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Kreisblutt.

Wit wöchentlicher Kratis-ZLeilageIllustrirtes AnLerhaltungsölatt".

Nr. 1.

Dienstag den 2. Januar

1888.

AöonneMents-Ginkadung.

Bestellungen auf das

Kersfetder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" pro 1. Quartal werden noch fortwährend bei allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Nach Beschluß des Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1888 eine Ermittelung des Ernteertrages für 1887 statt, welche den Zweck verfolgt, durch directe Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1887 wirklich geerntete Menge an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den

^ i ^ » »^ ^ .- -to -4 | *» w ay »» k+i **»S j^W*» JJ |:4^i- */ V 4t fA^V | | V »W4F Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirth- schaftlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernte-Ergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als auch sonstige Sach­kundige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwirkung in den Schätzungs'Commissionen nicht versagen werden.

Caffel am 14, December 1887.

Der Regierungs-Präsident. Roth e.__

Jede nicht unter Zollkontrole stattfindende

Das Fegcscucr in FraMs Wigwam.

Von Balduin Möllhausen.

(Fortsetzung.)

Nichts vernahm Bill Blunt, wodurch sein Arg­wohn wach gerufen worden wäre. Farfar aber bewegte stch so geräuschlos einher und schließlich im engen Kreise um das Lager herum, daß selbst Vilandrie dadurch nicht gestört wurde.

Nachdem er sich überzeugt zu haben glaubte, daß von keiner Seite Gefahr drohe, sandte er einen letzten prüfenden Blick über die dicht ver­mummten Schläfer hin und behutsam glitt er nach der Rückseite des Zeltes herum. Dort legte er sich nieder, und das Ohr auf die straff gespannte Leinwand anschmiegend, lauschte er eine Weile ge­spannt. Nichts rührte sich auf der anderen Seite. Nur die tiefen Athemzüge des Professors unter­schied er, welche die leiseren Artemisia's über- tönten. Endlich streckte er den Arm ein wenig nach oben aus, und mit äußerster Vorsicht die Schneide seines Messers auf die Zeltwand stellend, ließ er die Faust behutsam niederwärts gleiten. Seine Bewegung aber war so sicher, das Messer so scharf geschliffen; der von ihm ausgeübte Druck dagegen so genau berechnet gewesen, daß kaum sein eigenes Ohr das Knirschen unterschied, mit wel­chem die breite Klinge sich ihren Weg durch die Leinwand bahnte.

Nach diesem ersten Angriff lauschte er wieder einige Secunden, und das Messer unten in den Schnitt ansetzend, zog er es kaum eine Handbreit

Sendung von Wein aus Preußen nach dem Groß- herzogthum Baden, gleichviel ob der Transport auf der Eisenbahn oder auf andere Weise ge­schieht, muß von einem Uebergangsschein begleitet sein, ausgenommen:

1) der Transport von Wein in Mengen von nicht mehr als 5 Liter (wobei jede Flasche von geringerem Inhalt als ein Liter wie eine Literflasche behandelt wird);

2) der Transport von Weinproben in Flaschen von nicht mehr als je 4/+ Liter Gehalt;

3) der Transport von Wein in Mengen unter 20 Liter, welchen Reisende zu ihrem eigenen Gebrauch mit sich führen;

4) die mit der Post erfolgenden Weinsendungen. Diese Bestimmungen finden auch auf die Durch­fuhr von Wein durch das Großherzogthum Baden Anwendung; jedoch bedarf es eines Uebergangs- scheins nicht, wenn die Durchfuhr unmittelbar mittelst Eisenbahn oder Dampfschiff, d. h. in der Weise stattfindet, daß der Transport die Eisen­bahn oder das Schiff im Großherzogthum nicht verlaut.

Wenn bei verzollten oder aus einer unter zoll­amtlicher Aufsicht stehenden Niederlage für ver­zollte Waaren bezogenen Sendungen im Groß­herzogthum Baden die steuerfreie Einfuhr oder Einlage verlangt werden soll, so muß dies auf dem Uebergangsschein bemerkt und die zollamtliche Bestätigung über die vollzogene Verzollung der Waare sowie über deren unmittelbaren Bezug aus dem Zollauslande beziehungsweise aus der Niederlage beigefügt sein.

Berlin, am 16. December 1887.

Der Finanz-Minister. Im Auftr.: H a s s e l b a ch.

Die Hinterlassenschaft des alten Jahres.

Das neu begonnene Jahr 1888 macht es den Zeitungen wirklich nicht leicht, ihm ein freund­

oberhalb des Erdbodens ebenso geräuschlos von links nach rechts, durch einen Griff der linken Hand das Flattern des nunmehr lose nieder- hängenden Lappens sorgfältig verhindernd. Durch abermaliges Horchen sich gleichsam ermuthigend, schritt er nunmehr zu dem schwierigsten Theil feiner Aufgabe, und jetzt erst erwies sich, wie be­dachtsam Bill Blunt das Gepäck im Innern des Zeltes geschichtet, und wie gewissenhaft er den Genossen über die Lage des nach feiner Meinung mit dem kostbarsten Theil der Habe des Profeffors gefüllten Koffer unterrichtet hatte.

Leise hob er mit der linken Hand den dreieckigen Lappen ein wenig empor, und mit der rechten unter demselben hindurch langend, packte er nach kurzem Umhertasten das Tragegehänge des beschrie­benen Gepäckstückes. Und wiederum säumte er ein Weilchen, um zuvor die nunmehr auszuführende Bewegung zu berechnen. Endlich war er seiner Sache stcher. Weiter schob er den Lappen zurück, und seine ganze Kraft und Gewandtheit auf­bietend, hob er den Koffer mit -steifem Arm und ohne irgendwo anzustoßen, vor stch hin. Ein Athemzug der Pause folgte; kaum aber hatte er mittelst eines zugespitzten biegsamen Drahtes den Zipfel des Lappens in seine ursprüngliche Lage befestigt, als in dem Innern des Zeltes eine leichte Bewegung vernehmbar wurde.

Farfar lag wie versteinert.

Artemisia", fragte der Proiessor gedämpft, offenbar um seine Tochter, im Falle sie schlief, nicht zu stören,Artemisia, wachst Du?"

liches Gesicht zu zeigen; denn die Aussichten, die es eröffnet, sind keineswegs günstig. Allerdings wird man diesen Vorwurf nicht dem neuen Jahr allein machen können, denn es mußte die Erb­schaft des alten antreten und durfte ihr nicht entsagen. Die schweren Wolken, welche über dem Osten unseres Erdtheils hängen, zeigen keine Neigung sich zu zertheilen; im Gegentheil: sie ballen sich immer finsterer zusammen und drohen mit verderblicher Entladung.

Peter Schuwaloff, ein Diplomat, der dem Zaren persönlich nahesteht, war dieser Tage in besonderem Auftrage seines Monarchen in Berlin und wurde zweimal vom Kaiser Wilhelm in Audienz em­pfangen. Dagegen war der nach Petersburg zurückgekehrte deutsche Botschafter General v. Schweinitz bis zum letzten Tage des vergangenen Jahres vom Zaren noch nicht empfangen worden. Dies mag ein rein zufälliger Umstand sein, da die Zarenfamilie gegenwärtig nicht in St. Peters­burg selbst, sondern in Gatschina weilt; immer­hin ober hätte es einen mu-n. Edid*sL_a»^^A_ wenn der Telegraph die Nachricht gebracht haben würde, daß General v. Schweinitz in Gatschina zur Audienz gewesen wäre. Die beiden Confe- renzen, die der Botschafter mit Herrn v. Gters gehabt hat, sollen zwar sehr befriedigend verlaufen sein, indessen seit die Geschichte mit den gefälsch­ten Actenstücken spielt, ist man in Deutschland recht mißtrauisch geworden. Man fürchtet, daß sich zwischen die guten Absichten der beiden Kaiser gar leicht unberufene Dritte stellen und die fried­liche Strömung aufhalten können.

Soviel steht fest, daß sich auch gegenwärtig etwas hinter den Coulissen abipielt, das das volle Licht zu scheuen hat. Was nützen die friedlichen Ver­sicherungen im russisch-officiösen BrüsselerNord", wenn die Thatsachen eine gar so andere Sprache reden? So ordnet ein vom 30. v. datirter Tagesbefehl des russischen Kriegsministers die

Und undeutlich, wie im Traume gesprochen, hieß es zurück:

Was giebt es, lieber Vater?"

Nichts, nichts", beschwichtigte der Professor zärtlich,mich fröstelte. Mir war, als sei eS plötzlich kälter geworden; das ermunterte mich. Ich täuschte mich doch wohl. Hülle Dich indessen fester in Deine Decken ein und schlafe ruhig weiter."

Mir ist warm", versetzte Artemisia, und daS letzte Wort erstarb gleichsam in der sie schnell übermannenden Müdigkeit.

Gleich darauf war auch der Professor wieder eingeschlafen, und jetzt erst belebte des Halb- indianers Gestalt sich wieder. Sich erhebend und den Koffer neben sich tragend, schlich er eine Strecke zurück, wobei er sorgfältig darauf achtete, das Zelt zwischen sich und den um das Feuer lagernden Männern zu behalten. Dann aber schwang er seine Bürde auf die Schulter und mit beschleunigten Schritten eilte er in der Richtung davon, in welcher er mit Bill Blunt zusammen- zutreffen erwartete. Dieser war unterdessen nicht müßig geblieben. In demselben Maße, in wel­chem er stch von dem Lager entfernte, wuchs sein Sicherheitsgefühl und damit seine Raubgier. Es offenbarte sich dies darin, daß er die Heerde immer rücksichtsloser antrieb. So hatte er eine englische Meile seinen Weg in dem Strombett verfolgt, als er die Stelle erreichte, auf welcher Farfars eigenes Pferd gepflöckt war. Er erwog noch, ob er die Flucht fortsetzen oder den Halbindtaner erwarte«