegel):Noch heute ist der durchschnittliche Zustand der Volksbildung in England wesentlich niedriger als in Deutsch­land. Ein Drittel der erwachsenen Engländer kann noch heute nicht schreiben. Der Staat ist hier nicht der Erzieher der Nation, nicht der humane Pfleger ihrer geistigen und materiellen Interessen, sondern ein harter Herr, ohne Wohl­wollen für den Armen, ohne Schutz für den Schwachen, ohne Mitleid mit dem Verbrecher, von den grauenvollen Zuständen Irlands zu geschweigen. Die Parlamentsregierung ist zur etablirten Jntereffenpolitik geworden, welche sich von nichts anderem leiten läßt, als von mer­kantilen Augenblicksvortheilen." Und den Gegen-

überrascht. Sie hatte von ihrem Besuche bei Käthe die Ueberzeugung mitgenommen, daß kein Anderer als Radusch der Mörder sei, und Eugen gestand ihr jetzt, daß die gleiche Ueberzeugung ihn auf der Anklagebank durchblitzt und stumm gemacht habe. Unter Käthes flehenden Blicken war plötz­lich in ihm die Erinnerung an die Begegnung mit Radusch auf der Mordstelle und deffen seltsames Benehmen am Begräbnißlage des Oberförsters aufgewacht. Einige Tage später brächte Werner ein Zeitungsblatt nach dem Forsthause. Darin stand nicht nur Ausführliches über die Beweg­gründe des Mörders, sondern auch, daß Käthe die Unwahrhaftigkeit, zu der sie die schwere Schuld des Bruders gezwungen, aus freiem Antriebe zu sühnen sich erboten habe. Der Spruch über sie nahm eine unerwartete Wendung. Freisprechen konnten die Richter sie nicht, allein die Gründe, aus denen die Schuldige gehandelt, waren eher des Lobes als der Verdammung würdig, und der ganze Fall so eigenthümlich, daß der Gerichtshof selbst ihre Begnadigung befürwortete, und der König gewährte sie.

Von dem Verdacht der Untreue vor aller Welt gereinigt, hielt Eugen jetzt offen um Trude bei den Ihrigen an. Der Sägemüller empfing ihn mit seiner gewohnten grämlichen Miene, wagte es aber nicht, ihn abzuweisen. Seine Zähigkeit war durch seinen Proceß stark zermürbt worden. Da er noch unbescholten und ihm nicht nachge­wiesen werden konnte, daß er aus gewinnsüchtiger Absicht den Hehler gemacht, so war er mit einer