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Kersscliikl Kreislilätt.
Mit wöchentlicher Hratis-ZLeilage „Illustrirtes Anterhaktungsblatt".
Nr. 151. Donnerstag den 22. December 1887.
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 19. December 1887.
Der seitherige Bürgermeister Wilhelm Groß- curth zu Unterhaun ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.
12258. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Das Fegefeuer in FraPpes Wigwam.
Von Balduin Möllhausen.
(Fortsetzung.)
„Ich halte im Allgemeinen nicht viel von Eid- schwüren", erwiderte Blunt spöttisch, „denn wozu würden sie abgelegt, wenn nicht um gebrochen zu werden. Behaupte ich dagegen, daß ich hängen will, so hat die Sache Hand und Fuß und 'n Irrthum ist unmöglich. Ich überlege mir indeß, daß ich meinen rückständigen Lohn d'ran geben muß, und das sind an die Hundertundfunfzig Dollars."
„Kennt Ihr den Koffer, in welchem der Professor sein Geld aufbewahrt?" fragte der Salb» indianer wie beiläufig.
„Weshalb meint Ihr?" fragte Blunt tief auf. athmend zurück und in wachsender Erregung blieb er stehen.
„Ich meine, weil ein Koffer ebenso leicht zu transportiren, wie anderthalb Dutzend Maulthiere und Pferde."
„Mann," raunte Blunt dem Genossen gleichsam zischend zu, indem er ihn mit festem Griff an der Schulter packte, und es war, als sei plötzlich die Natur eines hungrigen Wolfs in ihm erwacht, „Mann, Ihr seid beim Satan selber in der L-chule gewesen, oder es könnte ein derartig gescheidter Gedanke sich nicht in Eurem Schädel ausgesponnen haben. Ja, und noch 'mal ja, bei der ewigen Versöhnung, ich sollte den Koffer doch kennen, den ich wohl hundertmal zwischen meinen Händen hielt
und dem verrückten alten Steinklopser in's Zelt trug."
„So könntet Ihr ihn für die bestimmte Stunde handlich hinstellen?"
„Genau so, wie Ihr mir's vorschreibt."
„Jetzt nicht; die Zeit geht hin und man möchte Euch vermissen. Was weiter zu vereinbaren, bereden wir am letzten Abend vor dem Aufbruch. Bis dahin gieb'ts noch Mancherlei zu überlegen; auch muß ich wissen, welche Anstalten hier getroffen werden, ob außer Mark auch Vilandrie Euch begleitet; das würde freilich unser Trick erheblich erschweren, aber keineswegs unmöglich machen. Einigen wir uns am letzten Abend, so sende ich folgenden Morgens auf der Insel eine Rauchsäule empor. Das ist das Signal für die Mexikaner, auszulugen und sich bereit zu halten. Euch mag's als Mahnung gelten, daß sich in meinem Plan nichts änderte. Will ich Euch sprechen, so gebe ich, wie vorhin, das verabredete Zeichen. Außerdem aber dürfen wir einander nicht kennen. Niemand darf ahnen, daß wir be» freundet. Schimpft und flucht hinter mir her nach Belieben, nur seid auf der Hut. Ein einziger Blick kann uns verrathen, und die alte Nekoma ist scharfsinnig, wie ein Luchs. Die sieht mehr mit geschlossenen Augen, als zehn Andere mit offenen. Ihre Söhne sind ebenfalls nicht blind. Jetzt eilt zu Euren Freunden zurück —"
„Nur noch ’n Wort," versetzte Bill Blunt dringlich, „was meint Ihr, wenn wir einige von Re-
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Im Laufe des Dienstag Vormittags ließ Se. Majestät der Kaiser zunächst vom Ober-Hofmarschall Grafen Perponcher und dem Polizei-Präsidenten von Richthofen sich Vorträge halten und empfing darauf mehrere Officiere. Während der Mittagszeit arbeitete der Kaiser noch längere Zeit mit dem Chef des Militär Cabinets von Albedyll.
Die „Darmstädter Zeitung" bringt an hervorragender Stelle folgende Mittheilung: „Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am Montag Abend den von einem Erholungsaufenthalt in San Remo zurückkehrenden Dr. Dett- weiter, dirigirenden Arzt der Krankenheilanstalt zu Falkenstein im Taunus. Dr. Dettweiler machte Mittheilungen über das Befinden Sr. Kaiserlichen Hoheit des deutschen Kronprinzen, in welchen er das treffliche Allgemeinbefinden des hohen Patienten betonte und insbesondere bestätigte, daß bis zum Mittwoch. Abend die Meinung der Aerzte in der That dahin gegangen sei, man könne sich über die Natur der Krankheit getäuscht haben." — Das neue Gewächs soll in der Abnahme befindlich sein.
Prinz Friedrich Leopold, der sich zur Zeit in Potsdam befindet, ist am gastrischen Fieber erkrankt.
Das Königliche K r i e gs m i n ist er i u m in Berlin hat der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege behufs Ausbildung von Mitgliedern die Königl. Garnisonlazarethe in Berlin, Frankfurt a. O., Breslau, Liegnitz, Königsberg L Pr., Stettin, Magdeburg, Halle a. S., Bonn, Göttingen, Casfel, Düsseldorf, Wesel, Posen, Münster i. W., Hannover und Altona zur Verfügung gestellt und zwar in der Weise, daß unter Zugrundelegung des Unterrichtsbuches für die fret- wPigeKrankenpflegeVierteljahrskuise und zwar zwei
mal wöchentlich stattfinden werden. In gewissen Zwischenräumen sollen Wiederholungskurse eingerichtet werden. — Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt im Ganzen 400. Ueber 100 Mitglieder stehen gegenwärtig im präparatortfchen Kursus. Die präparatorischen Kurse werden vorwiegend von Militärärzten geleitet.
Das n e u e K o r n z o l l g e s e tz hat der Bundesrath schon in seiner Sitzung am Montag genehmigt, so daß dessen Publication nach Vollziehung seitens des Kaisers alsbald zu erwarten ist.
Zur Geschichte der Fälschungen bringt der Hamb. Courr. einen Brief aus St. Petersburg, worin der russische Botschafter in Paris, Baron M o h r e n h e i m, der früher in Kopenhagen war und jetzt in Paris mit den Orleanisten sowohl wie mit den Radicalen Beziehungen hat, mit der Fälschung deutscher Noten in mehr oder weniger directe Verbindung gebracht wird. Der neulich von der Pariser „Agence libre“ veröffentlichte angebliche Brief des Prinzen Reuß an den Prinzen Ferdinand in Bulgarien soll s. Zt. dem Minister des Auswärtigen Flourens von dem Baron Mohrenheim mitgetheilt worden sein, der ihm auch eine Abschrift davon hinterlassen hatte, weil der Brief angeblich die ganze Falschheit der deutschen Diplomatie enthülle. Jener Brief war aber ein Falsificat. Als die Thatsache der Notenfälschungen bekannt geworden war, soll Herr Flourens, um eine Probe auf das Exempel zu machen, jenes vom Baron Mohrenheim ihm übergebene angebliche Schreiben des Prinzen Reuß der „Agence libre“ zur Veröffentlichung haben übergeben lassen. In der That wurde denn auch sofort festgestellt, daß jener Brief zu den gefälschten Schriftstücken gehört. „Wie Herr von Mohrenheim — so heißt es im „Hamb. Correspondenten" — in den Besitz jenes Schriftstücks gelangt ist, darüber fehlen vorläufig noch I alle Anhaltspunkte. Daß er es besessen und
koma's Gäulen mitgehen hießen? Es wäre ein Abwäschen."
„Um sie und ihre Söhne gegen uns aufzu- bringen?" entgegnete Farsar zweifelnd, „nein, Mann, davon rathe ich ab. Das alte Weib ver- dient's nicht an uns; auch müssen wir hier in der Nachbarschaft vorüber, da könnte es uns böse an» gestrichen werden. Die drei Brüder erhielten von Frappe Büchsen, und die verstehen sie zu hantieren, seitdem sie stark genug, solch Ding zu heben. Aber immerhin, bietet sich eine günstige Gelegenheit, so sind wir zu Nekoma's Thieren so nahe, wie sie selber, und vereinigten wir uns erst mit den Mexikanern, so schwindet die letzte Gefahr."
„Bei Gott, Farsar," erklärte Bill Blunt, und seine Stimme klang heiser vor der in ihm gähren- den Raublust, „eine rechte Freundschaft habe ich für Euch gefaßt, und hängen will ich, wenn ich'S nicht besonders danke, sobald diese unheimliche Gegend erst ’n halb Dutzend Tagereisen weit hinter uns liegt."
„Geschäft ist Geschäft," versetzte Farsar gleich- müthtg, „da giebst nichts zu danken, Euer Vortheil ist der meinige. Ist das Unternehmen geglückt und klirren die Dollars in unseren Taschen, so bleiben wir schwerlich lange beisammen. Ich kenne das. Doch geht. Ich verweile noch 'ne halbe Stunde hier draußen; es möchte Verdacht erregen, träten wir zu bald hinter einander im Lager ein."
„Auch ich kenne solche Verhältnisse," betheuerte Bill Blunt selbstbewußt, und Farfars beide Hände