Posener Fabrik, welche einen bedeutenden Wasser- verbrauch hat, hatte sich, um die hohen Kosten für das nothwendige Wasser zu mindern, heimlich außer dem Rohre, dessen Verbrauch durch den Wassermesser festgestellt wird, noch ein zweites ziehen lassen und daraus während des ganzen Zeitraums so viel Wasser entnommen, daß sich der Schaden für die Stadtgemeinde auf, wie er« zählt wird, 70000 M. belauft. Der Betrug soll durch den Arbeiter herausgekommen sein, weicher damals das Rohr eingezogen hatte, ohne eine Ahnung von der Unrechtmäßigkeit jenes Thuns zu haben.
— Stuttgart, 23. März. Der T'voli- braueretdirector Ziegler stürzte gestern beim lieber» steigen in einen andern Wagen während der Fahrt vom Zuge und wurde vollständig zermalmt.
— Ein gräßlicher Racheact wurde den »Nowostt* zufolge tu einem Dorfe unweit vom Flecken Ssuprasi in der Nähe von Bjelostock ver- übt. In Comossy lebte ein gewisser Matwez Rybakowttsch; derselbe hatte Universitäts-Blidung genossen, war von heftigem aufbrausenden Character und etwa 60 Jahre alt. Wegen eines im Jähzorn begangenen Todtschlags war er von dem Bezirksgericht von Grodno zur Einreibung in die Arrestantenrotten auf 2‘/4 Jahre verurteilt worden. Seine Appellationsklage blieb unberücksichtigt. Dieser Tage sollte Rybakowitsch, der gegen Unterpfand sich bisher auf freiem Fuß be» fand, sich der Polizei stellen. Statt nun derAuf- sorderung Folge zu leisten, begab er sich mit einem Revolver bewaffnet in das Dorf Zasnowo, wo mehrere Zeugen, die gegen ihn ausgesagt hatten, lebten und steckte das Dorf an zwei Enden in Brand. Während der Panik erschoß Rybakowttsch drei der von ihm auj's Korn genommenen Bauern. Als er endlich überwältigt und entwaffnet worden war, soll er nach einer Version von den empörten Bauern in eine brennende Scheune geworfen worden sein; andererseits verlautet, daß Rybakowttsch, als er sich von allen Seiten umringt sah, sich selbst in die Flammen gestürzt habe. Thatsache ist, daß er später in einer der fünf niedergebrannlen Scheunen völlig verkohlt aufgefunden wurde. Außer den drei erschossenen Bauern sollen noch mehrere Personen, darunter eine sehr schwer, Der» wundet worden sein.
— Ein schrecklicher Vorfall wird aus Ar ras gemeldet. Die Familie Docquols, bestehend aus Vater, Mutter, einem Sohn und zwei kleinen Mädchen, kehrte von einem Tauffeste nach Hause zurück. Als sie in die Nähe der Eisenbahn gelangten, erblickten sie, da ein Schneesturm ausgebrochen, die Warnungssignale nicht und passierten die Schienen gerade in dem Augenblick, als der Zug passierte. Als man später nachsuchte, fand man in einer Entfernung von 36 Metern die schrecklich verstümmelten Leichen des Vaters und des Sohnes. Die Verunglückten hielten sich noch an den Händen fest. Die zerstückelte Leiche der Frau wurde gleichfalls in großer Entfernung von der Lahn aufgefunden. Die zwei kleinen Mädchen, die hinter den Eltern gingen, hatten die Lahn
nicht betreten, sie blieben allein von der Familie übrig und wurden bei einem Verwandten untergebracht. Die Untersuchung hat die Schuldlosigkeit der Bahnwächterin ergeben, sie hatte die vorgeschriebenen Signale ausgestellt, sie sah die Familie kommen und rief ihr zu; aber der Sturm verhinderte die Ankommenden, zu sehen und zu hören.
— Madrid, 22, März. Ueber Nord- und Mittelspanien wüthen wieder furchtbare Schnee- stürme und viel Schnee ist gefallen im Baskenlande, in Vitoria, Burgos bis zum äußersten Westen. Der Eisenbahnverkehr ist eingestellt, viele Landleute sind umgekommen und an manchen Orten ist Mangel an Lebensmitteln. Im Schneetreiben ging auch viel Vieh, namentlich Schaf- Heerden, zu Grunde. Einen so harten Winter hat Spanien noch nie gehabt. Dazwischen giebt es ab und zu große Ueb-rschwemmungen, so in den Thälern des Ebro. Duro und Tajo.
— Lissabon, 21. März. Ueber den bereits gemeldeten Brand des Baquet-Theaters in Ooorto entnehmen wir dem »B. R.* noch folgende Nachrichten: Das Feuer brach gestern Abend während des letzten Acts der Vorstellung durch einen Unfall an der Gasleitung aus. Das Haus war ganz gefüllt. An den Ausgängen entstand ein furchtbarer Kampf, viele Personen erstickten im Gedränge, andere wurden förmlich zu Tode getreten. Wer entkam, sah aus, als käme er aus einer Schlacht. Die Schauspieler konnten meist in ihren Costümen entfliehen und wurden fast alle gerettet. Die Aufräumungsarbeiten begannen sofort und viele Körper wurden in schrecklichem Zustande herausgeschafft. Wie viel Menschenleben der Brand gekostet hat, das ist noch gar nicht festzustellen.
— Kopenhagen, 17. März. Fischer aus dem benachbarten Dorfe Faarbäk gingen gestern über das Eis zu Fuß nach dem Meilen von der dänischen Küste eingefrorenen Dampfer Axelhuns behufs etwaiger Hülfeleistung und trafen dort schwedische Hülfsmannschaften, welche zu Fuß von Landskrona gekommen waren. Es lag also die Möglichkeit vor zu Fuß über den Sund von Dänemark nach Schweden zu gelangen.
— (Verurtheilung vonRahrungs- Mittel fäls chern) Dieser Tage wurde zu Philadelphia vor dem Criminalgericht der Bäcker Palmer der Verfälschung von Kuchenteig mit Chromgelb sowie der fahrlässigen Tödtung schuldig befunden und zu neunmonatiger Geiäugnißstrafe verurtheilt. Ein anderer Bäcker Namens Schmidt wurde ebenfalls der Beimischung von Chromgelb im Kuchenteig überführt und auf sechs Monate ins Gefängniß gesandt. Die bezüglichen Fälle erregen großes Aufsehen; es wurde nachgewiesen, daß Chromgelb, ein tödliches Gift, von vielen Bäckern und Conditoren benutzt werde, um ihren Waaren eine schöne gelbe Farbe zu geben. Nicht weniger als zehn Personen Itarben in Folge des Genusses der vergifteten Backwaaren, darunter Palmers Gattin selbst und fünf Kinder sowie vier Kinder des Maschinisten Louis Lieber. Gegen andere Bäcker schweben ähnliche Anklagen. Bet den Verhandlungen wurde nachgewiesen, daß
Schmidt nicht wußte, daß die von ihm benutzte Substanz, giftig sei, während Palmer, als er von dieser letzteren Thatsache unterrichtet wurde, mit dem Gebrauch des Chromgelb fortfuhr und zwar deshalb, well „feine Kunden Backwaaren von schöner gelber Farbe zu haben wünschten*. Der Eier- nudel-Händler Krumm wurde auf die gleiche Anklage hin zur Erlegung einer Geldbuße von 100 Dollars sowie zu sechsmonatiger Gelängnißstrafe verurtheilt.
— Tients in, Ende Januar. Die Ueberschwem- mungen in China während des letzten Jahres sind eine Heimsuchung, wie sie die Geschichte der Menschheit zum Glücke nur ganz selten verzeichnet. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß China, das endlose Millionen- reich, infolge dieses Ereignisses ein ganz verändertes Aussehen aufweist; wo einst fruchtbare Gefilde blühten, dehnen sich jetzt schier unermeßliche Wasserwüsten aus. Nördlich des Gelben Flusses stehen ganze Bezirke unter Master und es ist leider alle Aussicht vorhanden, daß die Fluthen erst nach Jahren sich zurückziehen werden. Man nimmt an, daß der dritte Theil der Bevölkerung Nord-ChinaS mehr oder weniger Noth leidet, und schon diese oberflächliche Schätzung zeigt, daß Millionen von Menschen trübster Zukunft entgegensehen. Man kann eS unter solchen Um» ständen nicht einmal als Unglück bezeichnen, daß die Sterblichkeit unter diesen Armen sehr groß ist. Andere Gegenden, wie die Provinzen Tschihli, Schantung und Honan, sind zwar in günstigerer Lage, da die Fluthen sich bereits zurückgezogen und einen für die Aussaat empfänglichen Boden zurückgelassen haben. Leider aber fehlt es der Bevölkerung an dem Nothwendigsten, da die Ueber- schwemmung alles zerstört hat. Vielfach hört man die Meinung aussprechen, daß die nach Millionen zählenden Nothleidenden expatriirt und nach dünnbevölkerten Landstrichen, z. B. nach der Mandschurei, gebracht werden sollten, wo die neuen Ankömmlinge durch Fleiß und Arbeitsamkeit bald ein a slömmliches Dasein sich erringen könnten.
— (Aus dem Gerichtssaal.) Präsident zu einem auf der That abgesaßten Taschendieb: »Angeklagter, was ist Ihre Beschäftigung?* — »Hoher Herr Gerichtshof, ich ernähre mich kümmerlich von meiner Hände Arbeit.*
— (Nichts a l S Haut.) Ein auswärtig in der Lehre stehender Knabe schrieb seinen Eltern nach Hause: „Bet meinem Meister bleibe ich nicht, bet dem ist alles Haut; wird Fleisch gegessen, be« komme ich die Haut, wird Wurst gegessen, bekomme ich die Haut und sage ich etwas, so haut er mich *
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