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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

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»ierteljShrlich 1 Mark 40 Pfg. exel.

Postausschlag.

Die Jnsertionigebühre» betragen sür den Raum einer Spaltzeile 10 Psg,, im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hersstlilkl Kreishlutt.

Mit wöchentlicher Hraüs-Aeilage „ILustrirtes Interhattungsölatt".__________

Nr. 67. " ' Sonnabend den S. Juni 1888.

Amtliche«.

Hersfeld, den 31. Mai 1888.

Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am

Dienstag den 26. Juni d. Js. und

Mittwoch den 27. Juni d. Js.

jedesmal von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:

a. am 26. Juni d. Js.

1) die beim diesjährigen Ersatzgeschäft als dauernd untauglich bezeichneten Militair- Pflichtigen, insofern dieselben mit besonderer Vorladung versehen werden,

2) sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Auf- gebots (bisher Ersatz-Reserve 11. Classe) designirten Militairpflichtigen,

3) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve in Vorschlaä gebrachten Militairpflichtigen,

4) die zur Disposition der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,

5) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,

6) die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,

7) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ord­nung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,

8) diejenigen beim Ersatzgeschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist, und

9) sämmtliche Zugänge.

b. am 27. Juni v. Js. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus heiterem Himmet.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

»Noch immer schlecht Wetter?* wandte sich Schwabel an Edwin, der das Haupt aus die Hand gestützt hatte, „da herrscht sicherlich bet Euch im Portemonate wieder einmal Ebbe.*

„Errathen," seufzte Edwin, „ich habe in der Residenz auf meine Effekten Vorschuß nehmen wüsten, und wenn sie hier ankommen, vermag ich fit nicht einmal einzulösen."

«Ihr idealen Menschen lebt in den Tag hinein," erwiderte Schwabel vorwurfsvoll.

„Ich mag keine Moralpredigten," versetzte Edwin mürrisch. „Außerdem kann ich ja doch nicht auf Eure Hülfe rechnen."

„Da habt Ihr recht. Ich borge keinem Kollegen, denn man kriegt doch nichts wieder zurück."

Der Heldenspieler erhob stch zürnend, Schwabel legte jedoch beschwichtigend die Hand aus seinen Arm und sagte:

„Trotz meines Grundsatzes werde ich Euch aber nicht im Stiche lasten. Ihr habt gestern die Bekanntschaft des Grundmüllers gemacht —"

„Sprecht Ihr von dem Alten mit den harten Zügen, der mich so sonderbar fixirte?"

„Von demselben. Wir wollen ihn heute Vor- Sittag aussuchen, er wird Euch das gewünschte eld vorstrecken. Hohe Procente, oder Provision,

Landgemeinden, einschließlich der Herren Guts- Vorsteher, des hiesigen Kreises werden ange­wiesen, die ihnen später Angehenden Vorladungen den betreffenden Militairpflichtigen alsbald auszuhändigen und mit den Letzteren pünktlich in den besagten Terminen zu erscheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im 8- 24 bezwse 65 der Ersatz-Ordnung bezeich­neten Verluste, sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Rekla­mationen, auf Grund deren taugliche Militair­pflichtige zUr Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz • Commission erfolgt ist, der Ober- Ersatz-Commiffion zur Entscheidung oorgelegt, weshalb alle Familienmitglieder, aus deren Arbeits- oder Nichtarbeitsfähigkeit es bet Beurtheilung der Reklamationen ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termine mitzu erscheinen haben, widrigen­falls eine Berücksichtigung der betreffen­den Reklamationen nicht stattfinden kann.

Die Herren Ortsvorstände haben das Vor­stehende in ihren Bezirken wiederholt ver­öffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Ange­hörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

6109. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

wie er es nennt, werdet Ihr ihm für seine Gefälligkeit freilich zahlen müssen."

Edwin schien unentschlossen. „Ich möchte mich in dieser Angelegenheit nicht gern an den Direktor wenden —"

„Wäre auch vergebene Mühe," lachte Schwabel. „Der Schubert giebt grundsätzlich keinen Vorschuß, weil er selber nichts hat."

„Der Weg zur Mühle ist ja wohl nicht weit?"

„Bravo," lachte der Komiker, „Ihr bekommt bereits Localkenntntß. Wißt ihr was," fügte er nach einer kleinen Pause hinzu, „wir wollen den Schaller ersuchen, daß er uns nach der Mühle fährt. Will er ja doch, wie sein Sohn vorhin der Mutter zurtef, dem Steinert gleichfalls einen Besuch abstatten."

Die beiden Collegen begaben sich zum Lamm­wirth, welcher sofort ihrem Wunsche wtllfahrtete. Bald stand das Bauernwägelchen auf der Land­straße, um gleich nachher mit seinen drei Insassen davon zu rollen.

Schaller verhielt sich, gegen seine sonstige Ge­wohnheit auffallend still; Schwabel gab sich alle Mühe ihn zum Singen zu bewegen, denn er wußte aus Erfahrung, daß der Lammwirth während einer Fahrt gern ein lustiges Lied anstimmte. Allein heute blieb er stumm, und da sich auch Edwin nicht gesprächig zeigte, so lehnte sich der Komiker ärgerlich zurück und schloß die Augen. Die allmählich sich senkende Landstraße führte im wetten Bogen um den Berg herum, auf besten

Hersfeld, den 4. Juni 1888.

Der Ackermann Heinrich S unkel zu Tann ist heute als Ortsschätzer für die Gemeinde Tann widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden. 6211. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Maltttsche Nachrichten.

(Deutschland.) Aus Potsdam wirdunterm 6. d. Mts. berichtet: Se. Majestät der Kaiser hatte eine ziemlich gute Nacht. Allerhöchstderselbe fühlt sich heute früh frisch, ist um 10 Uhr auf­gestanden und fuhr im Ponywagen spazieren. Zum Vortrage erschienen der Wirkt. Geheimrath v. Wilmowski und Fürst Radolin. Am Diner Ihrer Majestäten nahm die Prinzessin Feodora Theil. Der Kaiser und die Kais-rin begaben sich Nachmittags gegen 6 Uhr im offenen Wagen nach Alt-Geltow zur Besichtigung der dortigen Kirche und wurden auf dem Wege dorthin enthusiastisch begrüßt. Der Kaiser und die Kaiserin kehrten um 7 Uhr von Alt-Geltow, wo Se. Majestät über den neuen, auf seine Kosten ausgeführten Kirchenbau den Gemeindebehörden seine Befriedi­gung bezeugte, zurück. Der Kaiser hatte einen guten Tag und schlief Nachmittags l‘/2 Stunden. — Das am 6. d. ausgegebene amtliche Bulletin lautet: Se. Majestät der Kaiser hat sich zwar nach der Uebersiedelung von Charlottenburg nach Schloß Friedrichskron einige Tage etwas ange­griffen gefühlt, befindet sich aber zur Zeit ziem­lich wohl. Der Kräftezustand ist befriedigend. Mackenzie, Wegener, Krause, Leyden, v. Barde­leben, Senator.

Potsdam, 7. Juni. Se. Majestät der Kaiser hatte heute keine besonders gute Nacht, da der Schlaf öfter durch Husten unterbrochen war. Der Kaiser blieb in Folge dessen auf Anrathen der Aerzte bis gegen 11 Uhr Vormittags im Bett. Gegen 12 Uhr begannen die Audienzen und Vor-

Plateau sich das Schloß erhob. Von dem Letz­teren führte ein schmaler Fahrweg in Windungen abwärts, und dicht an der Stelle, wo er auf die Landstraße mündete, erhob sich ein großes Marmor­kreuz mit der Inschrift: Der Herr hat'S gegeben, der Herr hat's genommen.

„Hier ist vor einer Reihe von Jahren ein schweres Unglück geschehen," äußerte der sich halb auf dem Bock umdrehende Lammwirth zu Edwin.

„Sind wir schon bet dem Kreuz angelangt?" fragte Schwabel gähnend und die Augen auf­schlagend. „Wir wollen hier ein wenig halten, Vater Schaller, ich möchte meinen Collegen auf Verschiedenes aufmerksam machen." Der Lamm­wirth nickte, während der Sprecher auf eine durch­forstete Stelle deutete, welche in breiter Spur von dem Bergplateau in gerader Linie bis zu dem Marmorkreuz herabführte. Zur näheren Erklärung sagte Schwabel: „An dieser Stelle hier ist das einzige Kind des Freiherrn von Kemmeritz, wie der Besitzer des Schlosses heißt, elend um's Leben gekommen. Das Söhnchen war zwar erst ein Jahr alt, dennoch brächte sein Tod große Ver­änderungen mit sich. Während bisher auf dem Schlosse zahlreiche Festlichkeiten stattgefunden, zogen sich jetzt die trauernden Eltern in tiefste Einsamkeit zurück. Die junge Mutter siechte zusehends dahin, und es währte nicht lange, so stand der Freiherr ganz allein."

„Besaß er denn keine Freunde, keine theilnehmen- den Verwandten?" fragte Edwin.