hiesigen Kreises im Anschlüsse an meine Verfügung vom 28. September 1885, Nr. 10413, im Kreisblatt Nr. 116, zur Kenntnißnahme und Beachtung mitgetheilt.
1086, Der Königliche Landrath __Freiherr von S chlein i ^._
Hersfeld, den 2. Februar 1888.
Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 10. Juni 1887 Nr. 6140, Kreisblatt Nr. 70, benachrichtige ich die Herren Ortsvorstände des Amtsgerichtsbezirks Niederau I a, daß zur Vornahme der technischen Revision der Maaße, Gewichte ?c. bei den Gewerbetreibenden in den betreffenden Gemeinden folgende Termine bestimmt worden sind:
für die Gemeinden Asbach, Beiershausen, Kers- penhausen 10. April
„ „ „ Holzheim, Kruspis, Stärklos 13. April
„ „ „ Mengshausen, Solms 16. April
„ „ „ Niederjossa, Hattenbach 19. April
„ „ Gemeinde Niederaula 23. April u. evtl. folgende Tage
„ „ Gemeinden Kleba, Kirchheim 1. Mai
„ „ „ Reckerode, Goßmannsrode und Rotterterode 4. Mai
„ „ „ Heddersdorf, Frielingen 8. Mai
„ „ „ Gersdorf, Willingshain 11. Mai
„ „ „ Allendorf, Kemmerode, Reimboldshausen und Gershausen 14. Mai d. I.
Die Herren Ortsvorstände der vorbenannten Ortschaften erhalten die Weisung, die Gewerbetreibenden ihrer resp. Gemeinden alsbald von den angesetzten Terminen in Kenntniß zu setzen, auch dieselben hierbei gleichzeitig auf die Folgen einer etwa Vorgefundenen Unrichtigkeit der Maaße rc. hinzuweisen und aufzufordern, ihre Maaße rc., soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor zur aichamtlichen Prüfung zu bringen. — Die technische Revision, welcher bestimmungsgemäß der Ortsvorstand oder ein Vertreter desselben beizuwohnen hat, wird von dem Aichtechniker, Klempnermeister Herrn George Rössing dahier, ausgeführt werden.
1103. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schlein i tz. _
Hersfeld, den 3. Februar 1888.
Für Elisabeth W e t t l a u f e r zu Niederjossa, geboren am 9. März 1873 zu Oberjoffa, ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
1156, Der Königliche Landrath __________________Freiherr von S ch l e i n i tz.
Gefunden: ein Sack Mehl. Der Eigenthümer kann denselben bei Wirth S ch a u b zu Beiershausen in Empfang nehmen.
+ Der Bimdmßvertrag zwischen
Deutschland und Oesterreich, der am Freitag Abend vom deutschen „Reichsund Staats-Anzeiger" und gleichzeitig, mit einer wörtlich übereinstimmenden Eingangsbemerkung,
Juda, dessen Haupt jetzt die Fürstin Nehusta ist, habe ich, Deinem Befehl gemäß, hierher gebracht. Auch sandte ich Boten zu melden, daß Daniel, genannt Beltesazzar, Satrap in Medien zur Zeit deS Cambyses, gestorben und von mir geziemend in einem neuen Grabe im Palastgarten von Eckba- tana begraben ist."
Als Zoroaster geendet, sprang Darius, rasch und stets dem ersten Impulse folgend wie er war, vom Pferde, umarmte und küßte thu auf beide Wangen.
„Was Du thatest war wohlgethan — ich kenne Dich lange — Auramagda ist mit Dir — wie mit mir. Durch seine Gnade habe ich die Babylonischen Rebellen niedergeworfen. Sie hatten gelogen, darum erschlug ich sie. Zeige mir Nehusta, die Königstochter aus Juda."
„Die Fürstin ist zur Hand; ich bin Dein Diener", erwiderte Zoroaster mit bleichen Lippen.
Inzwischen war es Nacht geworden; Sclaven mit Fackeln aus wohlriechenden Harzen leuchteten dem Könige voran auf dem Wege zu Nehustas Zeit. Rasch, so daß der goldene Harnisch klirrte, trat Darius hinzu. Im Eingänge des Zeltes, deffen gestreifter Vorhang zurück gezogen war, stand Nehusta. Der Schleier war entfernt; auf dem stolzen Haupte erglänzte ein einziges Juwel wie ein Stern in der leinenen Tiara; das dichte, dunkle Haar wallte über den Gürtel herab. Als der König herangetreten, warf sie sich vor ihm nieder, berührte mit der Stirn den Boden und erwartete seine Ansprache.
in Wien und Pest veröffentlicht ist, verpflichtet beide Reiche, sich in dem Falle ^ines Angriffs von Seiten Rußlands auf einen der beiden Verbündeten mit ihrer gesammten Kriegsmacht bei- zustehen und auch den Frieden nur gemeinsam und übereinstimmend zu schließen. Wird einer der beiden Contrahenten des Vertrages von einer anderen Macht (also beispielsweise Deutschland von Frankreich) angegriffen, so ist der andere Verbündete verpflichtet, dem Gegner des Angegriffenen nicht nur nicht beizustehen, sondern mindestens eine wohlwollend neutrale Haltung gegen den Mitcontrahenten dieses Bünd- nißvertrages zu beobachten. Auch in diesem Falle aber tritt, wenn die angreifende Macht von Rußland in irgend einer Form, durch directe Kooperation oder militärische Maßnahmen, unterstützt wird, die oben erwähnte Verpflichtung des gegenseitigen Beistandes mit voller Kraft und bis zum gemeinsam zu schließenden Frieden in Kraft. Der Vertrag hebt weiter den — auch aus den mitgetheilten Bestimmungen unmittelbar erhellenden — rein defensiven Character des getroffenen Abkommens hervor und schließt mit der Vereinbarung, daß man diese Abmachungen zwar, um jede Mißdeutung auszuschließen, geheim halten, für den Fall bedrohlicher Rüstungen Rußlands aber den Kaiser Alexander loyaler Weise „m i n d e st e n s vertraulich darüber verständigen wolle, daß beide Contrahenten des Vertrages den Angriff auf einen von ihnen als gegen beide gerichtet betrachten müßten".
Der Vertrag ist am 7. October 1879 abgeschlossen und seitdem, wie man weiß, verlängert. Der Allianz ist inzwischen auch Italien beigetreten, und man wird es für wahrscheinlich halten dürfen, daß zwischen dieser Macht und Deutschland ähnliche Vereinbarungen bezüglich eines Angriffs von Seiten Frankreichs getroffen worden sind, wie zwischen Oesterreich und Deutschland bezüglich eines Angriffes durch Rußland. Wie dem aber auch sein mag, jedenfalls hebt die Veröffentlichung dieses Dokuments jeden Zweifel darüber auf, daß für den Fall einer russischen Offensive gegen Deutschland oder Oesterreich ein lückenloser, sofort beide Mächte und zwar mit ihrer gesammten Kriegsmacht zu gemeinsamem Widerstände verbindender Bündnißvertrag besteht, und zeigt zweitens, daß die beiden Contrahenten des Vertrages die Stunde für gekommen erachten, wo „bedrohliche Rüstungen Rußlands" es angezeigt erscheinen lassen, das Geheimniß dieser Vereinbarung aufzuheben und sie — zur Warnung und Aufklärung, auf welche bereite Gegnerschaft ein russischer Angriff sich gefaßt halten muß — zur Kenntniß Rußlands zu bringen. Ja man wird annehmen dürfen, daß die in dem Bündnißvertrage vorgesehene „vertrauliche Verständigung" des russischen Kaisers bereits, bei dessen Anwesenheit in Berlin, statt- gefunden hat, so daß die Publicirung des Allianzabkommens nun auch vor Europa als das Symptom einer weiteren Verschärfung, welche die Lage inzwischen erfahren hat, betrachtet werden muß.
Daß die Kriegsgefahr sich seit Wochen mehr und mehr zugespitzt hat, ist denn auch jedermann bekannt; wir haben von Rußland wohl friedliche
Er betrachtete schweigend mit glühenden Blicken die vor ihm kniende Gestalt, dann beugte er sich nieder, ergriff ihre Hand und richtete sie auf. Rasch sprang sie in die Höhe und blickte ihn mit blitzenden Augen und erglühenden Wangen an. Ihre königliche Gestalt kam der seinen an Größe nach.
„Eine Fürstin Deines Stammes soll nicht vor mir knien", sprach er mit sanft bewegter Stimme. „Vergönne mir hier vor meinem Einzüge in Susa zu rasten, ich bin müde von der Reise und mich dürstet."
„Heil Dir, König der Welt, ich bin Deine Dienerin. Ruhe und ersrische Dich", erwiderte Nehusta und wendete sich zum Innern des Zeltes. Der König winkte Zoroaster und beide folgten nach.
Darius ließ sich in den an der mittleren Zeltstange stehenden elfenbeinernen Stuhl nieder und leerte mit Behagen den ihm von Zoroaster dargereichten großen goldenen Becher mit Schiarzwein, nahm dann den Helm vom Haupte, so daß das lange dicke Haar sich wie eine schwarze Löwenmähne um Hals und Nacken ergoß und athmete im Gefühl wohlverdienter Ruhe auf, während er seine Augen aus Nehusta ruhen ließ, die gesenkten Blickes vor ihm stand. Endlich sagte er:
„Du bist schön, Tochter Jerusalems. Ich vergaß Deine Schönheit, die ich schon zu Eckbatana erblickte, nicht. Dich und Deinen Stamm ließ ich holen, um Euch Ehre anzuthun. Ich werde mein Wort ganz lösen und Dich zum Weibe nehmen."
Ruhig, in dem Tone des absoluten Herrschers
Versicherungen gehört, aber die Thaten, welche allein den Glauben an den Werth dieser Be- theuerungen rechtfertigen konnten, blieben aus, sodaß der Eindruck, daß Rußland durch solche beruhigenden Erklärungen nur unsere Wachsamkeit einschläfern und Zeit zur Vervollständigung seiner Rüstungen gewinnen will, allmählich zu einer gewissen Ueberzeugung werden mußte. Insbesondere hört man jetzt, daß das kaukasische Armeecorps sich thatsächlich in Bewegung gesetzt hat; möglich bleibt allerdings noch immer, daß diese Truppen nicht gegen Deutschland oder Oesterreich dirigirt, sondern zu einer kriegerischen Operation auf der Balkanhalbinsel, die wenigstens nicht einen casus foederis auf Grund obigen Bündnißvertrages schaffen würde, bereit gestellt werden sollen. Doch baben auch die bereits an der Westgrenze Rußlands stehenden Truppen eine Verschiebung in der Weise erfahren, daß dichtere Massen einerseits gegenüber Galizicn, andererseits in einer Angriffsstellung gegen Ostpreußen con« centrirt sind. Der Punkt, wo Deutschland und Oesterreich weiteren russischen Kriegsvorbereitungen nicht länger müßig zusehen können, sondern eine bestimmte Erklärung über das bei diesen Truppenbewegungen in Aussicht genommene Ziel herbeiführen müssen, liegt also vor. Inwieweit vielleicht noch andere Beobachtungen, Machinationen gewisser Kreise in Oesterreich, die an den festen Beziehungen dieses Staates zu Deutschland rütteln und in unbegreiflicher Verblendung die österreichische Regierung in andere Bahnen hineindrängen wollen, zu dem Entschluß, durch Veröffentlichung des Vertrages volle Klarheit über die Situation und die nicht anzutastende Kraft dieses Bündnisses zu verbreiten, herbeigetragen haben, lassen wir dahingestellt.
Es wird allseitig angenommen, daß Fürst B i s m a r ck am Montag im Reichstag sprechen und einen weiteren Commentar zu dieser Veröffentlichung geben wird. Inzwischen halten wir an der Hoffnung fest, daß das ernste Wort, welches mit dieser Aufklärung über den Umfang der Gegnerschaft, auf den russische frivole Kriegsgelüste zu rechnen haben würden, an die Adresse des russischen Volkes gerichtet ist, seinen Eindruck — wenn auch in letzter Stunde — nicht verfehlen wird.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 3. Februar. Der Reichstag beendete die erste Berathung des Antrages, betreffend die Einführung der fünfjährigen Legislaturperiode. Zuerst erhielt Abg. Richter (deutschfreis.) das Wort. Er suchte auszuführen, daß der Antrag ein gewiffes Mißtrauen gegen das deutsche Voll bedeute; man scheine zu befürchten, daß dasselbe von dem ihm zustehenden Rechte nicht. den richtigen Gebrauch machen werde. Ein solches Mißtrauen sei aber am allerwenigsten angemeffen in einem Angenblicke, wo an die Opserwilligkeit des Volkes so große Anforderungen erhoben würden. Seine Freunde müßten jeder Abänderung der Verfassung in diesem Punkte entgegentreten. Abg. Singer jSociaidem.) erblickte in dem Anträge eine Schädigung des allgemeinen Wahlrechts. Nachdem man dem Volke die nothwendigsten Lebensmittel vertheuert, wolle man ihm nun auch ein wichtiges politisches Recht verkümmern. — Abg. Dr. Windthorst (Centrum) hielt im Allgemeinen seine neulichen Bedenken aufrecht. Schließlich nahm noch der Mitantragsteller Abg. v. Helldorff (deutschcons.) das Wort, um darzulegen, daß der vorliegende Antrag insofern eine Stärkung des Parlaments bedeute, als er demselben eine größere Stabilität geben werde. Außerdem wolle der
brächte er diese Worte hervor; aber wenn die Gewalt von tausend Gewitterstürmen über das Zelt htneingebrochen wäre, die Wirkung hätte nicht erschütternder sein können.
An allen Gliedern zitternd sank Nehusta zur Erde; Gluth und Bläffe deckten abwechselnd das Antlitz, während Darius regungslos dasaß und die Wirkung seiner Worte auf sie erwartete. Zoroaster aber sprang augenblicklich vor, der gefüllte Becher fiel zur Erde, so daß der blutrote Wein sich über den Teppich ergoß; aschfahlen Angesichts, mit den Augen eines Tigers blickte er den König an, der mit keiner Muskel zuckte und furchtlos seinen Blicken begegnete. Endlich stieß er mit gepreßter Stimme die Worte heraus:
„Die Fürstin Nehusta ist meine verlobte Braut. Und wärest Du der König des Himmels, wie Du der der Erde bist, Du wirst ste nicht zum Weibe bekommen."
Ueber Darius' Antlitz flog ein Lächeln; kein verächtliches, sondern ein recht gemüthliches, heiteres.
„Ich bin der Herrscher über die Könige. Morgen wird diese israelitische Fürstin mein Weib und Du wirst auf dem höchsten Thurm von Susa gekreuzigt, weil Du gelogen, als Du sagtest, sie werde nicht mein Weib werden."
„Wahnsinniger, versuche Deinen Gott nicht. Drohe nicht dem, der stärker ist als Du, daß er Dich nicht auf dem Sitze, da Du sitzest, mit seiner Hand erschlage."
(Fortsetzung folgt.)