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Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Jtkustrirles Anterhaltnngsvkatt"_________
Nr. 54. Dienstag den 8. Mai 1888.
AmMchrs.
Hersfeld, den 4. Mai 1888.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Unikaten berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer - Zu- und Abgangslisten pro II. Semester 1887/88 mit der Auflage zu, die Abgänge nach Zeit und Betrag in den Klassensteuer- Rollen vom abgelaufenen Steuerjahre zu nötiren, und hiernach die qu. Listen in der Repositur aufzubewahren.
4508. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 5. Mai 1888.
Für den am 9. März 1869 geborenen Johannes Klee zu Conrode ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
5031. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 5. Mai 1888r
—4LSMM SS S M» aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 5032. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus dem Landtage.
Berlin, 4. Mai. Das Herrenh aus erledigte heute einen kleineren Gesetzentwurf, betr. Abänderung einer Bestimmung über die Verfassung der VerwoltungSgerichte, ertheilte Decharge für Rechnungen der Kaff« der Ober-Rech« nungSkammer und genehmigte nach kurzer Debatte die von dem Abgeordnetenhaus« kürzlich beschloss«»« Eisenbahnvor- lag« unverändert nach den Beschlüssen des anderen Hauses. Morgen: Schlußberathung der vom Abgeordnetenhause in einigen Punkten veränderten SchleSwig-Holsteinischen Kreis-
Im Hause der Väter.
Novelle von Hans Warring. (Schluß.)
Unterdessen war der Verwalter durch den Garten geschritten. Da, wo sich derselbe ohne bestimmte Grenze in das freie Feld verlor, standen an einem halboerwachfenen Graben ein paar hohe alte Weiden, die sich die diesen Bäumen selten gegönnte Freiheit, sich auszuwachsen, zu nutze gemacht hatten und ihre mächtigen Aeste weit über den Rasen streckten. Hier war er stehen geblieben und blickte um sich. Wie friedlich umgab ihn die Welt! Die letzten Sonnenstrahlen lagen auf der Wiese und übergossen sie mit röthlichem Glänze. Den Rauch über den Dächern der Stadt verwandelten sie in goldenes Gewölk und jedes kleine Wafferpfützchen auf der Wiese in einen Spiegel des reinen Aethers. Er streckte stch unter einen der Bäume und lag lange Zeit mit geschlossenen Augen. Die Ruhe und der Friede des Abends hatten sich auch in seine Seele gesenkt. Er meinte, den ersten bitteren Schmerz überwunden, ihn in stch zu einer ruhigen Resignation abgedämpft zu haben. Aber als er in der Ferne das Rollen eines Wagens hörte, als er sich sagte: da kommt sie, ich werde sie heute zum letzten Male sehen, da ergriff ihn ein rasender Schmerz. Er bedeckte mit beiden Händen fein Gesicht und Thränen stürzten aus seinen Augen. —
ES war schon dunkel geworden, als er leise in's Haus trat. Ungesehen erreichte er sein Zimmer,
ordnung und Gesetzentwurf, betreffend die Gleichstellung der Gymnasiallehrer an städtischen mit den an staatlichen höheren Lehranstalten.
Das Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst in dritter Berathung den KreiSordnungsentwurf für die Provinz SchleSwig-Holstein, sowie den Gesetzentwurf über die Einführung der Provinzialordnung daselbst unverändert nach den Beschlüffen der zweiten Lesung durch definitive Annahme. Desgleichen wurde in erster und zweiter Berathung der Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichtes in Tirschtigel, unverändert genehmigt. Bezüglich des Antrages des Abg. Scheben, betr. das Verbot von Surrogaten bei der Bierbereitung, wurde nach einiger Discussion, in welcher sich der Staatsminister v. Boetticher in -»stimmendem Sinne äußerte, folgende Resolution beschlossen: „In Erwägung, daß eine gesetzlich« Regelung der Herstellung und des Vertriebes deS Bieres nothwendig ist; in Erwägung, daß nach Mittheilung deS Herrn Regierungs» commissars eine reichsgesetzliche Regelung der Frage in Vorbereitung ist, über den Antrag des Abgeordneten Scheben auf Annahme eines Gesetzentwurfs, betreffend das Verbot von Surrogaten bei der Bierbereitung, zur Tagesordnung Überzugehen und die Staatsregierung auszufordern: im
Bundesrathe dahin zu wirken, daß eine baldige reichsge- L-,------ „ „
setzliche Regelung der Herstellung und des Vertriebes des weg nach den Bnträgj BiereS herbeigeführt werde." — Schließlich gelangten noch einige Petitionen zur Erledigung, darunter solche wegen Entschädigung bezw. Abhülse von Wildschäden, welche der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen wurden.
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beiträge für Elementarlehrer; Gesetz, betreffend die Ver-
leihung von Korporationsrechten an geistliche Orden; Antrag Berlmg, betreffend den Schutz der Landwirthschaft gegen Hochwildschadcn; Pelitionen.
Berlin, 5, Mai. Das Herrenhaus hielt heute eine Sitzung, in welcher zunächst den von dem Abgeord- netenhause in einigen Puncten der Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein beschlossenen Aenderungen beigetreten wurde. Zu einer längeren Erörterung führte der vom Abgeordnetenhaus« angenommene Gesetzentwurf, betreffend die Gleichstellung der Lehrer an den nichtstaatlichen öffentlichen höheren Lehranstalten hinsichtlich ihres Diensteinkommens mit den staatlichen. Der Gesetzentwurf wurde, wie vor zwei Jahren ein ähnlicher, abgelehnt, hauptsächlich
deshalb, weil die Auffassung maßgebend war, daß in dem
selben ein unberechtigter Eingriff in die Selbstverwaltung i der verminderten Eiterabsonderung nachgelassen; der Communen gegeben werde, so sehr auch von verschiedenen ! die Lungen sind Nicht direct in Mitleidenschaft
warf sich auf das Sopha und überließ sich seinem Grübeln. Er mochte schon eine Weile mit geschlossenen Augen so vor sich hin gebrütet haben, als ein Lichtschimmer auf seine Augenlider fiel und ihn zwang, sie zu öffnen. In der Thür zur Schreiberei stand der Commerzienrath, ein Licht in der Hand. Der Schein fiel hell auf sein Gesicht, und der junge Mann sah, daß die letzten Tage tiefe Spuren darauf zurückgelassen hatten. Auch das Haar, das erst leicht mit Grau gemischt gewesen, schien ihm fast weiß geworden.
„Entschuldigen Sie, lieber junger Freund, wenn ich so ungerufen bei Ihnen eintrete", sagte er, den Leuchter auf den Tisch stellend und die Hand des jungen Mannes, der rasch aufgesprungen war, mit warmer Herzlichkeit drückend. „Aber da habe ich gar seltsame Dinge gehört, über die wir uns doch verständigen müssen. Sie wollen fort, und, wie mir Mara sagt,- ohne stichhaltige Gründe an- zugeben? Meinen Sie, ich werde einen lieben jungen Freund, der doch im Grunde ein recht alter ist, so in die Welt ziehen lassen, ohne zu fragen: was treibt Dich fort, und welchen Weg gedenkst Du zu gehen? Wir hier zu Lande sind zähe Naturen, die festhalten, was sie einmal gefaßt haben. Daher denken Sie sich die Sache nicht zu leicht. Die alte Fränz und Johanne haben schon ein großes Geschrei erhoben, sie klammern sich an Ihre Rockschöße, und was meine Tochter anbelangt, so weiß ich nicht recht —*
Er hatte mit sichtlicher Anstrengung gesprochen, jetzt wankte ihm die Stimme. Er wandte sich,
Seiten der in dem Gesetzentwürfe zum Ausdruck gebrachte Wunsch als berechtigt anerkannt wurde. Die nächste Sitzung wird vermuthlich am 16. Mai stattsinden. Die bestimmte Festsetzung des Termins hängt von der Erledigung der Volksschullastengesetzes im Abgeordnetenhaus« ab.
Das A b g e o r d n et en h au s genehmigte heute zunächst in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts in der Stadt Tirschtiegel, und ebenso nach längerer Debatte gleichfalls in dritter Lesung den sreisinnigerseits eingebrachten Gesetzentwurf, betreffend den Erlaß der Reliktenbeiträge für Elementarlehrer, nachdem die von conservativer Seite beantragte Resolution, mit Rücksicht auf die wiederholten Erklärungen der Regierung, daß dem Landtage spätestens in der nächsten Session ein bezüglicher Gesetzentwurf zugehen werde, über den vorgelegten Gesetzentwurf zur Tagesordnung Überzugehen, — abgelehnt worden war. Der Gesetzentwurf, betreffend die Verleihung von Korporationsrechten an Riederlaffungen geistlicher Orden ic., wurde nach kurzer Debatte in erster
und zweiter Lesung genehmigt, dagegen der von den Abgg.
Berling und Genoffen beantragte Gesetzentwurf, betreffend den Schutz der Landwirthschaft gegen Hochwild, einer besonderen Commission von 21 Mitgliedern überwiesen. Schließlich gelangte noch eine Reihe von Petitionen durchweg nach den Anträgen der bezüglichen Commissionen zur Erledigung. Nächste Setzung Montage, .taifeiv&iEuno. Art. Gesetzentwurfs, betreffend die Verleihung von Korparations- rechten an Genossenschaften; erste Lesung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Regulirung der Oder und Spree; Petitionen.
Politischr Nachrichten
(Deutschland.) Charlottenburg, 5. Mai. Nachdem Seine Majestät der Kaiserund König den gestrigen Tag, mehr als in der letzten Zeit der Fall war, im Lehnstuhl sitzend und auf dem Sopha liegend verbracht haben, kann das Allgemeinbefinden des Monarchen heute ein etwas besseres genannt werden; dementsprechend erscheinen die Kräfte wieder ein wenig gehoben. Die Entzündung in der Luftröhre, welche den letzten Fieberanfall veranlaßt zu haben scheint, ist zurückgegangen. Der Hustenreiz hat in Folge »sonderung nachgelassen;
machte ein paar Gänge durch die Stube und blieb wieder vor dem jungen Manne stehen.
„Jedenfalls haben wir mancherlei zu besprechen, was hier so zwischen Thür und Angel nicht geschehen kann. Deshalb kommen Sie zu uns herüber. Meine Tochter hat auch das Recht, ein Wort mit hinein zu reden. Sie haben sie verwöhnt, junger Herr, und es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie meint, ohne ihren Verwalter nicht mehr fertig werden zu können. Und nun folgen Sie mir rasch — wir erwarten Sie.* —
Er ging ohne eine Antwort abzuwarten. Wenige Minuten später schritt auch der junge Mann über den Hof den Herrschaftszimmern zu. Im großen Flur tickte die altmodische Uhr, die schon zu seiner Väter Zeiten hier gestanden, ihm ein lautes Willkommen zu, und durch die halb offene Thür des Garlensaals hörte er einen Schritt, der ihm das Blut zum Herzen trieb. Als er öffnete, sah er, daß Mara allein war. Er blieb hochaufathmend neben der Thür stehen, sie aber kam auf ihn zu und sah ihn mit einem Blicke an, der alle nieder gekämpften Wünsche und Hoffnungen in ihm wieder aufwachen machte.
„Es gelingt Ihnen nicht, lieber Freund,* sagte sie mit zitternder Stimme. „Sie wollen uns entfliehen, ohne uns Lebewohl gesagt zu haben. Ich habe es in dem Briefe gelesen, den ich erst morgen erhalten sollte, den ich mir aber, — ich muß es gestehen, — schon heute angeeignet habe, als ich ihn auf Ihrem Tische sah. Weshalb haben Sie uns das anthun wollen? Haben Sie nicht ge«