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stattgehabten) Eröffnung der transkaspischen Bahn durch Bokhara bis Samarkand veröffentlicht der russische General Szobolew eine Broschüre, in welcher er ein neues gewaltiges Reich, das russisch- indische Kaiserreich ankündigt. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts, schreibt der russische General, wird England in Indien finanziell ruinirt sein und dann werde Rußland eine Bevölkerung von 130 Millionen Menschen haben und mit der ent­sprechenden Vermehrung seiner Armee und der Er­weiterung seiner Verkehrsmittel in der Lage sein, das große Ziel des russisch-indischen Kaiserreiches zu erreichen.

(B a l k a n ü a a t e n.) Nach der „Frks. Zig." wäre dieAffäre Popow noch nicht abgeschlossen. In dortigen Palastkreisen verlautet, daß der Fürst sich geweigert hat, das ihm unterbreitete Urtheil gegen Popow und Genossen mit seiner Unterschrist zu versehen.

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 30. Mai. Bleibt ein Miether über die Vertragsdauer hinaus gegen den Willen des Vermiethers in den Miethsräumen, so steht dem Vermiether zwar kein Anspruch auf den trüberen vertragsmäßigen Miethszins zu, wohl aber ein Ent­schädigungsanspruch. Für diesen hasten die einge- brachten Sachen des Miethers gleich einem Pfande. Urtheil des Reichsgerichts, II, Straf-Senat, vom 3. Februar 1888.

Hersfeld, 30. Mai. Premierlieutenant v. Fritsche vom Husaren-Rgt. zu Cassel ist zum Rittmeister und Escadronchef avancirt, desgleichen Seconde-Lieutenaut v. tzeyden zum Premier- lieutenant. — Der General-Major z. D. Hermann Friedrich Wilhelm Blume zu Marburg ist in den Adelstand erhoben worden. — Dem Jnspcctor und Ersten Lehrer an der Taubstummen-Anstalt zu Homberg, Keßler, ist der Kgl. Kronen-Orden 4. Cl. verliehen worden.

Hersfeld, 30. Mai. Der 12. Verbandstag der selbstständigen deutschen Condttoren tagt vom 4 . bis 8. Juni in den Retchshallen zu Berlin.

Hersfeld, 30. Mai. Eine Conserenz sämmt­licher Herren Landräthe des Regierungsbezirks Cassel wurde am Montag in Wilhelmsbad bei Hanau abgehalten.

Hersfeld, 30. Mai. Die Sommerconferenz der Eisenbahnlintencommission (mitteldeutsche Route) behufs Feststellung des Mobilmachungs-Fahrplans fand am 24, d. M. in Eisenach statt. Die Be­rathung wurde streng geheim gehalten.

' * Hersfeld, 30. Mai. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta passirte gestern Nachmittag um 3 Uhr 50 Minuten aus der Reise nach Baden-Baden mittels Extrazuges die hiesige Station.

+ Hersfeld, 30. Mai. Von einem schweren Unglücksfall wurde am Montag Abend der auf der Eichmühle in Arbeit stehende Müllergeselle Albert Junkuhn aus Tilsit betroffen. Der­selbe fuhr am genannten Tage in der Mühle mit mehreren Personen in einem Fahrstuhl ab­wärts, als dieser plötzlich durch den Bruch einer Gurte mit seinen Insassen aus beträchtlicher Höhe herabstürzte. Dem 20. Junkuhn wurden infolge­dessen beide Beine gebrochen während die übrigen Personen unverletzt davonkamen.

5 Hersfeld, 29. Mai. Ein seltsamerStraßen- auflauf ereignete sich gestern Abend in der Wallengasse. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß es in einem dortigen Hause spuken solle, und das Publikum zog schaarenweise dorthin, um etwas Näheres zu erfahren. Da aber alles ruhig blieb, entfernten sich die Leute wieder nach und nach. Von der Polizei wurde später fest­gestellt, daß ein in dem betreffenden Hause wohnender Lehrling sich das Vergnügen gemacht hat, den Geist zu spielen und die Hausbewohner in Schrecken zu setzen. Selbstverständlich wurde er sofort entlassen und sieht nun der Bestrafung für seine schlechten Witze entgegen.

□ Hersfeld, 29. Mai. Der heutige Vieh- markt war nur schwach besucht, 383 Rinder und 303 Schweine waren aufgetrieben. Da auch nicht viele Käufer erschienen waren, wurde nur wenig gehandelt. Preise niedrig.

* Hersfeld, 30. Mai. Die Ziehung der Wormser Lotterie ist auf den 17. Juli c. verlegt worden.

Hersfeld, 30. Mai. Durch Verfügung Königl. Regierung zu Cassel vom 27. April 1888 ist die das Züchtigungsrecht der Lehrer einschränkende Verordnung derselben Regierung vom 10. Dec. v. I.,. welche eine einheitliche Regelung der Be­stimmungen über Schulzucht und Anwendung von Schulstrafen im Reg.-Bez. Cassel bezweckte, wieder aufgehoben. Zur Motivirung dieser Aufhebung wird angeführt, daß in einzelnen Fällen der Ueber- schreitung der rein disciplinarischen Vorschriften als „vorsätzliche Mißhandlung" aufgesaßt worden

sei, was keineswegs den Intentionen solcher Ver­ordnungen entspreche.

Treysa, 26. Mai. Ein sehr betrübender Un­glücksfall hat sich vor einigen Tagen in dem be­nachbarten Dorfe Wasenberg ereignet. Das 7jährige Töchterchen des dortigen Landmannes Hans Claus Prinz spielte am Vormittag im Dorfe. Dabei sollte es, wie es anfänglich hieß, von einem Pferde durch einen Hufschlag so hart am Leib ver­letzt sein, daß die Eingeweide zu Tage getreten wären. Nach anderen verbürgten Nachrichten aber ist das Kind durch das Kommen des Pferdes ängst­lich geworden und im Davonlaufen zu Falle ge­kommen. Unglücklicherweise trug das Mädchen ein neues, spitzes Tischmesser in der Tasche eines Unter­rockes, welches ihm beim Fallen die Röckchen durch­schnitt und in den Leib eindrang. Der telegraphisch herbeigerufene Arzt konnte leider nur den Tod des unglücklichen Kindes constatiren. Der traurige Fall erregt allenthalben die größte Theilnahme, umsomehr, als die gebeugten Eltern vor einigen Jahren schon ein Kind in demselben Alter ver­loren haben.

Fritzlar, 25. Mai. Heute Nachmittag spielten mehrere Knaben am Ufer des Mühlengraben. Ein Knabe von 8 Jahren glitt aus und fiel in das Wasser. Die Anderen liefen fort, um Hilfe herbei zu schaffen, jedoch ehe solche kam, war bereits der Knabe ertrunken. Die Leiche wurde später inderNäbe der Buchenhorst'schen Mühle aufgefunden.

Marburg, 28. Mai. Die diesjährigen Ernte- aussichten im hiesigen Kreise, soweit sich dieselben bis jetzt feststellen lassen, sind im allgemeinen so gering, daß man sich in einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren keines ungünstigeren Standes erinnert. Die Aussichten für Korn, Weizen und Klee sind total schlecht und haben hier, neben ab­normen Witterungs-Verhältnissen, Mäuse-Fraß und Auswinterung nicht unerheblichen Schaden angerichtet. Nur an wenigen Stellen des Kreises, so in der Gemarkung Niederweimar, hegt man, bedingt durch abnorme Bodenverhältnisse, etwas bessere Erwartungen.

Vermischtes.

— Berlin, 26. Mai. Die Sammlungen des Comites für die Ueberschwemmten ergaben bis zum 25. Mai 3,032,200 Mark.

— Berlin, 28. Mai. Im Königlichen Schauspiel« Hause, worin gegenwärtig bauliche Veränderungen statt» finden, brach heute früh ein von Bauarbeitern über dem Bühnenraum errichtetes Gerüst fnicht Dachstuhl, wie es zuerst hieß) zusammen und verschüttete die darunter beschäftigten Arbeiter. Die Ursache des Zusammen« bruchs ist noch nicht feststellbar; vermuthlich hat sich aus noch unaufgeklärte Weise ein oberhalb des Gerüstes befind­licher Bindebalken gelöst. Bei drei oder vier von 45 beim Bau beschäftigten Arbeitern ist noch ungewiß, ob sie heute früh zur Arbeit gekommen sind. Von den übrigen ist einer todt, 13 sind theilweise schwer verletzt. Die Arbeiten der Feuerwehr dauern fort. <Die zuerst verbreitete Nachricht, daß von 26 herausgeschafften Arbeitern sechs todt seien, hat sich glücklicherweise als falsch erwiesen.) Die Decke des Bühnenraums und das sich darüber erhebende Dach ist bereits vor einigen Tagen abgetragen worden, da gerade hier ein Umbau erfolgen sollte. Heute Morgen nach 7 Uhr befanden sich auf dem Gerüst, wie angenommen wird, 45 Arbeiter. Die Mehrzahl derselben war in den oberen Etagen des Gerüstes beschäftigt. Kurz nach 71/* Uhr ge» rieth plötzlich das colossale Holzgerüst in Bewegung, die schweren Balken wankten und gaben nach und unter ent< setzlichem Krachen stürzte das Gerüst zusammen. Die Ar­beiter, welche an der Außenseite des Hauses beschäftigt waren, und die HauSbeamten stürzten heran, vermochten aber nur mit Mühe, sich einen Zugang zum Bühnenraum zu bahnen. Sofort legten die Anwesenden hilsreiche Hand an und begannen die Rettungsarbeiten. Schon nach wenigen Minuten erschienen auch starke Abtheilungen der Feuerwehr, welche durch die Meldung „Großseuer I" herbei« gerufen worden waren, und nun konnten die Arbeiten in größerem Maßstabe fortgesetzt werden. Von den 45 Hand, werkern, welche, wie man glaubt, zur Zeit der Catastrophe auf dem Gerüst sich befanden, sind 28 unversehrt geblieben oder haben doch nur leichte Verletzungen, Hautabschürfungen und dergleichen erhalten. Die 13 schwer verletzten Ar, bester wurden nach Anlegung der Nothverbände theils nach der Klinik in der Ziegelstraße, theils nach der Charils übersührt. Einer der Verunglückten wurde nach dem katho­lischen Krankenhause gebracht. Diesem, einem Zimmermann, waren sämmtliche Rippen gebrochen; an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Drei andere Zimmerleute, die mit leichteren Verletzungen davongekommen, konnten sich nach Anlegung von Verbänden in ihre Wohnungen begeben. Bald nach Eintritt der Catastrophe hatten sich auf der Unglücksstätte Polizeipräsident v. Richthofen, Generalintendant Graf Hoch- berg und einige Zeit später auch Minister v. Puttkamer eingesunden. Gegen 10-/? Uhr erschien, von Charlotten- burg herkommend, die Kaiserin Victoria mit ihrer ältesten Tochter, Prinzessin Victoria. Die hohe Frau erkundigte sich eingehend nach den Verwundeten und empfahl dieselben und ihre Angehörigen der Pflege der betreffenden Behörden. Als die Kaiserin nach einiger Zeit das Hoftheater wieder verließ, wurde sie vom Publikum mit lebhaften Ovationen begrüßt. Auch Kronprinz Wilhelm, welcher die Nachricht des Unglücksfalls erst beim Brigade-Exerciren aus dem Tempelhofer Felde erfahren, kam gegen 121 /a Uhr Mittags nach dem Ort der Catastrophe,

— Berlin, 28. Mai. (Während des Tanzes gestorben.) In einem Bergnügungslokal zu Lichter- felde sank gestern Nachmittag ein junges Mädchen, während sie sich unter den Klängen der Musik im

Tanze wiegte, plötzlich lautlos zu Boden und war sofort eine Leiche. Ob der Tod durch Schlagfluß eingetreten oder etwa ein Selbstmord durch Ver­giftung vorliegt, konnte im Augenblick natürlich noch nicht festgestellt werden, ebensowenig die Persönlichkeit des jungen Mädchens, da dasselbe ohne Begleitung in dem Lokal erschienen war und Schriftliches, aus dem man den Namen hätte ersehen können, nicht bei sich trug.

— Würzburg, 25. Mai. Bei dem Schuh­machermeister Eduard Walter hier fand heute eine Haussuchung statt. Dort fand man einen ganzen Brückenwagen voll gestohlener Gegenstände und Waaren, welche seine vier Lehrlinge auf Geheiß ihres würdigen Meisters aus allen Theilen der Stadt zusammengeholt hatten. Brachten diese auf ihrem Raubzuge nichts nach Hause, so wurden sie tüchtig durchgeprügelt. Die Diebeshöhle wurde dadurch entdeckt, daß einer dieser Lehrlinge gerade über einem Uhrendiebstahl bei einem Trödler er­wischt und, ins Verhör genommen, den ganzen Sach« verhalt eingestand.

— Nürnberg, 24. Mai. Eine Wechsel­fälschung in Höhe von 15000 Mark beging der im Hopfengeschäfte von I. Silbermann dahier angestellte Commis Henry Föltzer aus Frank­furt a. M. Geschädigt ist der Bankier Gustav Gutmann dahier. Föltzer, der eine „noble" Rolle spielte, ist flüchtig gegangen.

— Rattbor, 24. Mai. Einen guten Fang machte die österreichische Zollbehörde gestern auf Bahnhof Oesterreich-Oderberg. Unter den Passa­gieren, die mit einem preußischen Personenzuge dort ankamen, befand sich auch ein Handelsmann, der sich durch ein scheues Benehmen und dadurch, daß er etwas zu verbergen suchte, bemerkbar machte. Bei der Leibesuntersuchung wurden in seinem Besitze Pretiosen, die nach ungefährer Schätzung einen Werth von 6000 Gulden repräsen- tiren mögen, gefunden. Der Schmuggler wurde in Strafe genommen; die beschlagnahmten Pretiosen sind nach Wien gesandt worden.

— Beuthen O. «S., 27. Mai. Vorgestern Abend verunglückten auf der Hohenzollerngrube acht Bergleute auf dieselbe Weise, wie vor einigen Wochen zwölf ihrer Genossen. Dieselben sollten in die Tiefe gelassen werden, und dies geschah mit solcher Schnelligkeit, daß durch das Ausschlagen der Förderschale vier Bergleute ziemlich schwer, vier andere leicht verletzt wurden.

— Der Herog von Edinburgh ist nach einer Meldung aus London, an einer Blutvergiftung, in Folge Genusses schlechten Wassers in Gibraltar erkrankt.

— Ein Kesselexplosion, weiche großen Schaden anrichtete, ereignete sich am 27. Mai auf dem deutschen Dampfer „Deutscher Kaiser". Das Schiff war im Begriff aus dem Hafen von ShieldS zu segeln, als die Explosion geschah. Ein Theil des Decks und die Luken wurden in die Lust ge­sprengt, der Lootse von der Brücke auf das Verdeck geschleudert; der Bootsmann und ein Matrose er­litten lebensgefährliche Verletzungen. Das Schiff mußte zur Ausbesserung des Schadens in den Hafen zurückfahren.

— (Humoristisches.) Zeitgemäßer Rath. Frau: O mein Gott 1... Mem Mann ist gestorben, was fange ich nun an... . was thue ich denn jetzt? — Nachbarin: Ja, das Beste wird sein, Sie lassen ihn begraben. — Unüberlegt. Hausfrau (zu ihren neuen Dienstboten): Merkt Euch jetzt, wenn ich zweimal klingle, soll der Bediente kommen; wenn ich einmal schelle, das Stubenmädchen, und wenn ich gar nicht klingle, die Köchin. — Wett­streit. Arzt (zum Maler): Ihr habt's bequem. Wenn Euch etwas mißräth, kratzt Ihr es einfach ab! — Maler: Ihr hab'ts noch bequemer, Euch kratzt der Patient ab! — Bedenkliches Symp­tom. Arzt: Nun, liebe Frau, wie steht's mit Ihrem Manne? — Frau: Ach, schlecht, sehr schlecht, Herr Doktor, er riet in der Nacht immerfort: Wasser! Wasser! — Arzt: Dann wird er wohl Durst gehabt haben? — Frau: O nein, ich kenne ihn, denn dann hätte er immer: Bier! Bier! ge­rufen, also ist er schwer krank.

— (Auch ein Jagdresultat.) A.: „Ah, da sind Sie ja wieder, Herr v. Mayer! Na, wie war denn die Jagd? Haben Sie was erlegt?" — Mayer: „Ja, fünf Mark Strafe, weil ich meinen Jagdschein nicht bet mir gehabt hab!" 1c Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Prospect der dritten Marienburger Geld­lotterie desBankgeschästs Carl H eintz c in Berlin W. Unter den Linden 3, bei. Unsere Leser machen wir daraus aufmerksam, daß nur Geldgewinne ausgespielt und diese sofort ohne jeden Abzng bezahlt werden.

Bremen, 29. Mai. Der Schnelldampfer Elbe, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 19. Mai von Bremen und am 20. Mai von SoUth« ampton abgegangen war, ist heute 7 Uhr Morgen» wohl, behalten in Remhort angekommen.