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Kersseliler Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Hratis-ZLeitageMustrirtes Anterhaktungsvlatl".

Nr. 154.

Sonnabend den 31. December

1887.

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Die Expedition.

SNF Einer der nächsten Nummern wird ein Wandkalender für das Jahr 1888 beigclegt.

Amtliches.

Zur Vornahme der Prüfung der Aspiranten für den einjährig freiwilligen Militärdienst des Jahres 1888 ist als Anfangstermin der Frühjahrs- Prüfung der 23. Februar 1888 festgesetzt worden.

Das Fegefeuer in FraMs Wigwam.

Von Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.)

Gut, mein liebes Kind," erwiderte Vilandrie, das hindert Dich indessen nicht, Dich dagegen aufzulehnen, wenn Nekoma und ihre Jungens irgend einen verderblichen Plan gegen eins der Mitglieder der Gesellschaft ins Werk setzen. Ich fordere Dich nicht nur dazu auf, sondern ich bitte Dich auch darum, und zwar nicht meinetwegen, sondern weil ich meinem guten Freunde Mark, dem Professor und dessen lieblicher Tochter keine bösen Erfahrungen gönne. Bedenke nur, welche Erinne­rungen würden sie mit von hier fortnehmen, er­lebten sie, daß einem ihrer Begleiter aus irgend einem unbekannten Grunde ein Leid geschähe. Sacrä Tonnerre! anstatt unser Andenken zu segnen, würden sie demselben fluchen."

Ich weiß von nichts, will von nichts wissen. Ob mich Jemand segnet oder verflucht, ist mir einerlei," hieß es abermals leidenschaftlich.

Rede was Du willst und wie Du willst, kleines eigensinniges Fegefeuer. Ich habe Dir jetzt meine Meinung gesagt und das genügt. Denn ich weiß, daß bei aller Deiner trotzigen Wildheit in Deinem wunderlichen Herzen ein Winkelchen, in welchem heute »och so viel Milde und Weich­heit wohnt, wie damals, als Du trostlos um Deine arme todte Mutter weintest. In demselben Winkelchen wohnt aber auch aufrichtige treue Theilnahme für die Gäste, die so lange mit Dir

Diejenigen jungen Leute, welche sich dieser Prüfung unterziehen wollen, haben ihr bezügliches Gesuch vor dem 1. Februar 1888 bei der unter­zeichneten Commission einzureichen und in dem­selben anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen sie geprüft zu sein wünschen.

Dem Gesuche sind beizufügen:

1) ein Geburtszeugniß;

2) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über die Be­reitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

^3) ein Unbescholtenheits-Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Progymnasien, Realschulen und höheren Bürgerschulen) durch den Direc- tor der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit des Wohn­ortes, oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist, und .

4- ein von dem Aspiranten selbst geschriebener Lebenslauf.

. Die Atteste müssen im Original eingereicht werden

Cassel, den 10. December 1887.

Königliche Prüfungs Kommission für Einjährig- __ Freiwillige. Kochendörffer.________

Die Interessenten der Hessischen Brandversiche- rungs-Anstalt setze ich andurch in Kenntniß, daß nach Beschluß des Communal-Landtags vom 9ten b. M. die Brandsteuer für das Jahr 1888 auf 15 Pfennige für je 100 Mark des Umlage- Capitals festgesetzt worden ist.

Cassel, am 12. December 1887.

Der Landes-Director. I. A.: ve. Knor3-_

Hersfeld, den 29. December 1887.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 3. December er. Nr. 11718 im

unter demselben Dache wohnten, Dir nur Gutes und Liebes erwiesen "

Ich weiß von nichts," sprach Kitty wiederum, jedoch zögernd, als hätten des ehrlichen alten Fallenstellers Worte eine sanft nachhallende Saite ihres Gemüths berührt gehabt.

So kennst Du wenigstens meine Wünsche," versetzte Vilandrie,und das beruhigt mich. Du gehst nach der Insel, wie ich wahrnehme. Gut, Du hast nun einmal Deine Schrullen, und ich bin der Letzte, Dir dieselben vorzuwerfen. Adieu denn, Kind. Sehen wir uns morgen früh nicht, so sehen wir uns übermorgen Abend, und da hoffe ich, daß Du wieder so munter bist, wie ein Eich­horn auf einem mit Früchten befangenen Nutz­baum."

Er blieb stehen und reichte Kitty die Hand. Diese legte die ihrige schweigend in die gebotene. Gleich darauf schritten sie in verschiedenen Rich­tungen davon.

Das waren die Ereignisse, welche sich während der Nacht in aller Stille abgesponnen hatten. Doch ob heiße Thränen rannen, ein haltloses junges Gemüth sich unter einem bisher nicht ge­kannten Drucke qualvoll wand; ob es ein anderes Herz beängstigend durchzitterte, schüchterne süße Ahnungen sich scheuten, eine bestimmte Form an- zunehmen: Die Sonne leuchtete so klar, so freund­lich über die bereifte Prairie hin, als hätte es, so weit ihre belebenden Strahlen reichten, überhaupt kein Leid auf Erden gegeben. Es war ein präch­tiger Morgen. Verheißend lächelte der blaue

Kreisblatt Nr. 144, die Auswanderung in das Ausland ohne Entlassung aus dem Unterthanen» Verbande betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2. Januar 1888 bei Meidung von je 3 M. Strafe erinnert.

11718. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

# Aum Jahreswechsel.

Als wir vor einem Jahre bei der Jahreswende vor- und rückwärts blickten, herrschte in Anbe­tracht der sich am politischen Horizonte zusammen­ballenden Gewitterwolken die Befürchtung vor, daß das Jahr 1887 zur Ausführung bringen werde, was sich in dem Jahre 1886 zu entwickeln begonnen hatte oder in die Erscheinung getreten war: man glaubte damals, einem großen Zu­sammenstoß der Völker Europas entgegenzugehen. Es ist anders gekommen: der Friede ist erhalten geblieben. Trotzdem aber war das Jahr 1887" kein friedliches. Die Gegensätze, welche in dem Jahre vorher sich anbahnten und Europa be­herrschten, haben sich vielmehr noch verschärft und so lebten wir unter diesem Eindruck stets in banger Erwartung, daß die Stunde nahe, wo Deutschland werde gezwungen sein, seine Freiheit und Unabhängigkeit zu vertheidigen. Auch an der Schwelle des Jahres 1888 sehen wir nicht mit allzu großen Hoffnungen in die Zukunft. Der Ernst der Zeit hat sich nicht gemindert, das Vertrauen in die Erhaltung des Friedens ist noch nicht wiedergekehrt, und Deutschland macht sich darauf gefaßt, daß das neue Jahr dazu berufen sein werde, uns den Kampf um unsere Existenz aufzuzwingen, der uns nach menschlichem Ermessen nicht erspart bleiben wird.

Die Unsicherheit der auswärtigen Lage hat glücklicherweise eine läuternde und erhebende

Himmel auf die einförmige Landschaft nieder, auf- munternd funkelte und glitzerte es zwischen über­mäßig beschwerten Halmen und Gräsern. Heitere Tage versprechend, wirbelte der dem unförmlichen Schlot entstiegene Rauch des Wigwams steil in die regungslose Atmosphäre empor. Die Pack­thiere seufzten ergebungsvoll unter den ihnen aus's Neue aufgebürdeten Lasten. Trtumphirend schaute der Professor darein, und herzlich klangen seine nach allen Richtungen entsendeten Worte, als hätte er die ganze Welt umarmen, Frieden stiften mögen, wo nur immer menschliche Leidenschaften nie geschlichteten Hader schärten.

Von Mark sorgsam unterstützt, gelangte Arte- temista leicht in den Sattel. Es geschah zum erstenmal seit ihrer Fußverletzung, daß sie wieder ein Reitthier unter sich fühlte. Ihr holdes Ant­litz, lieblich geröthet durch die frische Morgenluft, strahlte in Entzücken bei diesem ersten Versuch, der sie überzeugte, daß sie den Beschwerden einer längeren Wüstenretse wieder gewachsen, und mit süßem Lächeln dankte sie Mark und Vilandrie, als dieselben ihr zum Ueberfluß noch eine tief her- niederfallende Decke über den Schooß ausbreiteten. Gleich darauf schwangen auch die Männer sich in den Sattel. Die letzten Abschiedsgrüße wurden gewechselt; der Professor gab das Zeichen zum Allsbruch, und mit lautem Halloh die Packthiere antreibend, setzte die kleine Caravane sich der höher steigenden Sonne zu in Bewegung.

Farfar und die drei Brüder, nunmehr wieder

Herren des Wigwams, zogen sich alsbald vor

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