Ersatzreserve. Diejenigen der gegenwärtigen | Seewehr angehörigen Mannschaften, welche derselben von Hause aus durch die Ersatzbehörden überwiesen sind, werden nunmehr Angehörige der Marine-Ersatzreserve.
Die Mannschaften der Ersatzreserve und Marine-Ersatzreserve gehören zum Beurlaubtenstande und erhalten in Folge hiervon veränderte Militairpapiere.
Hersfeld, den 16. Februar 1888.
Bezirks-Kommando Hersfeld.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 7 des Gesetzes, betreffend Aenderung der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888 werden alle im Jahre 1850 und später geborenen Herren Offieiere, Sanitätsofficiere und obere Militairbeamten, welche im Kreise Hersfeld wohnhaft sind und nach abgeleisteter gesetzlicher Dienstpflicht im stehenden Heere und der Landwehr (Flotte und Seewehr) bereits verabschiedet waren, hiermit aufgefordert, sich mündlich oder schriftlich sofort, spätestens aber bis zum 13. März 1888 beim Bezirks- Kommando Hersfeld anzumelden.
Diejenigen Herren Offieiere, Sanitätsofficiere und obere Militairbeamlen, welche früher nicht in diesseitiger Controle waren, haben bei schriftlicher Anmeldung das Patent bezw. die Bestallung beizufügen, auch gleichzeitig ihr jetziges Civilver- bältM anzugeben und mitzutheilen, bei welchem Bezirks-Kommando sie zur Zeit ihrer Verabschiedung in Controle gestanden haben.
Hersfeld, den 16. Februar 1888.
Bezirks-Kommando Hersfeld.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 7 des Gesetzes, betreffend Aenderung der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888 werden alle 1850 und später geborenen Unter- offieiere, Mannschaften und untere Mi- litairbeamten, welche im Kreise Hersfeld wohnhaft sind und nach abgeleisteter Dienstpflicht im stehenden Heere und in der Landwehr (Flotte und Seewehr) beziehungsweise als geübte Ersatzreservisten nach Ablauf der Ersatzreservepflicht bereits zum Landsturm entlassen waren, hiermit aufgefor- dert, sich mündlich oder schriftlich sofort, spätestens aber bis zum 13. März 1888 bei dem Bezirksfeldwebel in Hersfeld, unter Vorlage ihrer Militairpapiere, anzumelden.
Wer die Anmeldung unterläßt, wird gemäß § 67 des Reichs-Militairgesetzes disciplinarisch mit Geldstrafe von 1 bis 60 Mark oder mit Haft von 1 bis 8 Tagen bestraft. Abgesehen von der Bestrafung kann bei Controlentziehung von länger als einem Jahr auch Verlängerung der Dienstzeit unter Versetzung in die nächst jüngere Jahresklasse und entsprechend weitere Zurückversetzung verfügt werden.
Diese Meldefrist ist für diejenigen Personen, welche sich außerhalb Deutschlands beziehungsweise auf Seereisen befinden, bis zum 30. September 1888, beziehungsweise, wenn dieselben vor diesem Zeitpunkt nach Deutschland zurückkehren oder bei einem Seemannsamt des Inlandes
Zoroaster liebte, den Anträgen des Königs Widerstand entgegen zu setzen vermöchte, war für sie unfaßlich. Er nahm sie also zum Weibe und dann mußte sie vernichtet werden: das stand fest.
Am Abend desselben Tages speiste der König bei der Königin zu Nacht; er hatte sich aller Ceremonie eutledigt, sie waren allein. So hielt denn die Königin die Gelegenheit, das Gespräch auf die hebräische Fürstin zu bringen, für günstig. Der Atossa griechisches Gewand gefiel dem König, er sprach es aus. »Soll ich Nehusta ein gleiches sendend" fragte sie mit süßem Lächeln. „Sie bedarf keiner Verschönerung, um meinen Augen zu gefallen", war die wenig tröstliche Erwiderung. „Du würdest ihr am liebsten ein indische Schlange zusenden."
„Gewiß", antwortete die Königin, „Du kannst doch nicht im Ernst verlangen, daß ich eine Frau, die Du schöner findest als mich, nicht hasse. Schade nur, daß sie den nüchternen persischen Hauptmann Dir vorzieht."
„Schade allerdings — Dein Glück. Was meinst Du, soll ich sie zum Weide nehmend"
„Nein", erwiderte Atossa lachend.
„Soll ich sie denn mit Zoroaster verheirathen d" „Ebenso wenig."
„Nun, was soll ich denn mit ihr machen d" „Sie erdrosseln", war die Antwort.
„Höre", sprach der König, „ich-kann Scherz vertragen, doch kann's auch des Scherzes zu viel werden. Thue Nehusta nichts zu leide, sonst möchte für Dich das Ende aller Scherze gekommen
abgemustert werden, bis 14 Tage nach erfolgter Rückkehr beziehungsweise Abmusterung, verlängert. Hersfeld, den 16. Februar 1888.
Bezirks-Kommando Hersfeld.
Hersfeld, den 18. Februar 1888.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch beauftragt, die Bekanntmachung betreffend die Wiederän- meldungen derjenigen Mannschaften, welche nunmehr der Landwehr und Seewehr II. Aufgebots angehören, in ihren Gemeinde- rc. Bezirken wiederholt in ortsüblicher Weise den Be- theiligten bekannt machen zu lassen.
1808. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 21. Februar. Der Reichstag erledigte debatlelos den Ergänzungsetat ^Wehrvvrlage> in zweiter Berathung und beendigte darauf die Berathung über den Etat der Reichs-Post- und Telegraphenverwattung. Die in Folge der Beschlußunsähigkeit des Hauses am Sonnabend unerledigt gebliebene Position für ein Dienstgebäude in Jnsterburg (100 000 Mk.) wurde bewilligt. Bei den Einnahmen stellte Siaatssecretär Dr. von Stephan eine Herabsetzung des Botenlohnes für Depeschen, sowie der Packelbe- stellgebühr auf dem Lande in Aussicht, sobald die Land- briefträger immer mehr mit kleinen Wagen ausgestattet sein würden. Eine eingehende Debatte knüpfte sich an den Etat der Zölle und Verbrauchssteuern, wobei von deutsch- freisinniger Seite Beschwerden ausgesprochen wurden über die Erledigung der vom Reichstage gefaßten Beschlüsse durch den Bundesrath. Staatssecretär des Innern, Siaats- minister von Boetticher wies demgegenüber nach, daß Seitens des Bundesraths vollständig vcrsassungsarätzig ü»nd sachgemäß verfahren werde und daß dre vorgetragenen Beschwerden durchaus unbegründet seien. Gleichzeitig kam auch eine von den Abgeordneten v. Wedell-Äalchow und v. Frege (deutschcons.) zu diesem Etat eingebrachte Resolution, „über die Wirksamkeit und Congruenz verschiedener Zollpositionen eine eingehende Prüsung eintreten zu lassen", zur Debatte, welche ebenso Vertheidiger, wie Gegner fand, während von Seiten der verbündeten Regierungen eine Stellung zu derselben nicht genommen wurde. Die Abstimmung über die Resolution wurde bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Nachdem die Titel Zölle (245 554 000 Hit) und Tabacksteuer (9 264 000 Mk.) bewilligt, wurden die Verhandlungen um */,6 Uhr abgebrochen. Morgen: Anträge aus dem Hause.
Das Abgeordnetenhaus erledigte heute in erster Berathung die Secundärbahnvorlage und verwies dieselbe nach längerer Debatte, in welcher verschiedene Wünsche bezüglich der Erweiterung unseres Eisenbahnnetzes zum Aus, druck gelangten und deren Berücksichtigung der Herr Minister, soweit angänglich, für die Zukunft in Aussicht stellte, zur Vorberathung an die Budgetkommission. Morgen: Eisenbahnetat.
Uolitischr Nachrichten.
(Deutschland.) Am Dienstag Vormittag ließ Se. Majestät der Kaiser vom Oberhofmarschall Grasen Perponcher und dem Polizei- Präsidenten Frhrn. 1). Richthofen sich Bortrag halten und nahm darauf die persönlichen Meldungen zahlreicher theils versetzter oder beförderter Offieiere entgegen. — Nachmittags arbeitete der Kaiser längere Zeit mit dem Chef des Mililär-Cabinets, von Albedyll, unternahm hierauf eine Spazierfahrt und hatte später eine längere Conserenz mit dem Minister von Putt- kamer.
Der „Reichs Anzeiger" veröffentlicht folgende Bulletins:
sein. Eine Bogensehne würde Deinem weißen Halse schlecht kleiden."
Die Königin biß sich auf die Lippen; sie wußte genau, wenn er im Ernst redete. —
10.
Als die Königin am nächsten Morgen vor der marmornen Eingangspforte des Gartens erschien, kreuzten sich vor ihr zwei Speere und wehrten den Eintritt. Starr vor Staunen blickte sie die beiden Wachtposten abwechselnd an, vergeblich legte sie die Hand auf die beiden Speere, sie beiseite zu schieben. Zornig rief sie: „Hunde, die Ihr seid, kennt Ihr die Königin nicht d Zur Seite." Doch keiner rührte sich. „Schurkische Sclaven", murmelte sie, „heute Abend hängt Ihr am Kreuz," Sie wendete sich zum Gehen, zufrieden, daß niemand Zeuge des Auftritts gewesen.
Gegen des Königs Gebot gab es keinen Widerspruch; sie machte daher auch keinen zweiten Versuch einzudringen. Dagegen durchschritt Nehusta täglich erhobenen Hauptes den Eingang und verschwand in den Rosengebüschen und täglich genau um die Mittagsstunde salutirten die Wachtposten vor dem Könige, wie er den Garten betrat. Gegen die Königin war er so kalt und hart, daß sie in Erinnerung an den letzten bedeutsamen Wink nicht einmal wagte, das Gespräch auf die Schließung des Gartens zu bringen. Nehusta fühlte sich, wenn auch nicht glücklich, doch zunächst durch die völlige Freiheit, die sie genoß, befriedigt. Des Königs I Geschenke wies sie stolz zurück; doch bald wurden
S a n R e m o, 20. Febr., 11 Uhr 35 Min. Vormittags.
Der Schlaf Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des K r o n p r i n z e n war durch anfalls- weise (in der Depesche steht „auffallsweise") auftretendes heftiges Husten unterbrochen. Kein Fieber, Auswurf reichlich, wie früher, und bräunlich gesärbt. Das Allgemeinbefinden ziemlich gut. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell.
v. Bergmann. Bramann.
S a n R e m o, 21. Februar,
10 Uhr 30 Minuten Vormittags.
Das Befinden Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des K r o n p r i n z e n am gestrigen Tage war viel besser, sowohl in Bezug auf Husten und Auswurf als auch Appetit. Auch in der Nacht waren weniger Hustenanfälle. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit verbrachte in der letzten Woche den größten Theil des Tages außerhalb des Bettes.
Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. v. Bergmann. Bramann.
Ferner wird aus S a n R e m o, Montag 20. Februar Abends telegraphisch gemeldet: „Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz hatte einen sehr guten Tag, den besten seit der Operation, auch ist die Stimmung eine recht gute, Se. K. und K. Hoheit beschäftigte sich einen großen Theil des Tages mit Lesen. Husten und Auswurf waren geringer. Der Prinz von Wales ist Abends 6 Uhr hier eingetroffen."
Nach den neuesten ärztlichen Bulletins ist beim König Carl von Württemberg die Rückbildung des krankhaften Zustandes der Lungen zwar im langsamen, aber erfreulicherweise beständigen Fortschreiten begriffen. Minister von Mittnacht ist zum König nach Florenz gereist.
Der Reichskanzler wurde am Sonntag von Sr. Majestät dem Kaiser zum Vortrag empfangen.
Der Gesetzentwurf über die Alters- und Invalidenversicherung wird, wie man annimmt, wahrscheinlich noch in dieser Woche an den Bundesrath kommen.
General v. Werder, der Gouverneur von Berlin, ist am Montag mit mehrwöchigem Urlaub von Berlin nach Petersburg gereist.
Dem B u n d e s r a t h ist der Entwurf einer Verordnung belr. die Abänderung und Ergänzung der Austührungs-Bestimmungen zu dem Gesetz über die Kriegsleistungen zugestellt worden.
Der Jäger Kauffmann zu Zabern wurde dem „Franks. Journal" zufolge vom Kriegsgericht wegen des Grenzzwischenfalles Bexaincourt fretge- sprachen.
(Frankreich.) Bei dem nun beendeten Zeugenverhör in dem Proceß gegen Wilson und Genossen wegen des Ordenshandels erklärte der Destillateur Delozy, er habe eine OrdenSauS- zeichnung gewünscht, Wilson habe aber von ihm verlangt, er solle 200 000 Frank für Zettungs- Unternehmen zeichnen; er habe daraus geschlossen, daß es sich darum handele, die Ordensauszeichnung zu kaufen und sei nicht wieder zu Wilson gegangen. Die Aussage Delozys ist fast die einzige für Wilson belastende; denn der famosen Madame Ratazzi wird der Gerichtshof wohl keine besondere Glaubwürdigkeit beimessen.
(England.) Ein großer Streik droht in seine sich stets verlängernden Besuche der Punkt, um den stch bei ihr alles drehte, Sie erwartete ihn regelmäßig in dem achteckigen Sommerhause; alle Etikette war verbannt, und in einfachem, schlichten Gespräch flossen die Sunden dahin.
Seitdem Zoroaster den Ritt nach Eckbatana angetreten, war inzwischen eine Woche verflossen; stumm und bleich saß der König neben Nehusta. Auch sie verstummte, als sie ihn so schweigsam, wie von inneren Kämpfen erschöpft, dasitzen sah. Nur das murmelnde Geplätscher des Springbrunnens unterbrach die Stille.
„Weißt Du, Nehusta, daß ich jetzt eine der niedrigsten Handlungen meines Lebens begehe d" so nahm Darius endlich in trübem Tone das Gespräch wieder auf.
Nehusta erschrak, ein Schatten flog über ihr Antlitz. „Sage lieber eine der gütigsten."
„Niedrig vielleicht nicht, aber thöricht", erwiderte der König und stützte nachdenklich das Kinn in die Hand — „vielleicht beides."
Nehusta errieth, was nun kommen werde. Ein unbeschreibliches Verlangen, das Wort, daß er sie liebe, von seinen Lippen zu hören, ergriff sie. Er war so gut, so ehrenhaft, er warb so ehrlich und dehmüthig, da wo er nur zu befehlen hatte, daß sie das vollste Vertrauen in ihn setzen konnte, er werde, wenn er sich einmal ausgesprochen, niemals gegen ihren Wunsch darauf zurückkommen.
(Fortsetzung folgt.)