sichtlich günstiger Witterung verspricht das Fest recht schön und angenehm zu werden.
Fulda, 8. Juni. Der hiesige Gastwirthssohn Joseph Kramer, ein 17jähriger Bursche, welcher vor einigen Monaten im Muthwillen mit einem Tesching einem Dienstmädchen das linke Auge aus- schoß, wurde heute von der hiesigen Strafkammer zu 6 Monaten Gefängniß und zur Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt. Das geschädigte, einen bleibenden Nachtheil behaltende Mädchen be- absichtigt, gegen den Berurtheillen eine weitere Klage auf Entschädigung anzustrengen.
Caflel, 11. Juni. Der lutherische General- Superintendent Wilhelm Kolbe ist heute Morgen verschieden.
Caflel, 11. Juni. Gestern fand in Trehsa bezw. Ziegenhain eine Zusammenkunft von Radfahrern statt, zu welcher aus Fulda und Hersfeld je 3, aus Gießen 4, aus Marburg 1, aus Cassel 14 und aus Ziegenhain und Umgegend 3 Theil» nchmer erschienen waren Nachdem in Trcysa gefrühstückt, fuhr man nach Ziegenhain, woselbst im Hotel „3nm deutschen Haus" ein gemeinsames Mittagessen eingenommen wurde. Mit Rücksicht auf die großen Entfernungen, welche noch zurück- gelegt werden mußten, erfolgte der Aufbruch zur Rückfahrt schon um 4 Uhr.
Homberg, IL Juni. Gestern Nachmittag verunstaltete der hiesige Kriegerverein eine Partie aus den Schloßberg. Um 3 Uhr traten die Mitglieder des Vereins vor dem »Hessischen Hose" an, und von hier aus setzte sich nun der Zug unter Vorautritt der Musik in Bewegung, woselbst sich bei den munteren Weisen der Capelle Lange bald ein recht fröhliches Leben und Treiben entwickelte. Die allgemeine Freude wurde jedoch erheblich gestört, als gegen Abend ein taubstummer Junge, Zögling der Taubstummen-Anstalt, infolge Unvorsichtigkeit von einer etwa drei Meter hohen Mauer herabstürzte. In einem schnell herbetge- holten Tragkorbe wurde der Besinnungslose in seine Wohnung geschafft, woselbst der Anstaltsarzt, Kreisphystkus Dr. Schefser, einen Schädel- bruch constatirte.
Frankfurt a. M., 8. Juni. Die Erben eines Kellners hatten an einen Dentisten eine Forderung von ca. M. 500, wegen deren es zur Klage kam. In der Klagebeantwortung stellte der Zahnkünstler seine Gegenrechnung aus und verlangte für das Ausziehen von 5 Zähnen die Kleinigkeit von 508 Mark. Da dieser Preis selbst nach Frankfurter Begriffen etwas hoch erscheint, so werden sich demnächst Sachverständige vor Gericht darüber auszulassen haben.
Waldeck, 7. Juni. Ein bedauerlicher Unglücks- fall ereignete sich in der Feldgemarkung der Gemeinde Bertch. Ein Knabe von 15 Jahren arbeitete auf dem Felde mit einer Ringelwalze, wobei er die Pferde vom Sitz der Walze aus lenkte. Zu seiner Bequemlichkeit hatte er die Leine um seinen Hals gelegt. Durch einen unglücklichen Zufall gerieth dieselbe in die Walze und bevor er sich sreimachen konnte, wurde die Leine so fest angezogen, daß er erdrosselt wurde. Die Pferde blieben ruhig stehen und erst etwa 1'/* Stunden nach dem Vorfall fand man den Knaben als Leiche aus der Walze liegend vor.
Vermisch tHI
— Berlin. Eine Gesellschaft von 10 Amerikanern, die sich mehrfach an den dem Kronprinzen Unter den Linden dargebrachten Ovationen be- heiligt halte, wollte, wie nachträglich milgetheilt wird, ihrer Sympathie einen besonderen Ausdruck durch Ueberreichung eines Blumenktssens am 30. Mai geben. Da es aber entsprechend der Lebhaftigkeit ihrer Gefühle so groß ausgefallen war, daß es nicht wohl aus dem Pferde empfangen werden konnte, sandten sie es zu Wagen durch eine Deputation, der sich noch zwei Engländer an- schlossen, in die Caserne des Kaiser Franz Garde- Grenadier-Regiments in der Blücherstraße, woselbst es Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit durch Ver- Mittelung eines Officiers überreicht wurde. Das Kissen stellte in Blumen den Kronprinzen selbst zu Pferde dar; nur das Gesicht war aus Terrakotta hergestellt.
— Kreuz nach, 8. Juni. Die dem sreiwilligen Hungertode erlesenen Eheleute Bernhards hier- selbst haben ihr ganzes Vermögen, 45,000 Mark, dem Dichter W. Helffenstein vermacht.
— Einen selten sestenSchlas hat ein junger Mann in Telgte tu Westfalen. Derselbe stürzte Nachts, als er sich im Traum dem Fenster näherte, durch dasselbe 16 Fuß tief hinab aus ein Blumenbeet, wo man ihn am andern Morgen schlafend tand, ohne daß er den geringsten Schaden genommen.
— Crimmitschau, 7. Juni. (Selbstverrath.) Ein Raubmörder, welcher eingestauden hat, daß er vor zwei Jahren am 25. August in Watertown in Nordamerika einen Bankier ermordet und demselben 18000 Dollars geraubt habe, ist gestern
von der hiesigen Polizeibehörde verhaftet worden. Der Verhaftete nennt sich Albert Wettber, ist Schuhmachergeselle und hat seit Verübung jenes Mordes an verschiedenen Orten Deutschlands, in den letzten Wochen bet einem hiesigen Schuhmachermeister in Arbeit gestanden.
— Forst, 9. Juni. Am Sonntag Abend ergriff beim Passiren der Neissebrücke ein dem Anscheine nach angetrunkener Mann einen harmlos spielenden acht Jahre alten Knaben an Kopf und Füßen und schleuderte ihn so über das Brückengeländer in das Neffsebett, also etwa 20 Fuß tief. Der Knabe ist jedoch glücklicherweise mit dem Leben davongekommen.
— P a s s a u, 6. Juni. Im benachbarten Querbach hat die Hadernsammlerin Therese Urbau die ledige Tagelöhnerin Mathilde Sageeder, mit der sie in Streit gerathen war, durch zwei Messerstiche in den Unterleib getödtet. Die Mörderin wurde gefesselt unter großen Menschenandrang in die Frohnfeste eingeliefert.
— Der in Berlin verstorbene brasilianische Generalconsul hat der Stadt 780000 Mk. zu Gunsten einer Stiftung für unbemittelte Töchler gebildeter Classen vermacht.
— Der tiefste Kohlenschacht der Welt ist gegenwärtig der 931 Meter tiefe Frisch-Glück-Schacht bet Oelsnitz im sächsischen Erzgebirge.
— Im tzerzogthum Braunschweig herrscht solcher Lehrermangel, das 25 Lehrerstellen einstweilen mit Seminaristen besetzt werden mußten.
— Am Sonnabend Abend explodirte auf der Lübcck-Travemünder Secundärbahn eine Loco- motive. Der Locomotivführer wurde schwer verwundet und der Heizer getödtet. Passagiere und Zug blieben unbeschädigt.
— Vor einigen Tagen haben in einem Dorfe bet Riesa Ratten ein drei Tage altes Kind angegriffen, dem armen Wesen das Gesicht zernagt und verschiedene Löcher in den Schädel gefressen, sodaß das Gehirn bloßgelegt ist.
— Bet den tnGotha dienenden Militärmann- schaften ist das Tragen der sog. lackierten Extrakoppel verboten worden.
— (Blitzschlag in eine Kirche.) Aus Linz wird berichtet: In Mitterkirchen, Mühlkreis, ereignete sich am Mittwoch früh ein bedauerlicher Unfall; ein heftiger Blitzschlag schlug in die Kirche ein, während der Ortspfarrer August Jmandt die Messe las und zahlreiche Andächtige, sowie die Schulkinder in der Kirche versammelt waren. Der Blitzstrahl fuhr durch ein Fenster in den Kirchenraum und streifte den eben am Altar befindlichen Pfarrer so, daß er rücklings zu Boden fiel und einige Zeit gan; bewußtlos war; zugleich streifte der Blitz auch die in einem Stuhle sitzende Schwester des Pfarrers und den Probst Gussen- leitner. Schulkinder wurden zu Boden geschleudert und waren ganz betäubt. Der Schrecken war groß, Alles schrie und weinte; man hob den Pfarrer vom Boden auf; derselbe erholte sich wieder und beendigte die Messe, während der Cooperator dem vom Blitze stark getroffenen Gussenleitner die letzte Oelung gab. Das Tabernakel und die Canontafeln wurden beschädigt.
— Reinheit der Sprache — diese Forderung wird jetzt auch im deutschen Fletschergewerbe von vielen Seiten gestellt. Es wäre wünschens- werth, bemerkt die »Allg. Fl.-Z", daß die Bestrebungen einzelner nicht mehr vereinzelt blieben, daß vielmehr vom Verbände des deutschen Fleischer- verbandes ein einheitliches Vorgehen in dieser Hinsicht eingeleitet werde, damit das Fremdwort aus dem Fleischerladen und aus den Fleischerrechuungen verschwindet. Zu einer solchen Anregung wird hoffentlich der tm nächsten Monat stattfindende Fleischertag vollauf Gelegenheit bieten.
— K l i n g e n b e r g a. M., berühmt durch feine Rothweine, hat einen Vorzug, dessen sich wenig Orte rühmen köniken. Steuerzahlen giebt es dort nicht. Die Erträgnisse des Thonbergbaues reicht nicht nur zur Deckung sämmtlicher Gemeinde- umlagen (einschl. Schulgeld) aus, sondern gewähren jedem Familienhaupt außer Brennholz noch 140 Mark baar im Jahre.
— Wien, 9. Juni. Auf eine entsetzliche Weise ist am Donnerstag Nachmittag, wie Wiener Blätter übereinstimmend berichten, in Ober-St.- ' Veit der neunjährige Sohn der Gärtnerswittwe ! Marie Pommerhatsch ums Leben gekommen. Frau , Pommerhatsch hatte sich Mittags in die Stadt । begeben, um einige Handarbeiten zu verkaufen; i als sie zurückkehrte und ihren Sohn nicht vorsand, begann sie ihn zu suchen, da sie wußte, daß er ; liebte, sich zu verstecke», wenn sie nach Hause kam. , Die Mutter suchte in allen Winkeln der Wohnung i und gelangte endlich zu einem großen Koffer; sie ' wollte denselben öffnen, vermochte es jedoch nicht, da das Schloß, ein sogenanntes Vexirschloß, cin- geschnappt war. Frau Pommerhatsch von fürchterlichen Ahnungen ergriffen, schrie nun um Hülfe; ; ein Tischler kam, öffnete das Schloß, und nun bot
■ sich der armen Frau ein herzzerreißender Anblick — ihr Sohn lag als Leiche im Koffer, aus Mund
1 und Nase floß Blut, er war erstickt. Das arme : Kind hatte offenbar, als es in den Koffer schlüpfte, 1 nicht geahnt, daß es ihn nicht mehr werde öffnen können, sobald der Deckel zugeschlagen war.
* — London, 9. Juni. Das Ueberhandnehmen
der Schminke auf den Gesichtern junger Damen fällt im Hydepark jetzt auf. Neun Zehntel derselben sollen sich Hals und Antlitz mit einem Schönheitswasser weiß färben, die Wangen und die Lippen röthen, die Augenbrauen und Wimpern schwärzen.
— (Russisch.) Folgender, im Gouvernement Kutai» passirter Fall wird von der „Rowoje Wremja" erzählt: „Nachdem längere Zeit eine Fahrstraße au» Kulai« nach Suchum gebaut worden war, hieß er, dieselbe wäre nun fertiggestellt. Der Rechenschaftsbericht wurde gehörigen»!» präsentirt, und das Geld den Controhenten ausbezahlt. Da nun fiel es einem der höheren Beamten in Kuiais ein, die neue Landstraße zu benutzen. Er kam bis zum Kirch« dorfe Sugdida, fand jedoch einen Weg, der weiter führte, nicht vor. Er erkundigt sich, wo der neue Weg geblieben ist, und man meldet ihm, daß das Frühjahrswasser denselben weggeschwemmt habe. Die Autorität kehrt zurück und fährt per Dampfer nach Suchum. Der Erbauer der Straße beruhigt sich; doch plötzlich kam dem genannten Beamten der Einfall, aus Suchum wieder aus derselben Straße zu fahren, die in Natur nicht vorhanden war. Wieder hieß es, sie sei sortgeschwemmt. Der Beamte fährt weiter auf dem Dampfer bis Otschemtschirt und befiehlt hier, ihn aus der neuen Chaussee zu fahren. Die örtlich« Autorität war ersichtlich nicht von den Erbauern gewarnt worden und erklärte daher einfach, daß hier von Ewigkeit her keine Landstraße existirt habe, und daß eS keinem eingefallen sei, eine solche zu bauen. Selbstverständlich war der Beamt, nolens volens gezwungen, auf dem Dampfer die Rückreise zu machen.
— Ungeheures Aussehen erregt in Rußland ein jetzt vor Gericht gezogener Proceß gegen eine Bande, welche systematisch falsche 25« und 5 Rubelscheine feit 1885 in Umlauf gesetzt hat. Der Proceß wird in Moskau geführt und die Hauptschuldigen sind ein Kleinbürger Jolisejew und ein jüdischer Händler Grünbaum. Sie kauften das falsche Papiergeld in London und hatten eine aus kleinen Kaufleuten, Lauern und Juden bestehende Bande unter sich, welche für Vertreibung der »ausländischen Waare" sorgte. Das so in Cours gesetzte falsche Geld scheint eine sehr beträchtliche Höhe erreicht z« haben. Jolisejew und Grünbaum sind geständig, ein Theil der Mitschuldigen leugnet, oder will sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewußt gewesen sein.
— Melbourne, 1. Juni. Eine riesenhafte Schildkröte wurde kürzlich von Fischern in der Bay von Portland, Victoria, gefangen. Dos Thier maß 8 Fuß der Länge nach und wog 8 Centner.
— (Was aus einem Spitzbuben nicht alle» werden kann.) Ein gewisser Charles H. Banks, der eine Vertrauensstellung in dem großen Bank- und Expe- ditionsgeschäste von Wells, Fargo u. Co. in San Francisco hatte, entfloh eine» guten Tages unter Mitnahme von fünfzigtausend Dollars und Zurücklassung seiner Frau. Von Detektivs verfolgt, flüchtete er zunächst nach den Sand» wich.Jnseln, von da nach Dahiti. Auch dort von der Behörde aufgespürt, schiffte er sich auf einem schnellen Schuner ein und erreichte Raretonga in der Südsee, eine Insel, wo es noch keine Polizei oder AuSlieferungSverträge giebt. Die braune Königin Ulakea, die dort herrschte, verliebte sich in das Bleichgesicht, hciralhctc ihn und machte ihn zum König von Raretonga. Im herrlichen tropischen Klima lebt und herrscht der Flüchtling und spottet der Polizei, die ihm dort nichts anhaben kann. Seine amerikanische Frau hat soeben in Albany, New-^ork, di« Ehescheidung erlangt, und bei dieser Gelegenheit wurde dir ganze Geschichte erzählt.
— Der am Freitag in Quenstown von New- Iork eingetroffene Dampfer „Adriatle" brächte Einzelheiten über die furchtbare Gewalt des Orkans, welcher vor einigen Wochen den Staat Rennst) iüanien heimsuchte. Unweit Ciarw'si wurde ein ganzer Eisenbahnzug auf der Fahrt umge- weht. 30 Personen wurden verletzt, davon 3 lebensgefährlich. In Reno wurde eine große Fabrik in Trümmer gelegt und in Cadly Junktion wurden zwei Kirchen und das Versammtungslocal der Odd Fellows zertrümmert.
— Das Tränken der Pferde geschieht, wie man häufig genug beobachten kann, ohne weiteres mit dem ersten besten Wasser, welches zur Hand ist. Gerade beim Tränken der Pferde ist eine ziemliche Vorsicht anzuwenden, wenn nicht böse Folgen hervorgcrusen werden sollen. Das Pferd soll möglichst wenig dürsten und bedarf täglich 15—22, stärkere Pferde sogar bis 30 Liter Wasser, doch tritt eine Schwächung der VerdauungSwerkzeuge ein, wenn zuviel auf einmal gereicht wird. Das Wasser darf nicht bei leerem Magen gereicht werden, selbst wenn die Pferde so durstig sind, daß sie da» Futter nicht mögen. In solchem Falle feuchtet man das Futter an und giebt erst Wasser, nachdem die Pferde etwas gefressen haben.
Bremen, l2. Juni. Der Schnelldampfer Eiter, Cap. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. Juni von Bremen und am ».Juni von Southamp- ton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittag» wohlbehalten in Newyork angekemmen.
Waizcu (si 100 Kilogr.) 17 M. 50 Pf. bis 18 M. — Pf. Roggen (a 1.00 Kilogr.) 13 M. 72 Pf. bis 14 M. 50 Pf. Gerste (a 100 Kilogr.) 13 M. 50 Pf. bis - M. - Pf. Hafer (a 100 Kilogr.) 13 M. 50 Pf. bis 14 M. 35 Pf.