democratischen Stimmen erfolgte, in erster Berathung mit dem Vogelfchutzgesetz, welches schon wiederholt Gegenstand der Verhandlung gewesen, ohne zu einem Abschlüsse gelangt zu sein. Jetzt läßt sich wohl annehmen, daß das Gesetz zu Stande kommen wird. Die gegenwärtige Vorlage, welche den auf diesem Gebiete inzwischen geäußerten Wünschen Rechnung trägt, wurde im Allgemeinen mit Wohlwollen ausgenommen; doch namentlich der Ausschluß der Krammetsvögel von dem gesetzlichen Schutz, von einzelnen Seiten bemängelt. Der Ansicht indeß, daß noch andere gegen die Vorlage erhobene Bedenken eine commissarische Berathung nöthig machten, trat das Haus nicht bei. Die zweite Berathung wird im Plenum stattfinden. Schließlich beschäftigte sich das Haus mit Wahlprüfungen. Es wurden die Wahlen der Abgg. Clauß (16. Sachsen), v. Funcke (9. Frankfurt) und Panse (7. Merseburg) für gültig erklärt. Morgen: Wahlprüfungen; Etat.
Berlin, N. Februar. Der Reichstag füllte die heutige Sitzung mit Wahlprüfungen aus. Zu einer längeren Debatte führte zunächst die Wahl des Abg. Dr. Haarmann
(5, Arnsberger Wahlkreis — nationalliberal), gegen welche von zwei Seiten Eingaben wegen Wahlbeeinflussung eingereicht sind. Das Haus entschied sich gemäß dem Anträge der Commission für die Gültigkeit der Wahl (mit Resolution). Die Wahl des Abg. Richter (4. Arnsberger Wahlkreis — deutschfreis.) beantragt die Wahlprüsungscommisston für ungültig zu erklären wegen eines zu Unrecht ergangenen Verbots des ArbeiterwahlcomiteS zu Hagen. Das Haus entschied sich indeß, gegen die Stimmen der Deutschsrei- sinnigen und Socialdemoeraten, für die Gültigkeit der Wahl, da kein Einfluß jenes Verbots auf das Ergebniß der Wahl stattgehabt habe. Schließlich kam noch die Wahl des Abg. Henneberg (2. Kvburg-Gothaischer Wahlkreis — nat.-lib.) zur Verhandlung. Die Commission beantragt Beanstandung und gewisse Beweiserhebung. Zur Entscheidung des Plenums kam es heute indeß noch nicht, da vor der Abstimmung Vertagung beschlossen wurde. — Wontag 1 Uhr: Zweite Berathung des Socialistengesetzes.
DaS Abgeordnetenhaus berieth den Antrag, betreffend die Verlängerung der Legislaturperiode, in zweiter Lesung. Eine fast zweistündige Geschäftsordnungsdebatte knüpfte sich zunächst an die Vorfrage, ob ein zu dem Haupt- antrage gestellter Zusatzantrag der freisinnigen Partei, welcher statt der öffentlichen die geheime Abstimmung auch bei den Abgeordnetenwahlen einführen will, als Amende- ment zulässig sei, nachdem der Präsident die Zulässigkeit nach der Geschäftsordnung bezweifelt, die Entscheidung darüber aber dem Hause vorbehalten hatte. Die Frage der Zulässigkeit wurde schließlich mit 223 gegen 112 Stimmen verneint und dann in die Hauptverhandlung eingetreten, bei welcher die Abgg. v. Czarlinski (Pole), Dr. Windthorst (Centr.), Rickert (deutschsreis.) und Dr. Lieber (Centr.) noch einmal die Gründe entwickelten, welche gegen eine derartige Versasiungsänderung sprächen, während die Abgg. Hansen (freie.), v. Rauchhaupt (conf.), Tramm (nat.=lib.) und Frhr. v. Zedlitz (freiconf.) für die Vorlage eintraten und für dieselbe hauptsächlich Zweckmäßigkeitsgründe geltend machten.
§ 1 (Verlängerung der Legislaturperiode aus fünf Jahre) wurde in namentlicher Abstimmung mit 237 gegen 126 Stimmen (dafür stimmten auch die Minister-Abgeordneten v. Boetticher, Dr. Lucius, Maybach) angenommen. Am Montag findet bereits die dritte Lesung des heute angenommenen Antrages statt; außerdem Etat.
MoLMschr Nachrichten.
(Deutschland.) Im Laufe des Sonnabend Vormittags nahm Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Ober-Hofmarschalls Grafen Per- poncher entgegen, empfing einige Militärs und arbeitete Mittags längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets von Albedyll. Während der Nachmittagsstunden erledigte der Kaiser Regierungsangelegenheiten.
Ueber die Stellung Italiens im Dreibünde will ein Correspondent der Wiener „Neuen freien Presse- aus Rom erfahren haben, die Hauptpunkte der Bündnißverträge zwischen Oest erreich, Deutschland und Italien seien
folgende: Der Vertrag zwischen Oesterreich und Italien verpflichte Oesterreich zu wohlwollender Neutralität im Falle eines italienisch-französischen Krieges, Italien sei zu dem gleichen Verhalten im Falle eines österreichisch-russischen Krieges verpflichtet; endlich übernehme Oesterreich die Verpflichtung, die italienischen Interessen im Mittelmeer nach Kräften zu fördern und aus der Balkanhalbinsel nichts zu unternehmen, ohne sich vorher mit Italien ins Vernehmen zu setzen. Nach dem Vertrage zwischen Italien und Deutschland verpflichten sich beide Theile, daß keiner von Beiden den Frieden willkürlich brechen werde; falls Einer oder der Andere von Frankreich angegriffen wird, so verpflichten sich dieselben einander mit ihrer gesammten Kriegsmacht beizustehen. Eine dem Vertrage hinzugefügte Klausel bestimmt, daß, falls Frankreich und Rußland gegen Oesterreich und Deutschland oder auch nur gegen Deutschland allein einen gemeinsamen Angriffskrieg unternehmen, die gesummte Kriegsmacht der drei verbündeten Staaten in Action tritt. Der Correspondent der „Neuen freien Presse" will auch wissen, daß diese Verträge eine Ergänzung finden in besonderen Vereinbarungen zwischen Italien, Oesterreich und England, um die österreichischen und italienischen Küsten vor feindlichen Landungen zu schützen.
Der Bundesrath ertheilte dem neuen Wehrgesetz und dem Gesetzentwurf wegen Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften mit den vom Reichstage beschlossenen Abänderungen die Zustimmung.
Auf das baldige Zustandekommen des Vogelschutzgesetzes wird auf allen Seiten des Reichstages großes Gewicht gelegt, auch wegen der voraussichtlichen Einwirkung des Gesetzes auf Italien. Bekanntlich herrscht dort ein so grausamer erbitterter Krieg gegen die Zugvögel (man erwirbt sich dort für einen Lira einen Schußschein für diesen grausamen Sport), daß darüber sich schon manche Stimme in Heller Entrüstung geäußert.
Der „Reichsanz." veröffentlicht die Bekanntmachung betr. die Verlängerung des kleinen B e l a g e r u n g s z u st a n d e s für den Kreis Offenbach.
Eine katholische Universität in F u l d a verlangt das Centrum. Der Abgeordnete für Fulda, Gößmann, wird im preußischen Abgeordnetenhause den Antrag einbringen, von den in den Jahren des Kulturkampfes zurückgehaltenen sogenannten Sperrgeldern einen Theil zur Errichtung einer katholischen Universität in Fulda zu verwenden.
(Oesterreich-Ungarn.) Das österreichische Kaiserpaar, das für die Ungarn allerdings als „ungarisches Königspaar" gilt, hat einstweilen seine Residenz in Ungarns Hauptstadt aufgeschlagen. Es wurde bei der Ankunft mit begeisterten Huldigungen empfangen; vom Bahnhof bis zur Burg drängten sich dichte Massen. Unter anderen wurden auch die Rufe laut: „Eljen Andrassyl" „Hoch Deutschland!" „Hoch das Bündniß!" — Die meisten Wiener Blätter betonen ausdrücklich, daß vor den Nachrichten aus San Remo alles andere augenblicklich zurücktrete, und sprechen ihre innigste und wehmuthvolle Theilnahme, sowie ihre heißen Wünsche für die Genesung des Kronprinzen aus. Das „Extrablatt" sagt: Die Völker Oesterreichs
und wohl jeder gesittete Mensch auf dem Erdenrund fühlen sich eins mit dem deutschen Volke in dem heißempfundenen Wunsch, daß die Vorsehung dem edlen Kaisersohne zum Heile seines Vaterlandes, zur Freude der Menschheit über diese Gefahr hinweghelfen möge. — Die deutsch-österreichische Handelsconvention ist von dem österreichischen Abgeordnetenhause angenommen worden.
(Italien.) Auch Italien hat sich genöthigt gesehen, einen größeren Zollschutz für die Land- wirthschaft eintreten zu lassen. Ein Königl. Decret bestimmt, daß fortan der Getreidezoll 5 Lire (1 L. — 80 Ps.) statt bisher 3 und der Haserzoll 4 Lire für den Centner betragen soll. Unter Getreidezoll ist hier vorwiegend der Weizenzoll zu verstehen. Italien baut etwa 8 Mal mehr Wetzen als Roggen und Gerste zusammengenommen (1883: 43,8 Millionen tzectol. Weizen und 5,4 Millionen Hectol. Roggen und Gerste). Die neuen italienischen Zölle sind also beträchtlich höher, als die deutschen; denn bei uns beträgt der Zoll nach der letzten Erhöhung für Weizen und Roggen 5 Mk., für Hafer 4 Mk., pro Doppel-Centner.
(R u ß l a n d.) Die „Cöln. Ztg." erfährt auS Petersburg, die patriotische Haltung des deutschen Reichstags habe daselbst großen Eindruck gemacht. Der Zar soll sich seiner nächsten Umgebung gegenüber sehr anerkennend über den Freimuth der Rede Bismarcks ausgesprochen und seine hohe Achtung vor Bismarck betont haben. — Herr v. Giers soll vom Zaren den Auftrag erhalten haben, ein Rundschreiben an die Mächte zu erlassen, worin Rußland den jetzigen Zustand Bulgariens als dem Wortlaut und Sinne des Berliner Vertrages zuwider erklärt. — Die allgemeine Lage wird jetzt auch in der russischen Panslawistenpreffe friedlich angesehen. So sagt jetzt selbst der vom Fürsten Metscherski redigtrte „Grashdanin", welcher anfangs die Rede des Reichskanzlers nicht günstig beurtheilt hatte, er halte sich überzeugt, daß die Kriegsfurcht unbegründet sei. — Ein friedliches Symptom ist auch der Umstand, daß der Finanzmimster Whschnegradskt für neue strategische Bahnen kein Geld hergeben will und die Creditforderung des Kriegsministers zur Beschaffung von 6000 neuen Waggons abwies. _
Aus Hessen-Nassau.
t Hersfeld, 6. Februar. (Beiräthe für die Beschaffung der Truppenoerpflezung.) Es hat sich das Bedürfniß herausgestellt, den Corpe-Jntendanturen sachverständige Vertrauensmänner als Beirath für die Beschaffung der Lebensmittel zum Unterhalt der Truppen beizuordnen. Die Vertrauensmänner sollen in allen wesentlichen, die Beschaffung bei KriegS-Verpflegungsbedarfs betreffenden Fragen ihr Gutachten abgeben und zu diesem Behufe zunächst alljährlich im Monate Januar zur Besprechung der Vorbereitungen für das kommende Mobilmachungsjahr zusammenberufen werden. Aber auch für die Beschaffung der Friedens-Ber- pflcgungsbedürfnisse kann den Intendanturen ein derartiger Beirath unter Umständen sehr erwünscht sein und bleibt daher vorbehalten, die Vertrauensmänner zur Erörterung über die für die Beschaffung dieser Bedürfnisse erforderlichen Maßnahmen nach Bedarf einzuberusen. Jeder Corpsintendantur sollen in der Regel 5 Vertrauensmänner an die Seite gestellt werden (3 Vertreter der Landwirthschast, 2 Vertreter des Handels). Die Vertrauensmänner, sowie je 1 Vertreter der Landwirthschaft und des HandelS all Stellvertreter, fallen von den commandirenden Generalen auf Vorschlag der obersten Civilbehörden aus die Dauer von je 3 Jahren ernannt werden. Es darf erwartet werden, daß sich zu diesem Ehrenamte patriotische Männer finden lassen, und daß dieselben bereit sein werden, sich der
„Er nahm sich unserer sehr an. Ich wünschte ihn zu sehen, um ihm zu danken, was gestern kaum geschah; ich war so erschöpft."
„Wozu? Jeder Hauptmann aus des Königs Leibwache würde seine rechte Hand darum geben, wäre er vier Wochen zu Deinem Schutze bestellt, und wenn Du ihm auch nicht einen Blick schenktest. Aber wie glücklich mußt Du sein, dieser entsetzlichen Festung entronnen zu sein," fuhr die Königin voller Mitgefühl fort. „Jeden Sommer schleppte mich mein Vater dahin, in diese langweiligen Berge. Der Wechsel wird Dir behagen."
„Gewiß," antwortete Nehusta, „alle meine Träume drehten sich nur um Susa. Die langen Winter in Eckbatana waren unerträglich."
„Ach, Du mußt uns lieben," glitt es von Atossas Lippen mit süßem Lächeln. „Der König will Deinem Volke so wohl l Nächstens wird ein Verwandter von Dir eintreffen, um mit ihm über den Wiederaufbau der Stadt und des Tempels von Jerusalem zu berathen."
„Zorobabel?"
„Ja, ich glaube, so heißt er."
„Ach, könnte ich doch den großen König über- reden, etwas für mein Volk zu thun!"
„Zweifelsohne wird Dartus Alles thun, was in seiner Macht steht, um das Wohl der Hebräer zu fördern," erwiderte die Königin; doch ihr wanderndes Auge zeigte, daß ste nicht mehr bei dem Gegenstände war. „Dein Freund Zoroaster könnte für Eure Sache wirken, wenn er wollte."
„Wäre er doch ein Hebräer," sagte Nehusta mit einem Seufzer, der der Königin nicht entging.
„Ist er es nicht 's — ich glaubte, bei seiner Neigung für ernste Studien —"
„Nein, er ist keiner der Unseren; wird es auch nie werden. Doch am Ende ist es gleich, was man glaubt, wenn man nur, wie er, das Rechte thut."
„Ich habe nie begreifen können, daß man von der Religion so viel Wesens macht," sagte die Königin und betrachtete ihre weiße Hand, die sich Vortheilhaft von dem dunkeln Purpur des Mantels abhob. „Mich unterhalten nur die großen Aufzüge, die Opfer, die Gesänge und alles das. Sahst Du jemals ein großes Opfertest ?"
„Oh ja — ich war noch Kind, als Cambyses, ich meine der König, auf den Thron gelangte — das war prachtvoll." Sie zögerte, da sie fürchtete, die Erinnerung an die Vergangenheit möchte der Königin peinlich sein. Doch Atossa erwiderte unbefangen, wenn gleich mit einem angenommenen Anflug von Wehmuth:
„Fürchte nicht, theure Fürstin, mich durch die Erinnerung an jene Zeiten zu beleidigen. Ich erinnere mich wohl jenes Tages, der vier milchweißen, der Sonne geweihten Pferde und des Schimmels, den sie auf der Schwelle des Tempels schlachteten. Ich habe um das arme Vieh geweint. Ein paar schwarze Sclaven an seiner Stelle wären mir lieber gewesen.
„Ich erinnere mich alles dessen, auch in Eckbatana habe ich Processionen gesehen; doch gestattete Daniel mir nicht, in den Tempel zu gehen."
»Jetzt ist hier, wie überall alles verändert. Wir haben verschiedene Umwälzungen, religiöse meine ich, gehabt, es ist soviel Blut geflossen, daß die Luft förmlich mit dem Geruch des Todes erfüllt ist. Es ist unglaublich, wie die Menschen sich darüber beunruhigen können, ob der Sonne ein Pferd, oder dem Auramagda ein Kalb, oder dem Radon oder Astaroth ein Aethtopter geopfert wird. Und diese Magier, diese bet den feierlichen Handlungen stets von Wolfsmilchsaft trunkenen Priester I Dem hat Darius aber ein Ziel gesetzt l"
Die Königin verbreitete sich nun weitläufig über diese Dinge, Nehusta aber hörte nur mit halbem Ohr. Ihr Herz sehnte sich nach Zoroaster, und Atossas Besuch langweilte sie. Der Abwechselung wegen klatschte sie in die Hände. Es erschienen Sklavinnen mit Erfrischungen.
(Fortsetzung folgt.)
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