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Europa daS Schauspiel eines Volkes geben, das sich wieder, herstellt, um allen Stürmen die Stirn zu bieten. Man wird aber Frankreich das Vertrauen, dessen es so sehr be. dars, nicht geben, wenn man Verräth er nur mit einer Scheinstrafe Heimsucht, wie jüngst in Marseille den Feldwebel, der Deutschland das Geheimniß unseres neuen Gewehrs verkauft hat. Ist es nicht ungeheuerlich, daß man einem General den Degen entrissen hat, den er nur zur Vertheidigung seines Landes gebrauchen wollte, während der entsetzlichste Verrath nur mit einer lächerlichen Strafe, fast mit einer Freisprechung geahndet wird?

(Engkand.) Sehr lebhaft ist gegenwärtig in England die Bewegung zu Gunsten einer besseren Kriegsausrüstung des Reiches. DiePost" erhielt sogar ein Telegramm des Inhalts, daß mili- tärischeKreise eine große Volksbewegung gegen Regierung und Parlament ins Leben rufen. Sie erklären das Vaterland in Gefahr; die Armee sei ohne Waffen, die Schiffe ohne Kanonen, Eng­land, (besonders London) sei jedem feindlichen Angriff offen.

(Spanien.) An der bevorstehenden Eröffnung der Ausstellung in Barcelona wird die Königm- Regentin von Spanien mit dem Könige theilnehmen. Die Abreise der Königin-Regentin von Madrid erfolgt am Sonntag. Am 14. und 15 Mai wird die letztere in Saragoffa verweilen, am 16. Mai Lerida besuchen und am Abend desselben Tages in Barcelona eintreffen. König Alfons, den seine Mutter begleitet, wird am 17. Mai zwei Jahre alt und feiert seinen Geburtstag in Barcelona. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgt am 20. Mai.

(Portugal.) Der König von Portugal ist erkrankt und sein Zustand hat sich Lissaboner Meldungen zufolge derartig verschlimmert, daß wahrscheinlich der Kronprinz demnächst mit der Erledigung der laufenden Regierungsgeschäfte be­auftragt werden wird. _

(Rußland.) Wie dieWeser-Ztg." mittheilt, hätte ein französisches Bankconsortmm dem russischen Finanzminister eine Anleihe von500 Mill. Rubel angeboten, dafür aber die Stellung eines bestimmten Pfandes (und zwar die Ein­nahmen aus bestimmten Staatsbahnlinien) ver­langt. Der Minister schlug dies rund ab, weil dadurch der Credit Rußlands mit dem der Pforte auf die gleiche Stufe herabgedrückt erscheine. Sonach ist jede Aussicht für Rußland geschwunden, durch eine Anleihe im Auslande zu Gelde zu kommen.

>< wrtWJ^W'iW W °M besonders angelegen sein, durch die That seine per­sönlichen Sympathien für Deutschland zu bekunden. Während er für andere Länder bei ähnlichen Gelegenheiten die Summe von 200 Pfd. als seinen Beitrag zu Wohlthätigkeitsconcerten noch kaum überschritten hat (den Oesterreichern gab er vor zwei Wochen 100 Pfd.), spendete er zu dem am 8. d. stattgehabten Concert die Summe von 500 Pfd. (11,500 Fr.), obwohl er schon ebenso­viel den Ueberschwemmten hat zukommen lassen. Natürlich folgten die Paschas und hochgestellten Effendis dem guten Beispiel ihres Herrn. Nach Depeschen, die in Sofia eingelaufen sind, wurden an der Grenze verschiedene bulgarische und montenegrinische Banden organisirt. Eine derselben, welche das bulgarische Gebiet von serbischer Seite her betreten hätte, sei zerstreut und mehrere Mitglieder derselben seien getödtet

tung beizulegeu sei. Wie dieNordd. Allgem. Ztg. kategorisch erklärt, sind diese Behauptungen völlig aus der Lust gegriffen. Für die Ansicht des Reichs­kanzlers über die heutige Lage nach wie vor die Rede vom 6. Februar b. I. maßgebend, welche bekanntlich in den Worten gipfelte: Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt.

Die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Alters- und Juvaliden-Versicherung der Arbeiter hat in den Ausschüssen des Bundesraths am Freitag begonnen und wurde am Sonnabend Vormittag von 10 Uhr ab fort-

Deutschland hat für sein westafrikanisches Schutzgebiet Togo auf den 1. Juni, für das der Marschallinseln auf den 1. October 1888 seinen Beitritt zum Weltpostverein erklärt.

Alle Sptritusfabriken, welche von erheb­licher Bedeutung sind, haben nunmehr, wie dre B. P. N." zuverlässig erfahren, ihren Vertritt zur Spiritusbank erklärt. Auch Seitens der Ansiedelungscommission der Provinz Posen ist die Beitrittserklärung erfolgt.

Wie aus Königsberg berichtet wird, rst das Getreidegeschäft daselbst in Folge der sowohl rm Jnlande als im benachbarten Rußland erzielten guten Ernte im Laufe des Winters ein recht befriedigendes gewesen. In Königsberg wurden zusammen 174119 Tonnen gegen 60960 Tonnen in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, also nahezu die dreifache Menge, ausgewogen. Aus Rußland war insbesondere die Zufuhr von Waizen zeitweise recht bedeutend. Sie erreichte im Anfang des Januar die größte Höhe. Aus dem Jnlande wurden ziemlich andauernd große Zufuhren an den Markt gebracht und nur in

der Mitte des Monates December zeigte sich m Folge der schlechten Wege eine Abnahme. Es ist jedoch in Anbetracht des so reichlichen Ernte- Ergebnisses zu vermuthen, daß noch ansehnuche Mengen bei den Producenten verblieben sind, welche noch auf eine Steigerung der Preise hoffen. Bisher ist diese Hoffnung leider noch nicht erfüllt worden.

General v. Schlotheim, welcher zu den ältesten Generalen der Armee gehört, soll, wie in militärischen Kreisen verlautet, für die erste Armee- inspection in Aussicht genommen sein.

weift,-irifs^stist? .ÄiEM.r^SM"M..MdkMrk- geht mit derartigem Pomp vor sich, daß die neulich« Reife des Präsidenten Carnot völlig in den Schatten gestellt wird. Zugleich fehlt eS nicht an den theatralischen Aus­tritten, wie man sie von einem Manne wie Soulanger gewärtig sein mußte. Fast an allen Hauptstationen unter­wegs waren große Menschenmengen versammelt, die Hoch­rufe auSstießen, Fahnen und Taschentücher schwenkten, Boulangerlieder sangen und Blumenzuwarsen. Der Ein­zug in Dünkirchen erfolgte in fünfzehn Wagen inmitten großen Volksjubels. Einige Gegner, die pfiffen undNieder mit Soulanger!" riefen, wurden mißhandelt. Boulanger empfing die Fischhändlerinnen, deren Führerin er umarmte, besuchte den Hasen, wo ein Arbeiter ihn als den Helden von R e i ch s h o s e n, ein anderer als Frankreichs künftigenMoltke feierte, und nahm an einem Festmahle Theil, bei dem er in einer Tischrede sagte:Kaum dreißig Jahre, nachdem Jean Bart von Dünkirchen mit den Schiffen ausschwärmte, vor denen England zitterte, hielt ein englischer Statthalter hier Garnison. Soweit kommt ein Volk, das sich aufgiebt. Vergessen wir niemals diese schmachvollen Waffenstreckungen und lernen wir ohne Schwäche wie ohne Ruhmredigkeit

worden. Die griechisch-türkischen Miß­helligkeiten sind noch nicht völlig beigelegt. Es kommen immer neue Streitpunkte, die an sich gleichgiltig sind, die aber doch dazu beitragen, eine völlige Verständigung nicht aufkommen zu lassen. So wurde von griechischer Seite erklärt, daß, wenn der griechische Consul in Monastir nicht wieder eingesetzt werde, der türkische Consul aus Larissa werde ausgewiesen werden. In diplomatischen Kreisen erhofft man, daß die Sache trotz der fortwährenden Schwierigkeiten einen Ausgleich finden werde.

(Amerika.) Der Kaiser von Brasilien ist seit einigen Tagen in Mailand, wo er sich Besuchsweise aufhält, nicht unbedenklich erkrankt. Bei dem Kaiser zeigten sich Donnerstag Abend ernste Symptome von Gehirncongestionen, ver­bunden mit Fieber. Dr. Semmola hält den Zustand des Kaisers für ziemlich ernst und berief telegraphisch Aerzte aus Paris und Padua. Diese stellten neben Abnahme des Fiebers auch Brustfellentzündung fest; obwohl der Zustand des Kaisers sich bessert, ist noch immer der Ein­fluß der allgemeinen Schwäche zu fürchten. Die brasilianische Deputirtenkammer nahm die Regierungsvorlage betr. die unmittelbare und bedingungslose Abschaffung der Sclaveret an. (Anfangs vorigen Jahres wurde bie Auf­hebung der Sclaverei schon im Princip beschlossen, zur Durchführung dieser Maßregel aber ein öjähriger Zeitraum festgesetzt.___________________

Aus Hessen-Nassau.

Hersfeld, 14. Mai. Durch einen neuen Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten sind die allgemeinen Bedingungen für die Abonnements­karten der preußischen Bahnen abgeändert. So soll für einzelne ausgefallene oder unterbrochene Fahrten eine Rückvergütung nicht gewährt werben. Wird jedoch ein Karteninhaber durch ein nicht vorauszusehendes Ereigniß (wie unerwarteter Wechsel des Wohnorts, Krankheit, Todesfall und dergl.) an der weiteren fortlaufenden Benutzung ner Karte nachweislich verhindert, so kann ein Nachlaß an dem gezahlten Preise nach besonderen Grundsätzen bewilligt werden. Bet länger als 24 Stunden anhaltenden Verkehrsunterbrechungen wird ein den ausfallenden Tagen entsprechender Theil des Zeitkartenpreises vergütet. Wird ein -^».4,s.l AQaggtwUffa tnahn>nh-hpr Kartendauer gewünscht, so kann die Karte gegen solche einer höheren oder niedrigen Classe von der Eisenbahn- verwaltung umgetauscht werden, wenn die neue Karte für den Rest der ursprünglichen Geltungs­dauer entnommen wird. In diesem Falle wird der Mehrbetrag dem Karteninhaber erstattet oder bei Umschreibung auf eine höhere Wagenclasse von demselben nacherhoben. Für die Um­schreibung ist außerdem eine Gebühr von 1 M. für die Karte zu entrichten.

t Hersfeld, 14. Mai. 98 Eintragungen von Rechtsanwälten haben im 1. Quartal v. I. in die Listen deutscher Gerichte stattgefunden, wogegen 62 Anwälte gelöscht sind. Die Vermehrung entfällt fast ausschließlich auf die Amtsgerichte, bei denen 50 Eintragungen und achtzehn Löschungen stattge« funden haben, während bei den Landgerichten den 42 Eintragungen 37 Löschungen gegenüberstehea.

Diesen Schrei aber hatte Frau Rosine Lotzin, die Wittwe des Obermeisters der Fischerinnung ausgestoßen.

Frau Rosine Lotzin war es, als sie ihn daher kommen sah, schon ausgefallen, daß Veit Wampel mehr noch als sonst die Beine sprettzte, die Nase hochhielt und mit dem Stock in der Luft fuchtelte; daß er sich im Staalsrock befand übersah sie gleichfalls nicht und beschloß die Ursache dieser äußeren Veränderung zu erforschen. Sie war mit Veit Wampel bekannt und er hatte auf sie sogar ein Auge geworfen. Aber obwohl ße mit anstands- voller Wehmuth von ihrem seligen Eheliebsten sprach, wünschte ße die Tage ihres ehelichen Glückes doch nicht zurück.

Sie war eine wohlhabende Frau und besaß ihr eigenes Haus am Neuen-Fischer-Ufer. Jeden Mittag stand eine vortreffliche Mahlzeit aus ihrem Tische, und wenn sie sich auf ihrem Lehnstuhl zurechtrückte und die Serviette über den Schooß breitete, frug sie:Rosine, fehlt Dir noch etwas?"

Nein, Rosine fehlte nichts; sie brauchte nicht länger auf den Geschmack eines strengen Gebieters Rücksicht zu nehmen und konnte sich alle Tage ihre Lieblingsgerichte kochen.

Doch einem langen und hohen Titel würde die Lotzin selbst ihre Lieblingsgerichte geopfert haben; denn dafür besaß sie eine Schwäche. Als sie nun Veit Wampel am Krökenthor mit allen Anzeichen eines gesteigerten Selbstbewußtseins begegnete, schloß sie mit natürlichem Scharfsinn auf eine

Standeserhöhung und nahm sich vor, ihn darüber auszuforschen.

Werthgeschätzter Herr Steuerinspektor," sagte sie und knixte lief,Eure Miene beweist ein so großes Contentement, daß ich mich als Dero wohlmeinende Freundin nach der Ursache wohl erkundigen darf."

Der Bürgermeister einer der ersten Hansastädte blickte auf eine Wittwe des Obermeisters der Fischerinnung selbstverständlich herab; ohne die Richtung seiner Nase merklich zu ändern, enigegnete Veit Wampel deshalb in sehr kühlem Tone, daß er alle Ursache habe, mit der Wendung in seinem Schicksale zufrieden zu sein. Die Welt werde bald Gelegenheit finden, sich über eine Standeserhöhung zu wundern; manche würden sich auch ärgern, daß sie sein Entgegenkommen zurückgestoßen hätten. Das war ein Stich, den die Lotzin fühlte. Aber," fuhr Veit Wampel geheimnißvoll fort, die Klugheit gebietet diese Angelegenheit einer gefährlichen Gegenpartei halber in Dunkel zu hüllen."

In dieser Nacht störten Reue und ehrgeizige Wünsche der Lotzin Ruhe, und als sie am andern Morgen frug:Rosine was fehlt Dir?" da gab mit Seufzen ihr Herz zur Antwort:Ein Mann mit einem hohen und schönen Titel wie Veit Wampel."

Die Junker hatten sich an diesem Abend voll- zählich in derTonne" eingefunden; denn sie er­warteten, daß Veit Wampel eine Haupt- und Staatsaction aufführen würde.

Aus ihren Bemerkungen glaubte Wenzel Hais

zu entnehmen, daß irgend ein boshafter Streich in Scene gesetzt werden sollte. Er wartete deshalb auf Veit Wampel an der Thür, und als dieser erschien, raunte er ihm zu:Herr Steuerinspector, nehmt Euch in Acht; mir, als hätten die Junker einen Schelmenstreich ausgebrütet."

Was bildet Er sich ein!" erwiderte Veit Wampel mit heraufgezogenen Braunen.Einer Standes- Person spielt man keinen Schelmenstreich."

Ihr habt Euch ja wie ein Bräutigam aüfge- putzt," rief Junker Josse ihm schon von weitem entgegen.

Veit Wampel schnallte den Degen ab, den er zur Feier des Tages angelegt hatte, und warf ihn klirrend nach dem Beispiel der Junker nebst seinem Hut auf den Nebentisch, bann nahm er gravitätlsch Platz und bemerkte mit geheimnißvollen Lächeln, sein Schicksal habe allerdings eine Wen­dung genommen, wie sie in der Welthiftorte schwer­lich schon erhört worden wäre.

Er muß eine Erbschaft gemacht haben", rief Cristoffer Meldungen. (F. f)

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