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Kersfeliier Kreisdlatt.
Mit wöchentlicher Kratis-AeLlage „Mustrirtes AnLechattungsötaLL".
Nr. 3. Sonnabend den 7. Januar 1888.
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Amtliches.
Hersfeld, den 4, Januar 1888.
Es kommt häufig vor, daß die auf die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst reflectiren- den Militärpflichtigen ihre desfallsigen Anträge zu spät einreichen und dadurch der Berechtigung verlustig gehen, sofern die in jedem speciellen Falle erforderliche Restitution Seitens der König- ______Itdjcn Ressort-Ministerien nicht ertheilt wird.
Zur Vermeidung derartiger Härten sowohl, als auch zur Verminderung bezüglicher Anträge werden in Gemäßheit höherer Verfügung die betreffenden Vorschriften hierunter zur öffentlichen Kenntniß gebracht und weise ich die Herren Ortsvorstände des Kreises an, den Inhalt dieser Paragraphen auf ortsübliche Weise alsbald bekannt zu machen. 119. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
§. 89 der Ersatz-Ordnung Dom 28. September 1875. 1) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militärpflichtjahres zu erbringen.
2) Die Berechtigung wird bei derjenigen Prü- fungs-Commission nachgesucht, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist.
3) Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der unter Nr. 2 bezeichneten Prü- fungs-Commission späte st ens bis zum 1. Februar des ersten Militärpflichtjahres schriftlich zu melden. Dieser Meldung sind beizufügen:
a) ein Geburtszeugniß;
b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung*) über die Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen, während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;
c) ein Unbescholtenheits-Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Pcl'zei-Obrigkeit oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist. Sämmtliche Papiere sind im Original einzureichen. In dem Gesuch um Zulassung zur Prüfung ist anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der sich Meldende geprüft sein will (Anlage 2. §.
1.) Auch hat der sich Meldende einen * selbstgeschriebenen Lebenslauf beizufügen,
2C. 2C.
§. 91 pos. 2 der cit. Ersatz-Ordnung.
Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im H e r b st.
DasGesuch um Zulassung zur
*) Bei Freiwilligen der seemännischen Bevölkerung, so« fern sie in der Flotte dienen wollen, bedarf eS dieser Erklärung nicht.
Prüfung muß für die Frühjahrs- Prüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbst-Prüfung späte stensbiszum 1. August angebracht werden.
1000 Mark Belohnung für Ermittelung eines Raubmörders.
Am Abend des 26. August d. Js. ist bei Lud- wigsburg, Kreis Prenzlau, in einem Graben neben dem Cremzow-Baumgartner Wege ein unbekannter, etwa 30 Jahre alter Schnitter beraubt und ermordet gefunden worden. In seinen Klei- dern befand sich ein Eisenbahn-Fahrbillet IV. Elaste für die Strecke Stralsund-Schivelbein vom 23. August d. Js. Der Ermordete stammt muth. maßlich aus der Gegend von Schivelbein und ist bisher als Schnitter in Vorpommern oder auf der Insel Rügen beschäftigt gewesen.
Derselbe war kleiner, untersetzter Gestalt, trug einen kurzen, mittelvollen Schnurrbart, hatte ein Bruchband und war bekleidet mit einem kurzen grauen Rock, einer gelbgrauen englischledernen Hose, schwarzem Chemisette und schwarzer Tuch. Weste, sowie einer dunkeln Stoffmütze. Der linke Stiefel war vorn mit Bindfaden zugebunden. In seinem Taschentuche von rother Grundfarbe befindet sich ein Kalender des Jahres 1886 auf gelblich- schmutzigem Grunde, um welchen die Himmels- Zeichen angebracht sind, eingewebt.
Dringend verdächtig des Mordes ist ein anderer Schnitter, welcher unmittelbar vor der That in Gesellschaft des Ermordeten gesehen ist. Der Mörder ist von Statur groß und breitschulterig, mindestens 5 Fuß 9 Zoll groß, und durch eine etwas gebückte Haltung, sowie starke Backenknochen und besonders breite Hüften bet sonstiger Magerkeit auffällig. Sein Haar ist schwarz, kurz ge- schoren und schlicht; der Vollbart, welchen er trägt, I gleichfalls schwarz, kurz und dünn. Die Stimme
Das Fegefeuer in Fmppcs Wigwam.
Von B a l d u i n Möllhausen.
(Fortsetzung.)
»Hoffentlich, Mann, hoffentlich,- versetzte Vi- landrie zähneknirschend, »ja, hoffentlich, wenn ich mir die Sache recht überlege; und was sollten wir mit ihm? Hängen können wir ihn nicht, schon um der lieben jungen Lady willen, und ’n Baum wäre ebensalls nicht zur Hand. Mag daher Alles gehen, wie es will: wir müssen das Beste davon machen.-
Mark antwortete nicht. Sein kalter Muth hatte ihn selbst tn den bedrängtesten Lagen nie verlassen; allein der Gedanke an eine grauenhafte Hinrichtung, und als solche schwebte ihm nach Bilandrie's Andeutungen das wahrscheinliche Verfahren der Bewohner des Wigwams vor, war ihm so unerträglich, daß es ihn anwiderle, denselben im Gespräch weiter zu spinnen.
Schweigend verrichteten sie daher ihre Arbeit, und sie hatten das gewöhnliche einfache Frühmahl eben fertig gestellt, als die Packknechte tm Lager eintrafen. Deren Mittheilungen beschränkten sich darauf, wie Vilandrie vorhersah, daß nicht die leiseste Spur der Thiere auf dem frisch gefallenen Reif zu entdecken gewesen. Sie schienen davon geflogen zu sein.
Eine Viertelstunde später verabschiedeten Mark und der alte Fallensteller sich von dem Professor und Artemtsia. Sie waren mit Büchsen, einigen Decken und einem kleinen Vorrath Lebensrnittel
versehen. Ermuthigend, versprachen sie, folgenden Tages zurückzukehren, und zwar auf alle Fälle mit so viel Thieren, wie erforderlich, die Reise nach Fort Kearney schleunigst fortsetzen zu können. Den einen oder den anderen Arbeiter mitzunehmen, wie der Professor rieth, lehnte Vilandrie ab, dagegen empfahl er die peinlichste Wachsamkeit, und mit einem letzten: »Auf fröhliches Wiedersehen traten die beiden Wanderer ihre Reise an. —
9.
Die Sonne hatte sich den nahe dem Erdboden lagernden Dunstschichten bereits so weit entwunden, daß nichts mehr sie hinderte, ihr Strahlenkleid anzulegen, als die beiden Räuber mit ihrer Beute in der Nähe der langgestreckten Insel eintrafen, also nach der einen Leite hinüber Frappe's Wigwam vor ihnen lag, auf der anderen die Pappelweiden hoch emporragten. Tiefe Stille herrschte hier wie dort. Außer der schmalen weißen Rauchsäule, welche oberhalb des Hügels in die regungslose Atmosphäre hinaus stieg, war nirgend eine Spur menschlichen Lebens und Wirkens sichtbar. Nach allen Richtungen hin characterisirte winterliche Ruhe die einförmige Ebene, deren glitzernder weißer Schmuck unter dem Einfluß der höher steigenden Lonne sich auszulösen begann. Farfar war noch wortkarger geworden. Eine seltsame Unruhe hatte sich Blunts bemächtigt, als seine Fragen mehrfach unbeantwortet blieben und der Halvindtaner, wie in Gedanken versunken, finster vor sich nieder starrte. Trotzdem versuchte er immer
wieder, ihn zum Sprechen zu bewegen. Nur seine Stimme wollte er hören, um sich dem peinigenden Einfluß zu entziehen, welchen das unheimliche störrische Schweigen aus ihn ausübte.
»Von Rechtswegen müßten wir die Mexikaner jetzt sehen-, hob er nach einer längeren Pause stummen Einherreitens wieder an.
Farfar zuckte die Achseln. Wohl eine Minute zögerte er, bevor er, einen schläfrigen Blick auf das wilde Antlitz des Gefährten werfend, erwiderte:
»Wir werden sie sehen, nicht zu früh und nicht zu spät. Die Thiere sind ermüdet und hungrig. Wir wüsten einige Stunden rasten, bevor wir die
»Aber wo, iMann?• fuhr Blunt mürrisch auf, »nur nicht da drüben bet den Bäumen oder aus der Insel. Was sollen wir hier, in des Satans Namen, wo das alte Weib und ihre Brut jeden einzelnen unserer Schritte überwachen?•
»Glaubt Ihr-, versetzte Farfar eintönig, »die da drüben in dem Wigwam wüßten nicht, daß wir mit anderer Leute Pferden hier vorüberziehen? Wüßten sie's nicht, so würden sie nach uns ausschauen. Jetzt bleiben sie, wo sie sind. Sie wollen uns nicht gesehen haben, wenn sie gefragt werden.-
»Vernünftig genug klingt's", nahm Blunt wieder mißtrauisch das Wort, »aber doch anders, als es bisher verabredet geweseu.-
»Es hat sich Mancherlei geändert seitdem.-
»Also nach der Insel hinüber?- Aber zum