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Helsseldtl Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes AnLerhattungsvlatt".
Nr. 101. Dienstag den 28. August 1888.
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Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der König von Dänemark ist am Freilag Abend auf dem Anhalter Bahnhöfe zur vorgesehenen Zeit eingetroffen und von Sr. Majestät unserem Kaiser und dessen Bruder dem Prinzen Heinrich, herzlich willkommen geheißen. Stach Vorstellung des beiderseitigen Gefolges und Abschreiten der vom 1. Garde-Regiment gestellten Ehrencompagnie bestiegen die beiden Monarchen den Wagen des Kaisers, um sich nach dem Königlichen Schlosse zu begeben. Das auf dem Askanischen Platz, wie in der Königgrätzerstraße und unter den Linden zahlreich versammelte resp, passirende Publikum begrüßte die beiden befreundeten Herrscher in herzlichster Weise. — Am Sonnabend Vormittag hatte Se. Majestät der Kaiser Allerhöchst seinen erlauchten Gast zur gemeinschaftlichen Fahrt nach dem Tempelhofer Felde abgeholt, woselbst beide dann mit den Königlichen Prinzen, der Generalität und den fremdherrlichen Offt- eieren ac. dem Exercieren der 1. und der 2. Garde-Infanterie-Brigade längere Zeit bei- wohnten. — Auf der Fahrt nach dem Exercier- platze verließen Se. Majestät der Kaiser und Se. Majestät der König von Dänemark in der Belle-
alliancestraße im Hofe der Kaserne des 1. Garde- Dragoner-Regiments den Wagen, stiegen dort zu Pferde und begaben sich von dort aus nach dem Manöverfelde östlich der Tempelhofer Chaussee, woselbst bei ihrer Ankunft die Königlichen Prinzen, die Generalität und die zur Zeit in Berlin anwesenden fremdherrlichen Offtciere bereits versammelt waren. — Se. Majestät der Kaiser kehrte dann am Sonnabend Mittag, nach dem Schluß der Exercitien sofort wieder nach dem Königlichen Schlosse in Berlin zurück und nahm daselbst die regelmäßigen Vorträge und einige persönliche Meldungen entgegen.
Se. Majestät her Kaiser fährt heute, Montag, früh 8 Uhr über Dobrilugk nach Dresden, wo er um 11 Uhr ankommen wird und nach Besichtigung seines Regiments Abends zurückkehrt.
Zur Pathenstelle bei dem jüngsten Kaiserlichen Prinzen haben die Kaiserin Elisabeth und Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich, der officiösen Wiener „Pol. Korresp.* zufolge, von Berlin aus Einladungen ermatten.
Ob sich der Reichskanzler Fürst Bismarck dieses Jahr noch nach Ktssingen begiebt, sei bis zur Stunde nicht festgestellt und werde ausschließlich vom Gesundheitszustände des Fürsten abhängen.
Herr Crispi hat sich von Friedrichsruh über Leipzig nach Carlsbad zu seiner Familie begeben und wird von dort nach Eger reisen, woselbst er mit dem Grafen Kalnoky eine Zusammenkunft hat.
Der Kaiser von Oesterreich ist am Sonnabend in München eingetroffen und von der Prinzessin Leopold und der österreichischen Gesandtschaft am Bahnhof empfangen worden; derselbe begiebt sich am Sonntag nach Kreuth.
Die „Nordd. Allg. Ztz." schreibt: Die „Einte#" bringen einen Leitartikel über die großen Wahlerfolge, welche der General Bo»langer soeben errungen hat, und führen darin aus, daß dieses Wiederauftauchen des Boulanger-
Sternes, den man bereits untergegangen gewähnt hatte, in Berlin unangenehm berühren würde. Dies ist ein vollständiger Irrthum. In Berlin wird man stets mit Genugthuung jeder Entwickelung Frankreichs gegenüberstehen, die geeignet scheint,' dem benachbarten Lande Ruhe zu verschaffen und es wieder zu einem zahlenden Abnehmer unserer Pro- ducte zu machen. Unter welcher Regierungsform dies geschehen möge, ist eine Frage, die für uns gar keine Bedeutung hat. Wir haben keinerlei kriegerische Velleitäten, und jede französische Regierung, die den Frieden nicht bedroht, ist uns recht und wird uns willkommen sein. General Boulauger hat hinreichende Versprechungen gegeben, daß auch ihm, im Interesse Frankreichs, die Aufrechterhaltung des Friedens am Herzen liege, und es ist deshalb gar kein Gründ vorhanden, uns wegen der Eventualitäten zu beunruhigen, die an die Wahl des Generals geknüpft werden. Wir können mit einem Boulangistischen Frankreich ebenso gut in Eintracht leben, wie mit einem Bonapartistischen; es ist zum mindesten fraglich, daß General Boulanger, falls derselbe zu gesteigertem Einfluß kommen sollte, denselben in antideutschem Sinne verwerthet! werde und es ist im Gegentheil in hohem Grade wahrscheinlich, daß der^General vorsichtig vermeiden werde, eine errungene hohe Stelle den unberechenbaren Zufällen eines Krieges preiszngeben. Wir sind nach Allem, was .General Boulangex in jüngster Zeit gesagt und geschrieben 'haH berechtigt/ ahn'für friedfertig pr hatteltT^rmo^Muit wir " darin auch keine sichere Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des Friedens erblicken, so sind wir uns doch ganz klar darüber, daß es bei der augenblicklich in Frankreich herrschenden Stimmung keine französische Regierung giebt oder geben kann, die uns in dieser Beziehung vollständig beruhigen würde. Aber General Bonlanger beunruhigt uns sicherlich nicht mehr als irgend ein Anderer, und wenn er hält, was er versprochen hat, wenn es ihm gelingt, Ruhe und Ordnung in Frankreich herzustellen, so werden seine Erfolge uns und ganz Europa sicherlich willkommen sein.
Das Befindendes Königs Otto von Bayern ist, wie die „Münchener Neuesten Nachr." im Gegensatze zu anderweitigen Mittheilungen hervorheben, weder besser noch schlechter als seit Monaten.
Die landw irthschaftltchen Berufsge- nossenschaften werden ebenso wie die industriellen behufs Benutzung theils bei Ausstellung und Revision der Gesahrentarife theils beim Erlasse von Unfalloerhütungsvorschristen Verzeichnisse der
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Waldschatten.
Erzählung von R o b e r t S ch w e t ch e I.
(Fortsetzung.)
„Und wen halten Sie für den wahren Schuldigen?* fragte der Vorsitzende weiter.
„Ich kenne ihn nicht,* gab sie mit gerunzelter Stirn zur Antwort. „Aber mit dem Wissen, das ein Mutterherz von ihrem Kinde hat, weiß ich, daß mein Eugen die That nicht gethan hat. Das nehme ich ruhig auf meinen Eid. Ja, er war an jenem Abend trauriger als sonst über fein Liebes- glück, hat er mir doch nie glauben wollen, daß im Wald kein Glück gedeiht. Er hat nachher nicht schlafen können; er war unruhig, niedergeschlagen auch die folgenden Tage.*
„Und welchen Grund gab er Ihnen dafür an fiel der Vorsitzende scharf ein.
„Ich fragte ihn, aber er bat mich, es nicht zu thun, und ich unterließ es,* antwortete sie mit ruhiger Schlichtheit. „Warum sollte ich in ihn dringen? Nie hat er fein eigenes Thun vor mir verheimlicht. Wenn er mir einmal etwas zu verheimlichen suchte, dann waren es Schlechtigkeiten Anderer, deren er sich in ihrer Seele schämte.*
War es das Lob der Mutter, daß Eugen blut- roth wurde? Um es zu verbergen, senkte er den Kops auf die Brust.
Hier wurde die Thür, die aus dem Zeugen- zimmer in den Saal führte von außen hastig auf- gestoßen, aber von dem Gerichtsdiener rasch, und
wie es schien, mit einiger Gewalt wieder geschlossen. Viele sahen neugierig hin.
„Wenn die Herren etwas vom Forstwesen verständen,* fuhr Eugens Mutter unterdessen fort, „dann würden sie von einem Jäger, der Nachts sein Revier abpatrouillirt, nicht verlangen, daß er ihnen sage, wo er um die und die Zeit gewesen ist. Als ob er jeden Augenblick nach der Uhr sähe!'
„Aber wie erklären Sie selbst sich das auffällige, veränderte Wesen Ihres Sohnes nach jener Nacht?* fragte der Vorsitzende.
Sie sah ihn mit ihren grauen Augen durchdringend an und sagte darauf langsam: „Nicht daraus, daß er Blut vergossen hat.' Etwas lebhafter fuhr sie fort: „Warum wäre er sonst so erschrocken gewesen, als ihm der Forstschreiber Werner am folgenden Morgen die Ermordung Barkows anzeigen ließ? Es erschrickt Einer doch nicht, wenn er von Anderen erfährt, was er selbst schon längst weiß. Aber Sie glauben der Mutter nicht, daß er unschuldig ist, und ihr Sohn ist doch ein Theil von ihr.' Sie wendete sich zu dem Angeklagten und fragte ihn feierlich, ehe der Vorsitzende es verhindern konnte: „Mein Sohn, hast Du es gethan?'
Und Eugen erhob sich rasch, legte die Hand auf das Herz und erwiderte ebenso feierlich: „Bei dem Andenken meines Vaters, ich that es nicht!*
Die Wirkung dieses unerwarteten Auftritts war groß und die Rüge, die der Vorsitzende Mutter und Sohn ertheilte, kam zu spät. Eine Beweiskraft konnte man freilich der Sprache des Mutter
herzens, wie ergreifend sie war, nicht beimessen.
Doch jetzt ereignete sich wiederum etwas Unvorhergesehenes. Noch bevor die Vernehmung der Mutter abgeschlossen, hatte sich hinter der Thür des Zeugenzimmers eine weibliche Stimme laut erhoben. Der Gerichtsdiener war hineingegangen, um Stille zu schaffen. Er kam mit einem Zettel zurück, den ,er dem Vertheidiger überreichte. Dieser erhob sich nun und bat um das Wort. Von dem Forstschreiber Werner, der auf seine Vernehmung warte, sei ihm soeben eine wichtige Mittheilung gemacht worden. Es sei eine Frau in das Zeugen- zimmer gekommen, welche mit Dringlichkeit verlangte, vor den hohen Gerichtshof geführt zu werden, da sie Aussagen von allerhöchster Bedeutung zu machen habe. Von dem Gerichtsdiener zurückgewiesen, habe sie dem Zeugen Andeutungen gemacht, die ihn veranlaßten, ihr Gesuch nachdrücklichst zu unterstützen. Er kenne die Person bereits seit längere Zeit; sie sei die Haushälterin des Ermordeten gewesen und heiße Katharine Nadusch. Der Vertheidiger beantragte, sie zu hören.
Der Staatsanwalt zuckte mit den Achseln, als ob er ausdrücken wollte: den Werth solcher wie Ziethen aus dem Busche springender Zeugen kennen wir! Er bekämpfte jedoch den Antrag nicht und der Gerichtshof zog sich zur Berathung zurück. Schon nach wenigen Minuten verkündete er den Beschluß, die Katharine Radusch zu hören. Mit hochgeröthetem Gesicht trat die Schwester des Chaussee-Aufsehers in die Schranken des Gerichts,