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Hersskl-er Kreisdlatt.
Mit wöchentlicher Kratis-FLeilage „Illustrirtes Unterhaktungsvlatt".
Nr. 47.
Sonnabend den 21. April
1888.
Amtliches.
Der Herr Ober-Präsident hat durch Erlaß vom 4ten d. Mts. genehmigt, daß zum Besten der evangelischen Stadtmission in den größeren Städten von Preußen im Laufe des Jahres 1888 bet den evangelischen Einwohnern des Regierungsbezirks Büffel eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben durch polizeilich legitimtrte Collectanten abgehalten werden darf.
Casiel, den 8. April 1888.
Der Regterungs-Prästdent.
______I. V.: Schwarzenberg. ___
Der Herr Minister des Innern hat durch Erlaß vom 1sten d. Mts. dem Vereine zur Förderung der Pferde- und Viehzucht in den Harzlandschatten zu Quedlinburg die Erlaubniß ertheilt, im Sommer d. Js. eine öffentliche Verloosung von Equipagen, Pferden, Rett-, Fahr- und Jagd-Utensilten, Kunst- und Wirthschasts-Gegenständen rc. zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie abzusetzen.
Soflel, den 12. April 1888.
Der Regierungs-Präsidenl.
__J. V.: Schwarzenberg.
Für die Ueberschwemmten ging bet mir ein: Von Pfarrer Gamb, Obergeis = 5 Mk., von der Gemeinde Kalkobes — 7 Mk., von der Gemeinde Bengendorf — 5,15 Mk., von dem vaterländischen Frauen-Vereinzu Philippsthal—60 Mk.
Hersfeld, den 20. April 1888.
Der Königliche Landrath _________________Freiherr von Schleinitz.___
Hersfeld, den 20. April 1888.
Für den am 26. Mai 1870 geborenen Adam Slang von Allmershausen ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 4544. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Im Hause der Väter.
Novelle von Hans War ring.
(Fortsetzung.)
„Nun wir haben gehört, daß es nichts Bedenkliches ist! Freilich, er ist oterundsiebenztg Jahre alt, — da kann auch das geringste Unwohlsein bedenklich werden. —*
Eine Pause entstand, und der Commerzienrath wollte eben seine Tochter auffordern, mit ihm in daS Haus zurückzukehren, als das junge Mädchen ihm die Hand auf den Arm legte und ihn zurückhielt.
„Vater," sagte sie, und ihre Augen sahen mit ängstlichem Forschen in sein Gesicht, — „Vater hast Du jemals gehört, ob zwischen Großvater und der Familie, die früher diesen Hof besaß — van Riesen hieß sie — irgend etwas Feindliches vorgegangen ist, — ob irgend ein Zwist zwischen ihnen geherrscht hat?"
.Wie kommst Du auf die van Riesens Kind? fragte der Commerzienrath verwundert.
„DaS erkläre ich Dir später — bitte, beant- Worte mir meine Frage lw
„Nein, ich habe nichts dergleichen gehört. Die Freundschaft zwischen den beiden Familien war auch zu alt und zu fest begründet, um durch irgend einen kleinen Zwist erschüttert zu werden. Der Großvater war seinem älteren Freunde, dem Herrn Christian Leopold van Niesen manchen
Bekanntmachung.
Sämmtliche Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche sich noch nicht im Besitz der neuen Militär-Papiere oder neuen Paßbestimmungen befinden, werden hierdurch aufgefordert, sich unverzüglich bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden.
Wer es unterläßt, seine Militair-Papiere behufs Abänderung oder Umtausch abzugeben bezw. einzusenden, kann mit Geld bis zu 60 Mark und Haft bis zu 8 Tagen bestraft werden; außerdem kann unter Verlängerung der Dienstzeit, seine Zurückversetzung in eine jüngere Jahresklasse erfolgen.
Hersfeld, den 17. April 1888.
Bezirkskommando Hersfeld.
Gesunden: zwei Halfterketten mit einem Strick. Meldung .des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Lautenhausen.
Aus dem Abgeordnetenhaus-.
Berlin, 18. April. DaS Ab ge ord netenhau S trat heute in die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erleichterung der Volksschullasten, ein. Der § 1, in welchem die Commission eine Erhöhung der zu den Besoldungen der Lehrer und Lehrerinnen zu leistenden Staatsbeiträgen beschlossen hat, wurde nach längerer Debatte anscheinend einstimmig vom Hause angenommen. Die folgenden §§ 2, 3 und 4 (letzterer ist von der Commission gestrichen, während die Regierung dessen Ausrechthaltung verlangt), veranlaßten nur kurze Debatte. Der wichtigste Punkt im ganzen Gesetze ist im § S enthalten, welcher nach der Regierungsvorlage im Prinzip die sofortige Beseitigung der Erhebung des Schulgeldes in den Volksschulen aus. spricht. Die Commission hat den Paragraphen in verschiedenen Punkten abgeändert, namentlich Uebergangsbe- Kimmungen für nöthig gehalten. ES lagen verschiedene Abänderungsanträge vor, die zu einer eingehenden Debatte führten. Die Regierung hielt für jetzt an ihren Vorschlägen fest. Zu einer Entscheidung kam es heute über den Para- ! grophen überhaupt noch nicht, die Debatte wird vielmehr |
i Dank schuldig, und dieser bewies sein Vertrauen I zu ihm dadurch, daß er ihn zum Vormunde seines Enkels machte. Damals war ich ja selbst noch ein Kind, in gleichem Aller etwa wie dieser Enkel, und das damals Geschehene ist mir nicht mehr ganz klar, vielleicht ist es mir auch niemals ganz klar gewesen. Ich entsinne mich nur noch deutlich, daß nach dem Tode des alten Herrn ein Schrei der Verwunderung und des Mitleids durch die ganze Provinz ging, als es sich herausstellte, daß der für sehr bedeutend gehaltene Nachlaß in Wahrheit nur gering war und aus nicht viel mehr, als aus diesem Hofe bestand. Später wurde dieser verkauft, und die Schwiegertochter des Verstorbenen zog mit ihrem Kinde in ihre Heimath zurück. Weiter weiß ich über diese Dinge nichts."
»Und Du glaubst auch nicht, Vater, daß etwas geschehen ist, was den van Riesens ein feindliches Gefühl gegen uns einflößen könnte? — Vielleicht als Großvater den Hof kaufte?"
»Nein, nein, im Gegentheil! Vater wollte in seiner großmüthigen mitleidigen Freundschaft den Hof über seinen Werth bezahlen. Aber Frau van Riesen wies dies stolz zurück. Es ist ja möglich, daß bei dieser Gelegenheit Worte gefallen sind, die beide Belheiligte nicht vergessen konnten."
»Vater, nun will ich Dir sagen wie ich auf die van Riesens gekommen bin", sagte das Mädchen, ihre Hand wieder auf seinen Arm legend. »Der neue Verwalter heißt van Riesen und ist ein Nach-
Morgen fortgesetzt werden. Außerdem steht auf der Tagesordnung die zweite Berathung der NothstandSvorlage.
Berlin, 19. April. DaS Abgeordnetenhaus beendigte die zweite Berathung des Gesetzentwurf-, betreffend die Erleichterung der Volksfchullasten. Der § 5 (Aufhebung des VolkSschulgeldes) führte auch heute noch zu einer längeren DiScussion. Derselbe gelangte schließlich nach Ablehnung sämmtlicher dazu gestellten Amendements in der von der Commission beschlossenen Fassung zur Annahme, nach welcher unter gewissen Voraussetzungen die einstweilige Forterhebung von Schulgeld erfolgen kann. Zu längerer DiScussion führte dann noch der von der Commission beschloffene neue § 6a bezüglich der Verfassungsänderung, dem von anderer Seite widersprochen wurde, da das vorliegende Gesetz eine Ver- fassungsänderung nicht bedinge, Diese Auffassung wird, wie schon srüher erwähnt, auch von der Regierung getheilt. 8 6 a wurde indeß in der von der Commission beantragten Faffung: „Der erste Satz im Artikel 25 der Verfaffung-- urkunde vom 31. Januar 1850 wird insoweit abgeändert, daß die Beihülse des StaatS im Umfange und für die Dauer des gegenwärtigen Gesetzes auch dann eintreten kann, wenn der Fall des nachgewiesenen Unvermögen- nicht vorliegt" — bei namentlicher Abstimmung mit 215 gegen 108 Stimmen angenommen. — Schließlich wurde noch in zweiter Berathung ohne Debatte die NothstandSvorlage durch unveränderte Annahme erledigt. Morgen: Kleinere Vorlagen; Secundärbahnvorlage.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Berlin, 19. April. Die vorübergehend eingetretene Besserung in dem Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist leider nicht von langem Bestand gewesen. Bereits gestern, Mittwoch, gegen Abend lauteten die Nachrichten aus dem Charlottenburger Schloß weniger günstig. Eine noch spät stattgehabte ärztliche Untersuchung ergab schnell zunehmendes Fieber. Die befürchtete Lungenentzündung ist zwar nicht eingetreten, auch hatte das Bronchialleiden Sr. Majestät sich nicht wesentlich verschlimmert, dafür aber sollen nach übereinstimmender Ansicht der behandelnden Aerzte Anzeichen । vorliegen,welcheaufeine beginnende Blutvergiftung I deuten. Zweifellos ist diese Blutvergiftung in- ..'.»«»«.......— -- "■1 '" " gassssgggggM»
komme jenes alten, einst hier ansässigen Geschlechts."
»Was?" rief der Commerzienrath, »und daS erfahre ich erst heute!"
»Ich habe es selbst nicht früher gewußt. Erst heute wurde ich aufmerksam, — dann fiel mir die Ähnlichkeit der Namen auf. Um mir Sicherheit zu holen, habe ich mit Fränz gesprochen. Es ist, wie ich sagte, — sie hat ihn an der Aehnlichkett erkannt und er hat nicht widersprochen."
»Weiß der Großvater darum? Ich muß doch gleich —"
»Bitte, rege ihn heute nicht auf! Vielleicht würdest Du ihm auch nichts Neues erzählen."
»Du hast Recht! Wir müssen die Sache des Alten wegen mit Ruhe nehmen. Aber daß der junge Mann so stillschweigend über eine so alte Freundschaft hinweggegangen ist —"
„Da kommt er!" sagte Mara leise.
Sie waren während des Gesprächs langsam vorwärts geschritten und bis zum Platze unter den Castanten gelangt.
„Herr van Riesen l" rief der Commerzienrath, als der Verwalter grüßend vorüberschreiten wollte. Der junge Mann blieb stehen und that einen tiefen Athemzug. — Mit einigen entschlossenen Schritten hatte Jener ihn erreicht und legte ihm die Hand auf die Schulter.
»Junger Freund", sagte er, „unsere Bekanntschaft fängt mit Vorwürsen an, die ich Ihnen machen muß. Sie weilen fast vierzehn Tage unter einem Wießmann'schen Dache und sind nicht