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Mit wöchentlicher Hratis-AeilageMustrirtes NuterhaktungsölatL".

Nr. 99. Donnerstag den 23. August 1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. August 1888.

Am Sonnabend den 8. September d. I. Vormittags 9 Uhr findet im Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt,

Tagesordnung.

1) Begutachtung des Landwegebau - Etats pro 1889.

2) Ausloosung der Kreistagsabgeordneten ge­mäß §. 64 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.

3) Aufstellung des Vertheilungsplanes der Kreistagsabgeordneten und Abgrenzung der Wahlbezirke. (§. 68 der Kreisordnung.)

4) Beschlußfassung über die Verwendung des dem hiesigen Kreise aus den landwirthschaft- lichen Zöllen überwiesenen Betrages pro 1887/88.

5) Beschlußfassung über den Antrag der hiesigen beiden bürgerlichen Mitglieder der Ersatz- Commission auf Gewährung von Tagegeldern (3 Mk. pro Tag) für Mitwirkung bei dem Musterungsgeschäfte aus der Kreiskasse.

6) Begutachtung des landespolizeilich genehmig­ten Projectes über die Höherlegung des Landweges von der Haltestelle Oberhaun nach der Hersfeld-Hünfelder Landstraße, zugleich hinsichtlich der Höhe der Unterstützung, welche der baupflichtigen Gemeinde Oberhaun aus Bezirksfonds zu gewähren ist.

7) Begutachtung des landespolizeilich genehmig­ten Projectes zur Correction des Landwegs Hersfeld-Kirchheim innerhalb der Gemarkung Reckerode und Aeußerung über die Aufnahme der projectirten Wegestrecke in den Land­wegebauverband und die Ausscheidung der zu.verlassenden Wegestrecke aus dem Land- wegebauverbande; zugleich auch über die I

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Waldschatten.

Erzählung von Robert S ch w e i ch e l. (Fortsetzung.)

t Den Müller zu vernehmen, besaß Rechtlinger keine Besugnitz und beauftragt, niemand zu schonen und nichts zu vertuschen, übergab er die Angelegen­heit den Gerichten zur weiteren Versolgung.

So viel beschäftigt Werner auch war, so fand er dennoch hin und wieder einen Augenblick, um Eugen's Mutter zu besuchen. Eigenthümlich war es, daß sie meistens nur von der Zeit vor der Verhaftung ihres Sohnes sprach, als weilte er nicht mehr unter den Lebenden. Die Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit überflutheten te. Ihr Glauben an seine Unschuld blieb uner- chüttert, allein in ihrer Vereinsamung war es bet hr fast zur fixen Idee geworben, daß der unheim- tche Wald, dem der Vater zum Opfer gefallen, hr auch den Sohn rauben würde. Sie betrachtete hn wie einen dem Tode Geweihten. Aus diesem Grunde ließ sie auch während der beiden Zu- ammenkünfle, die ihr, allerdings nur in Gegen­wart eines Beamten und nur auf eine kurze Stunde mit Eugen gestattet wurden, ihn über die Unsauber- keiten, die in Altenrode unterdessen zu Tage gekommen waren, in Unwissenheit. Warum sollte sie ihn beunruhigen, indem sie ihn auf die drohen­den Wetterwolken aufmerksam machte, die sich über der Mühle zusammengezogen? Trude lieb sich schon lange nicht mehr im Forsthause blicken, und

Sder UnterMung, welche der baupflich- Gemeinde Reckerode aus Bezirksfonds zu bewilligen ist.

8) Beschlußfassung über die Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskasse an die Ge­meinde Wehrshausen, behufs Erwerbung des zum Ausbau des Landwegs Wehrshausen- Mannsbach erforderlichen Grund und Bodens.

9) Beschlußfassung über die Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskasse an die Ge­meinde Bengendorf, behufs Erwerbung des zum Ausbau des Landwegs Bengendorf- Hönebach erforderlichen Grund und Bodens.

10) Prüfung 2C. der Kreiskassen-Rechnung pro 1887/88 bezw. Beauftragung einer Eommission hierzu. (§.87 der Kreisordnung vom7/6.1885.)

11) Wahl von Sachverständigen und deren Stell- vertreternzur Abschätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobilmachung gemäß §. 33 des Reichsgesetzes vom 13. Juni 1873 (für die Kalenderjahre 1889, 1890 und 1891).

12) Wahl der Körungs-Commission (Polizeiver- ordnung vom 17. Januar 1879, Amtsblatt Seite 40) für die Jahre 1889, 1890 und 1891.

13) Wahl von Schiedsmännern und deren Stell­vertretern für die aus mehreren Gemeinden zusammengesetzten Schiedsmannsbezirke (§. 3 Abs. 2 und §. 11 der Schiedsmannsordnung vom 29. März 1879) nach vorgängiger Be­schlußfassung über die etwa vorzunehmende anderweite Abgrenzung der Schiedsmanns­bezirke (§. 1 Ziffer 2 der Schiedsmannsord­nung) für die Jahre 1889, 1890 und 1891.

14) Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und Schenklengsfeld zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen pro 1889. (Gerichtsverfassungsgesetz §. 40 R.-G.-S. S. 49 de 1877 und Ausführungs- gesetz §. 35 G.-S. S. 257 de 1878).

es war ihr Recht. Sie ahnte freilich nicht, was die Unglückliche fern hielt, da sie es nicht mehr wagte, der Mutter desjenigen, den ihre Liebe zum Verbrecher gemacht hatte, unter die Augen zu treten. Und nicht das allein war es. AIs Werner die alte Frau mit der Hoffnung ermuthigen wollte, daß man den wirklichen Thäter noch rechtzeitig entdecken würde, schüttelte sie den grauen Kopf und sagte:Der Kläffer Badak hat die ganze Meute auf eine falsche Fährte gelockt und es fällt ihr nicht ein, nach rechts oder links zu schnuppern.*

Gegen Ende des Winters wurde Eugen vor die Geschworenen gestellt, so sehr hatten sich in der Voruntersuchung die Berdachtsgründe gegen ihn verstärkt. Es war ein klarer Morgen und die Sonne schien freundlich in den Saal, dessen Zuschauerraum Kops an Kopf gefüllt war. Wer in Altenrode nur hatte abkommen können, war herbeigeeilt; die Mehrzahl aber bildete wie gewöhn­lich bet solchen wirklichen Trauerspielen das weib­liche Geschlecht, weniger aus den Dörfern, als von den Gütern und aus der Stadt, alle bestens geputzt. Die Richter in schwarzen Talaren und Baretten nahmen an der erhöhten Tafel Platz, auf welcher Eugen's Spitzkugelbüchse lag. In gleicher Höhe mit dem Gerichtshöfe, aber an einem besonderen Tische, saß der Staatsanwalt, unter­halb der Anklagebank der Vertheidiger, ein grau­köpfiger Herr mit einer gebogenen Nase, der ver­mittelst eines Kneifers in seinen Papieren las. Der noch junge öffentliche Ankläger war nach der neuesten Mode srtstrt und strich sich den zierlichen

15) Erhöhung der Bureaukosten für die Besorgung der Geschäfte des Kreisausschusses auf 2000 Mark.

J. A. Nr. 543. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. August 1888.

Die am 22. April 1863 geborene ledige Katharina Jäger von Hilmes hat um Erthei- lung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

8669. Der Königliche Landrath __________________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 22. August 1888.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden hierdurch angewiesen, alsbald einen Plakat-Fahrplan über die Züge auf den der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Frank­furt a. M. unterstellten Eisenbahnen dahier ab­holen zu lassen, welcher an einer geeigneten Stelle, im Wirthshaus oder wo es sonst passend erscheint, zugänglich auszuhängen ist.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

# Die Frankfurter Rede des Kaisers.

Die Rede, welche Kaiser Wilhelm am 16. August, am Tage der Enthüllung des Denkmals des Prinzen Friedrich Karl in Frankfurt a. O., bei dem Ihm zu Ehren gegebenen Festessen im Rathhause hielt, hat im Jnlande wie im Aus­lande große Beachtung gefunden und bildet augenblicklich den hervorragendsten Gegenstand in Gesprächen und journalistischen Erörterungen. Der Kaiser feierte darin, eingedenk des großen Sieges vor achtzehn Jahren, die hohen Verdienste des Prinzen Friedrich Karl und seines. Vaters um die Errichtung des Reichs und nannte sie mit Recht die Hauptvorkämpser und Stifter des Reichs. Als solche werden sie, so lange Geschichte geben wird, gefeiert werden, als solche werden sie für alle Zeiten in dein Herzen des deutschen Volkes eine Stätte haben. Wenn das Andenken des Guten dieser Helden beschimpft wird, muß sich das Gefühl eines jeden Deutschen empören: wie viel mehr das Herz des Kaisers, dem nicht

Lippenbar! mit einer Hand, deren Weiße von den Damen bewundert wurde. Der Vorsitzende eröff­nete den Gerichtshof und befahl, den Angeklagten vorzuführen. Ein Aufrauschen unterbrach die ein­getretene Stille, als Eugen erschien. Welch' ein hübscher, junger Mann! Wie Vortheilhast ihn die Jägertracht kleidete und mit welchem Anstande er sich vor dem Gerichtshof verbeugte, ehe er sich auf der Anklagebank niederließ, neben der ein Gendaryl stehen blieb! Nur ein wenig blaß war er, aber um so interessanter, und manche Zuhörerin mochte in der Stille wünschen, daß der schlanke Rothbart mit den glänzenden Blauaugen um ihret­willen zum Verbrecher geworden wäre.

Die Geschworenen wurden verlesen und ausge- loost. Der Vertheidiger machte von seinem Rechte der Ablehnung nur gegen zwei Gutsbesitzer Gebrauch, von denen er wußte, daß sie mit dem Oberförster Barkow bekannt gewesen waren. Sein abgelehnt I" kam rasch und scharf wie ein Schuß heraus. Der Staatsanwalt erhob gegen niemand Einspruch und die Gewählten nahmen nach einander in zwei Reihen auf der Tribüne dem Angeklagten gegenüber Platz. Hierauf überreichte ein GerichtSdtener dem Vorsitzenden die Liste der Zeugen mit der Meldung, daß niemand fehle. Nur Badak, Zeuner und dessen Tochter, die Mutter des Angeklagten und der Forstschreiber Werner waren geladen und harrten im Zeugenzimmer. Es folgte die Vorlesung der Anklageschrift, welcher der Vertheidiger wie der Staatsanwalt nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkten. Dieser spielte