Gratulationen der Familie, zahlreiche deutsche Damen, die in San Remo weilen, ließen prachtvolle Blumenspenden überreichen. Auch der deutsche und der englische Consul befanden sich unter den Gratulanten. Mittags 1 Uhr fand ein Festdiner statt, bei welchem die Stadtkapelle koncertirte. Der Kronprinz nimmt seit gestern wieder seine Mahlzeiten mit der Familie ein. Prinz Heinrich ist heute gegen 11 Uhr hier angekommen, er wurde von den Mitgliedern des Krönprinzlichen Hofstaats, dem deutschen und dem englischen Consul und den städtischen Behörden auf dem Bahnhöfe empfangen.
Den Etatsvorlagen entnehmen wir den Mittheilungen anderer Blätter folgende Angaben bezüglich der Einnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern, wie sie für das Jahr 1888/89 veranschlagt sind: Die Einnahmen an Rüben- steuern sind auf 27,858,230 Mk. veranschlagt, 8,186,000 Mk. weniger als im Vorjahre, und an der neuen Verbrauchsabgabe auf Zucker auf 6,636,000 Mk., hinsichtlich der Branntweinsteuer die Einnahme an Maischbottich- und Branntweinmaterialsteuer auf 22,852,530 Mk., 15,845,000 Mk. weniger, an der neuen Consumsteuer auf Branntwein auf 108,030,000 Mk. und an fälligen Nachsteuercrediten auf 8,000,000 Mk. An Zöllen werden 111,800 Mk. weniger, an Tabaksteuer 1,073,000 Mk. mehr und an Salzsteuer 477,000 Mk. mehr erwartet. Die Gesammteinnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern nebst Aversen sind auf 493,360,610 Mk. berechnet; das ergiebt, da diese Einnahmen im gegenwärtigen Etat auf 392,073,000 Mk. beziffert sind, eine Mehreinnahme 101,287,610 Mk.
Am letzten Montage fand in Berlin eine Controll-Versammlung des „Vereins vom Rothen Kreuz" statt, bei welcher der gelbprobst der Armee eine Ansprache hielt, in der er, wie mit- «wird, hervorhob, daß auf feine Anregung ster Zeit seitens des Cultusministeriums eine Verordnung ergehen werde, nach welcher ämmtliche militärfreie Theologen zu Lazareth- lehilsen ausgebildet werden sollen, um im Kriegs- alle mit ausrücken und den 70 bis 80 Feld- iredigern als Unterstützung dienen zu können. §s würde hiernach für Theologen von großem Vortheil sein, wenn sie sich freiwillig der Krankenpflege widmeten, da sie hierdurch Vorzüge vor denen haben dürften, die erst vom ttmUistwvftsyi^e Absicht, die Wittwen- und Waisenkassenbeiträge im Reich und demnächst in Preußen aufzuheben.
Eine Aufsehen erregende Enthüllung erhält die „Cöln. Ztg." von Berlin über die einstündige Unterredung, welche Fürst Bismarck mit dem Kaiser von Rußland gehabt hat. Es wird berichtet, daß dem Zaren eine ganze Reihe von Briefen und Depeschen über die Haltung des Fürsten Bismarck in der bulgarischen Frage vorgelegt worden sei, die von Anfang bis zu Ende gefälscht waren und die, wenn sie echt gewesen wären, in der That dem Zaren allen Grund gegeben haben würden, erzürnt zu sein, der Politik des Fürsten Bismarck zu mißtrauen und ihn gegen dieselbe zu verhetzen. Die ursprüngliche Quelle dieser Fälschungen ist alsbald ermittelt
die sich unbeirrt mit trotziger Zuversicht vor dem Kaminfeuer einherbewegte.
„Das ist ein vernünftiges Wort", versetzte Vi- landrte anscheinend billigend, „aber wie kam solch gelehrter Herr dazu, Sie gerade in den Minen an- zuwerben s"
„Sie meinen, ich sei keine rechte Gesellschaft für Ladies?* fragte der Fremde mit einem giftigen Blick auf den Fallensteller, „nun ja, das mag sein, aber zur Zeit der Noth 'nen braunen Mordbrenner über den Haufen zu schießen und ’ne gute Lagerstelle auszukundschaflen — bei der ewigen Verdammniß l Dazu hätte er schwerlich einen Herzhafteren gesunden."
„So schössen Sie in Ihrem Leben wohl schon einige über den Hausens" versetzte Vilandrie, und von dem Fremden unbemerkt, spitzte sein Blick sich gleichsam zu.
Hastig fuhr dieser herum, erwiderte aber gelassen :
„Es gab leider keine Gelegenheit," und von der Wendung, welche das Gespräch genommen hatte, abspringend, fügte er hinzu: „Im Uebrigen fand der verrückte Steinklopfer keine große Auswahl vor, und das machte ich mir bei meiner Lohnior- derung zu Nutze, zumal ich mit einigen schuftigen Arbeitsgenossen mich bis auf den Tod verfeindet hatte. Er mußte meine Forderung bewilligen, denn in Californien laufen brauchbare Reisebegleiter nicht zu Dutzenden umher; befand er sich erst außerhalb der Minendistricte, hätte er lange nach 'ner zuverlässigen Hand suchen können."
worden; es genügt vorläufig 'mitzutheilen, daß sie o r l e a n i st i s ch e n Ursprungs ist, daß sie vielleicht noch.der Staatsanwaltschaft Anlaß zum Einschreiten bieten wird. Dem Fürsten Bismarck ist es rasch gelungen, den Zaren davon zu überzeugen, daß er in dieser Hinsicht ein Opfer der schlimmsten jesuitischen Kniffe geworden sei, und hätte die Unterredung auch nur diesen Erfolg allein aufzuweisen und diese großartige Intrigue einer europäischen Kriegspartei zu entlarven, so würde sie schon in nicht unwesentlichen Maße zur Erhaltung des europäischen Friedens beigetragen haben.
(Frankreich.) Die Radicalen haben ihren Entschluß bekundet, jedes Ministerium, das Grävy zu Stande bringt, zu stürzen, um Gr^vy auf diese Weise zum Rücktritt zu zwingen. — In der Montagsitzung der Deputirten - k a m m e r beantragte Jolidois (Bonapartist) eine Resolution aus Revision der Verfassung. Derselbe suchte darzuthun, daß das einzige Heilmittel in der gegenwärtigen Lage darin liege, dem Volke das Recht zurückzugeben, das Staatsoberhaupt zu ernennen, welches aus diese Weise der Schiedsrichter und nicht der Spielball der Parteien sein würde. Der Antragsteller beantragte die Dringlichkeit. Die Jntransigeanten Larodet und Michelin erklärten sich mit einer Revision der Verfassung einverstanden, um die Präsidentschaft der Republik zu beseitigen. Die Kammer lehnte die Dringlichkeit mit 381 gegen 173 Stimmen ab. — Präsident Grsvy hat Clämenceau, als er denselben aufforderle, die Bildung eines neuen Cabinets zu übernehmen, jede Freiheit hinsichtlich des Regierungsprogramms und der Wahl der Personen gelassen. Cl^menceau habe darauf erwidert, daß Gr^vy, dessen Vergangenheit als wahrer Republikaner unanfechtbar sei, der Republik einen letzten Dienst erweisen könnte, in- dem er zurücktrete, da fein Ansehen gelitten habe und hieraus der Republik selbst Schaden erwachsen könnte. Die Unterredung habe ziemlich lang gedauert; schließlich sei auch Floquet von Grövy um seine Ansicht befragt worden. Außerdem habe am Abend im Elysse eine Berathung mit Freycinet, Goblet und Elsmenceau über verschiedene die Präsi- dentschaftscrisis betreffende Fragen stattgefunden. Die Abendblätter glauben, Gr6vy würde einer Demission keinen unbesiegbaren Widerstand entgegensetzen, sei jedoch fest entschlossen, einer Som- mation oder verfassungswidrigen Pression nicht
(England.) Die Regierung bereitet sich vor, neuen Ruhestörungen ernstlich zu begegnen. So sind in Woolwich Schrotpatronen angefertigt und unter die Londoner Garnison vertheilt worden. Jede Patrone enthält 9 erbsen- große Kugeln. Die Absicht dabei ist, falls es zu ernsten Zusammenstößen mit dem Militär kommen sollte, tödtliche Verwundungen möglichst zu ver- meiden. — „Freemans Journal" meldet, daß Freitag Morgen in aller Frühe eine Art Meuterei unter der Garnison des Städtchens Tullamore, wo W. O'Brien gefangen gehalten wird, ausgebrochen sei. Die Soldaten hätten gegen Befehl die Kaserne verlassen und laute Hochrufe auf den irischen Agitator ausgebracht. Die Constabler sahen dem Schauspiel schweiaend i
Hersfeld, 23. Novb. (Reichsgerichts-Entschei- düng.) Der Gläubiger, der einen vollstreckbaren Anspruch auf Herausgabe einer bestimmten Sache hat, darf, auch wenn die sonstigen Voraussetzungen des Anfechtungsgesetzes vom 21. Juli 1879 vorliegen, doch eine Handlung des Schuldners, durch welche dieser die sache zum Nachtheil des Gläubigers bet Seite gebracht hat, nicht anfechten. Denn zu einer solchen Anfechtung ist nur der Gläubiger befugt, der gegen den Schuldner einen vollstreckbaren Anspruch auf eine Geldforderung hat.
Hersfeld, 23. November. Bet der Enteignung eines Grundstücks sind nach f ! einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Civilsenats,
Constabler sahen dem Schauspiel schweigend । vom 22. October 1887, im Geltungsbereich des
„Wie stark ist Ihre Gesellschaft s"
„Nun — lassen Sie mich sehen: Da ist zunächst der verrückte Steivklopser und seine Tochter, nebenbei ein Frauenzimmer, welches die Büchse hantiert, als wär's mit 'nem Schteßholz in der Faust zur Welt gekommen. Dann ein Koch. Ferner ich selber und vier Packknechte — ver- dämmt I wenn das keine Gesellschaft ist, mitten durch die feindlichsten Stämme hindurchzureisen, so nennen Sie mich den elendesten Prahlhans, der je 'nen Schluck brackisch Wasser in die Kehle goß und es für Whiskey von der feinsten Sorte erklärte."
„Verstand ich recht, so lernten Sie Frappe früher kennen?"
„So genau, wie mein ehrlich Angesicht im Spiegel. Bei Gott, keine zweihundert Ellen von hier lagerte ich vierundzwanzig Stunden und noch 'ne Nacht. ’ne Reihe von Jahren ist's freilich her, und eine stattliche Caravane bildeten wir, die wir uns zur Ueberlandreise zusammengethan hatten. Lustige Zeiten feierten wir obenein hier herum, und ’ne Gallone Whiskey bezahlte ich dem Frappe mit meinen letzten fünf Dollars; aber hängen will ich, wenn der alte Gauner nicht zwei Quart Wasser hinzugethan hatte, bevor er mir den Steinkrug einhändigte."
„Sacr6 Tonnerre! Es ist sonst nicht Frappe's Art, Lebensmittel und gar 'nen kräftigen Trunk zu verfälschen."
„Mag sein," gab der Fremde höhnisch zu, „aber den Tod will ich mir an dieser Pfeife rauchen,
zu. Auch bei einer Gerichtsverhandlung zu Dennis riefen, als das Urtheil verkündet wurde, die auf der Galerie stationirten Soldaten: „Es lebe Irland!" — Das Zululand ist wieder ruhig! Nach einer Meldung aus Durban hat Sir Arthur Havelock die Rückreise, von Ekowe angetreten, da seine Mission beendigt ist. Den Häuptlingen Dinizulu und Undabuko sind Bußen auferlegt worden. Sie äußern immer noch große Unzufriedenheit über die Bedingungen, unter welchen die Einverleibung des Zululandes erfolgte.
(Rußland.) Die Z a r e n f a m i l i e ist am Montag wohlbehalten in Gatschina ange- kommen, woselbst den Winter über Residenz ge- nommen wird.
Aus Hessen-Nassau.
Hersfeld, 23, November. (Erledigte Stellen im Bezirk des 11. Armeekorps.) Cassel, Postamt, Landbriefträger, 540 M. Gehalt und 180 M. Wohnungsgeld-Zuschuß. Hildburg- hausen und Jena, Garnisonlazareth, Civilkranken- wärter, 600 M. jährlich nebst freier Wohnung, Feuerungs- und Erleuchtungs-Materialen. In der ersten Bahnmeisterei (Station Großheringen bis Station Dornburg), in der zweiten Bahnmeisterei (mit Station Jena), in der dritten Bahnmeisterei (mit Station Kahla), Direction der Saaletsenbahn- gesellschatt in Jena, je ein tzülfswärter, 1 M. 60 Pfg. Tagelohn, als Uniformstücke eine Dienstmütze und ein Paletot. Marburg, Universität, Portier an der medicinischen Klinik, 900 M. nebst Wohnung, für welche eine Vergütung von jährlich 67 M. 50 Pfg. zu zahlen ist. Montabaur, Stadtkasse, Communal-Vollziehungsbeamter, 300 M. Gehalt. Oepiershausen (Kreis Melsungen), Post-Agentur, Landbriefträger, 510 M. Gehalt, 60 M. Wohnungs- geldzuschuß und 30 M. Zuschuß zur Beschaffung der Dienstkleidung.
Hersfeld, 23. November. Eine neuere Re- gterungsversügung besagt, daß, da nach Vorschrift der Bauordnung Schornsteine aus gebrannten Steinen hergestellt und durch ebensolches Material unterstützt sein müssen, auch nicht auf Balkenlage ge« setzt werden dürfen, die Errichtung eines Schornsteins auf einem die Balkenlage unterstützenden eisernen Träger nicht zulässig ist. Dagegen ist die Unterstützung eines Schornsteins durch einen Steinpfeiler oder einen aus gebrannten Steinen bestehenden Bogen oder eine aus gleichem Material oder ®Tfm—yrrnnieme ivnsvtuttTgL'^AüLkragung- einer massiven Mauer (aus gebrannten Steinen) in der Regel zulässig.
wenn der Whiskey nicht wie warme Milch über die Zunge glitt!"
„Vielleicht ist Ihre Zunge schon einigermaßen verbrannt."
„Wäre das der Fall, so könnte sie dadurch nur um so feinfühliger geworden sein."
„Es waren damals friedliche Zeiten in dieser Gegend," warf Vilandrie nachlässig ein, um das Gespräch nicht einschlummern zu lassen; „kam selber in jenen Tagen mehrfach hier vorbei, entsinne mich aber nicht, daß man viel Unbequemlichkeit mit den Eingeborenen gehabt hätte, wie in späteren Jahren."
Der Fremde suchte mit argwöhnischem Blick des Fallenstellers Augen und strich, offenbar unwillkürlich, über die fein Gesicht entstellende Narbe. Da Vilandrie aber so unschuldig dareinschaute, wie ein Kind, stierte er wieder in die Flammen, die polternd um den Kessel herum leckten. (F. f.)
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