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Httchldtt Klkisdllitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illuffrirles Anterhaltungsblatt".
Nr. 26.
Donnerstag den 1. März
1888.
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auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes UnterhaltungsBlatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expeditton angenommen.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 27. Februar. Der Reichstag erledigte in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betreffend Abänderung des Gesetzes über den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen, debattelos, und genehmigte ferner in dritter Berathung definitiv den Gesetzentwurf, betr. den Schutz von Vögeln, unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung. Der Gesetzentwurf, betr. die Löschung nicht mehr bestehender Firmen im Handelsregister stieß auf keinen grundsätzlichen Widerspruch; die zweite Lesung wird ohne com« missarische Vorprüfung im Plenum stattfinden. — Den Schluß und Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die zweite Berathung des Gesetzentwuris, betr. die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhand. lungen. An den erlten Paragraphen, welcher lautet: „In allen Sachen kann durch das Gericht sür die Verhandlung oder für einen Theil derselben die Oeffentlichkeit ausge. schloffen werden, wenn fie eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit, oder eine Ge- sährdung der Sittlichkeit besorgen läßt, knüpfte sich eine sehr eingehende Erörterung, welche wesentlich den Character einer Generaldebatte trug und in welcher die prinzipiellen Gegner der Vorlage trotz aller gegentheiligen Darlegungen sich nicht davon überzeugen wollten, daß von derselben das Prinzip der Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen selbst unberührt bleibt. Vor der Abstimmung über den zur Debatte stehenden § 173 bezweifelte Abg. Dr. Meyer-Halle die Beschlußlähigkeit des HauseS. Der Namensaufruf ergab denn auch die Anwesenheit von nur 145 Mitgliedern. Die Verhandlungen mußten also abgebrochen werden.
Im Abgeordnetenhaus« kamen heute, nachdem einige Rechnungssachen formell erledigt waren, zwei wichtige Gesetzentwürfe zur ersten Berathung; zunächst der Gesetzentwurf. betreffend die Kosten der Polizeiverwaltung in den Stadtgemeinden. Bekanntlich hat das Abgeordnetenhaus selbst vor einigen Jahren eine Resolution auf Vorlegung
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Zoroaster.
Nach dem Englischen des Marion Crawford. (Fortsetzung.)
„Der Bericht kann Dich nur befriedigt haben," sprach Darius schließlich zu Atossa. „Schneller, als Du wähntest, hast Du ihn erhalten. Und Du Phraortes, sende in Zukunft Deine Rechnungen regelmäßiger ein, damit Du Dir ähnliche schleunige Reisen ersparst. Geh' jetzt und schlafe aus." „Du hast Deine Sache gut gemacht," fügte Atossa kühl hinzu, „ich bin zufrieden."
Wiederum war sie allein. Kritisch betrachtete sie sich im Spiegel; ein kaum bemerkbarer Schatten von Blässe lag auf dem Antlitz. Diese Geiahr war abgewendet, die schwere Stunde vorüber. Zufrieden mit sich und Phraortes sank sie in die Kissen, auf denen Darius soeben geruht und gab sich in schwelgerischer Lust der Betrachtung des Streiches, dessen Opfer Nehusta soeben geworden, hin. Sie hatte Zoroaster in ihren Armen gesehen, das genügte. Welche Qual, wenn sie ihn wirklich liebte!
12.
DeS, wie er wähnte, aufgeklärten Mißverständnisses froh, wanderte Darius trotz der frühen Morgenstunde dem Rosengarten zu. Er war dort allein, sicher weder die Königin, noch den Hof zu treffen, und konnte Nehusta, welche, wie er wußte, dort den Vormittag zuzubringen pflegte, in der
eines derartigen Gesetzes beschlossen; trotzdem erfuhr das, selbe heute im Hause mehr Widerspruch, als man wohl
hätte erwarten können. Namentlich wurde die vorgeschlagene Quotisirung der hip' Uml” Staatskasse, zur anderen Hälsr^'d Dt® auJ 0!e UMs,^ auserlegt werden sollen, bemängelt. und das wurde schließlich zur näheren Prüfung eine?’’ BielVk,')n Commission von 21 Mitgliedern überwiesen, wK-j beii’ übrigens auch die Regierung einverstanden erklärt ^t, — An dieselbe
Commission ging demnächst a die Uebertragung polizeili Teltow und Niederbarnim, so burg an den Polizeipräsid
etzentwurf, betreffend isse in den Kreisen Stadtkreise Charlottcn- Merlin. Gegen diesen
Gesetzentwurf wurde kein prinzipi—. Widerspruch erhoben, nur gegen die Motivirung 6er Vorige »vurde geltend gemacht, daß dieselbe nicht ganz den '-tatsächlichen Verhält- Nissen entspreche. Indeß wurde regierungsseitig statistisch
nachgewiesen, daß in Bezug auf die Ansammlung von Verbrechern in der Umgegend Berlin« die Motive der Vorlage durchaus eine richtige Darstellung der Verhältnisse enthielten.
Berlin, 28, Februar. Der Reichstag erledigte heute zunächst Berichte der Geschäftsordnungscommission und versagte in zwei Fällen die Ertheilung der Ermächtigung jur strafrechtlichen Verfolgung wegen Beleidigung des Reichstages. Der Hauptgeg.nstand der Verhandlungen war die zweite Berathung des Gesetzentwurfs wegen Abänderung deS GesetzeS, betreffend die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete, vom >7. April 1886. Die Beschlüsse der Commission wurden auch mit den von derselben neu eingefügten nothgesetzlichen Bestimmungen, welche die Ertheilung von Korporationsvollmachten von Reichswegen an Colonialgesellschasten zum Gegenstände haben, bis aus den von der Commission ebenfalls neu eingefügten Artikel III, der indeß mehr formeller Natur ist, angenommen. Der letztere blieb unerledigt, weil inzwischen bei der namentlichen Abstimmung über einen von dem Abg. Rintelen (Centr.) eingebrachten B.ntrag, betreffend die Anwendung der Congo-Acte aus die Schutzgebiete, die Beschlußunfähig- teil des Hauses sich herausstellte, da nur 186 Mitglieder sich an der Abstimmung betheiligten, während die Anwesenheit von 199 Mitgliedern zur Beschlußfähigkeit des Hauses erforderlich ist. Die Verhandlungen mußten deshalb abge. brachen werden. — Morgen: Anträge aus dem Hause (Zuständigkeit der Schwurgerichte, Berufung; Befähigungsnachweis).
Das A b g e o r d n e t e n h a u s hielt heute eine kurze Sitzung, in welcher nach unwesentlicher Debatte die Etats
Stille erwarten. Zwecklos umherwandernd, führte ihn der Zufall an dem Sommerhause vorbei. Er wäre vorbei gegangen, wenn er nicht durch den offenen Eingang gesehen, daß ein Frauenmantel dort am Boden liege. Was mußte er erblicken, als er eintrat! Geisterbleich, leblos lag Nehusta auf dem Boden ausgestreckt. Das schwarze Haar hatte sich aus der Tiara gelöst und hing in wirren Massen um das Haupt, die Hände waren krampfhaft geballt, tiefer Seelenschmerz verzerrte die Züge des Gesichts. Schaudernd fuhr Darius zurück; er hielt sie für todt. Doch verriethen schwache Athemzüge, daß das Leben noch nicht ganz entflohen war; rasch sprang er zu, erhob das Haupt vom Boden, legte es sanft aus seine Knie und badete Hände und Schläfe mit dem frischen Wasser des Springquells.
Endlich erwachte sie aus der tiefen Ohnmacht, das Bewußtsein kehrte zurück, sie erkannte den König und fragte mit schwacher Stimme: „Was tst's mit mir?"
„Wie weiß ich's? Ich fand Dich hier leblos auf dem Boden liegend. Bist Du verletzt?"
„Verletzt? nein — ja — wohl bin ich verletzt — zum Tode getroffen. Ach, Darius, könnte tch's Dir sagen. Bist Du wirklich mein Freund?" Dabei richtete üe sich auf, das Blut kehrte in die Wangen zurück und die gebrochenen Augen belebten sich wieder.
„Bezweifelst Du, daß ich Dein Freund, Dein bester Freund bin?"
Sie erhob sich vollends und durchschritt in hef
der inbirecten Steuern und der Staatsschuldenverwaltung Erledigung fanden. — Morgen: Anträge, Petitionen.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Dienstag Vormittag ließ Se. Majestät der Kaiser zunächst vom Grafen Perponcher und dem Polizeipräsidenten Frhrn. v. Richthofen sich Vorträge halten und nahm dann persönliche Meldungen entgegen. — Mittags arbeitete Se. Majestät der Kaiser noch einige Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets v. Albedyll und verblieb darauf während der Nachmittagstunden in seinem Arbeitszimmer.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Bulletin aus San Remo:
San Remo, 27. Febr., 10 Uhr 30 Min. Vormittags. Der Schlaf Sr. Kaiser!. und Königl. Hoheit des K r o n p r i n z e n war gut, Husten und Auswurf geringer, letzterer weniger gefärbt. Allgemeinbefinden befriedigend.
Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell.
von Bergmann. Bramann. Kußmaul.
Die „National - Zeitung" erhielt folgende Privat-Depesche:
S a n R e m o, 27. Febr. Da nach der vom Geheimen Rath Kußmaul vorgenommenen Untersuchung die Lungen gesund befunden sind, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Auswurf nicht aus der Luftröhre, sondern aus dem kranken Kehlkopfe stammt. Das Letztere wurde bereits vermuthet. Dr. Kußmaul untersuchte Se. Kaiser!, und Königl. Hoheit den Kronprinzen am Sonntag, sowie heute Morgen, und constatirte wiederholt, daß die Lungen gesund sind. Das Sr. Majestät dem Kaiser telegraphirte Gutachten Kußmaul's betont, daß er in den Lungen nichts Krankhaftes gefunden habe, daß er aber die Krankheit als sehr ernst ansehen müsse. Kußmaul hat auch den Kehlkopf untersucht und
tiger Bewegung den kleinen Raum; endlich blieb sie vor ihm stehen und heftete die großen Augen aus ihn.
„Ich werde Dir etwas sagen," hub sie in gepreßtem Tone an, „alles zu sagen ist mir unmöglich. Ich bin schändlich betrogen, hintergangen; man hat ein Spiel mit mir getrieben. Wie? kann ich Dir nicht sagen. Aber Du glaubst mir, nicht wahr? Der Mann, der mich liebte, hat mich verworfen, wie ein altes Gewand, wie ein werthloses Nichts. Ich liebe ihn nicht mehr — ich hasse ihn."
Wieder wanderte sie rastlos umher, plötzlich blieb sie vor dem König, der in verhaltenem Zorn mit den Zähnen knirschte, stehen, legte ihm beide Hände auf die Schultern und fragte:
„Liebst Du mich noch, wie Du mir früher sagtest, daß Du mich liebtest?'
„Ist es schon so lange her, seit ich Dir meine Liebe gestand?" fragte er nicht ohne Bitterkeit. „Ach, versuche mich nicht, berühre die Wunde nicht. Ich liebe Dich und bin der elendeste der Menschen. Aber so heiß ich Dich auch liebe, ihm kann ich kein Leid anthun. Ich schwur's ihm zu und selbst für Dich kann der große König nicht eidbrüchig werden!"
„Kein Haar auf dem Haupte sollst Du ihm krümmen; er tst's nicht werth, daß Du den kleinen Finger um ihn rührst. Doch ich sage Dir," — sie zögerte und stieß dann in heftigster
Erregung in heiseren Tönen heraus, „Darius,