Über 200 Gebäude mit 98 Schornsteinen, 60 Läden und 35 Handwerkerstuben ein Raub der Flammen geworden. Gegen 3500 Personen kampiren im Freien. 4 Menschen sollen in den Flammen ihren Tod gesunden haben.
— In Königsberg i. Pr. unternahmen am Sonnabend Abend fünf junge Leute, Setzer aus der Druckerei der „Königsb. Allgem. Ztg.* eine Bootfahrt auf dem Schloßteiche. Bet der Fahrt stand plötzlich einer der Mitiahrenden auf, wodurch das Boot zum Umschlägen gebracht wurde und alle fünf ins Wasser stürzten. Einer hielt sich so lange über Wasser, bis ihn ein Herbeteilendes Boot auf- nahm; die anderen vier ertranken. Erst am folgenden Tage gelang es, die Leichen aufzufinden.
— Wien, 19. August. Eine originelle Cur hat jüngst Graf Emanuel Andraffy an sich selber vorgenommen. Der Graf war auf einem Spazierritt im Betlerer Forste gestürzt, wobei das Pferd auf seinen Fuß zu liegen kam, der arge Contu- sionen erlitt. Da ärztliche Hülfe fern war, ließ Graf Andraffy durch einen Forstheger einen Graben auswerfen, legte den verwundeten Fuß hinein und ließ in ansehnlicher Menge Erde darauf legen. Durch diesen „kalten Umschlag* wurde die Entzündung beseitigt, durch das Gewicht desselben die Geschwulst niedergedrückt. Nach einigen Stunden ritt er nach Hause und war am nächsten Tage wieder hergestellt.
— Petersburg, 23. August. Nach einer Meldung aus Orenburg sind über tausend, größtentheils von Handwerkern und Arbeitern bewohnte Häuser abgebrannt. Gegen 10,000 Personen sind obdachlos.
— Moskau, 20. August. Die reiche Hausbesitzerin Mathilde Rosenfeld, welche, dem „N. W. Tagbl/ zufolge mit den Nihilisten häufig zu verkehren und dieselben sogar in ihrem Hause in der Soldatskajagasse zu beherbergen pflegte, so daß sie infolge dessen bestraft wurde und unter polizeilicher Aufsicht stand, wurde am 11. d. in ihrem Keller, auf einem Haufen Eis liegend, ermordet aufgefunden. Da die Ermordete in der letzten Zeit der Moskauer Polizei drei ihrer nihilistischen Freunde verrathen hatte, vermuthet man, daß der Mord von den Nihilisten aus Rache verübt wurde. Aus der Wohnung der Ermordeten waren alle ihre Privatcorrespondenzen und 30000 Rubel in baarem Gelde verschwunden.
— Der Muttsee im Kanton Glarus (2442 Meter über Meer) ist dem „Bund* zufolge zur Zeit noch vollständig zugefroren und zwar so, daß man ohne Gefahr darüber spazieren kann. Da auf dem Plateau noch 30 bis 90 Zentimeter Schnee liegt und die umliegenden Bergeshöhen stark beschneit sind, macht das Ganze den Anblick einer großartigen Winterlandschaft.
— Aus Frankreich. Die in Amsterdam erscheinende „Internationale Revue" der Lebensmittelfälschungen theilt einige bemerkenswerthe Fälle aus Frankreich mit. In Reims beginnt man jetzt, die Roth- weine mit Macqui zu färben. Es sind das die Beeren eines chilenischen Strauches aus der Familie der Tilraceen, der den Namen Aristotelia macqui führt. Die etwas säuerlichen und eßbaren Früchte werden aus Italien bezogen, so daß es scheint, als ob der Strauch dort angebaut wird. Möglich wäre es, soweit das Klima in Betracht kommt, sowohl in Italien wie in Südfrankreich. Man benutzt die Beeren in ReimS — und wahrscheinlich auch anderswo —, um den aus Rosinen hergestellten Weinen Farbe zu verleihen, aber auch, um verwässerten und ver
Hülfe kam. Er las ihr aus dem Protokolle der Poruntersuchung ihre Aussagen vor, so daß sie meistens nur mit einem „Ja* zu antworten brauchte. Auch dieses kleine Wort kam fast nur wie ein Hauch über ihre Lippen. Der Vorsitzende befragte sie nur über ihre Wahrnehmungen am Tage nach dem Morde und sich zu dem Auge- klagten wendend, nachdem Trude, die an allen Gliedern zitterte, mit Hülfe des Gerichtsdieners den Zeugenstuhl verlassen hatte, sagte er rauh:
„Sie haben gehört, daß Ihr Gewissen an Ihnen zum Verräther geworden ist. Oder wie wollen Sie sonst Ihre Niedergeschlagenheit, Ihre Zer- streutheit und Ihr Brüten, aus dem Sie dann wieder leidenschaftlich ausgefahren sind, was damals der Zeugin an Ihnen ausgefallen ist, erklären? Sie haben dann das Mädchen nicht wiedergesehen. Sie hätten erst noch eine schwere Pflicht zu erfüllen, äußerten Sie beim Abschiede von ihr. Was für eine Pflicht war das
„Es war eine Amtspflicht, tzerr Präsident/ entgegnete der Angeklagte, indem er dabei unwillkürlich nach der Zeugenbank sah, wo Trude gesenkten Hauptes neben dem Vater saß und aus ihre im Schooße zusammengelegten Hände blickte. Ob sein Blick ihr oder dem Vater galt, dessen Wimpern unaufhörlich zuckten, blieb ungewiß.
„Ich habe diese Pflicht nicht mehr erfüllen können, denn ich wurde vorher verhaftet/ setzte Eugen mit finsterer Braue hinzu.
Sie schwankten, ob Sie sich nicht freiwillig den Gerichten überantworten sollten/ sagte der Vor-
dünnten Rothweinen wieder zu ihrer ursprünglichen Farbe zu verhelfen. Im Departement Eher wird fast in jedem Gewürzladen ein sogenannter grüner Perl-Thee verkauft, der ganz angenehm duftet, aber auch nicht eine Spur von wirklichen Theeblättern enthält. Zerbricht und zerbröckelt man die grünen Blätter, so gewahrt man, daß die innere Farbe derselben bräunlichgelb ist. DaS grüne Aeußere rührt lediglich von Berliner Blau her. Dieser prächtige Perl-Thee wird meist aus Marseille bezogen. Beide Fälle werden aber weit übertroffen durch die Mittheilungen deS Reinigungsunternehmers der Markthallen in Paris. Derselbe erzählte gesprächsweise, er mache vortreffliche Geschäfte, wenn die Gesundheitspolizei nur recht viele verdorbene Fische, Muscheln, Austern und dergleichen mit Beschlag belege und aus den Schmutzhausen werfen lasse. Denn ihm erblühe daraus nicht nur die Vergütung für die Abfuhr, sondern er erhalte obendrein von zwei Fabrikanten in der Umgegend von PariS für jede Karre 10 Francs. Und was sabriciren diese Biedermänner aus dem ekelhaften Zeug 8 — Leberthran für die Kranken in der Hauptstadt.
— Neapel, 13.August. Ein äußerst gewandter und frecher Betrug ist hier verübt worden. Zu einem reichen Goldschmiede kamen zwei Griechen, deren einer sich Corcazahi Caralawbo nannte. Sie brachten vor, die Umstände nöthigten sie, eine Anzahl edler Steine zu verkaufen, welche jedoch gegenwärtig noch in Malta seien; deshalb möchte der Goldschmied ihnen aus eine kleine Schachtel voll prächtiger Diamanten, welche sie vorwiesen, aber nicht verkaufen zu dürfen behaupteten, 1200 Franken für die Reise leihen. Der Goldschmied erkannte die vor- gewiesenen Steine als äußerst werthvoll und lieh ihnen das Geld ohne jedes Bedenken. Beim Weggehen bemerkte der Caralambo, er möge ja für die Brillanten gut Sorge tragen und es sei vielleicht besser, man versiegle die Schachtel. Gesagt, gethan. Der Grieche selbst siegelte daS kleine Packet und gab es dann dem Goldschmied ab. Als die Edelsteinverkäufer auffällig lange Zeit nicht wieder- kamen, brach der letztere das Schächtelchen auf und fand darin nichts als kleine Glasscherben. Beim Siegeln hatte der Grieche einen kleinen Taschenspielerstreich gemacht und die echten Brillanten wieder an sich genommen. Es ist gelungen, den Betrüger zu verhaften.
— Tokyo, 17. Juli. Am 15. Juli ist der seit Menschengedenken für erloschen geltende Vulkan Bandai-San in Fukushima im nördlichen Theile der Hauptinsel plötzlich ausgebrochen. Die in Tokyo anlangenden Telegramme sagen, daß in dem dicht dabeiliegenden Dorfe Jwasemura 56 Häuser zerstört wurden; das Dorf Bibaramura wurde von dem gestauten Flusse Okawe überschwemmt. 400 Menschen sind der Katastrophe zum Opfer gefallen, darunter 150 Curgäste, welche sich der zahlreichen Schwefelquellen wegen dort aushielten. Gestein dauerte das Feuerspeien und das Erdbeben noch fort. Weitere Nachrichten liegen noch nicht vor.
— Um die Ausstellung von Kopen - Hagen zu besuchen, hatte ein Fürst bei einem Hotelier eine Wohnung vorher bestellt und um den Preis angefragt. Der Hotelier stellte den wahr- haft fürstlichen Preis von 50000 Kronen (56000 Mk.). Darauf erhielt er die telegraphische Antwort: „Sie sind im Irrthum. Ich will nicht Ihr Hotel kaufen, sondern nur einige Zimmer miethen.*
— Die merkwürdigen buntein Streifen auf d er Marsobers läche haben bekanntlich in neuester Zeit viel Kopfzerbrechen verursacht. Einige wollen dieselben als einen Beweis des Vorhandenseins lebender Wesen auf unserem Nachbarplaneten auffassen, indem sie nämlich sagen, daß die Natur unmöglich so regelmäßige, gradlinige Canäle herzustellen vermöchte. (Denn etwas anderes, als kanalartige Einschnitte, schienen diese mehr oder weniger breiten Verbindungsstraßen zwischen zwei Meeresarmen nicht zu sein). Dem gegenüber läßt sich nun der berechtigte Einwand machen, daß,-wenn diese Canäle von Menschenhand herrührien, die Marsbewohner entweder kolossale Riesen oder doch wenigstens mit einer uns unfaßbaren Arbeitskraft begabte Menschen fein müßten; denn
sitzende. „Die Reue über Ihre blutige That war jene schwere Pflicht, die Sie unerfüllt ließen/
„Nein, Herr Präsident,* rief Eugen mit starker Stimme. «Was der Gertrud damals unter den Sameneichen in meinem Benehmen aufgefallen ist, waren die Folgen einer Nacht, die ich in schweren Sorgen um unser bedrohtes Lebensglück schlaflos zugebracht hatte. Der Gedanke daran hat mich ohne Ruhe umhergetrieben. Ist es denn nicht ganz einfach, daß ich nach der Aufregung, in die mich die Nachricht von dem plötzlichen Tode des Oberförsters versetzt hatte, abgespannt war? Der Wechsel von heller Verzweiflung zur schönsten Hoffnung war zu unerwartet gewesen. Und dazu war ich müde von den Arbeiten, bei denen ich dem Forstschretber auf seine Bitten hatte helfen müssen. Warum ist ihm denn in meinem Benehmen damals und während der Tage bis zu meiner Verhaftung nichts ausgefallen? Die Abspannung mußte kommen, als die Arbeit gethan war und ich nach Hause ging. Ein Wust von Gedanken und Sorgen entstand in meinem Kops und es fiel mir schwer, zur Klarheit zu kommen/
„Und mit solchen Ausflüchten erwarteten Sie bei den Herren Geschworenen Glauben zu finden?* fragte der Vorsitzende.
„Ich vermag keine andere^rklärung zu geben/ erwiderte Eugen mit einem Seufzer und abermals wandten sich seine Blicke auf Trude, deren Wangen erglühten und erblaßten. Ach, was hätte sie darum gegeben, wenn sie ihm hätte vollen Glauben schenken können! Es glaubte ihm vielleicht nie-
Rrtdrtien Druck und Berlas »o» Ludwig guul'l Buchdruck»«« (Veit, Fu»q in Her«f«ld,
von uns Erdbewohnern würde ein System so zahlloser und namentlich so breiter künstlicher Wasserstraßen nicht hergestellt werden können. Ein ganz neues Licht wirft aus di« Frage der Entstehung dieser eigenthümlichen Gebilde ein Vortrag, welchen kürzlich der berühmte Physiker Fizeau in der Pariser Akademie der Wissenschaften hielt. Fizeau ist der Ansicht, daß der ganze Mars vergletschert ist und die viel besprochenen Canäle nichts Anderes als riesige Gletscherspalten sind. Fizeau begründet diese Annahme folgendermaßen: Da die Entfernung der Mars von der Sonne zu derjenigen der Erde von der Sonne sich verhält wie 3 zu 2, so gelangt höchstens 4/, derjenigen Lichtmenge zum Mars, welche wir von der Sonne erhalten. Ferner ist durch spektroskopische wie teleskopische Untersuchungen festgestellt, daß die Atmosphäre des Mars bedeutend dünner als die Erdatmosphäre ist, daß also die Wärmeausstrahlung in den Weltenraum bedeutend schneller vor sich geht, als auf unserem Planeten. Eine Vergletscherung dcrMarSober- fläche ist daher denkbar. Die Gletscherspalten aber auf unserer Erde, z. 3. im mer de glace, im Rhonegletscher u. s. w. zeigen, wenn auch im bedeutend verkleinerten Maßstabe, jene merkwürdig scharfen und parallelen Ränder, so wie einen ähnlichen, größtentheils gradlinigen Verlaus, wie die räthseihaften Streifen auf dem Mars. — So sehr diese Erklärung von allen vorhergehendenabweicht, so hat sie doch viel für sich; der Astrophysik, welche in neuerer Zeit so großartige Fortschritte gemacht hat, wird es hoffentlich gelingen, alle Zweifel über diese räthseihaften Gebilde zu zerstreuen.
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Vom 1. bis tncL 15. August 1888.
Eheschließungen,
Am 11. Christian Limberger, Krankenwärter mit der Krankenwärterin Louise Henriette Hoffmann dahier.
Geburtsanzeigen.
Am 5, Christian Albert Heinrich, S. des Klempner» Gustav Albert Möckel. — 7. Eine Tochter der Tagelöhners Christian «ust. Catharina, T. der Witwe des Schmied» Johanne» Wehrmann. — S. Jacobine Friederike, T. deS Fabrikarbeiters JustuS Boländer, Therese Dorothea, L. des Oeconomen Friedrich Friedrich. — 9. Valentin, S. bt# Webers Valentin Kneißel. — 11. David, S. des Bahnwärters Conrad Adam Fink. — 12. Johann Georg, S, des Bierbrauers Anton Heinrich Höll. — 13. EltsabeH, X. des Schieferdeckers Ernst Robert Hugo Elschmr. —
14. Eine Tochter des Bierbrauers Johannes Wirth. Catharina Elisabeth, T. des Kaufmanns Christian Adolph Ludwig Fleischmann,
S t e r b e f ä l l e.
Am 2. Maria Werk, unverheirathet, 15 Jahre alt. — 6. Anna Catharina, Ehefrau des Gutsbesitzers Adam Freund, 52 Jahre alt. Elisabeth Maikranz, unverheirathet, aus CathuS, 22 Ihre alt. — 7. Eduard Heinrich August S. des Kaufmanns Georg August Pfaff, 7 Jahre alt. Reinhard, S. des Lohgerbers Reinhard Schüßler, 4 Jahre alt. — 9. Peter, S. des Tagelöhners Georg Steinhauer,
24 Tage alt. — 14. Catharina, Witwe des Fabrikarbeiter» Constantin Otterbein, 58 Jahre alt.
Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst Sonntag den 26. August.
Vormittags: Herr Pfarrer tz o d b a ch.
Nachmittags: Herr Pfarrer S ch au b.
Waizen (ä 100 Kilogr.) 17 M. 60 Pf. bis - M. - Pf. Roggen (ä 100 Kilogr.) 13 M. 33 Pf. bis 14 M. 40 Pf. Gerste (ä 100 Kilogr.) 13 M.
mand im Saale. Das verrieth sich in der unruhigen, wie zornigen Bewegung, welche in dem Zuschauerraume entstand und die noch dadurch vermehrt wurde, daß Jemand aus den hinteren Reihen den Ausgang zu gewinnen suchte.
Der Vorsitzende mußte die Glocke bewegen, aber es wurde erst wieder still, als er Frau Lindenau aufrief. Gemessenen Schrittes betrat sie den Zeugenstand, den Sohn, der ihr traurig entgegen- lächelte, mit einem wie feierlichen Kopfnicken begrüßend. Hoch aufgerichtet stand sie vor dem Gerichtshöfe. Der Vorsitzende erläuterte ihr, daß sie als Mutter des Angeklagten nach dem Gesetze ihr Zeugniß verweigern dürfte. Sie schüttelte jedoch das graue Haupt und versetzte:
„Mein Schweigen würde ihn schwerer anklagen als mein Reden. Wäre das Gericht nicht blindlings dem Badak gefolgt, der immer Jedem an die Kehle gesprungen ist, von dem er witterte, daß sein Herr ihn haßte, so säße jetzt wohl der wahre
Schuldige auf der Bank Dort.1
(F. f.)
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