preußischen Enteignungsgesetzes hinsichtlich der Berechnung des vollen Werthes des abzutretenden Grundstücks, insbesondere hinsichtlich der Kapita- ltsirung der Jahreserträge, die localen Berhältnisse maßgebend, unter welchen bet Grundstücksverkäusen die Jahreserträge in Betracht gezogen werden, nicht aber ist der Umstand maßgebend, daß der frühere Eigenthümer durch Anlegung der Entschädigungssumme in Hypotheken oder Werthpapieren ein Einkommen sich verschaffen könne, daS den Revenuen aus dem enteigneten Grundstücke entspreche.
Hersfeld, 23. November. Dem Förster a. D. Licht zu Wippershain ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
Hersfeld, 23. November. Die nächstjährige Generalversammlung des Deutschen Müller'Verbandes wird diesmal in Mainz und zwar in den Tagen vom 17. bis 20. Juni 1888 abgehalten werden; ein provisorisches Comitee, welches sich mit den Vorarbeiten für diese Generalversammlung besassen wird, hat sich bereits conslituirt.
Beiseförth, 20. November. Gestern Abend, kurz nach 6 Uhr, brach in der hiesigen, mitten im Dorf gelegenen Kaufmann' schen Kunstmühle Feuer aus, und brannte dieselbe binnen wenigen Stunden plötzlich ab. Da vollkommene Windstille herrschte, so blieb das Feuer auf seinen tzeerü beschränkt. Leider verbrannten große Quantitäten Mehl (über 1000 Ctr.) und ebenso groge Weizen- vorräthe, aber Menschenleben rc. sind nicht zu beklagen. Innerhalb 9 Atonalen ist dieses der zweite große Brand am hiesigen Orte.
Gelnhausen, 17. November. In der Nacht aus den 16. ist bei Eckartshausen (Kreis Büdingen) ein Mann erfroren. — In Hirzenham sind 6 Personen unter den Erscheinungen der Trichinose erkrankt.
Hohenkirchen, 20. Novdr. Gestern Morgen gegen 6 Uhr brach in der Wohnung des Gast- wlrlhs W e st Feuer aus. Man war auf der Scheune mit Dreschen beschäftigt, als plötzlich die Pelroteumlaterne explodirte und alles im Augen blick in ein Feuermeer verwandelte; dasselbe fand im anstoßenden Stall und Dachboden, wo Stroh und ungedroschene Früchte lagerten, reichlich Nahrung. Die schnell zur Stelle geeille Feuerwehr konnte sich nur aus Rettung von wenigem Mobiliar und der Nachbarhäuser beschränken. Die im Saal aufgehäusten gedroschenen Früchte, sowie Schränke mit Leinen und sonstiges HauSgeräthe konnten nicht gerettet werden, indem das Hängewerk der Decke mit dem Sturze des Dachbodens seinen Halt verlor und Alles zusammenstürzte und sogar noch die Decke der ersten Etage und das Keller- gebälk durchschlug.
Frankfurt, 17. November. In vergangener Nacht gegen 2 Uhr entstand Feuer in dem Hause Schäsergasse Nr. 38. Der erste Stock sowie der Gemüseladen des Herrn Weil brannte. Die Bewohner des Hauses konnten nur in Nachtkleidern ant die Straße gelangen. Es fand sich, baß an 3 Stellen des Hauses das Feuer angelegt worden. Den Brandstister — es war der Eigenthümer des Gemüseladens, fand man todt im Keller. Er haue sich durch einen Revolverschuß gelobtet.
Frankfurt a M., 21. November. Der Zusammen- bruch der Hamburger Gewerbebank hat zu einem Proceß Anlaß gegeben, weicher während der letzten drei Tage der vergangenen Woche vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt wurde. Ein wahres Wirrsal von Fälschungen kam in der Verhandlung zu Tage; neben den beiden Direktoren der verkrachten Bank, Trenkner und Schmehler, saß der Director der Hamburger Farbenfabrik, Bange, der die Bank systematisch ausgebeutet und die beiden Mitangeklagten zur Bücher- säljchung u. s. w. verleitet hatte, aus der Anklagebank. In den Verhandlungen spielte ein Braunschweiger 20-Thalcr- LooS eine besondere Rolle. Es war von einem armen Schreiber Namens Dichter, der inzwischen verstorben ist, und dessen Frau mit 5 Kindern der öffentlichen Armen, pflege zur Last liegt, verpfändet worden. Das Pfand sollte dann verfallen sein, was aber nicht klargelegt wurde. Sicher ist nur, daß es mit 150 000 M. herauskam, und daß Trenkner und Schmehler die Konto-Ueberschrift Dichters ausradirten, um ihre eigenen Namen dorthin zu setzen und demgemäß je 75 000 M. in die eigene Tasche zu stecken. DaS Urtheil in dem Proceß wurde Sonnabend gegen 6 Uhr Abends ausgesprochen, es lautete gegen Trenkner und Schmehler auf je 5 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und 600 Mark Geldstrafe, gegen den Mitangeklagten Bange auf 2 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Bange wurde sofort verhaftet, trotzdem er 10 000 Mark Caution gestellt hat.
Vermischtes.
— Essen. Dieser Tage ist ein fast 3 Jahre lang schwebender Proceß in letzter Instanz beim Reichsgericht in Leipzig zu Gunsten des Bergmanns Krause hierselbst entschieden worden. Es handelt sich, laut der „Eff, Volksztg.", um ein Drittel vom Gewinn des gezogenen damaligen großen Looses von 450 000 Mark der preußischen Klassen-Lotterie. Die Nummer, auf welche der Gewinn fiel, spielte der Bergmann Krause seither zu vorhin genannten Antheile mit dem
Wirthe Schließer hierselbst gemeinschaftlich. Obgleich Wirth Schlieper gleich Anfangs, als er von dem auf das betreffende Loos entfallenden Gewinn benachrichtigt worden war, den.Bergmann K. durch unzweideutige Kundgebungen in Gegenwart anderer als Mitgewinner anerkannt hatte, machte er demselben einige Tage nachher seinen Antheil am Gewinn streitig. Zu der damals vom Gericht mit Arrest belegten Summe van 12000 Mark kommen nun noch etwa 1800 Mark Zinsen.
— In K a r l s r u h e feierten zwei Zwillingsschwestern unlängst ihren 90. Geburtstag.
— Ueber einen schrecklichen Mord wird aus Ra a kow berichtet: BeiAnbruch des Tages betrat der von seiner Familie getrennt lebende penstonirte Gendarm Th. aus Cüstrin das Haus seines Schwiegervaters F. W. hier, begab sich in das Schlafzimmer seiner 5 Kinder im Alter von einem halben bis 8 Jahren und fragte diese, ob sie mit ihm gehen wollten; als die älteren Kinder dies verneinten, gab er auf jedes Kind einen Revolverschuß ab und beim Verlassen auf die Großmutter den sechsten. Die älteste Tochter verstarb bald, der jüngsten ist ein Auge aus seiner Höhle ge» trieben. Das dritte und vierte Kind sind schwer verletzt, während das zweite unversehrt blieb. Anscheinend hat er aus Rache die That verübt.
— Der Z a r hat dem Kaiser-Alexander-Garde- Grenadier - Regiment, dessen Chef er ist, ein „Revue-Geschenk" von 4000 Mk. zugehen lassen.
— In Fran kenhausen stürzte am Dienstag der Schieferdecker Krause aus Jena von einem Dache und war sofort todt.
— In Plaue hat kürzlich ein Knabe einen Kameraden mit einem Pfeil ein Auge ausgeschossen, sodaß dasselbe gänzlich auslief.
— Ein Frühstück auf Gemeindekosten wird von jetzt ab in G e l s e n k i r ch e n täglich sämmtlichen armen Schulkindern durch die Lehrerpersonen verabreicht werden.
— Er f urt, 13. November. Beim Rangiren auf hiesigem Güterbahnhofe stürzte vorgestern gegen Abend der Bahnarbeiter Koch vom Wagen und fiel zwischen die Schienen. In demselben Augenblicke fuhr ein Zugtheil heran und über den Mann, welcher die Geistesgegenwart besaß, ruhig liegen zu bleiben, hinweg. Dem Koch wurde kein Haar gekrümmt.
— K r e f e l d. Krefeld ist am 17. d. in die Reihe der Städte mit 100000 Einwohnern getreten. Ein Knabe hat die Zahl vollgemacht l
— Von dem am Sonnabend Mittag in A n s - bach einfahrenden Würzburger Postzuge wurde der auf seinem Posten stehende Wechselwärter Schwarz vom Locomotivcylinder so gegen die Stirn gestoßen, daß sein Tod sofort erfolgte.
— Auf der letzten Treibjagd im Jagdbezirk des Amtsrath Dietze zu Barby wurden 1280 Hasen erlegt.
— Bei einer Theatervorstellung in einem Vereine zu Laurahütte (Ober-Schlesien) schoß, nach der „Kr.-Z.", ein Darsteller,, der einen Hasen zu erlegen hatte, einem Mitspielenden eine scharfe Ladung in den Oberschenkel. Es war nämlich aus Versehen eine scharfe Patrone statt einer blinden in Lauf gekommen.
— Leipzig, 19. November. Ein Student stürzte sich in vergangener Nacht vom Liaduct der Thüringer Bahn auf einen burchfahrenden Zug und wurde zermalmt.
— Auf der Strecke der S ü d b a h n zwischen O e d e n b u r g und Wien ereignete sich Sonnabend Abend ein schwerer Unfall. Die letzten Waggons des Personenzugs lösten sich von demselben ab, worauf der Zug hielt. Darauf fuhren infolge abschüssigen Gefälles die abgerissenen Waggons mit großer Vehemenz in den stillstehenden Zug. Viele Passagiere trugen Verletzungen davon. Dem „W. Abendbl." zufolge war das Zugpersonal, durchwegs aus Ungarn bestehend, augenscheinlich betrunken.
— Ein verhängnibvoller Schiffs- zusammenstotz fand nach einem Telegramm aus Dorsar in der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag im Kanal statt. Die traurige Nachricht lautet: Um 11 Uhr fand ein Zusammenstoß zwischen dem Dampfer „Schölten" von Rotterdam und einem unbekannten Dampfer statt, in Folge dessen der Dampfer „Schölten" gesunken ist. 200 Personen sollen, wie verlautet, umgekommen sein. Genauere Feststellungen liegen noch nicht vor. 50 Personen wurden durch den Dampfer „Ebro" gerettet und hier gelandet. — Privattelegramme aus London berichten über das Unglück und seine Herbeiführung das Folgende: London, 21. Nov. Der Dampfer „Schölten" von Rotterdam nach Newyork stieß am Sonnabend Nachts 11 Uhr mit dem Dampfer „Rosa Mary" von Hartlepool nahe Dover während eines starken Nebels zusammen. Die „Rosa Mary" lag vor Anker. Der „Schölten"
wurde durch den Zusammenstoß fürchterlich beschädigt. Das Wasser drang sofort mächtig ein. Die meisten Passagiere befanden sich bereits tu ihren Kojen. Als sie aufs Verdeck stürzten,- spielten sich schreckliche Scenen ab. Die meisten schienen vor Angst und Schrecken vollständig den Verstand zu verlieren. Eine Anzahl Schiffe näherten sich, um Hilfe zu bringen. Der „Schölten" sank aber so schnell, daß die Rettungsarbeiten sehr erschwert waren. An der Stelle des Zusammenstoßes befinden sich hochaufragende Klippen. Im Ganzen wurden etwa 80 Personen gerettet, darunter 50 durch den Dampfer „Ebro". Zweihundert werden als verloren betrachtet. — Die Aussage der Besatzung eines Fischerbootes von Hastings scheint Licht in die Ursache des Zusammenstoßes bringen zu sollen und würde die Schuld aus die „Rosa Mary" von Hartlepool wälzen. Darüber wird berichtet : London 21. November, Morgens. Die Ueberlebenden des „Schölten? behaupten, daß der englische Dampfer in sie hineinlief, während der Capitän der „Rosa Mary" behauptet, der „Schölten" habe den Zusammenstoß herbeigeführt. Fischer von Hastings indessen behaupten, daß kurze Zeit vor dem Zusammenstoß die „Rosa Mary" durch ihre Netze gefahren und sie zerriffen habe. In dem Versuche zu entkommen, sei das beschleunigter fahrende Schiff dann in den „Schölten" hineinge- rannt, der sein Nebelhorn geblasen hatte. Diese Darstellung gewinnt an Wahrscheinlichkeit dadurch, daß an dem Kiel der „Rosa Mary" Fischernetze gefunden worden.
— Jm klinischen Laboratorium zu Parts brach Feuer aus, das in Folge der vielen Essenzen und anderer brennbaren Stoffe rasch um sich griff und sogar die daneben liegende Siechen-Anstalt schwer bedrohte. Alle wissenschaftlichen Geräthe des Laboratoriums wurden vernichtet. Man schätzt die Verluste auf 150,000 Frcs.
— (Dynamit-Attentate in Amerika.) Am Mittwoch Abend wurde, wie aus New-Iork unterm 19. gemeldet wird, die Glocke der Waisenanstalt zum heiligen Joseph in Cummingsville, Ohio, gezogen. Die Wächter fanden am Thore eine zwei Fuß lange Gasröhrenbombe mit einem daran befestigten brennenden Zünder, der rasch abgeschnitten wurde. Gestern Morgen wurde eine große Bombe auf den Stufen des Stadthauses in St. Joseph, Missouri, entdeckt. Eine Stunde später wurde eine andere Bombe hinter dem Magazin eines Speceretgeschäfts en gros vorgefunden. Die Bomben waren mit Dynamit gefüllt und sie scheinen von Sachkundigen angefertigt zu sein.
— (Schwacher Trost.) Patient: Herr Doctor, ich leide jetzt immer fürchterlicher an Stichen in der Lunge. Woran liegt denn das eigentlich s Doctor: Keine Sorge, mein Lieber! Das wird später schon alles die Section ergeben.
— (Aus der In st ru ct i o nsstunde.) Feldwebel: Woran erkennen Sie einen Unterosfi- cier, Krumhuber? Krumhuber: Der Unter- officler ist länger und hat a andre Kappen auf.
— (Moderne Dienstboten.) „Gnädige Frau, bei dem schlechten Wetter dürfen Sie mit dem Kleid nicht ausgehen." — „Aber Lina, was geht denn das Sie anV* — „Gnädige Frau haben mir das Kleid versprochen, wenn Sie es nicht mehr tragen — und da hab' Ich doch auch ein Wörtchen d'reinzureden l"
Standesamtsbezirk Hersfeld.
Von 1. bis incl. 15. November 1887.
Geburtsanzeigen.
Am 1. Ein Sohn des Schneiders Philipp Köhler. — 3.
Anna Catharina, T. des Tagelöhners Wilhelm Harth. —
4. Maria, T. des Fabrikarbeiters Friedrich August Christian
Zien. — 5. Heinrich Wilhelm, S. des TuchsabrikarbeiterS Wilhelm Busch. — 6. Franz Carl Anton, S. des Färbereibesitzers Augustin Franz Anton Nessel. Heinrich, S. des Fabrikarbeiters Johann George Pforr. Margretha, T. des Gastwirths Constantin Otto. — 10. Louise, T. des Schuhmachers Carl Heinrich Stützel. Ein Sohn des Gymnasiallehrers Philipp Carl Hafner. — 11. Elisa Dorothea, T, des Schreiners Johann Wilhelm Schott. Catharine Louise, T. des Schneiders Christoph Martin Jacob Will. Marie Christiane, T. des Buchdruckers George Gebauer. — 12, Wilhelm, S. der Tagelöhners Heinrich Ries zu Heenes. — 14. Christine, T. des Tuchmachergesellen Wilhelm Theodor Eisel.
S t e r b e s ä l I e.
Am 2. Auguste, Ehefrau des Georg Willich aus Roten- burg, 39 Jahre alt. — 3. Marie Weiß, Carouffelbesitzerin aus Eschwege, 68 Jahre alt. — 4. Rudolf Ernst Heinrich Ferdinand Altmüller, Gymnasiaischüler, 14 Jahre alt. — 5. Burghard Eysel, Fabrikarbeiter, 55 Jahre alt, Maria Catharina, Witwe des Schreinermeisters Jacob WehneS, 78 Jahre alt. — 7. Georg Jacob III. Ackermann au» Beenhausen, 47 Jahre alt. — 8. Valentin Ernst Horn, Zwangszögling aus Rengshausen, 13 Jahre alt. — 11, Adelheid, Witwe des Pfarrers Carl Friedrich Eisenberg, 63 Jahre alt.
Watzen (ä 100 Kilogr.) 15 M. 78 Pf. biS^6 M. 15 Pf. Roggen (a 100 Kilogr.) 12 M. 09 Ps. bis 13 Mk. — Pf. Gerste (ä 100 Kilogr.) 13 M. 50 Pf. bis 15 M. 50 Pf. Hafer (ä 100 Kilogr.) 11 M. 10 Pf. bis 12 M. 50 Pf.