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Htrsscldel Kreisblutt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Nnterhaktungsbkatt". ^r. 81. Donnerstag den 12. Juli 1888.
Aöonnements-Gintadung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro -rittes Quartal werden von allen Kaiserlichen Postanstaltem Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches
Hersfeld, den 10. Juli 1888.
Behufs Belehrung der Schäferei-Aufseher, gemäß §. 10 Abs. 2 der Hirtenordnung vom 18. October 1828, sind von dem Königlichen Kreisthierarzt Herrn Schmitt dahier folgende Termine bestimmt worden:
1) für die Sck>äferei-N«ss»h»^ feoa 9rw-tH0«v:^iä bezirks Schenklengsfeld, Freitag ^vnr"^ d. Mts. Morgens 10 Uhr bei Gastwirth Kroneberg zu Schenklengsfeld,
2) für diejenigen des Amtsgerichtsbezrrks Friede- wald,Sonnabend den 14. d. Mts. Vormittags 10 Uhr bei Gastwirth Meurer zu ?rriedewald, ür diejenigen des Amtsgerichtsbezirks Nieder- aula, Montag den 16. d. Mts. bei Gast- Wirth Stein zu Niederaula,
4) für diejenigen des Amtsgerichtsbezirks Hersfeld, Mittwoch den 18. d. Mts. Vormittags 10 Uhr im Bolender'schen Saale
DieHerrenOrtsvorstände haben denmihren resp. Gemeinden wohnhaften Schäferei-Aussehern sofort von dem betreffenden Termine Kenntniß zu geben. 7251. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von O s k a r H ö ck e r.
(Fortsetzung.)
An diesem Kreuzlein hafteten keine Thränen und Verwünschungen, diesen schlichten Schmuck durfte Wally ruhig und ohne Scham tragen. Aber das andere blitzende Geschmeide — die goldenen Ketten und Armspangen, die reich verzierten Medaillons, Ohrringe und Brochen — das Alles wollte ste hingeben, um den Fehl des Vaters einigermaßen zu sühnen. Der Erlös konnte hinreichen, um die Sorgen von Paul s Eltern zu bannen. Wally lächelte unter Thränen; so war daS kalte Metall doch noch zu etwas nutze. Doch schnell schwand der heilere Gesichtsausdruck des Mädchens wieder; durch Paul wußte sie, daß die Pfändung des Schaller'schen Hauses nahe bevor- stand, die Hülfe mußte also .rasch erfolgen; doch wie vermochte Wally die Pretiosen so schnell zu verwerthen? Zu diesem Bedenken gesellte sich noch die bange Frage: würden die Eltern Paul s ihre Hülfe auch annehmen? Und abermals flüsterten unwillkürlich ihre Lippen das schlimme Wort: Des Wucherers Kind l
Neue Qualen überkamen die Bedauernswerthe, bis plötzlich ihr ein Gedanke durch den Kopf schoß, wie der zuckende Blitz, der draußen aus dem Gewölk ntederfuhr. .
Freudig erhob stch Wally. Ja, ja, so konnte kß gehen. Sie war zu dem Entschluß gelangt,
Hersfeld, den 9. Juli 1888.
Der am 9. Mai 1850 zu Hechelmannskirchen, Kreis Hünfeld, geborene Fabrikarbeiter Johann George Hof wann zu Mengshausen hat um Er- theilung eines Reisepasses behufs Reise nach Amerika nachgesucht.
7246. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 11. Juni 1888.
Bei der Postagentur in Rengshausen wird am 13. Juni eine Telegraphenanstalt mit Fernsprech- betrieb eröffnet.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
I. V.: gez. v. Rumohr.
* * *
Hersfeld, den 4. Juli 1888.
Wird veröffentlicht.
7114. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Zu der
Uebung der Ersatz-Reservisten werden diejenigen Ersatz-Reservisten, welche 1) wegen UeberzahUg- keit, 2) wegen häuslicher Verhältnisse der Ersatz- Reserve überwiesen worden sind, sämmtlich heran- gezogen und von denjenigen, welche 3) wegen bedingter oder 4) wegen zeitiger Untauglichken der Ersatz-Reserve überwiesen wurden, nur ein ^Sämmtliche Ersatz-Reservisten, welche zur Ab- leistung gedachter Uebung verpflichtet sind, erhat- ten noch besondere Gestellungs Ordres.
Der Gestellungstag zur 1. Uebung ist für Infanterie, Jäger und Pioniere der 20. August und für Fuß - Artillerie der 1. September dieses Jahres.
Hersfeld, am 10. Juli 1888.
Bezirkskommando Hersfeld.
Sckweüer und Scbwaaer in's Vertrauen zu ziehen! der Thür. Es war ihr, als> ob sie auf dem und den Letzteren zu bitten, den werthvollen In- | Gange schlürfende Schritte vernähme, die sich aber kalt des Schmuckkästchens möglichst rasch zu Gelde plötzlich alsbald in der Ferne verloren. Vielleicht zu wachem mid für den Fall, daß der Erlös nicht entsprang das unheimliche Geräusch auch nur ihrer ausreichte, um die Schuld des Lammwirths zu erhitzten Phantasie, denn als ste wenige Minuten uumciwic, um uit vu#*»v knx.-v ho« 5tinv ttnh d p kninStdür erretckte. reale
tilgen, wollte ste Martin ersuchen, das Fehlende aus seinen Mitteln hinzuzusügen, Vater Schaller aber über den wahren Geber noch im Unklaren zu lassen. Indessen mußte Martin so schnell wie möglich von Wally's Vorhaben in Kenntniß gesetzt werden, da Eile Noth that. Deshalb entschloß stch das muthige Mädchen, trotz Nacht und Unwetter nach Buchshagen zu eilen; auf diese Weise erfuhr auch der Vater nichts, der am Tage die Abwesenheit seiner Tochter nur zu bald gemerkt haben würde. Mit fliegender Hast kleidete stch Wally an, verbarg das Schmuckkästchen unter ihrem Mantel und warf, ehe sie das Licht löschte, einen Blick auf die Schwarzwalder Uhr.
Der Zeiger verkündete zwanzig Minuten vor Mitternacht. DaS Mädchen vermochte sich nicht eines leichten Schauders zu erwehren, denn sie gedachte der Sage von der weißen Frau, die sich droben im Schlosse wieder gezeigt haben sollte. Der kürzeste Weg führte aber über den Schloß- berg und quer über die Terraffe einem schroff abfallenden Schleifwege zu, der auf die im Thäte neben dem Flusse stch hinschlängelnde Landstraße mündete. Bon dort sah Man bereits die Häuser
des Dorfes. _
Ehe Wally die Kammer verlieh, horchte ste an
# Die Alters-und Jnvaliden-Bersicherung der Arbeiter.
Die Grundzüge zu einem Gesetzentwurf über die Altersund Jnvaliden-Bersicherung sind bekanntlich im November d. J. zur Zeit der Eröffnung der damaligen Reichstagssession der Öffentlichkeit übergeben worden, um vor der Aufstellung eines im Einzelnen ausgearbeiteten Gesetzentwurfs die Anschauungen der betheiligten Kreise über diese grundlegenden Principien kennen zu lernen. Das solchergestalt gewonnene Material ist seitdem bei der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs benutzt, dieser dem Bundesrath vorgelegt und von dessen Ausschüssen durchberathen worden. Die endgiltige Feststellung des soeben im „Reichsanzeiger" veröffentlichten, 144 Paragraphen umfassenden Entwurfs im Plenum des Bundesraths soll erst bei Wiederaufnahme der Arbeiten des letzteren im Herbst erfolgen, jedenfalls wird die Vorlage den kommenden Reichstag beschäftigen.
Es sei nun in Kürze dargethan, in welchen Punkten der jetzige Gesetzentwurf sich von den im Herbst veröffentlichten „Grundzügen" unterscheidet: Eine mehr practischen als principiellen Gesichtspunkten entsprungene Aenderung betrifft die Berechnung der Beitragsleistung nach Beitrags- wochen statt nach Arbeitstagen, und zwar sind bis auf an^eiträgen' zu erhebe^ bte|elU^W^
für 47 Wochen geleistet werden, doch kann die Mehrleistung des einen Jahres der Minderleistung eines anderen Jahres zu Gute gerechnet werden. Im Uebngeu sollen Re Mittel, wie auch in den „Grundzügen" vorgesehen, vom Reich, von den Arbeitgebern und von den Versicherten zu je einem Drittel aufgebracht werden, und zwar seitens des Reichs durch Uebernahme eines Drittels der jährlich zu zahlenden Renten. Es werden also jetzt nur 282 Arbeitstage, statt früher 300 tm Jahr verlangt und ist der Beitrag der Versicherten fahrüch 4,92 Mk., statt wie früher vorgesehen war: 6 Mk. Die Wartezeit ist unverändert 30 Jahre (zu 4< Beitragswochen) für die Altersrente und 5 Jahre für die Invalidenrente.
Eine weitere Aenderung zu Gunsten der Versicherten besteht in dem schnelleren Anwachsen der Invalidenrente. Dieselbe beträgt wie früher für Männer 120 Mk. jährlich, bis zu 250 Mk. ansteigend, bei Frauen zwei Drittel dieser stifser. Während jedoch nach den „Grundzugen das Ansteigen dieser Rente erst nach Ablauf der ersten 15 Be,- tragsjahre für jedes weitere vollendete Beitragsjahr um jährlich 4 Mk. steigen sollte, steigt sie nach dem Gesetzentwurf
später den Flur und die Hausthür erreichte, regte sich weit und breit kein Laut. Dagegen fuhr heulend ein kalter, feuchter Nordwelt durch die halbgeöffnete Thür herein, welche die erschreckte Wally schnell hinter sich schloß.
Der Regen hatte aufgehört, aber am nächtlichen Himmel jagten dunkle Wolken und zuweilen wetterleuchtete es. Sie Lust war in empfindlicher Weise abgekühlt, so daß stch Wally fröstelnd in ihren Mantel hüllte. Als ste den zum Schloß emporführenden Fußweg erreicht hatte, wandle sie stch noch einmal nach dem Hause um. In der Wohnstube erlosch soeben ein Licht, so daß jetzt nur noch ein einziges Fenster erleuchtet war: des Müllers Arbeitsstube. Wally seufzte, denn ihr ahnendes Herz sagte ihr, daß der Vater sich mit Zahlen und Zinstabellen beschäftigte und daS Facit schnöden Gewinnes prüfte.
Schnell verfolgte Wally ihren Weg. der sie steil aufwärts führte. Oit löste stch auf dem hol- perichlen Kiesboden ein Steinchen unter ihren Füßen, mit einem durch die Stille der Nacht erhöhten Geräusch abwärts rollend. Oft strauchelte die Wandernde und häufig genug schreckte sie vor dem tiefen Waldesschatten und den Stämmen der Pgume zurück, welche die ungeheuerlichsten Formen