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Sersftütt Klkisblätt.
Wit wöchentlicher Hratis-ZLeikage „Illustrirtes Interhaktungsölatt".
Nr. 150.
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Die Expedition.
Amtliches.
Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom Listen v. Mts. dem Unter- ausschuß für die Errichtung eines Volkstheaters und Festhauses in Worms die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der mit Genehmigung der Großherzoglich Hessischen Landesregierung Behufs Gewinnung von Geldmitteln für den Baufonds zu veranstaltenden öffentlichen Ausspielung von Goldbarren, goldenen, silbernen Kunst- und
Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.
Von Balduin Möllhausen.
(Fortsetzung.)
»Um Gotieswillen, Ktliy," fiel Artemisia erschrocken ein, dann aber, Verwirrung in deren flüchtig auffunkelnden Augen entdeckend, fügte sie mit einem süßen Lächeln der Verlegenheit hinzu: »wohin geräthst Du mit Deinen wunderlichen Vorschlägen, Du armes, irre geleitetes Kind. Nein, laß Mark ungestört seine eigenen Wege wandeln, und auch mich — doch genug davon — singe mir lieber eins Deiner Lieder, Ich höre Deine Stimme gern, ich wiederhole es."
Und Kitty, als hätte sie ein Unrecht zu sühnen gehabt, und unter dem vollen Einfluß der Herzens- gute Ärtemtfia's, richtete sich bereitwillig empor und fragte schüchtern:
»Soll ich eine indianische Weise singen, oder wie ich solche von den Emigranten lerntet"
»Eine indianische," entschied Artemisia lebhaft, »die klingt so geheimnißvoll, regt mich an, im Geiste ihr Worte bestiegen nach meinem eigenen Empfinden."
Und ohne Säumen begann Kitty eine Melodie, welche obwohl gedämpft und zwischen wenigen Noten sich bewegend, durch den Wohlklang der Stimme doch einen eigenthümlichen Reiz erhielt. Artemisia neigte das Haupt, daß ihr starkes, stumpf abgeschnittenes Haar hinter den Ohren hervor nach vorn sank und ihr Antlitz von beiden Seiten verschleierte. So blickte sie vor sich nieder in die
matt leuchtende Kohlengluth. Einschläfernd schienen die sich weich an einander reihenden Töne auf sie einzuwirken, phantastische Traumbilder, welche ausschließlich ihre Aufmerksamkeit fesselten, ihr zuzutragen, so regungslos verhielt sie sich. Es erzeugte den Eindruck, als hätte sie der seltsamen Melodie in der That Worte untergeschoben. Ob sie K'tiy zum Singen aufforderte, um deren arglos offenherzigen Mittheilungen Einhalt zu thun, oder, nachdem ihre Phantasie einmal angeregt worden, barocken Träumereien ungestört nach- zuhängen — wer hätte das zu enträthseln vermocht r Sie selbst wäre nicht im Stande gewesen, darüber Rechenschait abzulegen. Peinlich und doch wieder verlockend, wie eine verbotene Frucht, wirkten die mit einem Ausdruck unerschütterlicher Ueberzeugung ertheilten Andeutungen in ihr nach. Sie suchte den Betrachtungen über dieselben aus- zuweichen, und doch bargen sie einen geheimniß- vollen Zauber in sich, daß sie den Erklärungen des freundlichen Naturkindes noch Stunden halte lauschen mögen, unbekümmert darum, ob deren Quelle in einem sorglosen oder in einem sich qualvoll windenden Herzen. Die Bilder dagegen, welche sich zwischen die rothe Gluth und ihre Augen schoben, die waren und blieben ihr eigenstes Geheimniß, gleichviel welche befreundete Gestalten vor ihren geistigen Blicken gleichsam Leben gewannen. Ihr eigenstes undurchdringliches Geheimniß, vor welchem sie scheu zurückbebte, um immer wieder, wie durch eine höhere Gewalt ge- zwungen, sich mit demselben zu beschäftigen.
Dienstag den 20. December
Jndustriegegenständen auch im diesseitigen Staatsgebiete, und zwar in der Provinz Hessen- Nassau, Loose zu vertreiben.
Cassel, am 3. December 1887.
Der Ober-Präsident. Graf zu Eulenburg.
Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß für die Rettungs-Anstalt zu H o f R e i 1 h bei Schlüchtern auch im Jahre 1888 eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bei den evangelischen Einwohnern im Regierungsbezirke Cassel — mit Ausschluß des Kreises Rinteln —, sowie im Stadtkreise Frankfurt a/M. durch polizeilich zu legitimirende Collectanten veranstaltet werden darf.
Cassel, am 1. December 1887.
Der Negierungs-Präsident. J. A.: Alt Haus.
III, Bedingungen
zum Eintritt in das Kleinkinderlehrerinnen-Seminar des Hessischen Diakonissenhauses bei Cassel.
1) Die sich zum Eintritt Meldenden dürfen in der Regel nicht unter 17 und nicht über 30 Jahre alt sein.
2) Eine gründliche Elementarfchulbildung und Anlage zum Singen sind durchaus erso'dn:lich und er geht deshalb der Aufnahme ein Examen voraus.
3) Gute Gesundheit, namentlich gesunde Athmungtor- gane und Nerven sind nothwendig.
4) Vor der Aufnahme sind an den Vorstand deS Diakonissenhauses (Poststation Wehlheiden) einzusenden: 1 ein Tauf-, 2) ein versiegeltes Sittenzeugniß des Ortsgeistlichen und andere Legitimationspapiere, 3) ein Schul-, 4) ein Gesundheitszeugniß, 5) ein selbst verfaßter Lebenslauf, 6) ein Garantieschein für die pünktliche Zahlung der Pension.
5) Die Pension beträgt 330 Mark, in Quartallraten praenumerando zu zahlen, für das Bett werden 15 Mk. besonders gerechnet. Auf Wunsch stellt die Anstalt die Bettwäsche auch für 15 Mark jährlich. Zur Anschaffung der nöthigen Bücher sind circa 25 Mark erforderlich.
6) Der Cursus ist einjährig und zerfällt in zwei Semester, welche im Mai und October beginnen.
7) Auf besonderen Wunsch werden die Schülerinnen auch in den nothwendigsten Handgriffen der Krankenpflege ausgebildet.
I 8) Schülerinnen, welche durch Betragen, Fleiß und
1887.
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Leistungen den Ansprüchen genügen und da» Schlußexamen bestanden haben, erhalten ein empfehlende» AbgangSzeug- niß und werden vom Vorstände deS Seminar» nach Kräften zur Erlangung von paffenden Stellen unterstützt.
9) Für junge Rädchen, welche al» Lehrdiakoniffin sich dem Verbände der Schwestern des Heffischen Diakonissenhauses anschließen wollen, bestehen besondere Bedingungen.
IV. Bedingungen, unter denen Kranke in die Krankenabtheilung bei Diako- nissenhauseS zu Treysa ausgenommen werden.
1) Von der Ausnahme sind alle Kranken auigeschloffen, welche an Krätze, geschlechtlichen, chronischen und unheilbaren Krankheiten leiden, sowie Geistesgestörte.
2) Der Pflegesatz für unbemittelte Kranke beträgt täglich für Erwachsene 0,75 Mar^ für Kinder 0,50 „ für bemittelte Kranke werden die Pflegesätze nach Verhältniß erhöht.
3) In der Regel kann die Ausnahme der Kranken nur nach vorheriger Anmeldung und erhaltener Antwort erfolgen. Der Anmeldung ist ein ärztliche» Attest über die Art und den bisherigen Verlauf der Krankheit beizufügen, in welchem ausdrücklich angegeben fein muß, ob die Krankheit heilbar ist.
4) Aufnahmegesuche sind zu richten an den unterzeichneten Vorstand resp, an die Vorsteherin >er Erziehungsanstalt zu Treysa ober an den Hausarzt daselbst, Herrn Kreirphysiku« Dr. Nothnagel.
V. Bedingungen, unter denen Kinder in die mit dem Diakonissenhause zu Treysa verbundene Erziehungsanstalt für verwahrloste Mädchen ausgenommen werden.
1) Die aufzunehmenden Mädchen bürfen in der Regel nicht unter 6, nicht über 12 Jahre sein.
2) Dieselben müssen gesund fein, namentlich dürfen si* nicht an unheilbaren, chronischen ober ansteckenden Krank, heiten leiden.
3) Der Leitung der Erziehungsanstalt muß bi« gut Entlassung der Kinder die volle elterliche Gewalt über dieselben eingeräumt werden.
4) Bis zum vollendeten 16. Lebensjahre müssen die Mädchen in der Regel in der Anstalt bleiben.
5) Die Pension beträgt für Kinder, welche von Privaten oder ärmeren Communen untergebracht werben, jährlich
Und weiter sang Kitty eigenthümlich schwer- wüthig, und weiter lauschte Artemisia der sie seltsam ergreifenden eintönigen Melodie. Draußen aber zwischen Zelt und Wigwam in dem tiefen Schatten unter dem mit jagenden Gewölk bedeckten Himmel schlich die alte Nekoma vorüber. Nach der Rückseite des Hügels begab sie sich herum, von wo aus sie ihre Blicke nach den Pappelweiden hinübersandte, deren Umrisse mit der durch Nebeldünste verdichteten Atmosphäre zusammenfielen. Dort kauerte sie nieder. Wie zum Schlaf sich anschickend, stützte sie Haupt und Arme in gewohnter Weise auf die emporgezogenen Kniee. Dann verharrte sie regungslos; aber über dem Erdboden spähte sie hin, als wäre sie mit der Sehkraft nachtliebender Thiere ausgerüstet gewesen.
Eine Stunde zuvor war der Halbindiauer nach der Insel hinübergewandert, angeblich, um sich von der Sicherheit der tzeerde zu überzeugen. Niemand vermißte, Niemand erwartete ihn. Bill Blunt und seine Arbeitsgenossen lagen um diese Zeit in dem ihnen eingeräumten Zelt um ein kleines Feuer und rauchten ihre Pfeifen. Bei der lebhaften Unterhaltung, welche sie führten, achtete Niemand darauf, daß ein kleiner Stein die straff gespannte Zeltwand traf, und wer es hörte, hatte das unscheinbare Geräusch alsbald wieder vergessen. Nur Bill Blunts wildes Antlitz erhielt einen seltsamen Ausdruck thierischer Gier. Verstohlen schweiften seine Blicke von Einem zum Anderen, und wie heimlicher Triumph leuchtete es in seinen tückischen Augen auf, als er gewahrte, daß Sorg-