Es kostete unsägliche Mühe, die verbrannten Ueber- reste des Mannes aus dem Brennofen zu bringen.
— In Bötttug bet Freising wurden vor einigen Tagen zwei Pferde eines Bauern von einem Bienenschwarm getödtet, die aus Versehen in die Nähe eines Bienenstandes gekommen waren. Wahrscheinlich infolge eines Stiches erschreckt, schlug ein Pferd um sich und stieß dabei einen Bienenstock herunter. Die durch diese Störung aufgebrachten Jnsecten überfielen nun die beiden Thiere, welche nach fürchterlichen Qualen den Stichen erliegen mußten. Der Knecht wurde ebenfalls von den gereizten Bienen arg zugerichtet und mußte ins Krankenhaus verbracht werden.
— Der Monteur Pfeiffer aus Leipzig stürzte am Sonntag bet Bad Elster mit seinem Zweirad so unglücklich, daß er bald daraus verstarb.
— Die starke Bauthätigkeit in München bringt beständige Lohnerhöhungen mit stch, was viele Arbettsleute zu Uebermuth und Verschwendung verleitet. So kam es neulich au einem Bau in der Baaderstraße vor, daß Steinträger um 6 Mark per Tag nicht mehr arbeiten wollten. Wirthe, bet welchen Bauarbeiter essen, können nicht fein genug kochen, da Rind- und Kalbfleisch verschmäht wird. Die Leute fahren mittelst Droschke vom Bauplatz und vergessen ganz, daß der arbeitlose Winter sehr lange und hart ist.
— Solingen, 13,Juni. In Folge der Allerhöchsten Cabinetsordre, welche den Officieren des preußischen Heeres anbefiehlt, anstatt des bisherigen Degens in Lederscheide einen leichten Säbel in Stahlscheide zu tragen, wird unserer Industrie eine umfangreiche und im Hinblick auf die drohende Beschäfttgungslosigkeit willkommene Arbeit erblühen. Wie es heißt, haben die hiesigen Waffen- fabriken bereits größere Bestellungen erhalten, die jedoch einstweilen noch nicht ausgeführt werden können, da das Modell noch nicht bekannt ist.
— Was ein Landbriefträger zu leisten hat, ergiebt stch aus einer im „Postarch." enthaltenen Statistik. Darnach betrug die Gesammtzahl aller für Landbewohner ein- gegangenen Postsendungen im Jahre 1886 rund 323 Millionen. Davon wurden 34 Millionen Stück aus dem Postorte abgeholt und 289 Millionen den Empfängern durch Postboten ins Haus ge- bracht. Davon gehen noch rund 17 Millionen aus
gebändigte Postsendungen ab. Durch die Land- briefträger zu bestellen waren mithin noch 272 Millionen Stück, zu welchem Zwecke 23500 Land- briefträger zusammen eine Wegestrecke von 176 294 624 Km. zurückzulegen hatten, d. i. täglich 482 999 Km., gleich 65 094 geographische Meilen oder täglich das mehr als Zwölffache, jährlich aber das 4400fache des Erdumkreises. Dabei ist das durchschnittliche Leistungsmaß des einzelnen Briefträgers nicht nur nicht erhöht, sondern im Gegentheil innerhalb der letzten sechs Jahre von 30,3 Km. auf 20,6 Km. täglich herabgesetzt werden.
— Mit dem Eiffelthurm, dem Effecistück der nächstjährigen Pariser Weltausstellung, geht es nur langsam von statten. Hundert Meter sind bereits in die Höhe gebracht; es sollen aber bekanntlich 300 werden, und je höher je schwieriger wird die Sache. Die Arbeiter sollen 1 Frank für die Stunde verlangen, da die Arbeit eine sehr gefährliche ist; sie soll bereits 50 Menschen das Leben gekostet haben, was aber die ausführende Direction sorgsam verheimlicht
— Paris, 12. Juni. Letzte Nacht brach im Marinearsenal zu Rochefort ein großer Brand aus, der zahlreiche Werkstätten einäscherte.
— Antwerpen, 11. Juni. Auf der Scheide stieß gestern Nachmittag im Angesicht des Hafens die englische Goelette „Emily- (Capitän Ramick), von der heutigen Strömung tortgerissen, auf den englischen Dampfer .Manitoba', der in diesem Augenblicke die Hafenbassins verließ, um nach Cardiff zu gehen. Der Anprall war so gewaltig, daß die „Emily" von oben nach unten entzwei borst und sofort senkrecht in die Tiefe schoß. D'e Mannschaft konnte sich nur durch Schwimmen retten und wurde von Remorqueuren aufgestscht. Der .Manitoba" hat schweren Schaden gelitten und kann vorläufig seine Reise nicht fortsetzen. Die untergegangene Goelette war mit einer Ladung Porcellanerde aus Tynemouth gekommen und sollte in Antwerpen ihre Fracht abgeben.
— Warschau, 11. Juni. Heute eingegangene telegraphische Berichte melden, daß die Stadt Rowy-Dwor im Gouvernement Warschau, welche bereits durch die jüngsten Weichselüberschwemmungen schwer gelitten, von einem großen Brandunglück heimgesucht wurde. Der größere Theil der 6000 Einwohner zählenden Stadt ist dem Brande zum
Redaction, Druck und Verlag von Ludwig Funk'» Buchdruckerei (Gebr. Funk) in Hergfeld,
Opfer gefallen. Es sind 120 Häuser niedergebrannt; mehrere hundert Familien, von welchen viele seit der Ueberschwemmung nur nathdürftig untergebracht waren, sind von neuem obdachlos geworden. Das Elend der Bevölkerung ist umso größer, als ein absoluter Mangel an Lebensmitteln herrscht. Daß ein Stadttheil unversehrt blieb, ist dem energischen Eingreifen der Warschauer Feuerwehr, die mittels Extrazuges zur Hülfe herbeieilte, zu danken.
— Von der russischen Grenze wird wieder eine rohe Gewaltthat russischer Grenzsoldaten berichtet, die sich in der Nähe des russischen Grenzortes bei S o s n o w t c e abspielte. Dort wurde ein Fuhrmann, der mit seinem Gespann von Modrzejow nach Bendzin suhr, von zwei Grenzsoldaten angehalten und da sich auf dem Wagen ein Stück Stoff im Futterkasten versteckt fand, nach dem Zoll- Hause geführt. Da sein Versuch zu entkommen mißlang, brachten die Grenzsoldaten den Fuhrmann nach Bendzin, wo sie ihm nach einem dem „Oberschles. An,.« zugegangenen Berichte vom Wagen rissen, gemeinsam mit dort ftationirten Soldaten unmenschlich mißhandelten und völlig zerfleischt in das Gefängniß schleppten. Eine Frau, welche den rohen Menschen flehend die Hände entgegenstreckt«, wurde mit Säbelhieben traktirt und ein angesehener Bürger aus Bendzin, der für den schon halb todt Geschlagenen eintrat und die Wüthenden bat, von ihrem Opfer abzu- lassen, wurde von einem Grenzsoldaten mit einem Bajonnet in den Unterleib gestochen, so daß er eine halbe Stunde später verstarb.
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Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst Sonntag den 17. Juni. Vormittags: Herr Pfarrer Dr. Eichhorn aus Kerspenhausen. Nachmittags: Herr Pfarrer Schaub. Mittwoch den 20. Juni Abendgottesdienst: Herr Pfarrer S ch a u b.