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innerhalb ihrer Bezirke vorgelommenen entschädi- gungspflichtigen Unfälle der gesetzlichen Borschrist gemäß anzufertigen haben. Angesichts der Ver­schiedenheit der in den landwirthschaftlichen Berufs- genossenschaften obwaltenden Verhältnisse indessen hat es sich herausgestellt, daß den Bedürfnissen aller dieser Genossenschaften mit einem einheitlichen Formulare für die Verzeichnisse nicht entsprochen werden kann. Die Gestaltung des Unsallverzetch- nisses ist deshalb vom Reichs-Versicherungsamte den einzelnen landwirthschaftlichen Berussgenoffen- schaften selbst überlassen worden.

Ueber die Baukosten der preußischen Ströme wird in einer im Austrage des Ministers der öffentlichen Arbeiten ausgearbeiteten Denkschrift eine Tabelle veröffentlicht, welche, trotzdem sie für die einzelnen Ströme nicht von denselben Jahren als Anfangsdaten ausgeht, dennoch interessant sein dürfte. Danach wurden vom preußischen Staate aufgewendet für die Memel seit 1853: 9 899170 Mark, für die Weichsel seit 1832: 45 376196 Mk., für die Oder seit 1816: 42 480 543 Mark, für die Elbe seit 1859: 44 442113 Mark, für die Weser seit 1874: 6 217 007 Mark, für den Rhein seit 1866: 55 629 295 Mark, zusammen 204 044 324 Mark.

(Oesterreich-Ungarn.) Graf Julius An- drassy, derMitschöpfer des deutsch-österreichischen Friedensbündnisses, ist leidend, doch stellen sich die anfänglichen Zeitungsnachrichten über seinen Zustand als übertrieben heraus. In Wiener Kreisen erhält sich das Gerücht von dem Rücktritt des Unterrichts-Ministers Dr. v. Gautsch. Es sollen Unterhandlungen zwischen dem Grafen Taaffe und dem mährischen Statthalter Grafen Schönborn wegen Uebernahme des Portefeuilles im Gange sein, welche dem Abschlüsse nahe sind. Der Zusammenkunft zwischen Crispi und dem Grafen Kalnoky in Eger legt man in Wien ebenfalls die größte Bedeutung bei. Das Fremdenblatt" sagt, die Entrevue Kalnoky's und Crispi's beweise nur die unveränderten herz­lichen Beziehungen zwischen den beiden engver- bündeten Staaten. Der Vortheil des Austausches gegenseitiger Ideen fei um so größer in einer Zeit, welche trotz zweifellos relativer Beruhigung doch andauernde Unsicherheit zeige. Es wäre un­sinnig, die Entrevue mit abenteuerlichen aggressiven Tendenzen in Verbindung zu bringen. Weder in Friedrichsruh, noch in Eger sei man aus dem Rahmen der Friedenspolitik heransgetreten. Das Lebensinteresse zwinge Italien, sein ganzes Augen­merk auf die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Kräfteverhältnisse im Mittelmeer zu richten. Oesterreich-Ungarn erkenne die ganze Berechtigung dieses Standpunktes an, wie ja auch die Orient- interessen eine Gemeinsamkeit der Orientpolitik Oesterreich-Ungarns und Italiens gestatten. Man dürfe daher der Entrevue in Eger mit jener Genugthuung entgegensehen, welche dem Friedens­freunde erneute Bekräftigung eines zum Schutze des europäischen Friedens geschlossenen Bundes gewähre. Die meisten Blätter besprechen die Entrevue in ähnlichem friedlichen Sinne.

(Frankreich.) Präsident Carnot hat den Wunsch ausgesprochen, daß die allgemeinen Neuwahlen vor der Eröffnung der Ausstellung, also bereits im März oder April stattfinden. sah sie sich doch von sämmtlichen Augen im Saale angestarrt. Sie trug dasselbe schwarze Kleid, wie bei dem Begräbnisse des Oberförsters und ein Sonnenstrahl umspielte ihre reichen, doch schlicht geordneten blonden Flechten, als sie vor den Richtern stand. Der scharfprüfende Blick des Vor­sitzenden veranlaßte sie, die Augen zu senken. Die üblichen Vorfragen beantwortete sie mit einer anfangs befangenen Stimme, dir einen tiefen, welchen Klang hatte.

Sie standen also bis zu dem Tode des Ober­försters Barkow in dessen Dienst, was wissen Sie von dem Morde?" begann der Vorsitzende.

Käthe Radusch athmete tief auf.

Ich weiß blos, daß es der Revierförster Lin- denau nicht gewesen sein kann," antwortete sie beklommen.

Woher wissen Sie das?"

Sie schwieg, wechselte die Farbe und sah zu Boden.

Runrunzelte der Vorsitzende die Stirn.

Im Saale herrschte eine Stille, so daß man den Fall einer Schneeflocke hätte hören können, und in dieser Stille vernahm man jetzt die leisen Worte, die Käthe sprach, ohne die Augen auszu- schlagen:Er war in jener Nacht in der Oberförsterei bet mir."

Eugen schnellte empor, ein Schrei übertönte das dumpfe Aufbrausen der Menge und lenkte seine Aufmerksamkeit von der Zeugin ab. Bestürzung malte sich in seinen Zügen: Trude war in Ohnmacht gefallen. Frau Lindenau bemühte sich

In Paris waren auf Grund einer Correspondenz aus Toulon die seltsamsten Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Mobilisirung von 44 Kriegsschiffen und 2000 Mann Marine-Infanterie behufs Landung in Corsica verbreitet. Wie jetzt bekannt wird, handelt es sich lediglich um Manöver, insbesondere den Versuch der schleunigen und gleichzeitigen Ausrüstung der zur Reserve gehörenden Kriegsschiffe. Der Marine-Minister hat angeordnet, sich im Kriegshafen von Toulon bereit zu halten, um versuchsweise eine bestimmte Anzahl Panzer und leichtere Schiffe auszurüsten. Der Zweck dieser Uebung im größeren Stil ist, die Gewißheit zu erlangen, ob das Arsenal des Mittelländischen Meeres und im Vergleiche damit auch die übrigen Arsenale im Stande sind, mühelos sowie mit aller Beschleunigung die in der Reserve befindlichen Schiffe auszurüsten. Im General- rath des Aisne-Departements, dessen Präsident der Botschafter in London, Waddington, ist, wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß General Boulanger des Landes verwiesen werden sollte; nach kurzer Debatte aber ging man zur Tagesordnung über. Anläßlich des 50jährigen Geburtstages des Grafen von Paris fand am Donnerstag imContinentalhotel zu Paris ein Festessen statt, an welchem etwa 300 royalistische Notabilitäten theilnahmen. Es wurden die üblichen Reden gehalten und dem Prätendenten das übliche Huldigungstelegramm .zugesandt.

(England.) Die Veröffentlichung der Er­widerung Mackenzies auf den Krankheitsbericht der deutschen Aerzte ist, wie es jetzt heißt, vor Mitte September nicht zu erwarten. Die Ad­miralität hat beschlossen, in diesem Jahre sechs neue Torpedoboote erster Klasse bauen zu lassen. Wie diePall Mall Gazette" aus guter Quelle wissen will, soll als Ergebniß der jüngsten Flotten­manöver die Kriegsflotte um eine bedeutende Anzahl neuer Panzerschiffe und schnellsegelnder Kreuzer vermehrt werden. Zum Aufstande inAfghanistan, welcher die englische Regierung außerordentlich beunruhigt, wird aus Simla, dem Sitz der indischen Regierung während der Sommermonate, gemeldet, daß aus Wunsch des Emirs von Afghanistan der dortige Secretär des Auswärtigen, Durand, in besonderer Mission nach Kabul gehe, um mit dem Emir zu verhandeln. Die englisch-indische Regierung glaubt, daß der Aufstand durch russischen Einfluß herorgerufen sei. DieTimes" melden aus Südafrika, daß der Zuluhäuptling Dinizulu und zwei seiner Befehlshaber mit einer größeren Anzahl Vieh von den Boers gefangen worden seien; die Boers hätten Dinizulu und die beiden Anführer den englischen Behörden ausgeliefert.

(Rußland.) DerRussische Invalide" kündigt an, daß am Ende des Monats August ein großes 6 Tage dauerndes Manöver der Truppen der Odessaer und Charkower Militärbezirke in der Umgegend von Jelissawetgrad und von Alexandria (Gouvernement Chersson) stattfinden wird. An demselben nehmenTheil: EineDivision Infanterie, welche aus 4 durch Einberufung der Reservisten zu ebenso viel Regimentern deployirten Reserve- Cadre-Bataillonen zu formiren ist und eine ebenfalls mobilisirte Reserve-Artillerie-Brigade

um sie und der Vorsitzende selbst füllte aus der auf dem Richterttsche stehenden Wasserflasche ein Glas und winkte dem Gerichtsdiener. Dieser und die Mutter des Angeklagten halfen der Unglück­lichen aus dem Saale. Der Müller saß wie stumpfsinnig da und regte sich erst und folgte jenem, als der Vorsitzende ihm sagte, daß der Gerichtshof seiner und der Tochter nicht mehr bedürfte.

Die üppige Gestalt Käthes war bei dem Weh. schrei erbebt; dann aber stand sie in der allge­meinen Aufregung unbewegt wie ein Steinbild und bleich wie ein solches, immer auf den Boden schauend.

Der Vorsitzende läutete und nahm die Verhand­lungen wieder auf. Käthe erzählte:

Es wird so um neun Uhr gewesen sein. Die Knechte waren schon schlafen gegangen und die beiden Jägerburschen auf ihrer Stube. Die Magd wusch noch in der Küche auf. Ich kam aus der Küche und wollt' eben mit dem Licht in der Hand die Treppe hinaufgehen, als der Reotersörster kam und nach dem Oberförster fragte. Die Hausthür blieb immer so lange offen, bis der Oberförster nach Haus kam, der sie verschloß. Er war noch draußen bei Zeuners, mußte aber bald kommen und das sagte ich Herrn Lindenau und wenn es 'was Wichtiges wäre, möchte er warten, oder vielleicht könnte ich es ausrichten. Er wollte lieber warten, denn er müßte ihn selbst sprechen, sagte er, und ich führte ihn in die Wohnstube. Er war aufgeregt und ging immer hin und her. Ich bot

(4 Batterien zu 8 Geschützen). Die Beförderung der Truppen per Eisenbahn erfolgt laut dem Kriegsreglement. Die Feldpost und der Feld­telegraph werden functioniren.

(B a l k a n st a a t e n.) Von verschiedenen Seiten wird gemeldet, Prinzessin Clementine habe in Petersburg anfragen laffen, ob der Uebertritt des Prinzen Ferdinand zur orthodoxen Kirche den Zaren versöhnlicher stimmen würde. Der Zar soll mit einem Achselzucken geantwortet haben, während die Kaiserin dem Vorschlag insofern nicht abgeneigt wäre, als der Coburger gleichzeitig um die Hand einer griechischen Prinzessin zu werben gedenke. Die ganze Meldung klingt ziemlich un­wahrscheinlich. Daß dadurch an Rußlands Politik etwas geändert werden sollte, ist nicht anzunehmen. In R u m ä n i e n ist wieder eine Bauernre - volle ausgebrochen. Vierzig Bauern der rumä­nischen Gemeinde Bombest, welche infolge der Grenzregultrung an Ungarn fällt, widersetzten sich der ungarisch-rumänischen Grenzregulirungs-Com- Mission. Der rumänische Delegirte stellt bewaff­netes Einschreiten in Aussichl, falls die Bauern ihren Widerstand nicht gütlich aufgeben sollten.

(A m e r i k a.) Seit Jahren schon bestehen ernst­liche Streitigkeiten zwischen den Fischern der Ber­einigten Staaten und des zu England gehören­den Canada wegen Ausübung der Fischerei auf dem großen Grenzflüsse. Diese Differenzen sollten durch einen Vertrag zwischen den Ver. Staaten und Canada ausgeglichen werden. Der Senat zu Washington hat diesen Vertrag aber verworfen; um sich den Jrländern bet der Präsidentenwahl zu empfehlen, stimmten nämlich sämmtliche Repu­blikaner dagegen! Präsident Cleveland verlangt nun Vollmachien vom Congreß, um gegen Canada Repressalien zu ergreifen!

Aus Hefsen-Rafsau.

.Hersfeld, 27, August. Es besteht im Publikum zum Theil noch Die Gewohnheit, Postsendungen an Personen, welche in überseeischen Ländern sich aushalten, an die be­züglichen deutschen Consulate behuss Aushändigung an die Empsänger zu adressiren. Durch dieses, aus früherer Zeit herstammende Verfahren entstehen sür die Briefempfänger häufig Umständlichkeiten und Verzögerungen, für die Kaiser­lichen Consulate aber erhebliche Erschwernisse. Neuerdings hat deshalb u. a. das deutsche Consulat in BuenoS-Ayres sich genöthigt gesehen, seine Mitwirkung bei Ueber« Mittelung von Postsendungen für Privatpersonen, welche sich länger wie drei Monate im Lande aushalten, durch öffentliche Bekanntmachung in argentinischen Blättern aus- zuschlietzen. Die D. V.-Z. räht daher den Absendern in Deutschland, die Sendungen direct an die Empsänger zu adressiren, dadurch den Weltpostvereins,Vertrag genügende Vorsorge für die richtige Beförderung und Bestellung ge­troffen ist, selbstverständlich vorausgesetzt, daß die Adressen genau und vollständig lauten.

Hersfeld, 27, August. Die vielfach verbreitete Meinung, daß die Pon-Angestelllen verdorbene oder nach und nach unbrauchbar gewordene Postkarten Umtauschen, wenn solche gesammelt und in einer Anzahl von 100 Stück zurückge­geben werden, ist unzutreffend; vielmehr wird der Umtausch nur dann bewerkstelligt, wenn sich der Schaden aus minde­stens 100 Stück erstreckt, und wenn die Unbrauchbarkeit gleichzeitig und durch ein unabweisbares Ereignis, nicht aber nach und nach durch eine Reihe von einzelnen Ver­fahren Herbeigefahrt worden ist. Hierüber muß dem be­treffenden Postamte vorkommendensalls der Nachweis er­bracht werden.

Hersfeld, 27. August. Die Wetter-Regel vom Stevens chlafer hat den Professor G. Neuvert vom Dresdener Polytechnikum veranlaßt, innerhalb der

ihm ein Glas Wein an, es stand immer welcher in dem Spind in der Wohnstube. Zuerst dankte er, nachher trank er. Und dabei fegte er sich zu mir an den Tisch."

Sie hatte bisher mit einer ruhigen Deutlichkeit berichtet und auch die Augen freier und freier aufgeschlagen. Jetzt stockte sie und der Vorsitzende schob die Frage ein, seit wann sie mit dem Ange­klagten bekannt fei? Ihre Wangen rötheten sich höher, sie netzte sich die Lippen mit der Zunge, schluckte und fuhr fort:

Von Ansehen kenne ich ihn schon, seitdem er im Amt ist. Ich war gerade bet dem Herrn Oberförster in der Stube, als er sich ihm vor- stellte. Ich sah gleich was er für ein hübscher Mann ist. Nachher kam das Unglück mit meinem Bruder. Der Badak hatte seinen Hund auf ihn gehetzt und ihn angeschossen. Der Revierförster Lindenau fand ihn im Wald, wo er elend' zu Grund gegangen wäre, wenn er sich nicht seiner erbarmt hätte. Sie können's sich nicht vorstellen wie seelensgut er ist.

Ja, das ist er," bestätigte hier mit lauter Stimme seine Mutter, die in den Saal zurück­gekehrt war, da Trübe sich inzwischen erholt hatte. Auch diese saß wieder auf ihrem früheren Platze. Sie wollte den Gisttrank, den Käthe ihr reichte, bis auf den letzten Tropfen leeren und hatte sich hartnäckig geweigert, von dem Vater sich nach Hause bringen zu lassen.

(Fortsetzung folgt.)