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Kmftliitt Kreislililtt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes AntechaltungsölaLL".
Nr. 13.
Dienstag den 31. Januar
1888.
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Aus den Parlamenten.
Berlin, 27, Januar. Heute begann der R e i ch s t a g die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ver- längerung bezw. Verschärfung deS Socialistengesetzes. Der Andrang des Publikums war nicht so groß, wie man wohl erwartet hatte, auch die Bänke des Hauses zeigten mehrfach Lücken. Zunächst erklärte sich der socialdemokratische Abg. Singer, wie sich erwarten ließ, mit aller Entschiedenheit und mit Aufgebot aller Kräfte, wenn auch mit schon bekannten Argumenten, gegen Die Berechtigung der Vorlage. Seine Ausführungen gaben dem Vicepräsidenten des preußischen Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer dann Veranlassung, dieselben im Einzelnen zu widerlegen und nachzuweisen, daß das Socialistengesetz nicht nur wohlthätig gewirkt, sondern auch in loyalster Weise ausgeführt worden sei. Gewisser geheimer Agenten könne die Verwaltung nicht entrathen, namentlich nicht in der Schweiz, wo der Herd aller revolutionären Bewegung sich befinde. Auf eine Milderung des GesetzeS könne die Regierung nicht eingehen, die Rückkehr zum gemeinen Recht sei unter heutigen Verhältniffen nicht denkbar. Außerordentliche Verhältnisse rechtfertigten außerordentliche Mittel. Die vorgeschlagenen Verschärfungen des Gesetzes seien durch die Erfahrungen durchaus gerechtfertigt und gegen einen etwaigen Mißbrauch dieser Befugnisse Kautelen in dem Gesetze selbst gegeben. — Daraus sprach Abg. Dr. Reichens- perger (Centr.) gegen die Vorlage, wobei er besonders die verschärfenden Bestimmungen bekämpfte: die Socialdemokratie sei eine Krankheit, die nicht mit mechanischen der Polizei, sondern mit inneren Mitteln geheilt werden müsse. Demnächst wurde die Berathung abgebrochen und aus Morgen vertagt.
Berlin, 28. Januar. Der Reichstag setzte die erste Berathung der Novelle zum Socialistengesetze fort, ohne dieselbe schon zu beendigen. Als erster Redner trat für die Vorlage nachdrücklich der Abgeordnete v. Helldorff
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Zoroaster.
Nach dem Englischen des Marion Crawford, (Fortsetzung.)
»Deine Fragen fliegen aus mich zu, wie die Tauben zur Hand des Mädchens, das sie füttert!" sprach Zoroaster lächelnd, »welche soll ich zuerst beantworten? Darius wird ein großer König sein, denn das Volk liebt ihn jetzt schon, und dem Streite der sieben Prinzen wird er gewachsen sein. Es erscheint mir wahrscheinlicher, daß er einem Deines Volkes sein Vertrauen schenkt als ihnen. Wir müssen jetzt an die Reise denken, da der König bald von Susa nach Stabar, wo er sich einen Winterpalast bauen will, ausbrechen wird. Deshalb bereite die Reise vor, meine Fürstin, damit es Dir nicht während derselben am Nothwendigen gebricht."
Halb im stolzen Selbstbewußtsein, halb im Scherz erwiderte Nehusta: »Das Nothwendige fehlt mir nie." »Mir ebensowenig, wenn ich mit der Geliebten vereint bin", entgegnete darauf der Perser. »Doch jetzt muß ich die Kunde dem Propheten, unserm Meister bringen."
»Sobald schon?" sprach Nehusta vorwurfsvoll und wendete das schöne Haupt.
»Jede Trennung, und wäre sie nur für eine Stunde, schmerzt, mein Liebling", sprach Zoroaster und wollte sie an sich ziehen. Doch sie wehrte ab und wollte ihn nicht ansehen.
„Lebe wohl, gute Nacht, meine Fürstin, Licht
(beutfc^conf.) ein. Die heilsame Wirkung des Socialistengesetzes sei zweifellos, aber ei leide an zwei Fehlern, der Periodicität, sowie daran, daß die Agitatoren zu milde bestraft würden. Die Verschärfung des Gesetzes hält er sür gerechtfertigt, will indeß die Bestimmung, betreffend die Expalriirung, in der Commission noch sorgfältig prüfen. — Der sächsische Bundesbevollmächtigte, Geheimrath Held rechtfertigte die von den sächsischen Behörden gegen die Herren Christensen und Kayser getroffenen Maßnahmen, und namentlich die Verschärsungsbestimmungen der Vorlage vom juristischen Standpunkte. — Abg. Dr. Bamberger (deutschfr.) glaubt, daß die Verschärsungsbestimmungen bereits gerichtet feien, hält auch die Verlängerung des Gesetzes um 5 Jahre für ausgeschloffen, nachdem selbst die Nationalliberalen nur für eine Verlängerung der Geltungsdauer aus 2 Jahre seien. Gegenüber den eingetretenen Auswüchsen, welche das Socialistengesetz gezeitigt, wolle er lieber die Gefahr der Aufhebung aus sich nehmen, alS noch länger den Ausnahmezustand bestehen lassen. Die Ausführungen dieses Redners gaben dem Vicepräsidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer Veranlassung zu einer scharfen Entgegnung, in welcher er namentlich ausführte, daß der Abg. Bamberger unsere sociale Gesetzgebung verspottet im Uebrigen zur Sache selbst wenig anzuführen gewußt habe. Er habe vielmehr nur dem socialdemokratischen Redner sekundirt, was vielleicht auf Wahlpolitik zurückzuführen sei. Wenn der Abg. Bamberger erklärt, daß er die Folgen der Aufhebung des Gesetzes aus sich nehmen wolle, so sei das eine im höchsten Maße leichtherzige Auffassung. Aus die gestrigen Einzelheiten zurückgehend, erklärte dann noch der Minister, daß er als Chef der Polizeiverwaltung verpflichtet sei, Alles zu thun, was nützlich und möglich sei, um die Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten, daß er deshalb der Geheimpolizei bedürfe, aber agents provocateurs, die er für Schufte hielte, bediene sich die preußische Polizei niemals. — Abg. Dr. Marquardsen erklärte Namens der Nationalliberalen, daß sie für das bestehende Gesetz aus die Dauer von weiteren zwei Jahren seien, auch bereit wären, über die Vorlage noch in einer Commission zu verhandeln, Abg. v. Koscielski (Pole) erklärte, daß die Polen schon aus prinzipiellen Gründen gegen das Gesetz stimmen müßten, da ei ein Ausnahmegesetz sei. — Dann wurde die Berathung auf Montag 11 Uhr vertagt.
Das Abgeordnetenhaus verwies heute zunächst den Gesetzentwurf, betreffend den Erlaß der Reliltenbeiträge der unmittelbaren Staatsbeamten, nach längerer Debatte
meines Lebens." Leidenschaftlich küßte er ihre Wange. »Gute Nacht."
Rasch ging er die Terrasse entlang.
»Zoroaster, Prinz", rief Nehusta laut, ohne sich umzuwendcn Er kehrte zurück. Rasch schlang sie die Arme um ihn und küßte ihn mit Leidenschaft.
»So, nun geh', mein Herz", flüsterte sie. Er verließ sie, wie sie im Mondlicht an der Balustrade lehnte und die klagenden Töne der Nachtigall die Luft erfüllten.
3,
Auch in das Gemach des Propheten fielen die Mondstrahlen. Erleuchtet wurde es durch das Licht einer siebenarmigen hebräischen Lampe, die ein scharfes Licht auf das vor dem Greise ausgebreitete Pergament warf. Ein weiter, mit Pelz gefütterter Purpurmantel umhüllte die in einem kissenbelegten Stuhle ruhende Gestalt des Hundertjährigen.
Zoroaster hob den Teppichvorhang vor der niederen Thür des Gemaches, trat vor und verbeugte sich vor dem Lehrer und Freunde. Scharf blickte der Prophet ihn an; ein Lächeln überflog sein Antlitz; mit Wohlgefallen ruhten seine Augen aus dem schönen, in vollster Waffenrüstung strahlenden Perser.
„Heil und langes Leben Dir, dem Erwählten des Herrn, so lautete sein Gruß. »Wichtige, große Kunde bringe ich Dir. Willst Du mich hören, so spreche ich, wenn nicht, wähle ich eine gelegnere Zeit."
an eine besondere Commission von 21 Mitgliedern zur Vorberathung. Der Rechenschaftsbericht über die Ausführung des Consolidationsgesetzes wurde durch Kenntnißnahme erledigt, und nach Ueberweisung einer Rechnungssache an die Budgetkommission wurden noch die Gesetzentwürfe, betreffend den Rechtszustand einiger von Lippe-Detmold an Preußen abgetretener Gebietstheile und betreffend die Einrichtung von Kehrbezirken für Schornsteinfeger, in erster und zweiter Lesung genehmigt. Montag: Etatsberathung.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Im Laufe des Sonnabend Vormittags hörte Se. Majestät der Kaiser zunächst den Vortrag des Ober-Hofmarschalls Grafen Perponcher und später den des General- Intendanten der Königlichen Schauspiele, Grafen von Hochberg, und ertheilte darauf dem Hauptmann im 1. Westpreußischen Grenadier-Regiment Nr. 6 v. Gotsch die nachgesuchte Audienz. Später arbeitete Se. Majestät der Kaiser dann noch einige Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets von Albedyll. Mittags gleich nach 12 Uhr ließ der erlauchte Monarch in Gegenwart des General- Inspecteurs des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens Generals der Infanterie v. Strub- burg, des Commandeurs des Cadetten-Corps Obersten v. Rheinbaben, des Chefs des Militär- Cabinets von Albedyll im Adler-Saal des Königlichen Palais, diejenigen Zöglinge des Cadetten-Corps sich vorstellen, welche nach abgelegtem Examen in diesem Frühjahre als Officiere in die Armee eintreten werden. — Im Laufe des Nachmittags unternahm Se. Majestät der Kaiser eine Spazierfahrt und nach der Rückkehr hatte derselbe eine Conferenz mit dem Staats- secretär Graf Herbert Bismarck.
P r i n z W i l h e l m ist an seinem Geburtstag (27. Januar) zum Generalmajor befördert und zum Commandeur der 2. Garde- Jnfanteriebrigade ernannt worden.
»Setze Dich zu meiner Rechten, Zoroaster, und sage mir alles, was Du mitzutheilen hast. Bist Du nicht mein geliebter Sohn, den der Herr mir zum Troste meines Alters gegeben hat?"
»Ich bin Dein und Deines Hauses Diener, mein Vater", erwiderte Zoroaster und ließ sich auf einem geschnitzten Sessel nieder.
»Sprich, mein Sohn, was bringst Du für Zeitung?"
»Von Susa kam ein Eilbote mit Briefen und Nachrichten. Smerdes wurde von den steben Prinzen in seinem Hause erschlagen und Darius Hystaspes wurde zum Könige erwählt."
»Lob sei dem ©errny der den Gerechten erwählte", rief der alte Mann inbrünstig. So wird kommen Gutes aus Argem und Heil aus Blutvergießen."
»So sei es", erwiderte Zoroaster. »Man schreibt mir, daß Darius — möge er ewig leben — sich auf dem Throne der Meder und Perser festsetzen wird. Der grobe König befiehlt mir unter dem königlichen Jnsiegel unverzüglich den Stamm Jo- jakims nach Susa zu führen, weil er ihm Ehre anzuthun beabsichtige. Welcher Art diese Ehre sein soll, weiß ich nicht."
»Was redest Du?" fuhr Daniel auf und richtete sich aus seiner liegenden Stellung empor. „Der König will mich in meinem Alter meiner Kinder berauben? List Du nicht mein Sohn und Nehusta meine Tochter? Laß die Uebrigen ziehen; doch sie ist mein Augapfel. Sie ist wie eine in der Wüste meiner Jahre blühende Blume, Was