in der Hospitalkirche dahier der gewiß seltene Fall vor. daß der Geistliche kurz nach der 7 Handlung vom Schlage getroffen zu Boden stürzte. Derselbe, Herr Pfarrer Lauer, wurde sofort nach seiner nahen Wohnung überführt, wo er hoffnungslos darniederliegt. — Nach einer vom König- liehen Landrathsamt zufolge höherer Anordnung erlassenen Verfügung sind sämmtliche (1100) Hausbesitzer bet einer Strafe von 10 Mk. angehalten, ihre Dunggruben nicht allein bis zum 1. Deceni' der zu reinigen, sondern auch wasserdicht zu machen.
Rinteln, 5. September. Aus Echte wird berichtet: Schon seit einiger'Zeit fließt in unserem Orte am Fuße eines Hügels, auf welchem sich ein Obstgarten befindet, eine Petrolenmquelle. Dieselbe machte sich zuerst durch ihren Geruch Kindern bemerklich, auf deren Aussagen die Erwachsenen indessen nichts gaben, bis ein Junge einen Damm um die Quelle baute und auf dem sich in diesem kleinen Teiche sammelnden Wasser klares Petroleum schwamm. Jetzt wurden auch die Erwachsenen aufmerksam und holten sich in Masse Proben in Flaschen, wobei sich herausstellle, daß in einer Flasche Wasser das Petroleum ungefähr drei Finger hoch oben auflag. Das Petroleum brennt hell und klar.
Vermischtes.
— Kaum noch hat man damit begonnen, die der- hängnißvollen Folgen des letzten tz o ch w a s s e r s in Schlesien zu übersehen, w laufen schon wieder die betrübendsten Nachrichten ein. Zum dritten Male ist das Hirschberger Thal von schwerer Wassersnoth bedroht. Seit Freitag Mitternacht fällt strömender Regen im ganzen Riesengebirge, die Flüsse steigen und sind theilweise über ihre Ufer getreten. Theile der Sandvorstadt in Hirschberg und die Niederungen bei Cunersdorf stehen bereits unter Wasser. Von allen Gebirgs- stationen wird drohendes Hochwasser gemeldet.
— Eine unerhörte Rohheil wurde am Sonntag in Oberwitz bei Gogolin in Oberschlesien verübt. Dort wurde ein Vk Jahre altes, ohne Aufsicht gelassenes Kind von einem Wagen zu Tode überfahren, von dem Lenker des Fuhrwerks aber in ein nahe liegendes Gebüsch geworfen, in welchem das Kind erst später von Erntearbeitern gefunden wurde. Der Thäter ist noch nicht bekannt.
— Stabfurt, 4. September. Eine interessante Operation nahm heute Morgen Herr Dr. Eoleben- Leopoidthall an dem Halbinvaliden Bahnarbeiter Aug. Wols vor, indem er ihm auS der linken Brust einen Granat- splitter herausschaffte. W. stand bei dem Magdeburgischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 4 und wurde am 17. Januar 1871 vor Paris durch Granatsplitter verwundet. In der Hauptsache drangen dieselben in die linke Achselhöhle unter» halb des Schlüsselbeins ein. In Rücksicht auf die unter Umständen lebensgefährliche Operation entfernte man das muihmaßiich tief m der Brust sitzende Stück Eisen nicht, in der Erwartung, daß es sich später wohl von selbst irgend wo zeigen würde. Nachdem der Mann über 17 Jahre das Stück mit sich herumgetragen, förderte Herr Dr. Erleben dasselbe heute mit leichter Mühe zu Tage, Das Stück ist ein etwa markstückgroßes Eisenstück. Der Patient ist ein körperlich ziemlich rüstiger Mann und fühlt sich sehr wohl; die Wunde dürste in 8 Tagen verheilt sein,
— Ueber den bereits in voriger Nummer d. Bl. gemeldeten Todtschlag eines Feldwebels der Mainzer Garnison in Ober-Olm erfährt man, daß die ganze Angelegenheit noch nicht klargestellt ist. Der Feldwebel soll gegen 10 Uhr nach feinem Quartier gegangen und nicht lange nachher durch Klopfen am Fenster auf die Straße gelockt worden sein. Kaum war der Soldat auf die Straße getreten, als er einen wuchtigen Hieb auf den Kopf erhielt, der ihm die Hirnschale zerschmetterte. Es
wird erzählt, daß die That aus E i f e r s u ch t ge- die Untersuchung wird das Genauere ergeben.
— Limburg, 5. Septemb^x. Am verflossenen Sonntag ist es zwischen den manövrirenden Soldaten und der Landbevölkerung zu recht ernsten Conflicten gekommen. Einem Infanteristen wurde das Gesicht mit einem Messer fürchterlich zuge- richtet, einem andern eine Auge ausgestochen. Am schlimmsten ging es in dem Dorfe Mähren her, wo mehrere Husaren, die nach ihrer Versicherung ruhig ihres Weges spazieren gingen und keine Waffen bei sich führten, von Bauernburschen überfallen und dabei derartig verwundet wurden, daß drei von ihnen gestern in das Hospital zu Limburg transporttrt werden mußten. Schwerverwundet ist ein Husarcu-Umerosficier, der einen Schutz in die Brust erhielt, b!e Kugel hat er noch im Körper stecken. Von den beiden anderen Husaren erhielt einer neben anderen Verletzungen einen Stich in den Arm, der andere einen Stich in den Kopf. Die beiden letzteren Soldaten sind heute Morgen nach dem Lazareth ihres Garnisonortes abgereist, während der Unterofftcter hier verpflegt Und behandelt werden muß. Ein Assistenzarzt und ein Lazarethgehilte begleiteten die Verwundeten hierher. In der Nacht von Sonntag auf Montag fanden bereits Verhaftungen mehrerer der Thäterschaft verdächtigen Burschen statt. Wie gemeldet wird, ist der verwundete Unterofficier seinen Verletzungen erlegen.
— Hagen, 5. September. Nach vielen trüben, aber lehrreichen Erfahrungen ist ein Deserteur vor einigen Tagen in seine Heimath zurückgekehrt. Der Betreffende diente bei dem 45. Infanterie- Regiment in Metz und hatte schon über 2 Jahre herum, als er eines Abends, wahrscheinlich aus Furcht vor Strafe, desertirte. In Frankreich ließ er sich bei der Fremdenlegion anwerben und verbrachte dabei fünf Jahre in Algier. Die Sehnsucht nach der Heimath und, wie man sagt, auch die Kunde von dem Straferlaß des Heimgegangenen Kaisers Friedrich veranlaßten ihn zur Rückkehr. Am Körper und in der Kleidung sehr heruntergekommen, ohne jegliche Mittel soll er die wette Reise zu Fuß gemacht haben. Hier angekommen (bei einem Bruder), meldete er sich freiwillig beim Feldwebel des hiesigen Bezirkscommandos und wurde nachdem ihm noch 1 Tag Urlaub ertheilt war, in die Garnison seines Regiments trans- portirt, wo er noch die fehlende» Monate nachdienen muß. Eine sonstige Strafe trifft ihn nicht, wegm des Amnestieerlasses.
— Luckenwalde, 7.September. In letzter Nacht brannten die Tuchfabrik, sowie mehrere Häuser der hiesigen Firma »Tannmbaum, Pariser u. Comp. in Lindenberg ab. Der Schaden ist bedeutend. Viele Arbeiter sind arbeitslos geworden.
i— Schreckliche Ungewitter hausten in der Lombardei. In Mailand schlug der Blitz in die Kirche des hl. Alexander, in Bimercate fuhr er in einen Haufen von 20 Bauern, wobei vier ge- lödtet wurden.
— (Eine verwickelte Verwandtschaft.) Anläßlich der Vermählung der Prinzessin Lätitia, der einzigen Tochter aus der Verbindung der Familien von Savoyen und Bonaparte, mit dem Herzog von Aosta, der ihr Onkel ist, haben Kenner und Forscher des Gothaischen Almanachs heraus- gefunden, daß durch diese Ehe eine recht komische Verwandtschaft sich entwickelt. Die Prinzessin wird als Gattin ihres Oheims zugleich Schwiegermutter ihrer Cousins Emanuel, Victor und Ludwig und Tante des Prinzen von Neapel. Sie, die
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bisher die Nichte deS Königs von Italien gewesen, wird eine Schwägerin des Königs wie der Königin; auch Schwägerin des Königlichen Paares von Portugal. Ja, noch mehr, die Prinzesstn wird die Schwiegertochter ihrer Mutter, indem sie den Bruder der Prinzessin Clotlide heirathet. Was ihren Gatten, den Herzog von Aosta, betrifft, so kommt auch er durch diese Ehe in kuriose ver- wandschaftliche Verwickelungen. Er wird der Schwiegersohn seiner Schwester und seines Schwagers Jerome; er wird der Schwager seiner Neffen Victor und Ludwig und der Neffe seines Bruders Humbert und seiner Schwester Pia. — Diese Ahnentafel muß sich rein wie eine Rösselsprung- Ausgabe ansehen.
— EtnVersahren, dasNasenbluten zu st ille n »ohne Künstelei oder Hexerei durch die bloße Geschwindigkeit* lehrt das eben zur Ausgabe gelangte Heft VII von Dr. Niemeyers Monatsschrift »Hygieta* unter »Hygieinische Apotheke* wie folgt: Einfach muß sich der Bluter, auf die Gefahr hi i, vorläufig seine Leibwäsche zu röthen, läugelang auf den Rücken legen, beide Arme Hoch- heben, die Hände über den Hinterkopf (nicht Scheitel) falten, nun einige 20 Mal gemächlich, aber tief Athem holen und den Athem jedesmal so lange wie möglich anhalten. Als Nachkur mag er noch, wenn er's haben kann, ein heißes Fußbad mit folgender kalter Abwaschung gebrauchen und sich hierauf, flott athmend, im Freien ergehen. Probatum est — »hilft* aber auch ebenso gut bei einfacher Lungenblutung (Blutsturz) I
— Petersburg, 3. September. Pünktlich jedes Jahr berichteten die russischen Beamten im Gouvernement Charson über die Zahl und den Zustand der Volksschulen; jetzt hat sich herausgestellt, daß 217 dieser Schulen nur auf dem Papier bestehen. Die Summen für die Schulhäuser, die Lehrer u. s. w. scheinen in die Taschen der Beamten geflossen zu sein. Echt russisch!
Standesamtsbezirk Hersfeld.
Vom 16. bis incl. 31. August 1888.
Eheschließungen.
Am 21 MoseS Nußbaum, Schneider mit Hannchen Goldschmidt dahier.
Geburtsanzeigen.
Am 18. Eine Tochter des Postdirectors Julius Karl Vigelius. — 19. Anna Elisabeth, T. des ZimmermannS Peter Möller zu Kalkobes. — 21. Justus, S, des Ackermanns Justus Rieding zu Heenes. — 22. Heinrich Richard, S. des Kaufmanns Heinrich Gustav Schreiber. — 23. Anna Margretha, T. des Militair-Anwärters Johannes Müller. — 25. Wilhelm, S. des Tagelöhners Christian Stang. — 26. Ein Sohn des Tuchmachergesellen Johannes Schmidt. Anna Barbara, T. der unverheiratheten Anna Barbara Höhmann zu Kalkobes. — 29. Johann Karl, S. des Schuhmachers Johannes Langenberg.
Sterbefälle.
Am 18. Maria Auguste, Ehefrau des ApreteurmeisterS Jacob Walther, 47 Jahre alt. — 28. Jacob, S. des Heizers Valentin Bickel, 1 Monat alt. JustuS, S. des Ackermann- Justus Nieding zu He^neS, 7 Tage alt, Martha Elisabeth, Ehefrau des Schuhmachers George Hild, 64 Jahre alt.
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