Einzelbild herunterladen
 

Rubeln, welches an das Berliner Bankgeschäft Warschauer und Co. aufgegeben und bei der deutschen GesellschaftVictoria" versichert war, gestohlen. Sie waren des Diebstahls überführt und geständig. In der Schwurgerichtsverhand­lung stellte der Vertheidiger es mit dürren Worten als einen ausschlaggebenden Milderungsgrund hin, daß die Diebe Russen, die Geschädigten Deutsche waren. Er kannte sein Publikum. Unter lautem Beifall der Zuhörer sprachen die Geschworenen am 12. Februar ihrNichtschuldig." Unter den beifallspendenden Zuhörern zeichnete sich ein Lehrer (!) derartig aus, daß vom Gerichts­präsidenten sechs Stunden Haft über ihn verhängt wurden. Nun hat der Vorgang an sich ja gewiß eine nicht zu unterschätzende symptomatische Be­deutung, wenngleich es noch einige Blätter in Rußland giebt, die sich desselben schämen. Aber hierin kann man noch nicht den ausschlaggebenden Grund für eine so empfindliche Beeinflussung des russischen Börsencredits sehen. Ausschlaggebend ist vielmehr die wachsende Erkenntniß, daß wie eine Zeitung sich ausdrückt Rußlandweit über seine Verhältnisse lebt," d. h. daß seine Ausgaben fortgesetzt in einem wachsenden Miß­verhältniß zu seinen Einnahmen stehen. Um seinen Aufwand zu bestreiten, sieht Rußland sich genöthigt, die Steuerkraft seiner Unterthanen in einer Weise anzuspannen, welche die Grenzen der Leistungsfähigkeit nahezu erreicht hat, und nothwendiger Weise einen starken Rückgang in Handel, Ackerbau und Industrie bewirkt. Trotz- dem wachsen die Staatsausgaben seit einem Menschenalter ins Ungemefsene und nehmen ge­rade in der letzten Zeit ganz gewaltige Dimen­sionen an, welche bei den Gläubigern Rußlands recht ernste Bedenken hervorrufen müssen. Mit großen Mitteln ist die Flotte im Schwarzen Meere wieder erbaut worden, das Vorschieben großer Heeresmassen gegen die Westgrenze und ihre Erhaltung auf dem Kriegsfuße ist doch nur um den Preis großer finanzieller Opfer zu er­möglichen, und jetzt eben kommt noch die Nach­richt, daß zu den vielen im Westen Rußlands seit Jahren stattfindenden großen Festungsbauten auch noch ein Kriegshafen in Libau treten soll, mit dessen Bau begonnen werden wird, sobald die Jahreszeit es gestattet. Da nun keiner der Nachbarn Rußlands d. h. weder Deutschland noch Oesterreich, daran denkt, in Rußland einzu- fallen, so sind alle diese Ausgaben für die Ver­theidigung ganz zwecklos und haben einen Sinn höchstens, wenn man ihnen eine offensive Bedeutung, d. h. eine Bestimmung zu Angriffszwecken bei­messen muß.

Daß derartige Thatsachen nicht geeignet sind, den Credit Rußlands zu steigern, sondern denselben in dem Maße ungünstig beeinflussen müssen, als jene Ausgaben fortdauern und wachsen, wird Jedermann selbstverständlich finden. Gerade die Börse ist ja in Bezug auf Creditfragen ungeheuer feinfühlig und in Bezug auf den Staatscredit ein ziemlich untrüglicher Barometer, man darf sagen, an der Börse hat jeder Staat den Credit, welchen er verdient. Der enorme Rückgang der russischen Valuta ist daher nur so zu erklären, daß die ge- sammte innere Lage Rußlands, seine Finanzver­waltung, seine fortdauernd wachsenden Ausgaben

Er, der die Armuth beschützt, giebt dem Ahura das Königreich.

In mannigfachen Wiederholungen und mit steigender Kraft setzte sich dieser Gesang fort, bis der Oberpriester sich der Binde um den Mund entledigte, langsamen Schrittes an der linken Seite des Tempels hinaufschritt und bei dem Gefäße mit tzaoma stehen blieb. Nachdem er unter dem Gesänge eines zweiten Hymnus aus einem bereit stehenden Gefäße Wasser nach den vier Htm- melsgegenden gesprengt, ergriff er einen der gol­denen Becher, füllte ihn mittelst des hölzernen Löffels, so daß die grünliche Flüssigkeit funkelnd in den Becher träufelte, und leerte ihn.

Die Stirne in düstere Falten gelegt, beobachtete der König den Beginn der verhaßten Ceremonie. So hoch tönend die Worte auch waren, die die Priesterschast nun anhub zu singen, so erniedrigend und verabscheuungswürdig erschien ihm der Zu­stand des sich bis zum Wahnsinn steigernden Rausches, welcher der heiligen Handlung die höhere Weihe verleihen sollte und mit Entsetzen sah er den Fortgang, wie der Oberpriester immer von neuem die Becher füllte, und jedem einzelnen Priester den Trunk reichte.

Lauter und wilder erscholl der Hymnus, den sie mit wiegenden rythmischen Bewegungen begleiteten, in steigender Begeisterung, während unausgesetzt der berauschende Haomabecher die Runde machte. Die Verse folgten nicht mehr in der vorgeschriebe­nen Reihenfolge, der cadenzirte Rythmus wurde zum wüsten Geschrei! einer nach dem anderen

für Angriffszwecke, da ihm selbst keinerlei Gefahr droht, dem Credit Rußlands eine schwere Wunde beigebracht haben, von welcher es sich bei seinem großen, noch wenig erschlossenen Reichthum bald erholen kann, wenn es andere Wege einschlägt, die aber zu einer Catastrophe führen muß, wenn es auf der jetzigen Bahn beharrt.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 5, März. Der Reichstag beendigte die Berathung des Antrages des Abg. Ampach (Beseitigung des Identitätsnachweises). Zunächst begründete Abg. v. Wedell-Malchow (deutschcons.) ein von ihm zu den Com- misstonsbeschlüssen gestelltes Amendement, an Stelle der Aussuhrvollmachten" eine Vergütigung von 90 Procent des für die Einsuhr gleichartiger Waaren tarismäßig zu zahlenden Zolles zu gewähren. Abg. Woermann (nat.-lib.) trat für die Annahme der Commissionsbeschlüsse ein. Die Beseitigung des Identitätsnachweises liege nicht allein im Interesse des Großhandels, sondern im Interesse der All­gemeinheit; einem großen Theile Deutschlands würde ein außerordentlicher Nutzen geschossen werden, während die Behauptung, daß Süddeutschland dadurch geschädigt würde, noch unerwiesen sei. Abg. Frhr. v. Psetten sCentr.) erklärte sich vom speciell bayrischen Standpunlte gegen die Anträge. Abg. Brömel (deutschsreis.) sprach für die Com­missionsbeschlüsse, indem er aussührte, daß die durch die Zollerhöhungen herbeigeführten Schädigungen, soweit dies möglich, innerhalb des bestehenden Systems gemildert werden müßten. Inzwischen war von den Bbgg. v. Bennigsen, Dr. Miguel (nat.-lib.), Graf v. Behr-Behrenhofs, v. Kar- dorff (Reichsp.), Gras zu Stolberg-Wernigerode und Wich- mann (deutschcons.) ein Antrag eingegangen, in welchem mit Rücksicht aus die Schwierigkeit des Gegenstandes in Bezug auf Die Wirkungen für Landwirthschast und Handel und in Erwägung, daß für die erforderliche sorgfältige Prüfung aller einzelnen Fragen es in gegenwärtiger Session an Zeit mangelt, sowie in der Erwartung und mit dem Wunsche, daß die Regierungen Erhebungen anstellen und dem Reichstage in der nächsten Session das Ergebniß mit­theilen werden, Uebergang zur Tagesordnung empfohlen wird. Abg. Singer (Soc.-Dem.) erklärte sich gegen sämmt­liche Anträge. Abg. v. Puttkamer-Plauth (deutschcons.) be­tonte, daß die Wirkungen des Antrages den nöthigen Aus­gleich zwischen dem Osten und Westen herbeisühren würden. Abg. Richter (deutschsreis.) erklärte sich gegen sämmtliche Anträge, während Abg. Robbe (Reichsp.) es als eine Ehren­pflicht bezeichnet, für den Osten voll und ganz einzutreten. Er seinerseits halte die Frage schon heute für spruchreif, um eine Einigung über den Antrag Ampach herbeizuführen. Abg. Frhr. v. Huene (Centrum) erklärt sich ebenfalls gegen sämmtliche Anträge, er will auch nicht durch Annahme einer motivirten Tagesordnung einen Wechsel auf die Zukunft ausstellen. Abg. Gebhard (nat.-lib.) erklärt sich für moti- virte Tagesordnung, ebenso Abg. Rickert (deutschsreis.), der bemerkte, für die motivirte Tagesordnung stimmen zu wollen, da für den Augenblick nicht mehr zu erreichen sei. Daraus wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag aus motivirte Tagesordnung mit 278 gegen 101 Stimmen (1 Mitglied enthielt sich der Abstimmung) angenommen. Morgen: Kleinere Vorlagen; Rechnungssachen; Wahl- prüfungen.

Berlin, 6, März. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung eine Reihe von kleineren Vorlagen und beschäftigte sich sodann mit Wahlprüfungen, bezüglich deren die Redner der conservativen Partei nach wie vor den Standpunkt betonten, daß Wahlprotesten, welche für das Resultat als irrelevanter erscheinen müssen, keinerlei Folge zu geben sei. Die nächste Sitzung bchuss Berathung kleinerer Vorlagen, sowie behuss dritter Lesung des An­trages betreffend die Sonnlagssrage findet Mittwoch 12 Uhr statt.

Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner heutigen Sitzung den Antrag, betr. die Verlängerung der Legislatur­perioden in der Schlußberathung mit den Stimmen der Rechten und der nationalliberalen Partei definitiv an, nach­dem sich die Redner der deutschconservativen Partei im Interesse einer ruhigen und stetigen Entwickelung unserer inneren Verhältnisse nochmals für denselben ausgesprochen.

stürzte in wilden Konvulsionen mit schäumendem Munde, oder von Starrkrampf befallen, zu Boden, der bald mit einem unentwirrbaren Knäuel schreien­der, stöhnender, sinnloser Menschen bedeckt war. Endlich überwältigte auch den Oberpriester der sinnberückende Rausch. Kops über fiel er in das mit Haoma gefüllte Gefäß, so daß das geheiligte Naß sich auf die Marmorfliesen ergoß. Bleichen, zornerrötheten Antlitzes erhob sich jetzt der König, der bis dahin starr wie eine Bildsäule dagesessen, um den Schauplatz des Grauens und des Ekels zu verlassen. Doch wie er sich wendete, erblickte er sich gegenüber eine Gestalt, die ihn vom Kopf bis zu den Füßen erbeben machte und die in diesem Augenblick auch wohl einen noch Kühneren als ihn mit Entsetzen erfüllt hätte,

Mit einem Blick in den feurigen blauen Augen, der dieser Erde nicht mehr anzugehören schien, stand eine hohe abgezehrte Gestalt vor ihm. Schneeweißes Haupt- und Barthaar fiel in ver­wirrten Massen über breite halbnackte Schultern und eine hochgewölbte Brust; der zerrissene Mantel war zur Erde gesunken; die abgemagerten weißen Arme und knochigen Finger streckten sich in tiefstem Abscheu der vor ihm in viehischer Trunkenheit sich wälzenden Menschenmasse entgegen. Plötzlich durchsuhr die Gestalt ein Leben und mit hallender das wüste Geschrei dort unten beherrschender Stimme, gleich der über den Erdkreis vernehm­baren Stimme des Schicksals, die zu dem Ohre selbst des Sinnlosesten dringt, sprach sie die Worte:

Die nächste Sitzung behufs Fortsetzung der Ctattberathung findet Mittwoch 11 Uhr statt.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht folgendes Bulletin über das Befinden des Kaisers. Se. Majestät der K a i s e r sind von einer leichten Erkältung befallen und werden voraussichtlich genöthigt sein, mehrere Tage das Bett zu hüten.

DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht folgendes Bulletin:

S a n R e m o, 6. März,

11 Uhr Vormittags.

Gegenüber den in der Presse verbreiteten Ge­rüchten von Meinungsverschiedenheiten unter den behandelnden Aerzten Sr. Kaiserlichen und König­lichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen erklären die Unterzeichneten, daß hinsichtlich der Natur und Beurtheilung der Krank­heit eine solche unter ihnen nicht besteht. Ebenso wenig ist von ihnen die Nähe einer gefährlichen Wendung des Leidens behauptet worden. Die ein­heitliche, verantwortliche Leitung der Behandlung befindet sich wie vor der Operation in den Händen des mituulerzeichueten Sir Morell Mackenzie. Au die Zeitungen des In- und Auslandes richten die Aerzte noch einmal im Interesse des hohen Kranken und der Völker, die ihn hochachten, lieben und verehren, die Bitte, sich jeder Discussion über die Krankheit Höchstdeffelben oder über die bei der Behandlung angewandten Methoden und Instrumente zu ent­halten. Die örtlichen Störungen im und am Kehlkopf Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit haben sich wesentlich nicht verändert, die Wunde ist geheilt, die Canülen liegen gut, die Lungen sind gesund, Husten und Auswurf wurden geringer. Der Kräftezustand ist ein befriedigender, der Appe­tit im Zunehmen begriffen, Verdauungsstörungen sind nicht vorhanden, ebenso wenig Schmerzen beim Schlucken oder Kopfweh. Der Schlaf hält un­unterbrochen Stunden lang an. Da die Misston des Geheimen Raths v. Bergmann beendet ist, wird er demnächst abreisen.

Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell.

v. Bergmann. Bramann.

Zu vortragenden Räthen beim Prinzen Wil­helm sind Regierungsrath v. Brandenstein- Magdeburg und Professor G n e i st ernannt worden.

Das sächsische Königspaar ist zum Besuche des Prinzregenten in München eingetroffen.

Anläßlich seines Geburtsfestes richtete König Kart von Württemberg ein Schreiben an den Ministerpräsidenten v. Mittnacht, in welchem er seinen gerührten Dank allen denen ausspricht, welche während seiner Krankheit Beweise treuer Anhänglichkeit gegeben haben; der König ent­sendet der fernen theuren Heimath und seinem ge­liebten Volke seinen landesväterlichen Gruß und spricht die Hoffnung aus, bald wieder zurückkehren zu dürfen.

Der Entwurf eines bürgerlichen Gesetz­buchs für das Deutsche Reich, welcher einem Be­schlusse des Lundesraths zufolge zunächst der öffentlichen Beurtheilung unterbreitet werden soll, wird sicherem Vernehmen nach dem Reichstage schon in der Session 1889/90 zugehen.

Ich bin der Prophet des Herrn. Friede komme über euch."

Wie das Gebrüll einer von dem Pfeile des Jägers aus Herz getroffenen wilden Bestie plötzlich in Gewimmer übergeht und dann verstummt, so verstummte auch das Geheul der trunkenen Masse. Auf die Lehne des Thronsessels gestützt stand Darius da, die Worte des Fremden, deffen An­blick unbestimmte Erinnerungen in ihm wach rief, waren ihm ebenso unverständlich, wie die Gewalt, die sie auf die trunkenen Priester geübt.

Doch war der geschwundene Muth ihm zurück­gekehrt und er fragte:

Wie kannst Du sagen, Du seiest ein Prophet? wer bist Du?"

Du kennst mich und hast mich rufen lassen," erwiderte ruhig der Mann im weißen Haar; dabei hefteten sich aber seine blitzenden Augen so fest auf den König, daß dieser zurückbebte,Ich bin Zo- roaster. Ich komme Dir und diesen unseligen Menschen, deinen Priestern, die Wahrheit zu verkünden."

Darius schaute hin und erkannte Zoroaster, doch das überirdische Feuer der Augen muthete ihn fremd an. Er wendete sich zu den Priestern und herrschte sie an:Unwürdige Priester, die ihr trunken von dem Opfer den Tempel mit unziem­lichem Geschrei entweiht: seht diesen Mann ist er ein Prophet, oder nicht?"

Damit trat er einen Schritt vor und legte die Hand an das Schwert.

(Fortsetzung folgt.)