des heutigen Vormittags zwischen 54 und 108.
Sein Bewußtsein soll der Kaiser heute am Donnerstag durchaus gehabt haben. Er erkannte die von Karlsruhe Hergeeilten Grobherzoglich badischen Herrschaften und sprach mit dem Prinzen Wilhelm.
Nach einer eingetroffenen telegraphischen Nachricht ist Se.
Majestät der Kaiser Hente, am 9. d. Mts., Vormittags 8
Uhr 30 Minuten verschieden. (Bereits heute Vormittag durch ein Extra-Blatt veröffentlicht).
Aus den Parlamenten.
Berlin, 7. März. Der Reichstag berieth heute zunächst den Gesetzentwurf über die Auslegung des Artikels II. des Gesetzes vom 30. Juni 1871, betreffend die Einführung des deutschen Strasgesetzbuchs in Eisaß-Lothringen. Die Majorität anerkennt die Nothwendigkeit dieses Gesetzes.
Die zweite Berathung wird im Plenum stattfinden. Die Gesetzentwürfe, betreffend den Reingewinn auS kriegsge. schichtlichen Werken des großen Generalstabes und betreffend die Ausführung ver Uebereinkunst wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst, wurden debattelos in erster und zweiter Berathung erledigt. Der Gesetzentwurf, betr. die Feststellung eines Nachtragselats (strategische Bahnen), wurde der Budgetkommission überwiesen Die Gesetzentwürfe, betreffend die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen, sowie den Gesetzentwurs Lieber-Hitze wegen der Sonntagsfrage und endlich der von dem Abg. Munckel eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, wurden in dritter Berathung definitiv angenommen. Schließlich wurden die Wahlen der Abgg. Dommes und Böhm (beide nat.-lib.) für gültig erklärt. Morgen: Dritte Lesung des Etats.
Das Abgeo.rdnetenhaus setzte die Berathung des Etats des Kultusministeriums bei dem Kapitel „Universitäten" fort. Bet demselben wurde wiederum die Honorarfrage der UniversitätSprofefforen, sowie auch das Universitätsstudium selbst zum Gegenstände längerer Erörterungen gemacht. Abg. Dr. Friedberg (naUlib.) wies dabei die gegen die akademische Jugend von gewisser Seite hier fortwährend erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück und betonte, daß, indem man die Achtung vor der studirenden Jugend schmälere, man unsere Universitäten selbst auf das schwerste schädige, Der Herr Kulusminifter fügte dem noch hinzu, daß er seinerseits das Vertrauen zu unserer akademischen Jugend habe, daß sie selbst nach Kräften bemüht bleiben werde, etwaige Mängel zu beseitigen. — Bei dem Kapitel „Höhere Lehranstalten" wurde von freisinniger Seite eine Gleichstellung der Abiturienten der Realgymnasien mit denen der humanistischen Gymnasien hinsichtlich der Studiensächer in Anregung gebracht. Der Herr Kultusminister widersprach dieser Auffassung unter Hinweis aus die schon jetzt vorhandene Ueberproduction wissenschaftlicher Kräfte, die nur die Unzufriedenheit vermehrten und deshalb eine Gefahr für Staat und Gesellschaft seien. — Bei dem Kapitel „Elementarunterrichtswesen" wurden pol- nischerseits die Klagen über die angebliche Verkümmerung her polnischen Sprache wiederholt. — Morgen: Fortsetzung.
Berlin, 8. März. Der Reichstag erledigte eine Reihe kleinerer Vorlagen in dritter Berathung ohne Debatte, desgleichen einige Rechnungssachen. Eine Petition wegen Erweiterung reichSgesetzlicher Vorschriften zur Verhinderung des Wuchers wurde nach längerer Diskussion dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Der Hauptgegen- stand der Tagesordnung, dritte Berathung deS Etats, nahm einen sehr schnellen Verlauf. In der Genenaldiscussion erklärte der Abg. Frhr. v. Mirbach (deutschcons.). daß er und mit ihm verschiedene seiner Freunde mit Rücksicht auf
sie mit einem so wunderbaren Ausdruck an, daß sie wie in Ehrfurcht gebannt, den Schritt hemmte.
„Heil Nehusta l* grüßte der Priester feierlich.
Durch den Klang seiner Stimme löste sich der Bann. Stolz erhob sie das Haupt.
„Grüße mich nicht,' sprach sie, „der Gruß des Lügners ist wie der Biß einer Schlange im Finstern."
Ohne eine Miene zu verziehen, heftete er den reinen Blick auf sie und erwiderte:
„Ich lüge nicht, noch habe ich Dich je belogen. Geh' zu der, die Du hassest und frage, ob ich Dich je betrogen. Lebe wohl."
Mit über die Brust gefalteten Händen schritt er weiter. Was war das? Hatte sie nicht mit ihren eigenen Augen an jenem unheilvollen Morgen in Susa gesehen, wie er Atossa in seinen Armen hielt? Wußte sie nicht, daß er Atos a geschrieben und ihr kein Wort gegönnt, als er plötzlich fort» geschickt wurde. Konnte das Täuschung sein? Der Gedanke, daß ihr Lebensglück nur durch einen Betrug, ein Mißverständnitz zerstört sei, war unerträglich — er zerschnitt ihr das Herz. Und doch sprach Wahrheit aus den Worten: „Ich lüge nicht, noch habe ich Dich je belogen — frage die, die Du hoffest', hatte er gesagt. Das war Atossa. Nie hatte sie ein anderes Weib, als diese, gehaßt. Ruhelos wanderte sie die Pfade des Gartens auf und ab; da traf ihre Hand auf das indische Dolchmesser, das sie stets bet sich trug. Rasch wendete sie sich dem Palaste zu, erstieg die Treppe, durcheilte den säulengeschmückten Portikus und drang, unbekümmert um die Schaar der
die Geschäftslage des Hauses davon Abstand nehmen würden, große wirthschastspolitische Fragen zur Diskussion zu stellen.
Im Uebrigen wurden bei den verschiedenen Specialetats nur einzelne wenige Punkte von allgemeinem Interesse berührt; verschiedene Anträge wurden zurückgezogen. Er- wähnenswerth ist. daß die Resolution des Abg. Kulemann (nat.-lib.), betreffend die Ermäßigung der Gerichtskosten und der Anwaltsgebühren, sowie die von dem Abg. v. Wedell-Malchow (deutschcons.) beantragte Resolution, betreffend die Anstellung von Ermittelungen über die Wirkungen der Congruenz einzelner Zollpositionen und Mittheilung des Ergebnisses an den Reichstag, letztere bei Zählung mit 111 gegen 102 Stimmen, zur Annahme gelangten. Die Beschlußfassung über einzelne Positionen des Etats war noch ausgesetzt, weshalb der Etat mit dem Etatgesetz erst morgen zum Abschluß gelangen kann. Aus der Tagesordnung für morgen stehen : dritte Berathung mehrerer kleinerer Vorlagen, Rest deS Etats, sowie der Gesetzentwurf, betreffend den Befähigungsnachweis.
DaS Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Etats des Kultusministeriums bei dem Kapitel „Elementar- unterrichtswesen" fort. Nachdem die Debatte einige Zeit gedauert und dabei verschiedene Wünsche und Beschwerden theils vom Herrn Cultusminister selbst, theils von dessen Vertretern Beantwortung gesunden hatten, waren inzwischen aus dem Königlichen Palais Nachrichten eingelausen, welche in Abgeordneienkreisc» ernste Besorgnisse hervorriefen. Es bildeten sich im Saale einzelne Gruppen, welche diese Meldungen lebhast besprachen; infolgedessen wurde den Verhandlungen selbst nur geringe Aufmerksamkeit zu Theil. Zur Geschäftsordnung erklärte alsbald Abg. v Rauchhaupt (cons.i mit Rücksicht auf den schweren Augenblick, dem das Haus vielleicht entgegengehe, glaube er, daß es im Interesse der Arbeiten läge, wenn gegenseitig daraus verzichtet würde, über die vorliegenden Gegenstände noch zu discutiren. Er schlage deshalb vor, die Tagesordnung, soweit sie noch nicht erledigt, en bloc anzunehmen. — Abg. Dr. Windt- Horst (Centr.) bedauerte diesem Anträge widersprechen zu müssen. Indeß begreife er vollständig die Gefühle, von welchen der Antrag ausgegangen, und beantrage deshalb die Vertagung der Sitzung. Diesem Anträge schloffen sich die Abgg. d. Eynern (nat.-lib.), Stengel (sreicons.) und schließlich auch der Abg. v. Rauchhaupt selbst an, woraus der Vicepräsident Frhr. von Heereman auch seinerseits unter den gegebenen Verhältnissen dem Hause die Annahme des Vertagungsantrages empfahl, das um l1/« Uhr die Sitzung vorläufig bis morgen 11 Uhr vertagte.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) San Remo, 7. März. Nachts 11 Uhr 40 Min. Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kronprinz verbrachte wieder einen guten Tag und war längere Zeit im Garten, später auf dem Balcon. Der Appetit ist gut. Professor Bergmann ist Abends nach Berlin ab» gereist.
San Remo, 8. März, Abends ll*/4 Uhr. Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der Kronprinz verweilte längere Zeit im Garten und hatte einen guten Tag, obgleich die Nachrichten über das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ihn tief erregten. Prinz Heinrich, die Erbprinzessin von Meiningen, der Großherzog und die Prinzessin Irene von Hessen sind Abends nach Deutschland abgereist.
San Remo, 8. März. Der Kronprinz ist von Berlin aus aufgefordert worden, sich zur Heimreise bereit zu halten. Er hat sich ohne Zögern bereit erklärt, sobald eine weitere ungünstige Meldung erfolgt, abzureisen. Herr Mackenzie erachtet die Reise für den Zustand nicht als Vortheilhaft, hat sie aber zugegeben. Ein Separat- zug ist in Bereitschaft. Die Aerzte fahren mit.
Bekanntlich steht die Aufhebung der sogenannten R e l i c t e n b e i t r ä g e, welche alle
Frauen und Sclavinnen, welche der allmächtigen Königin Nehusta den Weg nicht zu vertreten wagten, .geradewegs in das von ihr bis dahin nie betretene Gemach der Feindin.
Wie immer in der Abendstunde saß Atossa dort und schmückte ihre noch in ungeminderter Fülle blühenden Reize für das Banket der Nacht. Plötzlich gewahrte sie in dem großen silbernen Spiegel vor ihr den Blitz zweier schwarzen Augen und erkannte Nehusta.
Rasch sprang sie auf. Die Eingedrungene empfing ein mehr die Ueberraschung über die Störung beim Ankletden als die Furcht vor der Zusammenkunft bekundendes kaltes Lächeln.
„Selten - in Wahrheit beehrt die Königin Nehusta ihre Dienerin mit einem Besuche,' sprach sie. „Hätte sie mich benachrichtigt, sie würde würdiger empfangen sein.'
„Lassen wir die Förmlichkeiten bei Seite,' war die kurze, fast barsche Erwiderung. „Ich habe mit Dir zu reden und zwar ohne Zeugen.'
„Ich bin allein,' erwiderte Atossa, lächelnd, wie immer. „Sclaven zählen nicht.'
„Willst Du sie nicht sortschicken?"
„Wozu?'
„Nun denn — so will tch's. Fort auf der Stelle!" rief sie den Weibern zu, die sofort, ohne der Herrin zu achten, Nehustas befehlendem Tone wichen und hinter dem Thürvorhang verschwanden.
„Dein Benehmen befremdet mich," rief Atoffa in zornigem Tone, doch ohne eine Miene zu verziehen.
Staatsbeamte zu leisten haben, für den 1. April d. I. in Aussicht. Bei der Einschätzung zur Einkommensteuer pro 1888 ist hierauf bereits Bedacht genommen, und die erstere wirb nunmehr in Höhe des ganzen Gehalts erfolgen, während die nach freier Wahl noch zur Civil- oder Militär-Witwen- lasse jährlich zu leistenden Beiträge den einzelnen Interessenten von ihrem Gehalte bei Berechnung der resp. Steuerstufe nicht mehr, wie früher, abgerechnet werden sollen.
Gegenüber den irrigen Zeitungsangaben, nach welchen der General-Feldmarschall Graf v. M o l t k e das 70jährige Dienstjubiläum am 8. März d. I. feiert, bemerkt die „Rordd. Allg. Ztg.", daß dieses Jubiläum erst auf den 8. März nächsten Jahres fällt.
Staatssecretär Graf Herbert B i s m a r ck wird sich ' demnächst mit einer Verwandten des irischen Vicekönigs Lord Londonderry zu Dublin verloben.
(Italien.) Wie die „Tribuna" meldet, beabsichtigt die Regierung die Wiedereinführung der Mahlsteuer, um aus derselben im Falle einer Mobilistrung die nöthigen Geldmittel zu gewinnen. — An außerordentlichen Crediten fordert der Kriegsminister 4^ Millionen Lira zur Anschaffung von Lebensmitteln bet einer etwaigen Mobilisirung; 3 400 000 für neue Festungs- und 1600 000 für neue Feldgeschütze. — Die Zwischen- fälle an der italienisch-französischen Grenze häufen sich und beweisen die verbitterte Stimmung zwischen beiden Nationen. Auf dem Bahnhof in Ventimiglia kamen zwei französische Officiere in Uniform an, sie wurden sofort ststirt und da sie sich über ihre Anwesenheit auf italienischem Boden nicht genügend entschuldigt, über die Grenze abgeschoben.
(Spanien.) Der Kriegsminister sagte gelegentlich der Debatte über militärische Reformen, Spanien müsse einzig und allein bedacht sein, im Falle eines europäischen Krieges strenge Neutralität zu beobachten.
(L a l k a n st a a t e n.) Nachdem die Pforte der Anforderung Rußlands entsprechend der bulgarischen Regierung erklärt hat, daß der Thronbesitz des Prinzen Ferdinand vertragswidrig sei, ergehen stch die Blätter in Vermuthungen über die Wirkung dieses Schrittes. Die Wiener Zeitungen versprechen sich nichts davon; die Londoner dagegen meinen, der Prinz werde zwar abdanken, die Verwirrung werde dadurch aber nur größer werden. — Aus Rom wird gemeldet, Italien, Oesterreich und England werden bereit sein, die auf eine endgültige, friedliche Lösung der bulgarischen Krise gerichteten russischen Vorschläge zu unterstützen, werden aber jeder dtrect gegen Bulgarien gerichteten Action, deren Berechtigung man aus der jüngsten Erklärung der Pforte ableiten wollte, ihre Zustimmung versagen.
Aus Hesien-Naffau.
t Hersfeld, 9. März. Heute Morgen gelangte auf telegraphischem Wege die tieferschut- ternde Kunde hierher, daß es dem Allmächtigen gefallen hat, unseren allgeliebten Heldenkaiser zu sich abzurufen. Wiewohl bei dem hohen Alter des greisen Monarchen ein solcher Ausgang zu befürchten stand, so klammerte sich doch das Herz eines jeden Deutschen an der Hoffnung fest, daß
„Ich bin nicht gekommen, um mit Dir über Deine Sclaven zu streiten, die gehorchen mir auch ohne dies. Ich begegnete Zoroaster soeben im Garten —'
„Aus Verabredung natürlich —" warf Atossa höhnend dazwischen.
„Schweige und höre," fuhr Nehusta in tiefem gereizten Tone fort und griff verstohlen nach dem Heft des Dolches. Atossa war, wenn auch falsch, doch nicht feige. Aber sie sah sich in der Gewalt der Hebräischen Fürstin, sah, wie sie nach dem Dolche griff, und den unheilverkündenden Blick in den schwarzen Augen. So wurde sie ernst und schwieg.
„Sprich die Wahrheit — liebte Zoroaster Dich vor drei Jahren, als ich Dich an jenem Morgen nach seiner Rückkehr von Eckbatana in seinen Armen fand?' (F. f.)
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— Buenos-Ayres, 4. März. Während des Monats Februar cr. sind hier 53 Dampfer mit 12,000 Einwanderern eingetroffen.