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Htlssci-tl Kreislitiltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhattungsvlatt".
Nr. 142.
Donnerstag den 1. December
1887.
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Hersfelder KreisKtatt
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| Ueberweisungen zu machen, wahrend das Reich selbst einen I Fehlbetrag habe. Er bestritt, daß bei Ausstellung des Etats überall Sparsamkeitsrüüsichten maßgebend gewesen und bemängelt im Einzelnen einige Ausgaben bei dem Marine» Etat, um dann zu der neuen Zolltarifvorlage Überzugehen, die er namentlich vom focialpolitifchen Standpunkte be« kämpft. Es sei befremdend, daß die Industrie sich noch immer nicht gegen die übermäßigen Ansprüche der Agrarier erhoben, da sie doch unter diesen Ansprüchen concurrenz» unfähig werden müsse. Abg. Frhr. v. Maltzahn-Gültz ^deutsch-conf.f trat demgegenüber kurz für die Nothwendigkeit einer weiteren Erhöhungdes Getreidezolles ein. Der Etat sei mit großer Sorgfalt aufgestellt, einzelne neu eingestellte Mehrausgaben würden in der Commission einer eingehenden Prüfung unterworfen werden. Ersparnisse an der Militär- und Mariveverwaltung konnten nicht vorgenommen werden, denn die Stärke unserer Rüstungen hänge nicht von uns allein ab. — Abg. v. Bennigsen (nat.-lib.) betonte, daß er persönlich ein Gegner der Vorlage über die Erhöhung der Kornzölle fei; aus dem Eifer und der Eile, mit welchem die Deutschfreisinnigen diese Vorlage in die Debatte gezogen, könnte man aber sehen, welch fruchtbares Opposilionsfeld jene in der Vorlage gefunden zu «tu £uu|su ... «kgaupiung 0t9 Avg. Rickert von dem vorhandenen Pessimismus entgegen, Niemals sei die Liebe zu Kaiser und Reich, die Anerkennung der großen Institutionen des Ruches so fest und so sicher begründet gewesen ,im deutschen Volk, als eben jetzt, wo wir vielleicht großen Gefahren notdürftig entgangen und vielleicht noch größeren entgegengehen. Morgen Fortsetzung der Etatsberathung.
Uolitischs Nachrichten.
(Deutschland.) Am Dienstag Vormittag nahm Se. Majestät der Kaiser die regelmäßigen Vorträge entgegen und empfing mehrere versetzte und beförderte höhere Officiere. Mittags arbeitete der Kaiser mit dem AbtheilungsChef im Militär-Cabinet v. Brauchitsch, welcher den Chef des Cabinets v. Albedyll während dessen Beurlaubung vertritt und sprach später noch den Geheimen Hofrath Borck.
Amtliches.
Hersfeld, den 29. November 1887. Für den am 23. Juni 1868 geborenen Ackermann Peter Jacob zu Unterhaun ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande be- buts Auswanderung nach Amerika nachgesucht
Gefunden: ein Taschentuch. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Reim- bolbshausen.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 29. November. Im Reichstage machte der Präsident zunächst Mittheilung von dem Empfange des PräsidiumS durch Se. Majestät den Kaiser, der die Theilnahme deS Reichstags an der schweren Erkrankung des Kronprinzen mit huldvollstem Danke entgegengenommen habe. — Die Berathung des Etats leitete der Staatssecretär des ReichS- schatzamtS Dr. Jacobi mit einem längeren Vortrage ein. Er betonte, daß die Mehreinnahmen aus der erhöhten Branntwein- und Zuckersteuer sowohl dem laufenden als auch den nächsten Etats ein anderes, günstigeres Gepräge verleihen würden und daß die Zeit der Fehlbeträge vorüber sei. Abg.Rickert (deutschfrei.) entgegnete, daß immer neue Steuern natürlich auch dem Reiche Mehreinnahmen zuführen müßten, übrigens sei es nicht richtig, an die Einzelstaaten
Der „Reichsanzeiger" meldet unterm 28. d.: Die Kaiserin, welche morgen nach Berlin zurückkehrt, ist tief gerührt von allen während ihres Aufenthaltes in Coblenz sowohl für sie selbst als auch für ihre mütterliche Sorge empfangenen Beweise der Anhänglichkeit und Theilnahme. Besonders gedenkt Ihre Majestät dankbar der Vorschläge zur Heilung der Kankheit des Kronprinzen, welche in großer Anzahl an dieselbe gerichtet worden sind.
Ueber den Gesundheitszustand Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des K r o n p r i n z e n laufen aus S a n R e m o in der letzten Zeit nur günstige Nachrichten ein. Die Anschwellung im Halse und am Kehlkopf ist fast ganz gehoben, was von den Aerzten als ein gutes Symptom für den Verlauf der Krankheit ange- ehen wird. Bei dem jetzt in San Remo Herr- chenden schönen Wetter werden von der Kronprinz- Tage ^ar,&Wme^ RuwH eines vorzüglichen Aussehens. Ebenso lassen Schlaf und Appetst nichts zu wünschen übrig. Seit einigen Tagen wird bei Sr. K. u. K. Hoheit dem Kronprinzen eine neue Cur ange- wendet. Bei derselben ist die Diät des hohen Patienten so geregelt, daß sich derselbe des Genusses von Zucker gänzlich enthalten muß. Es soll diese Maßregel ein vermindertes Wachsen des Krebses bezwecken.
Königin Victoria wird sich, wie Pariser Blätter melden, auf Wunsch der deutschen Kronprinzessin im Beginn des neuen Jahres nach San Remo begeben.
Die beunruhigenden Gerüchte über den Gesundheitszustand des R e i ch s k a n z l e r s, wie sie Anfangs dieser Woche verbreitet wurden, ent- behren erfreulicherweise jeglicher Begründung.
Das Fegefeuer in Frappcs Wigwam.
Von Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.)
Von dem blaumänteligen Herrn unter freundlichem Zuspruch unterstützt, hob sie beide Füße über den Rand der Hängematte, daß sie nach unten hingen. Ein kurzer Schmerzensruf und die Art, in welcher sie die Lippen aufeinander preßte, verriethen, daß sie in erhöhtem Grade litt. Im nächsten Augenblick lachte sie indessen wieder herzlich, wenn auch etwas erzwungen, woraus sie munter hinzusügte:
„Beruhige Dich doch, liebster Vater; es ist wirklich nicht so böse. Ich trage selber Schuld; meine Bewegung war ungeschickt. Wenn mich nur Jemand herunterheben wollte." Sie wurde SiartS ansichtig, der noch immer rücksichtsvoll zögerte, seinen Beistand anzubieten und sie im Verkehr mit ihrem Vater zu stören. In ihm einen ein- sachen Pelzjäger vermuthend, rief sie aus: „Bitte, mein hochverehrter Herr Trapper, leihen Sie mir Ihren starken Arm, anstatt mich zu betrachten, wie ein Weltwunder," und im nächsten Augenblick befand Mark Nch an ihrer Seite, worauf sie fort- fuhr: „Ich bin nicht von Glas; legen Sie Ihren Arm nur kühnlich um mich — so — den anderen auch -- jetzt heben Sie, — vorstchtig, wenn ich bitten darf," und pünktlich befolgte Mark die an ihn gerichteten Befehle, und weiter sprach sie launig und ihre Schmerzen nach besten Kräften verheimlichend: „jetzt lassen Sie mich
niedergleiten, aber recht fan't, oder Sie erleben, daß ich umfalle, wie eine Holzpuppe. So — danke bestens, Herr Fallensteller, jetzt stehe ich, wenn auch auf einem Fuß, wie eine schlafende Ente. Ich behauptete es schon immer, wenn ein einzelner kräftiger Mann mich hebt, leide ich weniger, als wenn drei, viere mit den besten Absichten an mir herummartern. Doch gieb mir Deinen Arm, Vater, und Sie, Herr Trapper, legen von der anderen Seite Ihren Arm wieder um mich — fester, fester, ich thue Ihnen wirklich nichts zu Leide — so ist's gut, und jetzt vorwärts, wohin es Ihnen beliebt."
So lange sie sprach und zwar mit einem gewissen krampfhaften Eifer, hatten Alle, die sie beobachteten, die Empfindung, daß sie das Trachten beseelte, den Schmerz durch lebhaftes Wesen zu verheimlichen und ihren Vater zu täuschen. Weniger schwer stützte sie sich daher auf diesen, und von Mark halb getragen, bewegte sie sich langsam dem Eingänge des Wigwams zu.
In der Thür standen Nekoma und Kitty. Als die junge Fremde sich ihnen näherte, traten sie zurück und bereitwillig gingen sie zur Hand, als es galt, für dieselbe ein geeignetes Lager vor dem ütamtn herzustellen. Vilandrie war draußen geblieben. Mißtrauisch prüfte er die Männer, die in Begleitung des alten Herrn und seiner Tochter gekommen waren und sich nunmehr beeilten, die Koffer mit den nothwendigsten Kleidungsstücken von dem Rücken eines Packthiers zu nehmen und in die Hütte zu tragen, Nach dem benarbten
Goldgräber spähte er vergeblich. Derselbe war in dem Lager auf dem Ufer zurückgeblieben. Dagegen hatte der Halbindtaner sich eingestellt, und diesen beauftragte er, den Packknechten beim Hinüberschaffen der Thiere nach der Insel behülflich zu sein.
Als er etwas später sich in die Hütte zurück- zog, fand er die Fremde, durch zusammengerollte Decken gestützt, vor dem Kaminfeuer sitzend, und deren Vater beschäftigt, den verletzten Fuß mit einer feuchten Binde zu umhüllen, wozu Kitty diensteifrig frisches Wasser herbeigeholt hatte. Auf dem Antlitz der jungen Reisenden zuckte eS hin und wieder wie vor verhaltenem heftigen Schmerz. Sobald aber der Verband angelegt war, blickte sie mit ihren klugen blauen Augen so fröhlich um sich, als hätte sie nur von den heitersten Erlebnissen zu erzählen gewußt.
„Eine prachtvolle Zufluchtstätte," erklärte sie wieder redselig, um des Vaters letzte Sorgen zu verscheuchen, und durch eine kurze Bewegung des Hauptes schleuderte sie das nach vorn gesunkene Haar zurück, „meine kühnsten Erwartungen sind durch die Wirklichkeit im höchsten Grabe über- troffen worden. Ich schlage daher vor, nicht früher einen Versuch zum Aufbruch zu wagen, als bis mein Fuß vollständig geheilt ist. Und gar die Gesellschaft einer jungen Dame, die mir als Freundin gewiß gern die erforderlichen kleinen Dienste erweist, zu welchem die Hände der Herren Jäger und Fallensteller wohl zu schwer sein dürften, meines Vaters nicht zu gedenken, der