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gtrsftlhcr Kreislilitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Zssustrirtes Interhaltungsölatt".
Nr. 63?
Donnerstag den 31. Mai
1888.
Monnements-Ginladung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 28. Mai 1888.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden unter Bezugnahme auf das diesseitige Ausschreiben von 10. December v. I. ad Nr. 11873, Kreis- blatt 148, hiermit angewiesen, die bezüglichen Brandschadens-Anzeigen, unter Vorlage des bezüglichen Brandversicherungs-Scheines, für die Folge nach dem hierunter abgedruckten Schema zu erstatten.
5846. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
I. Nr. ......den ten . . . . 18
Königlichem Landrathsamt zeige ich mit Bezug auf § 39 des Reglements vom 19. März 1880 ergebenst an, daß am . . ten . . Mts. in dem Ge- bäudeNr.. . Lit. .. des ...... zu...... Feuer ausgebrochen ist. Die zerstörten oder beschädigten Gebäude und der angerichtete ungefähre Schaden sind nachstehend angegeben: 1. Nr. . . Lit. ..
2. „ • • „ • •
Der Bürgermeister
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
Ein Schelmenstreich des Junkers Josse von Brant.
E. Wuttke - Bill er- (Schluß.)
„Ja werthgeschätzle Frau Lotzin, gebe eS in dieser Welt nicht auch Gegenparteien, wir hätten uns nie wiedergesehen. Aber diese . . . hm . . . diese Gegenpartei hat mich so zu sagen gestürzt. Ich bin ein Opfer ihrer Ränke. DaS soll sagen, ch habe mein Amt als Bürgermeister von Braun- chweig niedergelegt — oder um ganz correkt zu prechen, ich habe eS erst garnicht angetreten. Mit o einer Stadt, wo die Gegenpartei herrscht, will ch nie mehr etwas zu thun haben."
Mit offnem Munde hatte ihm die Lotzin zugehört. „Ihr wäret Bürgermeister von Braun- schweig?" rief ste ehrfurchtsvoll und beschloß daS Glück nicht ein zweites Mal entschlüpfen zu lasten.
.Was einmal war, Herr Bürgermeister, das kann wieder werden", tröstete sie ihn, .den Titel habt Ihr ja doch profittrt, und wenn Euer Gnaden nicht zu vornehm sind, möchte ich bitten, bei wir ein bescheidenes Mittagsmahl einzunehmen."
Veit Wampel aber war mit seinem Notar, seinen Schreibern, Pagen, Dienern und dem hohen Amte auch die Vornehmheit abhanden gekommen. .Allzugütig, Frau Lotzin," sprach er und küßte ihre Hand. .Aber ich befinde mich schon allzuties in dero Schuld."
.Herr Bürgermeister," erwiderte sie mit einem tiefen Knixe, .es ist mir eine große Ehre gewesen."
Bekanntmachung.
Am 1. Juni wird in dem zum Landbestellbezirke des Kaiserlichen Postamtes in Hersfeld gehörigen Orte Friedlos eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Wirth Greb e übertragen ist.
Cassel, den 19. Mai 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
___ In Vertretung: v. Rumohr._______
Bekauutmachuug.
Am 1. Juni wird in dem zum Landbestellbezirke des Kaiserlichen Postamtes in Hersfeld gehörigen Orte Niederthalhausen eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Gastwirth Bettenhausen übertragen ist.
Cassel, den 19. Mai 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
__In Vertretung: v. Rumohr.___
Gefunden: ein blauleinener Kittel. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim._____
Zugelaufen: dem Gastwirth Völker zu Kirchheim ein Dachshund. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkosten bei rc. Völker in Empfang nehmen.
t f Die neuen Pächter der Loyalität.
Die letzte Sitzung des Abgeordnetenhauses am Sonnabend, welche voraussichtlich auch die letzte Sitzung in der gegenwärtigen Legislaturperiode war, ist bedauerlicher Weise oon den Freisinnigen dazu benutzt worden, um eine der widerwärtigsten Scenen aufzuführen, die sich jemals in den Räumen dieses Hauses abgespielt haben. Es war schon im Voraus verkündet worden, daß die Freisinnigen die Besprechung der Wahlen in Marienburg-Elbing, deren Ungültigkeit wegen dabei vorgekommener Unregelmäßigkeiten von der Commission beantragt worden
Und da ste voll Energie auf ihr Ziel losging, war sie so glücklich, noch ehe das Mal zu Ende war den durch die Gegenpartei gestürzten Bürgermeister und mit ihm, wie sie sich schmeichelte, einen schönen Titel zu erobern.
Veit Wampel widmete seiner Braut den ganzen Nachmittag; aber er ließ sich nicht abhalten den Abend mit seinen .wohlwollenden Freunden, den Herren Junkern" in der „Tonne" zuzubringen.
Der Junker Erstaunen, als ste Veit Wampel stürmisch begrüßten, schien grenzenlos.
.Was ist vorgefallen, Herr Bürgermeister? Wie sollen wir uns Eure Rückkehr erklären, Herr Bürgermeister?" riefen sie Alle durcheinander.
Veit Wampel ließ vor den Junkern die Gegenpartei fallen; denn er hatte selbst aufgehört an sie zu glauben.
.Mir ist der abgefeimteste Schelmenstreich gespielt worden, von dem die Welt jemals hörte," rief er voll Zorn. .Peter Muchay heißt der Hallunke, der mich zum Narren gemacht hat!
.Den Kerl müssen wir herauskriegen!' rief Josse von Brant. „Und sollte es mir hundert Gulden kosten, den krieg ich heraus!"
Dieser Eifer tröstete Veit Wampel ungemein. Er ließ stch auf der Junker Bitten auch herbei ihnen seinen Einzug in Braunschweig zu erzählen; ebenso die Reise bis dahin; als er aber zu seinem Besuche beim Rektor der Universität Helmstädt kam, hielt er plötzlich ein, wachte eine verlegene Miene und frug: „Wissen Euer Gnaden vielleicht, was Blamatus iUe heißt?'
war, zu einer Haupt- und Staatsaction machen würden, um sich daraus Waffen für die zukünftigen Landtagswahlen sowohl gegen die Regierung wie gegen die nationalen Parteien zu schmieden. In dem Gefühle, daß das Material, welches diese Wahlvorkommnisse bieten, um die oft behauptete Unfreiheit und Beeinflussung der Wahlen darzuthun, ein überaus dürftiges sei, suchte Herr Rickert die Schwäche seiner Position damit zu verdecken, daß er eine Reihe von Dingen in die Debatte zog, die mit der Wahlfrage gar nichts zu thun hatten, und die nur zu dem Zwecke vorgebracht wurden, um die nationalen Parteien und mit ihnen die Minister zu verdächtigen. Nachdem von nationalliberaler Seite Protest dagegen erhoben war, daß das moderne „Syko- phanthum", d. h. die gewerbsmäßige böswillige Verdächtigung angesehener Männer, wie sie von der „Freisinnigen Zeitung" seit Wochen systematisch betrieben wird, in das Parlament verpflanzt werde, schien dem Abgeordneten Richter dre Gelegenheit gekommen zu sein, den Faden weiter zu spinnen und daraus ein ganzes Netz von Ver- läumdungen und Verunglimpfungen zu machen, mit denen er alle Gegner der Freisinnigen unter Anwendung beleidigender und beschimpfender Kraftworte überschüttete.
In einer Rede, welche ein wortgetreuer Abklatsch aus den von der „Freisinnigen Zeitung" seit Wochen und Monaten bis zum Ueberdruß gebrachten Leitartikeln war und all den dort abgelagerten Schmutz zusammenfaßte, nahm er sich heraus, in einer bis dahin unerhörten Weise das Kaiserhaus in die parlamentarische Debatte hineinzuziehen, und geberdete sich dabei als den berufenen Wächter der Krone, der verpflichtet sei, die Illoyalität der nationalen Parteien und der Minister gegen das Kaiserhaus zu enthüllen und dasselbe hiergegen zu schützen.
Wir verzichten darauf, Herrn Richter auf diesen
„Du bist blamtrt," entgegnete Joffe von Brant mit einem verzweifelten Versuche ernst zu bleiben.
„Und was heißt rara avis?' forschte Veit Wampel sehr betreten weiter.
„Seltner Vogel", erklärte Junker Josse nach einem Erstickungsanfall.
Da traten Veit Wampel die Augen fast auS dem Kopfe; er schlug mit der Faust auf den Tisch und schrie: „Jetzt weiß ich, warum mich der Rektor für verrückt gehalten hat! Das hat dieser verfluchte Marktschreier angestistet! Daß ihn die Hölle verschlinge!"
„Herr Steuertnipecior", sagte Wenzel Hais, sobald er Gelegenheit fand Veit Wampel ungestört zu sprechen, „habt ihr niemals den Verdacht gehabt, daß die Junker zu jedem Schelmenstreiche fähig sind?"
„Niemals", entgegnete Veit Wampel zuversichtlich. „Ich möchte nicht behaupten, daß die Herren nicht einen Gimpel manchmal verspotten; aber wen die Herren ästimtren, der ist vor ihren Streichen sicher; davon habe ich Beweise."
„Dann bitte ich um Entschuldigung," sagte Wenzel Hais und machte ein Gesicht, aus dem man nicht klug wurde, ob er ernst war oder lachte.
(Unbrfugter Nachdruck verboten.)
Aus heiterem Himmel.
Erzählung von Oskar Höcker.
1.
Heute fand die Trauung der älteren Tochter