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Htrssel-tl KltisKitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „IlluKrirtes Anterfialtungsölatt".
Nr. 64. Sonnabend den 2. Juni 1888.
Aöonnements-Kintadung.
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HersfeLder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Jllustrirtes Unterhattungsblatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalien, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom Uten d. Mts. dem Vorstände der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Weimar die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der von ihm mit Genehmigung der Großherzoglich Sächsischen Staatsregierung im Laufe dieses Jahres wiederum zu veranstaltenden Ausspielung vvm-MMfflüuven -der^Kunst- und- des Kunstgewerbes auch im diesseitigen Staatsgebiete, und zwar im ganzen Bereiche desselben, Loose zu vertreiben.
Die unterstellten Polizeibehörden des Bezirks werden hiervon mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, den Vertrieb der Loose nicht zu beanstanden.
Cassel, am 28. Mai 1888.
Der Regierungs-Präsident. J. A.: Althaus.
In Folge wiederholt hervorgetretener Unzu- träglichkeiten sehen wir uns veranlaßt, unsere Verfügung vom 13. December 1882 (Amtsblatt von 1882 Seite 301 2c.) dahin abzuändern, daß das zu Anfang eines jeden Quartals den Ortsvorständen mittelst des Amtsblatts zugehende Schul-Verordnungsblatt von diesen nicht mehr an die Lehrer, bezw. die ersten Lehrer der Haupt-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von Oskar Höcker.
(Fortsetzung.)
Die Tochter sah ihm spöttisch nach, und als er verschwunden war, schlug sie mit der geballten rechten tu die flache linke Hand und rief mit unterdrückter Stimme:
»Justement nicht! Ich lasse mir nichts verbieten, am wenigsten aber die Liebe. Und ich bleibe dem Paul doch gut, und ich heirathe ihn auch no#/
Das übermüthige Mädchen drehte sich lustig ein' paar Mal um und begab sich dann gleichfalls zur Festtafel. An der Eingangsthür kam ihr ein schmucker Bursche entgegen, der bei ihrem Anblick feuerroth wurde: »Grüß Dich Gott, Paul", redete Wally ihn freundlich an, »kommst doch später in den Tanzsaal
Der WtrthSsohn bejahte.
»Dann wollen wir recht vergnügt mit einander schwätzen", fuhr das Mädchen fort, »hier gehl's nicht, denn der mißtrauische Bick meines Vaters lauert überall." Sie nickte dem Burschen freundlich zu und näherte stch dann der Tafel. Dieselbe war von den Gästen bereits besetzt und das überlaute Geklapper der Messer und Gabeln zeigte zur Genüge an, daß die Gedanken der Anwesenden nur bet den Genüssen des Mahles verweilten. Wally ließ sich an der Seite ihres Vaters nieder, der ihr einen vorwurfsvollen Blick zusandte. Sie
schule, sondern zunächst an den betreffenden Lo- kalschulinspektor und von diesem erst an die Lehrer abzugeben, im Uebrigen aber nach Maßgabe jener Verfügung zu verfahren ist.
Cassel, am 14. Mai 1888.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
Berlin, den 12. Mai 1888.
Da die Wahrnehmung gemacht ist, daß mein Circular-Erlaß vom 24. November 1881, betreffend die Festnahme flüchtiger Personen auf Ersuchen ausländischer Behörden, nicht überall Beachtung gefunden hat, so ersuche ich Ew. Hoch- wohlgeboren eraebenst, die Polizeibehörden unter Hinweis auf diesen Erlaß erneut dahin mit Weisung zu versehen, daß in allen Fällen, in welchen auf Ersuchen einer ausländischen Behörde eine vorläufige Festnahme strafrechtlich verfolgter Personen stattfindet, den vorgesetzten Behörden und von diesen mir unverzüglich Anzeige zu erstatten ist.
J$sex SRißjfter keS Innern, gea, v. Puttkamrr. An den Königlichen Regierungs-PräsideniestHMk
Rothe Hochwohlgeboren zu Cassel. II. 2897.
Cassel, den 24. Mai 1888.
Abschrift lasse ich Ew. Hochwohlgeboren 2c. unter Bezugnahme auf die Regierungs-Bekannt- machung vom 6. Dezember 1881 (Amtsblatt von 1881 S. 241) zur gefälligen sorgfältigen Beachtung und Mittheilung an die unterstellten Polizeibehörden ergebenst zugehen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe. An sämmtliche Königlichen Landräthe des Bezirks. A. II. 7698.
* *
Hersfeld, den 31. Mai 1888.
Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises unter Bezugnahme auf die im Kreisblatt vom 21. Dezember 1881 Nr. 102, abgedruckte Bekannt
achtete nicht darauf; mochte er es nun bemerkt haben oder nicht, daß sie mit Paul gesprochen, es war ihr gleich. Mit all' ihrer Munterkeit wandle sie stch ihrer Ttschnachbarin, einer ältlichen Frau zu. Dieselbe war eine Schwester der verstorbenen Müllerin und befand sich schon seit einer Reihe von Jahren in dem Steinert'schen Hause. Sie hatte die beiden Mädchen erzogen, die kranke Schwester sorgsam gepflegt, und sie stand noch heute der großen Wirthschaft rüstig vor, trotz einer schweren Gehirnerschütterung, die sie in ihrer Jugend erlitten und deren Folgen stch noch zeitweise geltend machten. Amret verwechselte dann gewöhnlich Vergangenheit und Gegenwart und redete zu Leuten, die schon längst gestorben waren. In solchen Augenblicken hatte ihr Wesen etwas Unheimliches, so daß selbst die beherzte Wally sich vor ihr fürchtete. Heute bet der Hochzeitstafel wurde die bedauernswerthe Frau abermals von einem solchen Anfall heimgesucht: in ihren braunen Augen blitzte es recht seltsam auf, um die Lippen spielte ein grausiges Lächeln, während ihre Gesichts- züge ausdruckslos erschienen.
»Genau so war's auch damals am Vorabend von des gnädigen Herrn Geburtstag," murmelte sie zwischen den Zähnen, als das muntere Ge« plauder Wally's, die erst jetzt den betrübenden Zustand ihrer Taute erkannte, plötzlich abbrach. »Die zahlreiche Dienerschaft feierte ihn und oben im Schlosse an der langen Tafel ging es gar lustig her, Gläser erklangen — und doch war das
machung Königl. Regierung vom 6. ejusdem zur Beachtung mitgetheilt.
6053. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 31. Mai 1888.
Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am
Dienstag den 26. Juni d. Js. und
Mittwoch den 27. Juni d. Js.
jedesmal von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:
a. am 26. Juni d. Js.
1) die beim diesjährigen Ersatzgeschäft als dauernd untauglich bezeichneten Militair- pflichtigen, insofern dieselben mit besonderer Vorladung versehen werden,
2) sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Aufgebots (bisher Ersatz-Reserve II. Classe) designirten Militairpflichtigen,
^ n^mrnwe oaiermr an ^rum-meierve in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,
4) die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,
5) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,
6) die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,
7) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ordnung zu berücksichtigenden Reservisten 20.,
8) diejenigen beim Ersatzgeschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist, und
9) sämmtliche Zugänge.
b. am 27. Juni d. Js. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtige, soweit sie
Unglück schon geschehen und das junge Leben entflohen . . . todt
Die Sprecherin holte mühsam Athem, dann ließ sie das Haupt langsam auf die Brust herabsinken. Steinert blickte ärgerlich aus sie, stieß Wally an und fragte:
»Was ist's denn wieder mit der Amrei?"
»Sei nicht so unwirsch, Vater," versstzte das junge Mädchen, »die Aermste hat heute wieder ihren schlimmen Tag."
»Konnte sie nicht bis morgen damit warten?" höhnte Steinert.
»Es ist heute der Jahrestag, an welchem damals das Unglück geschah. Du weißt ja, die Anfälle halten bei der Bedauernswerthen nicht lange an."
Der Müller wandle sich unmuthig ab, Wally dagegen erhob sich, um die Tante an die frische Luft zu bringen.
Der kleine Zwischenfall trübte die heitere Stimmung der Hochzeitsgäste nicht. Sie wußten alle, daß Amret an vorübergehenden Geistesstörungen litt; da war nun einmal nicht zu helfen. Sie fuhren fort, dem Weine tüchtig zuzusprechen, so daß die Wellen des Jubels recht hoch gingen, als die Gesellschaft sich endlich von der Tafel erhob und die junge Welt dem Tanzsaale im Garten zuströmie.
Steinert begab sich auch dahin, trotzdem er kein Freund von derartigen Vergnügungen war. Er wollte Wally beobachten und zornig dazwischen fahren, wenn sie es wagte, mit dem Wirthssohn vertraulich zu sprechen. Indessen sah er sich aas