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Mit wöchentlicher Kratis-WeitageIllustrirtes Anterhallungsblatt".

Nr. 148.

Donnerstag den 15. December

1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 10. December 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß seit dem 1. Januar 1885 dasReglement für die Hessische Brandversicherungs- A n st a l t in Cassel vom 19. März 1880 (abge­druckt im Amtsblatt Seite 113 ff. und im Kreis­blatt Nr. 52 ff.) in Wirksamkeit getreten ist. In Gemäßheit desselben (cfr. § 39 ff. 1. c.) muß von jeder durch Brand oder Blitzschlag eingetretenen Beschädigung an bei der Anstalt versicherten Ge­bäuden oder Zubehörungen sofort, und zwar wie bisher an mich, unter genauer Angabe der Nummer und Litera der beschädigten Gebäude neben g l ei ch z eiti g er B o r l age d e s Brandkassenscheines, wenn derselbe vorhanden, Anzeige gemacht werden. Dabei ist die ungefähre Größe des Brandschadens anzu- geben, namentlich ob der Schaden etwa muth- maßlich 100 Mark übersteigt, um darüber be­finden zu können, ob die Abschätzung des Schadens durch die Ortstaxatoren (was bei geringeren Schäden der Fall) oder durch den zuständigen Baubeamten zu geschehen habe. Die Abschätzung des Schadens selbst wird sodann unter meiner Leitung ausgeführt werden; eine vorherige Schätzung durch Taxatoren hat mithin zu unter­bleiben.

11873. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 13. December 1887,

Unter Bezugnahme auf mein Ersuchen vom 17. November 1885 ad Nr. 12024 (Kreisblatt Nr. 138) betreffend diejenigen Bolksschullehrer des Kreises, welche seit länger als fünf Jahren provisorisch angestellt sind, ohne die zweite Prüfung

Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.

Von B a l d u t n M ö l l h a u s e n. (Fortsetzung.)

Die Unterhaltung wurde jäh unterbrochen durch das Eintreffen der Leute des Professors und der von diesen geführten schwer beladenen Pack­thiere. Nekoma's Söhne und der Halbindianer hatten sich ihnen angejchlossen, und so erforderte es nur kurze Zeit, bis Kisten, Koffer, Säcke und Ballen unter Bilandrie's Aufsicht abgeladen und zum Theil im Innern der Hütte, zum Theil auf deren Außenseite untergebracht worden waren. Die ihrer Lasten entledigten Thiere wurden daraus nach der Insel zurückgetrieben, unter den Händen der noch anwesenden Männer erhob sich alsbald ein zweites Zelt, welches Nekoma aus ihren Bor- räthen hervorsuchte, um des Professors Leuten ein gesondertes Obdach zu verschaffen, und als Bilandrie das unter seiner Leitung geförderte Werk für beendigt erklärte, dauerte es wohl noch eine Stunde, bevor die Sonne die Mittagslinie erreichte.

Während dieser ganzen Zeit hatte Nekoma in der Thür des Wigwams gestanden. Schweigend beobachtete sie das Treiben der Männer. Sticht eine Silbe verließ ihre Lippen. Kalt und theil- nahmslos glitten ihre Blicke über das entstehende Werk hin. Nur einmal, als ihre Söhne sich an- schickten, mit Bill Blunt in eine unscheinbare Ar­beit sich zu theilen, wehrte sie ihnen durch einen Laut, der kaum ein Wort zu nennen war.

abgelegt zu haben 2C., muß ich diejenigen König­lichen Localschulinspectoren, welche die bezügliche Mittheilung, nach dem abgedruckten Schema, pro 1887 mir noch nicht gemacht haben, hierdurch um baldgefällige Erledigung ergebenst erinnern.

1194t. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. December 1887.

Der Weber Conrad Steinberger zu Niederjoffa ist als Sachverständiger zur Unter­suchung des Schweinefleisches auf Trichinen für den Gemeindebezirk Niederjoffa widerruflich be­stellt und eidlich verpflichtet worden.

11969. Der Königliche Landrath ____Freiherr von Schleinitz.

Gefunden: ein Frauenschuh. Meldung der Eigen- thümerin bei dem Ortsvorstand zu Beiershausen.

# Aenderungen der Wehrpflicht.

Nachdem die allgemeine Wehrpflicht bei allen großen europäischen Kontinentalmächten eingeführt worden ist, Habensich die Knegsstünm bei einzel­nen Armeen im Verhältniß zu einander wesentlich verschoben. Entscheidend für dieselben ist die grundlegende Bestimmung, wieviele Jahrgänge waffenfähiger Männer zum Kriegsdienst aufge­boten werden sollen; und so ist jeder Staat in dem Maße im Nachtheil, als er die Zahl dieser Jahrgänge beschränkt.

Das deutsche Heer auf Kriegsstärke setzt sich aus zwölf Jahresklassen dienstpflichtiger Männer zusammen, während z. B. in Rußland 15 und in Frankreich 20 Jahrgänge hierfür verfügbar sind. Zwar kann in Deutschland auf den Landsturm d. i. auf alle Wehrfähigen vom vollendeten sieb­zehnten bis zum vollendeten zweiundvierzigsten Lebensjahre zurückgegriffen werden, aber diese unorganifirte Masse kommt für die Zeit der ersten entscheidenden Operationen nicht in Betracht; und

Mark, der ebenfalls vor die Thür getreten war, und Vllandrie überwachten sie argwöhnisch; doch durch nichts verrieth sie, daß Bill Blunt irgend welche Erinnerungen in ihr wachgerufen habe. Ihn beachtete sie nicht mehr, als die anderen Ar­beiter. Die rohen Scherzworte, mit welchen er- hin und wieder zum Ergötzen der Kameraden feine Bewegungen begleitete, schien sie nicht zu hören. Bill Blunt aber betrachtete es offenbar als einen glücklichen Zufall, daß sich auf längere Zeit ein Leben des Müßigganges bei erträglicher Kost vor ihm eröffnete, für welches er ebenso hoch, wie für schweren Dienst gelohnt wurde.

Am wenigsten beschlich ihn die Ahnung, je zu­vor mit der greisenhaft düster schauenden Indianerin zusammengetroffen zu sein oder daß ein Damokles­schwert über feinem Haupte schwebte, um, eines Tages vernichtend aus ihn herabzusinken.

Alles mag günstig verlaufen", wendete Mark sich an den alten Fallensteller,unsere Besorgniß war verfrüht. Ich kann mich nicht täuschen: Sie erblickt in ihm einen ihr vollständig Fremden."

Ich will es wünschen, um der lieblichen jungen Lady willen", versetzte Vllandrie achselzuckend, aber gerade Nekoma's kalter Gleichmuth erscheint mir Unheil verkündend. Wir können weiter nichts thun, als warten und zu seiner Zeit versuchen, vermittelnd einzuschreiten."

Bei regem Schaffen und Ordnen ging der Tag zu Ende, ohne daß irgend ein M-ßlon sich geltend gemacht hätte. Keiner wich von den ihm eigen­thümlichen Gewohnheiten ab; friedlich und zuvor«

auch später bleiben diese losen Verbände festge­gliederten Truppen gegenüber minderwerthig. Im Hinblick auf die außerhalb Deutschlands ge­schaffenen Verhältnisse wird sich das deutsche Volk der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß seine Kriegsmacht der Größe des Reichs und der Zahl seiner Bevölkerung nicht mehr entspricht.

Hierzu kommt, daß das Reich wie die Be­gründung des soeben dem Reichstage vorgelegten Entwurfs, betr. Aenderungen der Wehrpflicht, ausführt nach seiner geographischen Lage dem gleichzeitigen Angriff starker Heere auf zwei Fronten ausgesetzt ist.

Dieser Bedrohung gegenüber fehlt das feste Fundament für die Existenz und die Fortent­wickelung Deutschlands; seine Sicherheit hängt von seiner Stärke ab und diese muß größer sein, als sie es zur Zeit ist.

Solchem unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen, ist der Zweck des dem Reichstag soeben zugegangenen Gesetzentwurfs; es bedarf zu seiner Verwirklichung wohl nur des Appells an den Patriotismus des deutschen Volkes, welches das Vaterland, nachdem es gee int, auch ungeschmä­lert erhalten wissen will.

In Anlehnung an die frühere Wehrverfassung Preußens, wie sie aus der Opferfreudigkeit der Bevölkerung heraus sich entwickelt hatte, beab­sichtigt der Gesetzentwurf, für die L a n d w e h r ein zweites Aufgebot wiederherzustellen und damit die Dienstpflicht bis zum 39. Lebensjahre zu verlängern.

Hiermit werden sechs bisher dem Landsturm angehörige Jahrgänge für die Zeit großer Ge­fahr sofort bereitgestellt, eine Anstrengung, welche keinem Betheiligten zu groß erscheinen wird, wenn es gilt, in den Kampf für unsere Unabhängigkeit einzutreten.

! Das Kriegsheer besteht hiernach künftig aus

kommend verkehrte Einer mit dem Anderen. So­gar Bill Blunt, dieser erbitterte Feind und Ver­ächter aller Eingeborenen, behandelte die braunen Hausgenossen wie menschliche Wesen. Mochte er immerhin zeitweise in halbunterdrückten Ver­wünschungen sich ergehen, so vermied er doch sorg­fältig, seine wahren Empfindungen offenkundm werden zu lasten. Es war, wie Mark sich äußerte, als hätte die Nähe des Grabes eines von ihm Ermordeten einen störenden Einfluß auf ihn ausgeübt; als hätte er sich dennoch heimlich fort- gesehnt aus einer Umgebung, in welcher, wie nie zuvor in seinem Leben, ein blasses Gespenst sich fortgesetzt in seine Gedanken einschlich, ihn ängstigte und folterte.

Wie der erste Tag, verstrichen die folgenden, und an die erste Woche schloß sich die zweite an. Stürme wechselten mit Tage ab, die man mit Sommerträumen hätte vergleichen mögen; Hagel­schauer mit Regen, linden Lüsten und glitzernden Reif ausstreuenden Nachtfrösten. Doch ob un­günstige oder freundliche Witterungseinflüste: die tzeerde, aus zähen Mustangs und Maulthieren bestehend, fühlte sich verhältnißmäßig wohl in dem Schutz gewährenden Strauchdickicht, bet den heuartig getrockneten Kräutern und dem nie ver­siegenden Wasservorrath.

Wie aber die Thiere, so die Menschen. Ob hinter dünnen Zeltwänden oder wallähnlichen Erdmauern: Nichts störte das gute Einver­nehmen, nichts die heiteren sorglosen Unterhal« tungen, zu welchem die so verschieden gearteten