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Helchldcr KreisbKtt.

Mit wöchentücher Kratis-ZLeilageIllustrirtes AnterhaltungsötaLL".

Nr. 107.

Dienstag den 11. September

Amtliches.

Hersfeld, den 8. September 1888.

CatharinaElisabetha Becker, geboren am 30. September 1864 zu Stärklos, seither wohnhaft in Cassel, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 9309. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Kaiser Wilhelm bat sich am 6. September Abends nach der Provinz Posen benebelt und am Freitag dort den Manövern der 10. Division beigewohnt. Am Montag, 10. September, gedenkt der Kaiser bei Berlin die große Parade des 3. Armeecorps abzuhalten und Abends nach Bremerhafen abzureisen, wohin die Kaiserliche Jacht »Hohenzollern" bereits von Kiel aus abgedawpft ist, um den Monarchen zu den Flottenübungen nach Wilhelmshaven zu bringen. Am 13. September früh soll der Kaiser wieder in Berlin eintreffen, und gedenkt derselbe sich alSdann sofort zu den Manövern des 3. Armeecorps und der beiden Cavallerie-Divisionen zu begeben, an welche sich dann die großen Manöver des Garde­corps und des 3. Armeecorps in der Zeit vom 15. bis 19. September bet Müncheberg anschließen. Su denselben werden der Erzherzog Albrecht von

esterreich und der Großfürst Ricoe'aus von Rutz- land erwartet, von deutschen Fürsten der König von Sachsen und die Prinzen Leopold und Arnulf von Bayern.

Aus das an Se. Majestät den Kaiser gerichtete Hul­digungstelegramm der Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins ist folgende Antwort etnge- gangen: »Se. Majestät sind durch die Huldigung der 42, Hauptversammlung des Gesammtvereins

Waldschatten.

Erzählung von R o b e r t S ch w e i ch e l.

(Fortsetzung.)

Der unerwartete Besuch verwirrte Käthe. Sie verbarg es, indem ste eine kleine Tüte aus ihrer Kleidertasche zog und Franz daraus ein Stück Gerstenzucker gab, woraus sie ein Päckchen, das sie im Arm hatte, bei Seite legte.

»Sie können sich wohl vorstellen, weshalb ich gekommen bin," sagte Frau Lindenau, als Käthe sie jetzt fragend anblickte. »Sie sind selbst Mutter und begreifen, wie dankbar ich Ihnen dafür bin, daß Sie meinen Sohn vor einer schimpflichen Strafe bewahrt haben."

Käthe wurde dunkelroth. ,O, ich that's nicht am Dank," rief sie und zu dem Knaben, der sich an ihrem Rocke festhielt und dabei an seinem Gerstenzucker lutschte: »Geh spielen, Franzel, sei artig."

»Rein, denn Sie haben offen gestanden, weshalb Sie es thaten," entgegnete Eugens Mutter, wäh­rend das Bübchen gehorchte und bald wieder lustig umhertobte. »Soll ich Ihnen deshalb weniger danken ? Ich habe wie Sie nur das eine Kind."

Radusch zupfte wiederholt an seinem Stirnhaar. Er schien ungewiß, ob er bleiben oder gehen sollte. Ein Blick seiner Schwester entschied ihn, er zog seinen Rock an, denn er hatte in Hemdärmeln gearbeitet und setzte seinen Lederhut auf.

«Ohne den Förster Lindenau war' ich dazumalen

der Gustav-Adolf-Stiftung, sowie die Segens-! wünsche desselben aus Anlaß der Taufe des neuge­borenen Prinzen herzlich erfreut. Allerhöchstdieselbe lassen aufrichtigst danken und wünschen, daß auch die diesjährigen Berathungen der Versammlung unter Gottes gnädigem Beistand der evangelischen Kirche zum Segen gereichen mögen.

gez. v. Lucanus, Geheimer Cabinetsrath."

Wie bestimmt verlautet, erfolgt der Besuch des Grafen Kalnoky beim Reichskanzler Fürsten B i s m a r ck noch im Laufe dieses Monats und zwar in Friedrichsruh.

Herr v. B e n u i g s e n ist infolge seiner Er­nennung zum Ober-Präsidenten aus demProvtnzial- Wahlcomitee der nationalliberalen Partei ausge­schieden; auch wird der Ober-Präsident an der am 30. September stattfindenden Landes-Bersammlung nicht theilnehmen, wird jedoch, wie der »tzann. Cour." mittheilt, ein Reichstagsmandat für den 18. Wahlkreis wieder annehmen.

Der commandirende General des württem« belgischen Armeecorps, General v. Alvensleben, macht für die Verbreitung biblischer Schriften unter die Soldaten seinen Einfluß geltend. Er hat in einem Erlasse an die Regiments- Commandeure auf den hohen Werth des von der Stuttgarter Bibelgesellschaft ausgehenden Aner­bietens von heiligen Schriften zu billigsten Preisen, um dieselben den Mannschaften zugänglich zu machen, hingewiesen »da es den auflösenden Stre- bungen der Zeit gegenüber unsere Pflicht ist, die sittliche Kraft der uns anvertrauten, oft unter Verführung erwachsenen und der Verführung wieder entgegengehenden Jugend an der Wurzel zu pflegen."

Da es vorläufig nicht abzusehen ist, wann der plötzlich erkrankte Vorsitzende der Commission für die Ausarbeitung eines bürgerlichen Gesetz- buches wieder arbeitsfähig sein wirb, so werden die Sitzungen der Commission jetzt ohne Leitung des Dr. Pape abgehalten werden.

im Wald elendiglich zu Grund gegangen," mur­melte er dabei und verließ die Stube.

Die alte Frau schüttelte bedächtig den Kopf und sagte, als sie mit Käthe allein war: »Aus Dank­barkeit war es zu viel, was Sie für meinen Eugen thaten. Aus Liebe?"

Käthe hielt ihren forschenden Blick ruhig aus und die Andere fuhr fort: »Aus Liebe kann man viel für einen Mann thun. Aber Sie kennen meinen Sohn kaum. Warum also schwuren Sie falsch?"

Käthe fuhr erblassend zurück.

»Seien Sie ruhig, ich werde Sie nicht verrathen! Warum also? Ich werde es Ihnen sagen I Sie wollten sich an der armen Trude rächen."

»Nein, nein," rief Käthe leidenschaftlich. »Es ist wahr, daß ich die Trude nicht leiden mag; denn sie hat mir den Barkow abwendig gemacht. Aber mich dafür an ihr rächen? Das ist mir nie in den Sinn gekommen. Ja, wenn der Ltn- denau den Oberförster umgebracht hätte, nachher weiß ich nicht was ich gethan hätte. Aber ihr? Nein, nein, nein!" r r

»Trotzdem hat Ihre Aussage sie ins Herz getroffen und sie und meinen Sohn für immer auseinander gerissen."

»Ihre Aussage ist ihm an's Leben gegangen; warum hat sie selbst ihn nicht gerettet?" entgeg­nete Käthe mit einem Allfluge von Trotz, der jedoch sogleich wieder verschwand, als der Besuch erwiderte: »Es besitzt nicht jede Ihren Muth," und dann leise und scharf hinzusügter »Da mein

Dem Senat in Hamburg ist nunmehr die offi- cielle Meldung zugegangen, daß Se. Majestät der Kaiser zu den Feierlichkeiten des Zollan­schlusses, Mitte künftigen Monats, daselbst ein­treffen wird. Infolge dieser freudigen Nachricht waren Donnerstag alle Zollanschlußbauten reich beflaggt.

Aus Sansibar wird unterm 8. d. tele- graphirt: Am 5. September ging S. M. Schiff »Möve" nach Tonga, wo durch die ostafrikantsche Gesellschaft die Uebernahme der Verwaltung statt- finden sollte. Erkundigungshalber ging Nach­mittags ein Boot ans Land, mußte aber umkehren, weil es von der einheimischen Bevölkerung ohne Grund beschossen wurde. Am nächsten Morgen wurden zwei Boote der »Möve" in gleicher Weise angegriffen, worauf diese auf die Angreifer feuerte und dieselben durch ein kleines Detachement zer­streute. Der Sultan hat Truppen zur Züchtigung der Aufständischen abgesandt. Die Ruhe ist wieder hergestellt.

General der Infanterie und General­adjutant v. Stichle ist laut Cabinets-Ordre vom 4. d. in Genehmigung seines Abschiedsgesuches von seinem Posten als Chef des Ingenieur- und Pionier-Corps und als Inspecteur der Festungen enthoben, und mit Wahrnehmung dieser Funktionen der Generalmajor und Präses des Jngenieurcomi- tees, Golz, beauftragt worden.

Der ehemalige König M a l t e t o a von Samoa, der auf einem deutschen Kriegsschiff nach Deutsch­land transporttrt worden ist, ist am 5. d. mit den beiden ihn begleitenden Samoanerhäuptlingen aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Derselbe hat sich bereits an Bord des Reichspost- dampsers »Nürnberg" begeben, um nach Apia zu- rückzukehren.

Ein umfangreicher Soctaltstenproceß wird demnächst vor dem Hamburger Landgericht zur Verhandlung kommen. Es handelt sich um

Sohn in jener Nacht nicht in der Oberförsterei war, woher wissen Sie, daß er nicht der Mörder ist?"

»Ich werde es nie sagen," antwortete Käthe verwirrt.

Eugens Mutter blickte sie einige Sekunden lang forschend an, worauf sie sagte: »Gleichviel, aus welchen Gründen Sie handelten, Sie retteten ihm das Leben und können daher seiner Mutter ver­trauen. Erleichtern Sie Ihr Herz!"

Ich habe kein Mißtrauen gegen Sie," ant­wortete Käthe mit ruhiger Entschiedenheit. »Wenn es verrathen würde, daß ich falsch ausgesagl habe, so werd' ich's über mich ergehen lassen. Aber warum ich's that, das werden mir selbst die Gerichte nicht abzwingen."

Ich traue es Ihnen zu," seufzte Frau Ltn- denau, »und Eugen wird den Verdacht der Untreue tragen müssen."

Sie erhob sich, reichte Käthe die Hand und streichelte dem Kleinen, der herbeigesprungen kam, den schwarzen Krauskopf.

Käthe stand eine lange Weile in schmerzliches Sinnen verloren, nachdem der Besuch sich entfernt hatte. Dann seufzte sie schwer, hob den Kleinen auf und erstickte ihn fast mit ihren Küssen.

Als ihr Bruder wieder nach Hause kam, flocht sie eifrig an einem Korbe. Ihre Mienen hatten ihren gewöhnlichen, ruhigen, etwas traurigen Aus­druck, wie er sich durch einen verstohlen forschenden Blick überzeugte, während er sich zu seiner vorher verlassenen Arbeit setzte, die ihm jedoch nicht von der Hand gehen wollte.