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Hersstl-cr Krcisblutt.

Mit wöchentlicher Kratis-ZLeitageIllustrirLes Antechaktungsvlatt".

Nr. 10. Dienstag den 24. Januar 1888.

Amtliches.

Bekanntmachung, betreffend die Unsalloerficherung von Arbeitern und Betriebsbeamten in Betrieben, welche sich auf die Ausführung von Bauarbeiten erstrecken. Vom 14. Januar 1888.

Auf Grund des §. 1 Absatz 8 des Unfallver­sicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 (Reichs- Gesetzbl. S. 69) in Verbindung mit §. 12 Absatz 1 des Gesetzes, betreffend die Unfallver­sicherung der bei Bauten beschäftigten Personen, vom 11. Juli 1887 (Reichs-Gesetzbl. S. 287) hat der Bundesrath in seiner Sitzung vom 15. December 1887 beschlossen,

1. daß Arbeiter und Betriebsbeamte, welche von einem Gewerbetreibenden, dessen Ge­werbebetrieb sich erstreckt:

a) auf das Bohnen der Fußböden, auf die Anbringung, Abnahme oder Reparatur von Oefen und anderen Feuerungsan­lagen oder von Tapeten bei Bauten,

b) auf die Anbringung, Abnahme oder Re­paratur von Wettervorhängen und -Läden (Rouleaux, Marquisen, Jalousien) oder von Ventilatoren bei Bauten,

c) auf die Ausführung anderer, noch nicht gegen Unfall versicherter Arbeiten bei Bauten, die ihrer Natur nach der Aus­führung von Hochbauten näher stehen, als der Ausführung von Eisenbahn-, Kanal-, Wege-, Strom-, Deich- und ähnlichen Bauarbeiten, in diesem Gewerbebetriebe beschäftigt werden, vom 1. Januar 1888 ab versicherungspflich- tig sind;

2. daß diese Betriebe aus der auf Grund des Gesetzes vom 11. Juli 1887 (Reichs-Gesetzbl.

S. 287) gebildeten Tiefbau-Berufsgenossen­schaft ausgeschieden werden;

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Doroaster.

Nach dem Englischen des Marion Crawford.

1.

In der Banketthalle des Palastes zu Babylon rüstete man ein Fest; mit tausend der Edelsten seines Volkes wollte König Belsazar sich dort zu Lustbarkeit und Gelage vereinen.

Durch die Colonaden der Vorhalle überfluthete die Abendsonne, in südlichem Purpur glühend, die lange Reihe der mit dem Köstlichsten, was das Menschenherz begehrt, gedeckten Tische, goldene und silberne Gesäße, Becher von Crystall und Jaspis, Schüsseln mit den seltensten Blumen und Früchten überhäuft; sie spiegelte stch in dem polirten Mar­mor und verweilte spielend aus dem goldenen Antlitz und den rothgoldenen Gewändern der Hoch- throuenden Bildsäule des großen Nebucadnezar, die, gekrönt mit dem dreifachen tzauptschmuck des Königthums, in der Rechten den Scepter, in der Linken das geflügelte Rad des ewigen Lebens, ge- fesselte Gefangene zu ihren Füßen mit einem halb- zufriedenen, halb verächtlichen Lächeln das groß­artige Schauspiel überschaute.

In den Seitenflügeln und Gängen des Haupt­gebäudes drängte sich die Schaar der Diener durch die glänzend polirten Säulen, immer neuen Schmuck zum Feste herbeitragend. In unzähligen Dialecten Indiens, Egyptens, Persiens hörte man sie flüstern, dazwischen vernahm man den gebildeteren Laut vornehmerer Gesangener, deren bleiches Anl-

3. daß die unter Ziffer 1 a aufgeführten Betriebe den örtlich zuständigen Hochbaugewerks-Be- rufsgenossenschaften zugetheilt werden;

4. daß die unter Ziffer 1 b und 1 c aufgeführ­ten Betriebe, soweit sich dieselben lediglich auf das Anbringen oder Abnehmen der Wettervorhänge und -Läden 2c. bei Bauten erstrecken, den Baugewerks - Berufsgenossen­schaften, soweit sie sich dagegen auch mit der Herstellung der betreffenden Gegenstände befassen, denjenigen Berufsgenossenschaften angewiesen werden, welchen sie angehören würden, sofern sie mindestens zehn Arbeiter regelmäßig beschäftigen und demgemäß schon nach §. 1 Absatz 4 des Unfallversicherungs­gesetzes vom 6. Juli 1884 versicherungspflich- tig sein würden.

Berlin, den 14. Januar 1888.

Der Reichskanzler.

In Vertretung: von Boetticher.

Hersfeld, den 20. Januar 1888.

Zwecks der in der zweiten Hälfte des Monats Februar er. vorzunehmenden Ermittelung des Ernteertrages der wichtigeren feldmäßig gebauten Fruchtarten im Jahre 1887, werden den Herren Ortsvorständen des Kreises in den nächsten Tagen je 2 Exemplare des zur Erhebung dienenden Formulars B., sowie ein in der Repo- situr aufzubewahrendes Notizblatt für etwaigen im laufenden Jahre vorkommenden Hagelschlag, zugehen.

Das ersterwähnte Formular B. ist in der oben angegebenen Zeit unter Beachtung der demselben aufgedruckten Anleitung sorgfältigst anszufüllen, wobei selbstredend auch die auf den Notizblättern für das Jahr 1887 enthaltenen Angaben über den im abgelaufenen Jahre vorgekommenen Hagelschlag zu übertragen sind.

litz mit dem Adlerblick' zu der dunkeln Gesichts­farbe und den stumpferen Zügen ihrer Leidensge­nossen in schroffem Gegensatze stand. Das schwin­dende Abendlicht übergoß alle mit gleichem Schimmer und lauchte die weiße Tunica manches armen Sclaven in das vollste königliche Roth.

Zu beiden Seilen der Tafeln standen manns­hohe Eandelaber, die aus ihren broncenen, mit Wachs und wohlriechenden Oelen gefüllten Schaalen über die feine Arbeit der Decke, wie über die massive Schnitzerei der unteren Wandbekletdung helles Licht ergossen. Auf einer Estrade in der Mitte der Halle war des Königs Sitz bereitete; hier wichen die Ptlaster zurück; die Wand der Nische zeigte nur die königliche Purpurfarbe in den glühenden Tinten, während die übrigen Wände unter den Pfeilern mit Gemälden, die Trtumphzüge des Nebucadnezar darstellend, gedeckt waren. Hohe Leuchter aus dem seltensten Mar­mor, Bronce und reinem Golde aus Ophir sollten den Königsthron erleuchten. Noch waren fie nicht entzündet, da die letzten Strahlen der Sonne das Gemach noch erhellten.

Am oberen Ende der Halle vor der goldenen Colossalstatue befand sich ein freier, von Tafeln unbesetzter Raum, in welchem das glänzende Marmormosatk des Fußbodens zu voller Wirkung kam. Hier standen zwei Personen, welche soeben die Halle betreten hatten, und betrachteten das goldene Antlitz. Eine ganze Lebenszeit lag zwi­schen Beiden; während der eine bereits die ge­wöhnliche Grenze des menschlichen Lebens über-

Bis s p ä t e st e n s z u m 1. M ä r z d. I. ist mir sodann ein Exemplar des richtig und deutlich auszufüllenden Formulars, mit Unterschrift ver­sehen, einzureichen, während das andere Exemplar in der Repositur aufzubewahren ist.

Ich weise noch besonders darauf hin, daß in den Formularen selbst, wie im Vorjahre, durch kurze Bemerkungen oder Fragezeichen auf zweifelhafte Angaben oder sonstige Unregelmäßigkeiten auf­merksam gemacht worden ist.

Die genaueste Beachtung dieser Bemerkungen und Fragen wird erwartet.

670. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 20. Januar. Der Reichstag setzte heute die Berathung des Etats des Reichsamts des Innern fort und erörterte vorwiegend socialpolitische Fragen, deren Be­leuchtung je nach dem politischen Standpunkt der Redner selbstverständlich in sehr verschiedenem Lichte erschienen, Mg. Frohme (Soz.-Dcm.) «»klärte sich mit den Berichte», der Fabrikinspectoren nicht einverstanden, weil sie parteiische Färbung hätten. Dem trat der konservative Abg. Dr. Hartmann entgegen, während der Abg. Hitze (Centr.) nament­lich bedauerte, daß die verbündeten Regierungen noch nicht zu dem von dem Reichstage beschlossenen Arbeiter« schutzgesetze Stellung genommen halten. Staatssekretär des Innern, Staatsminister v. Boetticher konnte dem gegen­über leicht nachweisen, wie es lediglich sachliche Gründe seien, welche die Beschlüsse des Bundesraths auf diesem Gebiete verhinderten, außerdem auch auf die großen Ziele hinweisen, welche die verbündeten Regierungen aus dem socialen Gebiete versolgten. Abg. Dr. Miquel (nai.-lib.) brächte die Frage der Arbeiterwohnungen vom socialen Standpunkte zur Sprache und deutete die Richtung an, in welcher er einen reichsgesetzlichen Eingriff für möglich hielt, ohne im Uebrigen die Sch-vierigkeiten der ganzen Frage zu verkennen. Daraus nahmen zu den in der Debatte be­rührten Fragen noch das Wort die Abgg. Schröder (deutsch- sreis.,', Kalle (nat.-lib.), sowie der Staatssekretär des Innern v. Boetticher, welcher den Vorwurf wiederholt zurückwies, daß der Bundesrath die Arbeiterschutzgesetzgebung nicht ge-

inwwi ig irr ii i nwriimBftgaMKSBi^ schritten hatte, war der andere ein blonder Knabe, der kaum vierzehn Sommer zählte. Noch aufrecht stand der Alte; sein schneeweißes Haupt- und Barthaar umgab die kräftig gebildete Stirn und das gebietende Antlitz. Tiefe Linien durchfurchten die gedankenreiche Stirn über den Brauen und die dunklen Augen sprühten Feuer, als ob sie durch den Nebel der Zeitlichkett kühn in die Klarheit des Ewigen zu dringen trachteten. Die Linke faßte die Falten des weißen Gewandes, während die Rechte einen köstlichen Stab aus Elfenbein und Ebenholz, mit ebräischen Schaltzeichen aus­gelegt, umfaßte. Aufgerichtet in seiner ganzen Größe stand der Greis; sein Blick wanderte von den glänzenden Augen der Bildsäule zu denen des Knaben mit der Aufforderung, den Gedanken, die beider Seelen füllten, Ausdruck zu geben.

Auch der Knabe stand lautlos und blickte mit gefalteten Händen zu dem Bilde des Nebucadnezar auf. Er war schlank und fein gebaut, seine graciös elastische Gestalt versprach kräftige Ent­wickelung und wies auf.hohe Abstammung hin. Die zarte Haut war fast farblos, die blonden Locken fielen voll und weich auf die Schultern, der Typus der feinen Züge deutete mehr auf nördliche, denn auf orientalische Race, gedanken- rein, in fast göttergleicher Ruhe schaute er drein. Aus den dunkelblauen Augen sprach ein Zug von Schwermuth; doch die Stirn war marmorgleich und durch scharf gezeichnete Brauen begrenzt. Er war mit einer anschließenden weißen, goldgestickten und gegürteten Tunica bekleidet; die Beine deckten