Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend
Abonnementsprei»:
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.
Postausschlag.
Die Jnsertionigebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg, Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Htlsskl-tr Kreisliliitt.
_________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Anterhaltungsklatt".
Nr. 73. Somilibeud den 23. Juni 1888.
Abonnements-Einladun g.
Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustnrtes Untcrhaltungs - Blatt."
Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das -Kreisblatt" mit der wöchentlichen Gratis-Beilage -Jllustrirtes Unterhaltnngs- blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.
Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1- Juli er. gratis und franco zugesandt.
S^E' I N | fTTt l e stnden'm weiteste Berbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile ober deren Raum 10 Pf.
Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 19. Juni 1888.
Der landräthliche Büreaugehülfe Johannes Rein Möller zu Rotensee ist heute als Orts- taxator widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
6704. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.)
Allerdings bestand bei letzteren das Publikum zumeist aus dem schönen Geschlecht, dessen Ideal der neuengagirte Heldenspteler war. Seine elegante Figur, die ebelen Züge seines Gesichts, sowie sein wohlklingendes, frostiges Organ eroberten ihm schnell die Sympathien und es gab unter den Töchtern der Stadt schon jetzt eine hübsche Anzahl, welche für Edwin Romberg schwärmten. Die Direktion wiederum schätzte ihn als einen seltenen Kassenmagneten, der fast bei keiner Vorstellung fehlen durfte.
Zu den fleißigen Theaterbesuchern gehörten auch Wally und Paul. Der Heldenspieler ließ dem Müller zahlreiche Freibillets zugehen, um sich ihn geneigt zu machen, während der Komiker für den freien Eintritt Paul's sorgte. Dabei richteten es die beiden Kollegen so ein, daß das junge Paar stets neben einander zu sitzen kam. Als Gardedame fungtrte gewöhnlich Amrei, denn Steiuert besuchte grundsätzlich nicht das Theater. Er in- teressirte sich nur für sein Geschäft. So ahnte er auch nicht die zufälligen Zusammenkünfte seiner Tochter mit dem Lammwirthssohn Amrei war klug genug, sich um die Gespräche der jungen Leute in keinerlei Weise zu kümmern, sie fühlte sich da
Hersfeld, den 20. Juni 1888.
Zur Zahlung der pro term. den 30. Juni c. fällig werdenden Zinsen und Kapital-Abträge von aus der Landescreditkasse zu Cassel erborgten Kapitalien werden folgende Zahlungstermine anher anberaumt:
1) den 9. Juli d. I. für die Gemeinden: Holzheim, Kruspis, Stärklos, Asbach, Beiers- Haufen, Kohlhausen, Kerspenhausen, Hilperhausen und Roßbach.
2) den 10. Juli d. I. für die Gemeinden: Niederaula, Mengshausen, Solms, Kleba, Kirch» heim, Reckerode, Rotterterode, Kemmerode, Goß« mannsrode, Gershausen und Reimboldshausen.
3) den 11. Juli d. J. für die Gemeinden: Frielingen, Allendorf, Gersdorf, Heddersdorf, Willingshain, Hattenbach und Niederjossa.
4) den 12. Juli d. I. für die Gemeinden: Aua, Obergeis, Untergeis, Gitlersdorf, Allmers« Hausen, Heenes, Kalkobes, Biedebach, Tann, Kathus, Sorga, Petersberg, Wippershain, Rotensee, Unterhaun, Oberhaun, Sieglos und Eitra
Die Herren Bürgermeister der vorgenannten Gemeinden werden ersucht, den für ihre resp. Gemeinde angesetzten Termin wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen.
Königliche Steuerkasse. Hecker.
# Kaiserin Victoria Augusta.
Die erlauchte Gemahlin Kaiser Wilhelms II. ist am 22. October 1858 auf Schloß Dolzig bei Sommerfeld als ältestes Kind des Herzogs Friedrich Christian August zu Schleswig-Hol- stein-Sonderburg Augustenburg und dessen Gemahlin, der Herzogin Adelheid Victoria Amalie Luise Marie Constanze aus dem Fürstenhause
durch von jeder Verantwortung frei und handelte | gieichzeitig im Sinne der verstorbenen Schwester.
Als Paul am ersten Abend mit Wally zusammen- tra', hielt er sich sehr reserviit; durch seinen Vater kannte er die Bedingung Stemen's, und um die Sorgen der Eltern nicht noch zu vermehren, wich er gest ssentlich der Geliebten aus. Jetzt hatte es aber der Zufall gefügt, daß Wally seine Nachbarin im Theater war, und als ehrlicher Bursche muß'e er ihr alle Fragen beantworten, — und das waren sehr, sehr vele
Während der heutigen Vorstellung äußerte sie zu ihm:
„Halt nur brav aus, Paul, die Zeit wird schon noch kommen, wo wir zwei vor den Altar treten."
„Da werden wir Beide wohl schon graue Haare haben," seufzte Paul, „denn ehe Dein Vater in unsere Verbindung wRigt, eher fließt die Weinach den Schloßberg hinauf."
„Glaubst Du denn wirklich, daß ich mir die Lied im Herzen verbieten lasse?"
„Die Kinder sollen ihren Eltern gehorsam sein."
„Ja, wenn Vater und Mutter eines Sinnes sind. Der letzte Wille meiner Mutter aber geht mir über des Vaters Verbot, und wenn er unserm Bund seinen Segen verweigert, so warte ich, bis ich großjährig bin. Bis dahin aber werden unsere Haare noch lange nicht grau."
Paul athmete auf und drückte der Geliebten Hand.
Hohenlohe-Langenburg, geboren worden. Sie erhielt die Namen Auguste Victoria Friederike Luise Feodora Jenny. Als am 30. November 1858 die Prinzessin die heilige Taufe empfing, waren ihre Taufpathen die beiden ersten deutschen Kaiser« paare, ihre beiden Großmütter und ihre Tante, Gräfin Erbach-Schönberg. Nach dem Tode ihres Großvaters, Herzogs Christian August, gestorben 11. März 1869, siedelte ihr Vater, Herzog Friedrich, mit seiner Familie auf sein Schloß Primkenau bei Sprottau in Schlesien über. Hier verlebte die Prinzessin mit ihren vier Geschwistern ihre Kinder- und Erziehungsjahre. Ihre erste Gouvernante, eine Dame aus der französischen Schweiz, machte nach wenigen Jahren einer Engländerin, Miß Walker, Platz, welche später an die Spitze eines großen Erziehungsinstituts in London gestellt wurde, dessen Protectorin die Prinzessin Christian zu Schleswrg-Holstein ist. Prinzessin Auguste Victoria wurde am 22. Mai- Mathildes durch den Pastor Meißner in der Kirche zu Primkenau confirmirt. An ihren Eltern hatte die Prinzessin das schönste, christlichste, liebe- vollste Vorbild. Der Vater kümmerte sich auf das genaueste und eingehenste um die Erziehung seiner Kinder, die er bei ihrer Confirmation nach edler, deutscher Fürstenart mit Wort und Hand segnete, indem er sie hinwies auf das Wort: „Ohn' Gottes Gunst, all' Thun umsunst". Wiederholter Aufenthalt zu Pau im südlichen Frankreich, öfterer Besuch bei ihren Verwandten in England vervollkommnete der Prinzessin Sprachkenntnisse. In Pau genoß sie auch vor- trefflichen Musikunterricht. Mit vielen musikalischen Anlagen von der Natur ausgestattet, spielte die Prinzessin mit Vorliebe die klassischen Meister. Mancher Wermuthstropfen ist unserer jetzigen Kaiserin in ihren jungen Jahren in den
Sie sahen sich jetzt öfter als je zuvor und jedes von ihnen dankte im Stillen den sreundlichen Spendern der Freibillets. Sie suchten Gutes mit Gutem zu vergelten, indem sie die Scenen, in welchen Edwin und Schwabe! beschäftigt waren, mit wahrhaft frenetischem Beifall überschütteten, und nicht eher ruhten, als bis der eine oder andere so und so oft vor der Rampe erschienen war.
Am heutigen Abend war Edwin ausnahmsweise nicht beschäftigt, sondern saß in der Wirthsstube des Lammes. Außer ihm waren noch zwei Gäste anwesend: eine ältliche Frau, deren Planwagen er jüngst vom Pavillon des Schlosses aus gesehen, und jener widerwärtige Revierjäger, der ihm und Schwabel unterwegs begegnet war. Dem Selben» spieler, der am entgegengesetzten Ende der Wirthsstube Platz genommen hatte, fiel es nicht schwer, die beiden Gäste ausmerksam zu beobachten, ohne von ihnen gesehen zu werden, da er sich derart gesetzt, daß der Schlagschatten der in seiner Nähe brennenden Hängelampe ihn vollständig verdunkelte.
„Das Beste ist, Frau Schrittet", äußerte jetzt die Wirthin, „Sie übernachten hier. Sie kommen dann morgen noch immer zeitig genug nach Buchs- hagen."
„Das wohl," meinte die Angeredete, „aber ich versäume dadurch zu viel Zeit. Uebermorgen muß ich in Jllfingen sein, wo Jahrmarkt ist."
„Ei was", polterte gutmüthig Frau Riecke, „Eile mit Welle. Ich begreife gar nicht, warum