Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

AbonncmentspreiS: vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postausschlag.

Die JnsertionSgebühr« betragen für den Raum einer Spaltteil« 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

Hersscl-el Kttisblitt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeikageIllustrirLes IlnLerhakLungsötaLt".

Nr. 66.

Donnerstag den 7. Juni

1888.

Amtliches.

Hersfeld, den L Juni 1888.

JmAnschluß an meinAusschreiben vom l.d.Mts. I. Nr. 6051, Kreisblatt Nr. 65, die Schafräude betreffend, veröffentliche ich nachstehend die Nach- weisung der Schafheerden des Kreises, welche von dem Königlichen Kreisthierarzt in den letzten Tagen untersucht worden sind und in welchen die Räude constatirt worden ist.

Die räudigen Schafe sind von der Heerde sofort zu trennen und ist mit denselben nach Maßgabe der inzwischen ergangenen neuen Vor­schriften zu verfahren.

Bis spätestens zum 12. Juli -. I. erwarte ich seitens der Herren Ortsvorstände der nach­stehend aufgeführten Ortschaften besonderen Bericht darüber, was mit den räudigen Schafen geschehen ist.

Ich bemerke, daß ich unnachsichtlich gegen die­jenigen disciplinarisch einschreiten werde, welche nicht mit aller Energie in dieser Angelegenheit Vorgehen, sondern sich lässig zeigen sollten.

6200. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Nachweisen g

der Schafhccrdcn im Kreise Hersfeld, welche im Monat Mai d. J. auf Räude untersucht worden sind.

Bezeichnung

^ g

der

^ O -^ ^

Gemeinde.

19 s

Gethscmauc

450

60

AuSbach

250

8

Lauteuhauseu

196

10

Meckbach

97

2

Mscklar

150

20

Niederaula

98

2

Unterhaun

96

3

86

10

20

20

Heencs

176

176

75

50

KerSpeuhauseu

100

2

Ransbach

100

50

160

50

130

25

HilmeS

120

50

150

60

150

71

Motzfeld

300

50

Stärklos

100

1

Niederjoffa

216

15

Gershauscu

100

100

Gittersdorf

60

6

76

20

60

15

Unterweis

80

40

100

70

ObergciS

180

2

140

10

Aua

150

150

Philippöthal

180

20

LcngcrS

130

1

Harnrode

250

100

Wippershaiu

150

18

130

7

AllmerShausen

50

50

150

75

PeierShausen

100

1

100

1

R a m e n des Besitzers der räudigen Heerde.

Gutsbesitzer Haasc.

Peter Hahn und Genossen. Führer und Seybert.

Bürgerinstr. Möller u. Gen. Claus II. und Genossen. Stein und Genossen.

Bürgermeister Groscurth. Rüger und Genossen.

Ruppel.

Bürgermeister Becker u. Gen. Heyer II. und Genossen. Ruhn und Genossen.

Lohs. Pfafs und Genossen. Peter Pfaff und Genossen. Burghardt und Genossen. Johö. Heusner u. Genossen. Johs. Deiseroth u. Genossen. Will). Rüger und Genossen. H. Deißeroth und Genossen. Schmidt und Genossen.

Kraft, Stollberg. Faulhaber.

J. Schmidt.

J. Schade und Genossen.

Z. Fröhlich und Genossen. Becker und Genossen. Wiegand und Genossen. Hoffmann und Genossen. Will). Knott und Genossen. Bürgerinstr. Schmidt u. Gen. von Grote.

Führer.

Weiß und Genossen. Conrad Berlit u. Genossen. Deiß und Genossen.

Johs. Schmidt n. Genossen. Neuber und Genossen. Neuber und Genossen.

Glebe und Genossen.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Das Befinden Kaiser Friedrichs hat nach der Uebersiedelung von Charlottenburg nach Friedrichskron bei Potsdam keine wesentliche Beeinträchtigung erfahren. Eine gewisse Mattigkeit soll sich geltend gemacht haben, auch klagte der hohe Kranke am Montag über Kopfschmerz, allein das findet seine Erklä­rung in den mit der Reise nach Potsdam ver­bundenen Anstrengungen und Erregungen und in der starken Hitze. Der Kaiser geht oder fährt viel in den Anlagen des Schlosses spazieren. Am Sonntag empfing er den Botschafter v. Schweinitz und den zum Gesandten in München ernannten Grafen zu Rantzau. Am Sonntag machte das Kaiserpaar zu Wagen der Kronprin­zessin einen Besuch im Marmorpalais, am Mon­tag Abend wurde wieder eine längere Ausfahrt unternommen. Die Nacht zum Dienstag war befriedigend, der Kopfschmerzist wieder geschwunden.

Ueber die Reifedisposttionen des Kaisers wird berichtet: Der Kaiser wird den ganzen Monat Juni hindurch in Friedrichskron bleiben, gedenkt sich alsdann für sechs, sieben Wochen nach Homburg zu begeben und im August nach Char- lottenburg zurückzukehren, wo das Schloß mittler­weile renovirt sein wird

Wie es heißt, wird sich die Kaiserin Vjctoria in den nächsten Tagen nach der Provinz West­preußen begeben.

Am vergangenen Sonntag war ein Jahr ver­flossen, daß Kaiser Wilhelm sich zum letzten Male an einer öffentlichen nationalen Feier betheiligte: es war die feierliche Grund­steinlegung zum Nordostsee-Canal bei Kiel.

Prinz Heinrich und seine junge Gemahlin haben in Schloß Erdmannsdorf den Besuch der erbprinzlich meiningischen Herrschaften empfangen.

Die Leiche des Kaisers Wilhelm wird bis zum Herbst in der Mausoleums-Capelle im Katafalk bleiben. Bis dahin sollen die Erweiterungsbauten der Fürstengruft daselbst vollendet sein, woraus die feierliche Einbettung des Sarges erfolgt.

Herzog Maximilian in Bayern (Senior der herzoglichen, ehemals Pfalz-Zweibrücken- Birkenfeldschen Linie und Vater der Kaiserin von Oesterreich) hat am 2. d. einen Schlaganfall erlitten, der ihn zeitweilig bewegungslos machte. Der Herzog ist nahezu 80 Jahre alt. Die täg­lichen Bülletins künden Besserung an.

Verschiedene Zeitungen haben in den letzten Tagen Nachrichten über eine angebliche Beschrän­kung der Lehrziele in den preußischen Volks­schulen, welche einer theilweisen Aufhebung der Allgemeinen Bestimmungen vom 15. October 1872 sgleichkommen würde, mitgetheilt. Die Nordd. Allg. Ztg." ist demgegenüber in der Lage, versichern zu können, daß an maßgebender Stelle von der erwähnten allgemeinen Verfügung weder etwas bekannt, noch an eine solche gedacht ist. Anscheinend liege eine Verwechselung mit Vorschriften vor, welche für die überfüllten, zwei­sprachigen Schulen der Provinz Posen, aber auch dort nur als vorübergehende, erlassen worden sind.

In dem Befinden der Fürstin Bismarck ist eine wesentliche Besserung eingetreten.

Für den Orient - Expreßzug soll von deutscher Seite die Paßcontrolle erleichtert wer­den, indem Reisende mit directen Billets von Paris bis München von dem Paßerforderniß

befreit sind, wenn sie innerhalb der Reichslande den Zug nicht verlassen.

Bei der Reichstagsnachwahl im Wahlkreise Sternberg hat der conservative Candidat Landrath Bohtz die große Majorität erhalten.

Deutsche Auswanderer sind im Monat April 1888 über deutsche Häfen, Ant- werpen, Rotterdam und Amsterdam 16140 und in der Zeit von Anfang Januar bis Ende April 1888: 33575 nach überseeischen Ländern befördert. Im gleichen Zeitraume der Vorjahre wanderten aus: 1887 15142 bezw. 34162 Deutsche, 1886 10594 bezw. 23432 Deutsche, 1885 20234 bezw. 38158 Deutsche. Von obengenannten 33575 kamen 44 Proc. aus Posen, Westpreußen und Pommern, 10 Proc. aus Hannover und Schleswig-Holstein, 9 Proc. aus Bayern rechts des Rheins, je 4 Proc. aus Württemberg, Provinz Brandenburg mit Berlin und aus Rheinland, der Rest aus dem übrigen Deutschland.

(Schweiz.) Der Bundesrath hat abermals zwei deutsche Reichsangehörige wegen Theil­nahme an anarchistischen Bestrebungen aus der Schweiz verwiesen.

(England.) Ein kleiner Besitzstreit, kaum der Erwähnung werth, aber von den Zeitungen immer und immer wieder besprochen, ist zwischen England und Frankreich ausgebrochen. Die Franzosen haben einige Felsenriffe in der Nähe der Kanalinseln, das sogenanntePlateau des Miniquirs", für französisches Eigenthum erklärt. Die Riffe sind unbewohnt, doch stehen einige im Sommer von englischen Fischern benutzte Hütten darauf. Die Kanalinseln selbst, obwohl in un­mittelbarer Nähe der französischen Küste gelegen, gehören der englischen Krone. Wegen der französischen Besitznahme der erwähnten Felsen­riffe werden keine diplomatischen Weiterungen entstehen. England laborirt immer noch an seiner Geschütz noth. DerGlobe" erfährt aus glaubwürdiger Quelle, daß vier von den 69 Tonnen-Geschützen des Rodney nicht abgeschossen werden können und daß dasselbe mit den 24 Tonnen-Geschützen des Warspite der Fall ist. Der innere Stahlmantel dieser Kanonen ist nämlich zerrissen.

<F rankreich.) BoulangerS erster Borstoß gegen Kammer und Verfassung hat am 4. Juni in der Deputirtenkammer stattgesunden. Dort bracht« er einen Antrag, die Revision der Verfassung und die Auflösung der Rammet betreffend, ein, und ver­langte Dringlichkeit für denselben. Darauf verlas er dir Begründung seine« Anträge», in welcher er hervorhebt, die Wahlen, welche so viele Kundgebungen auf feinen Namen veranlaßt hätten, machten e« ihm zur Pflicht, die Leiden des Landes hier darzulegen. Die Stifts drohe sehr ernst zu wilden. Frankreich habe schon nicht mehr das Vertrauen zum nächsten Tage, welches jedem wohlregierten Lande nothwendig sei.Die Republik so führte er weiter aus soll nicht das Eigenthum von einzelnen Personen sein, sie soll keine Bürger ausschließen; wir haben eine Republik, die von einer Gruppe regiert wird. Dies ist eine Gefahr für das Land. Die Regierung der Republik muß für alle Interessen, füt alle Meinungen Verständniß haben. Wir sind Alle Republikaner, das heißt, wir wollen Freiheit und Gerechtigkeit für Alle. Fortgesetzt sind Kund, gedungen auf meinen Namen erfolgt, es ist dies für mich eine Ehre, denn diese Kundgebungen stammen von patrio­tischen Männern, deren Herzen verbittert find. (Lebhafter Widerspruch auf den Bänken der Opportunisten.) Der Parlamentarismus erzeugt leicht unwürdige Begehrlichkeit und lähmt den guten Willen. (Beifall aus der Rechten und äußersten Linken, starker Lärm aus den übrigen Bänken.) Die Regierung muß eine vollständige Reform gewähren, und nur die Revision der Verfassung kann eine solche Resorm herstellen. DaS gegen- wärtig« System giebt die Regierung in die Hände der