Erscheint wöchentlich drei Mal
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abonnement-prei« :
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postausschlag.
Die Jnsertionrgebührm betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren «uftrügm entsprechender Rabatt,
Htlsseliler Kreisiiliitt.
__________Mit wöchentlicher KraLis-Meilage „ILlustrirLes AnterhaltungsötaLt".___________
Nr. 88. Sonnabend den 28. Juli 1888.
«==' ""'—~'~"~====i , ^.m^n»..— ■--■---- r-a»g=a
Aöonnements-ßinladung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Bei der Postagentur in Thalitter ist am 2ten eine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrieb eröffnet.
Cassel, am 3. Juli 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertr.: v. Rumohr.
Bet der Postagentur in Hainzell wird am 5ten Juli eine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbe- trieb eröffnet.
Cassel, am 30. Juni 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
______________In Vertr: v. Rumohr.__
Am 6. Juli d. Js. wird bei der Postagentur in Oberlistingen (Reg.-Bez. Cassel) eine Tele- graphen-Belriebsstelle mit beschränktem Tagesdienste in Wirksamkeit treten.
Minden (Westfalen) am 3. Juli 1888.
Der Kaiserliche Oder-Postoirector. Tybusch.
DsMijche MacheWten.
(Deutschland.) Dem „Grashdanin" zufolge war die Verabschiedung des Kaisers Wilhelm und des Prinzen Heinrich von dem Kaiser Alexander und der Kaiserin eine sehr herzliche.
Die Kaiser umarmten und küßten einander mehrere Male. Am Geleite nahmen sämmtliche Mitglieder des Kaiserlichen Hauses Theil. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm schenkte dem Hofminister Woronzow-Daschkow seine Büste und verlieh auch den anderen Hofwürdenträgern Geschenke oder Orden. — Das „Journal de St. Petersbourg", das Organ des russischen Ministeriums des Auswärtigen, sagt anläßlich der Abreise des Kaisers Wilhelm, der Zug der gegenseitigen Sympathie, welcher die Zusammenkunft Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser Alexander in so hohem Maße kennzeichnete, bestätigte sich bei dem Abschiednehmen an Bord der Jacht „Hohenzollern", wo die russischen Majestäten noch bei ihrem hohen Gaste frühstückten. Das „Journal" hält sich nicht für berechtigt, die persönlichen Beziehungen zu besprechen, welche während des mehrtägigen Aufenthaltes des Kaisers Wilhelm inmitten der Kaiserlichen Familie entstanden sein mögen, glaubt
Kaiser Wilhelm dem russischen Kaiserpaare zu geben beabfichtigte, indem er seinen ersten Besuch dem russischen Hofe machte, aus dem Wunsche hervorging, gleich nach seiner Thronbesteigung derartige vertrauensvolle Beziehungen Herzustellen-
welch^dLr-^^ur^fchnft—bervc^MTserMche zu stakkentommen und das Vertrauen in den europäischen Frieden befestigen, so habe er dies Ziel für lauge Jahre vollkommen erreicht. Wir bezweifeln nicht, schließt das „Journal", daß alle Mächte diese neue und bedeutungsvolle Bürgschaft zur Unterhaltung des Friedens mit Zustimmung aufnehmen werden.
Unserem Kaiser werden während seiner Anwesenheit am schwedischen Hofe attachirt werden: der Generallieutenant Frhr. v. Leijonhufwud, der „ „ , . ..... ...
Oberstlieutenant Gadde und der Generalstabs-1 dessen von den Offizieren aller Grade fortan nur
capitän Bildt. Zur Dienstleistung bei Sr. K. Hoheit dem Prinzen Heinrich sind der Commandeur Perron und der Lieutenant Juel commandirt. Die Vorbereitungen zu dem Empfang Kaiser Wilhelms werden in Stockholm eifrig betrieben.
Aus Copenhagen wird der „Post" gemeldet, daß zum Empfange Kaiser Wilhelms großartige Anstalten getroffen werden. König Christian wird am Sonnabend an Bord einer Panzerflotte gehen, um seinem Gast entgegen zu segeln, und nachdem die Monarchen im Sunde einander begrüßt haben, segeln die vereinigten Flotten nach Copenhagen. Die zehn deutschen Panzerschiffe gehen beim Fort „Tre Kroner" vor Anker, die dänischen Schiffe paradiren auf der inneren Rhede, während die deutsche Kaiser-Jacht und die dänische Fregatte bei der Zollbude anlegen. Zwei russische Kriegsschiffe werden ebenfalls ankommen. Im Ganzen wird eine Flotte von gegen zwanzig großen Kriegsschiffen im Sunde versammelt sein.
Der Besuch unseres Kaisers beim König Humbert soll, nach einer römischen Meldung des Hirschschen Bureaus, von Berlin aus bereits amtlich angekündigt sein, derselbe würde in Rom statt- finden.
Graf BisMarck hat den-Kaiser amb—--^4--- jgfDjlbnljii—ii^-«»t~^^ wird
mit ihm am 31. d. nach Berlin zurückkehren; er wird alsdann sofort seinen jetzt mehrfach aufgeschobenen Urlaub antreten, dessen ersten Theil er wie alljährlich in Königstein am Taunus zubringen wird.
In Bezug auf die Tragweise der Epaulettes rc. ist folgende Ordre Sr. Majestät ergangen: „1) Mit dem Aufhören der für des verewigten Kaisers und Königs Friedrich Majestät von Mir. befohlenen Armee-Trauer werden
Epaulettes wieder angelegt. Dieselben sind im I hpffpn uan den Offizieren aller (Srnhp sartan mit
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Schluß.)
Schon einmal hatte Setups auf Eulenstett's Geheiß das Gewehr gegen den Freiherrn von Kemmeritz angelegt, jetzt mußte er versprechen, das Attentat zu wiederholen und eine Gelegenheit zu erspähen, wo er Vater und Sohn aus dem Hinterhalt treffen konnte.
So lauteten die Bekenntnisse, welche Kempf am heutigen Tage vor dem Amtsrichter und dem Schloßherrn ablegte. Sie stimmten den Letzteren tief traurig und er kehrte gesenkten Hauptes nach seinem Wagen zurück, angestaunt von der gaffenden Menge. Amtmann Weber dagegen schritt noch lange sinnend in seinem Bureau auf und ab: der Umstand, daß Eulenstett, trotzdem er inzwischen zu Reichthum gelangt war, nach wie vor den Tod seines Vetters herbeiwünschte, gab ihm, in Verbindung mit der Thatsache, daß durch den Baron mehrere Falsifikate verausgabt worden waren, viel zu denken und noch an demselben Tage erstattete er einen längeren Bericht an die Staatsanwaltschaft in der Residenz. . .
DaS Wiedersehen, welches am Abend desselben Tages droben im Schlosse stattfand, gestaltete sich zu einem innig bewegten, wenn auch nicht stür- mischen, denn Vater und Sohn standen noch unter dem niederdrückenden Einflüsse des verbrecherischen Spiels, das mit ihrem Lebensglück getrieben wor- den war. Sie vermochten sich der Freude über
die unverhoffte Wendung ihres Geschicks noch nicht voll und ganz hinzugeben, weil sie beständig von der Furcht befangen waren, daß ein einziger Augenblick genügen könne, Alles wieder umzu- stoßen und neues Unglück herauf zu beschwören, so ängstlich stimmen schwere Schicksalsschläge die Seele des Menschen, daß er nur unter Thränen zu lächeln vermag.
Die ernste Stimmung des Schloßherrn nahm in den nächsten Tagen eher zu als ab. Aus der Residenz langte die Kunde an, daß Eulenstett an der belgischen Grenze verhaftet worden sei und seine Festnahme zur Entdeckung einer wett verzweigten Falschmünzerbande geführt habe. Es stellte sich bald heraus, daß er der wohl organt- firten Bande in der Unterbringung der Falsifikate hülfreiche Hand geleistet hatte und darin der Grund seiner vielen Reisen, seines Reichthums und seiner an Verschwendung grenzenden Freigebigkeit zu suchen war.
Obgleich der Herr von Kemmeritz keine Ursache hatte, über seinen Vetter, der in so heimtückischer Weise gegen ihn und Edwin gehandelt, mild und nachsichtig zu urtheilen, so fühlte er sich doch durch das jähe Ende, welches die verbrecherische Laufbahn Eulenstett's gefunden, tief erschüttert. Fast bereute er, den schlechten Finanzen seines Verwandten nicht aufgeholfen zu haben, freilich mußte er sich dann wieder eingestehen, daß er dem Leichtsinn Eulenstett's dadurch nur Vorschub geleistet haben würde. Indessen sorgte er dafür, daß nicht nur der Letztere, sondern auch Kempf
nach überstandener Strafzeit die nöthigen Mittel erhielten, um jenseits des Oceans ein neues und besseres Leben beginnen zu können.
Der Freiherr sehnte sich jetzt darnach, mit allen Menschen Frieden zu schließen, und so erschien er denn eines Sonntags, von Edwin begleitet, in der Grundmühle, um sich mit der von ihm einst im Zorn verstoßenen Amrei auszusöhnen. Sie blickte gerührt auf Vater und Sohn, die Hand deS Letzteren fest in der ihrigen haltend. Welch' lange Kette von Enttäuschungen, Kummer und Sorgen lag zwischen der großen Spanne Zeit, wo sie mit ihrem kleinen Pflegling aus dem Wagen gesprungen, und dem gegenwärtigen Augenblick, da sie ihn als Mann wiedersah, das verjüngte Ebenbild seines Vaters.
Indessen waren die beiden Herren vom Schloß nicht der einzige Besuch in der Mühle. In einer Ecke der großen Wohnstube, wohin man die beiden Herren geführt, stand schüchtern und bescheiden ein junger Bursch, erwartungsvoll nach der angelehnten Thür blickend. Fürchtete er vielleicht, daß der Müller plötzlich hereintreten und ihn aus dem Hause weisen würde ?
Steinert dachte nicht daran. Er befand sich bet seinem Kinde, bet Wally, die ihrer schweren Krankheit nicht erlegen war. Freilich zeigte ihr Antlitz noch auffällige Blässe und blitzte es in ihren Augen nicht so keck und muthig auf wie ehedem, aber das that nichts, denn alle Gefahr war über- standen und mit der Genesung kehrten auch sicher die rothen Wagen wieder und auch die alte Fröhlichkeit,