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Scrsftlhtr Kreisbllitt.

Mt wöchentlicher Kratis-MeilageMustrirtes Jinterhaltungsölatt".

Nr. 139. Donnerstag den 24. November 1887.

Amtliches.

Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim a/NH.

Auf Anordnung des Herrn Ministers für Land- wirthschaft, Domänen und Forsten sollen bei der hiesigen Lehranstalt wiederum

3 Unterrichtskurse überdieReb- Iau§(Phylloxera vastatrix)nnb andereRebenschädlinge

unter Leitung des Unterzeichneten abgehalten werden. Ein jeder dieser Kurse, welche unent-

O sind, dauert 6 Tage und besteht in einer von Vorträgen und in eingehenden Uebungen am Mikroskop; der erste derselben wird von Montag den 5. bis Sonnabend den 10. December d.Äs., der zweite von Montag den 12.bis Sonn­abend den 17. December er. und der dritte von Montag den 9. bis Sonnabend den 14. Januar 1888 abaehaUell werden.

Diejenigen Herbst welche beabsichtigen, an einem der Kurse theilzunehmen, werden ersucht, sich rechtzeitig bei der Direction der Anstalt anzu- melden.

Geisenheim, den 3. November 1887.

Der Director.

gez. Goethe, Oeconomierath.

* * *

Hersfeld, den 21. November 1887.

Wird veröffentlicht.

11134. Der Königliche Landrath

_____________Freiherr von Schleini ^._

Hersfeld, den 21. November 1887.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welchen in diesen Tagen Benachrichtigungen an die Gewerbetreibenden zwecks Einlösung der auf das Jahr 1888 ertheilten Wandergewerbescheine zugefertigt werden, haben solche alsbald den be-

Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.

Von Balduin Möllhausen.

(Fortsetzung.)

Während Vilandrie Kitty beauftragte, den Reffel mit dem Rest der Mahlzeit wieder in die Gluth zu schieben, betrachtete diese den Fremden mit kaum bemerkbarer Spannung. Sie schien in der Erinnerung nach etwas zu suchen. Doch nur wenige Secunden, und sie kehrte sich mit unver­kennbarem Widerwillen dem Feuer zu, um Vi- landrie's Aufforderung nachzukommen.

Der Fremde hatte unterdessen Mark einen flüch­tigen Gruß gespendet, und mit dem Ausruf: .Bet Gott, das ist comfortabel!w lieb er sich vor dem Kamin nieder, worauf er den zerfetzten grauen Filzhut etwas tiefer über die Stirn zog, gemäch­lich seine Pfeife füllte und anrauchte.

Bei der ewigen Versöhnung: comfortabel,* wiederholte er, sobald seine Pfeife brannte, und träge reckte er die Arme nach oben aus, .Wärme, Aussicht auf 'ne erträgliche Mahlzeit und ein Frauenzimmer vor Augen, wie's ganz Calisorntcn nicht feiner aufzuweisen hat." Dann zu Kitty, die seiner nicht achtete, obwohl das Zittern ihrer Nasenflügel von heftiger Erregung Zeugniß ab- legte:Wie Du hierherkommst, kümmert mich wenig; aber Deinen Namen magst Du mir nennen, damit ich Dich rufen kann."

Kitty fuhr herum. Ihre Augen sprühten und gleichsam zischend entwand sich ihren fest auf einander ruhenden weißen Zähnen r

Fragte ich Dich nach Deinem Namen oder von welchem Galgen Du abgeschnitten wurdest?"

Satanshexe," lohnte der Fremde den wilden Angriff, während Kitty dem Kessel ihre Aufmerk­samkeit wieder zuwendete, aber seine Stimme klang weniger herausfordernd, als bisher, und unbe­wußt'schob er die Finger der linken Hand in sein Halstuch, wie um dessen Weite zu prüfen,ja, eine Satanshexe bist Du; doch ich hör's gern, wenn ein Frauenzimmer auf sich hält."

Bet der verbrannte sich schon Mancher den Mund," bemerkte Vilandrie schadenfroh, und er wechselte einen Blick des Einverständnisses mit dem sichtbar entrüsteten Gefährten,ich kann da­her nur rathen, sie ungeschoren zu lassen. Sie ist ein Kind des Hauses hier und hat Ansprüche auf 'ne ehrerbietige Begegnung."

Der Henker mag jedes Wort auf die Goldwaage legen, bevor's ihm über die Zunge gleitet", ent­schuldigte sich der Fremde gewissermaßen, und abermals wiederholte er mit verbissenem Lachen: ein comiortabler Platz bleibt's bei alledem."

Vilandrie und Mark halten sich zu beiden Seiten des Fremden so niedergelassen, daß sie dessen Antlitz wenig auffällig im Auge behalten konnten. Beide hatten trotz der flackernden Be­leuchtung die Narbe entdeckt. Auf Vilandrie war die Wirkung davon eine derartige, daß er einige Minuten Zeit bedurfte, um seines Erstaunens Herr zu werden. Glaubte er doch, seinen Augen nicht trauen zu dürfen, zumal ihm nicht entging, daß auch Mark befremdet dareinschaute, ihn also

I treffenden Adressaten auszuhändigen und den Tag der Behändigung mir umgehend berichtlich anzuzeigen.

11057 u. 11132. Der Königliche Landrath ____ Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. November 1887.

Der seitherige Bürgermeister Johannes B r e h m zu Kathus ist heute als solcher auf weitere 8 Jahre verpflichtet worden.

11154. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schleinitz.

Im diesseitigen Bezirk wohnhafte Invaliden aus dem Feldzug 1864 gegen Dänemark bezw. deren Hinterbliebenen, welche Renten aus der Kronprinz-Stiftung beziehen, haben sich, unter Vorlage der im Besitz befindlichen Ausweise, be» Hufs etwaiger Erhöhung ihrer Renten, alsbald schriftlich an das unterzeichnete Commando zu wenden.

^ Desgleichen haben diejenigen hülfsbedürftiaen ^P^nüalt5en%Vettann?'|^

durch die Einwirkung dieses Feldzugs an ihrer Gesundheit geschädigt zu sein, bezw. deren Hinter­bliebenen, behufs etwaiger Fürsorge alsbald dies­bezügliche Gesuche, unter Beifügung der vor­handenen Militairpapiere, hierher einzureichen.

Hersfeld, den 19. November 1887.

Königliches Bezirks-Commando.

Gefunden: 1) ein Brodbeutel, 2) eine Halfter­kette mit Strick, 3) eine Pferdedecke, 4) eine Laterne, 5) ein Portemonnaie enthaltend 20 Pfg., 6) fein Stab Eisen. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim.

Kotittschr Nachrichten.

(Deutschland.) Am Dienstag Vormittag ließ Se. Majestät der Kaiser vom Grafen

Perponcher und dem Polizei-Präsidenten Frhrn. v. Richthofen sich Vorträge halten und empfing darauf eine Reihe höherer Officiere zur Ab- stattung persönlicher Meldungen. Im Laufe des Nachmittags arbeitete der Kaiser längere Zeit mit dem Chef des Militärcabinets v. Al- bedhll und erledigte vor dem Diner noch ver­schiedene Regierungsangelegenheiten. Das Be­finden des Monarchen ist ganz vortrefflich.

Der Gesundheitszustand der Kaiserin hat sich soweit gebessert, daß die Rückkehr der hohen Frau nach Berlin für die zweite Hälfte der nächsten Woche in Aussicht genommen werden konnte.

DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht nachstehen­des Bulletin:

Nachdem die oedematöse Anschwellung imKehl- kopfe Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen bereits in voriger Woche erheblich,gewichen, war, hat sich dieselbe im Laufe düng würde MoMMÜMEldüt, M^Mn^bilr 15. dieses Monats braunrölhlW Flocken ausge­worfen waren, darauf konnte eine Abflachung der in der linken Kehlkopfshälfte befindlichen Neu­bildung, sowie theilweiser geschwüriger Zerfall derselben und gleichzeitig hiermit Erweiterung der Stimmritze wahrgenommen werden. Nach diesem Vorgänge ist augenblicklich die Athmung völlig frei und das Schlucken durchaus schmerzlos. Aus­sehen, Appetit und Schlaf find sehr gut. Be­wegung im Freien ist bei Eintritt sonnigen und trockenen Wetters in Aussicht genommen.

S a n R e m o , den 19. November 1887.

Schrader. Krause. Mark Hovell.

Aus San Remo wird unterm 21. d. Mts. ge­meldet: Das Befinden des Kronprinzen ist heute wie in den beiden letzten Tagen durch­aus befriedigend. Heute früh empfing die Kron­prinzessin zu ihrem Geburtstage zunächst die

derselbe Argwohn beseelte, welcher in ihm selbst aufgestiegen war. Doch was seine Augen sahen, wollte er auch durch Worte bestätigt hören, und so brach er nach kurzem Sinnen das Schweigen mit der Bemerkung: ,

Es gehört immerhin Lust dazu, die Minen, in denen man die Hand nach gediegenem Golde nur auszustrecken braucht, dranzugeben, um sich Je­mand zu 'ner Wildegänsejagd anzuschließen."

Lust ?* fuhr der Fremde mit wüstem Lachen auf,und's gediegene Gold auflesen, wie die Aepfel unter 'nem geschüttelten Baum zur Herbst­zeit? Bei der ewigen Verdammniß, ich sah noch nie 'nen Mann, der ohne Müh eines Dollars Werth aus dem Sande wusch, und dem's, wenn er etwas erworben hatte, zum großen Segen ge­wesen wäre. Der Teufel holt das Gold, so bald es das Tageslicht erblickt, auf die eine oder die andere Art; da tst's nicht zum Erstaunen, wenn Einen die Lust zu 'ner leeren Jagd anwandelt, auf der man bei gewöhnlichem Einherreiten wenigstens fein sicheres Einkommen bezieht. Gtebt's nicht viel für den Monat, bringt's die Zeit; und erreiche ich wohlbehalten den Missouri, so klirrt eine größere Summe baaren Geldes in meiner Tasche, als ich während der letzten acht, neun Jahre je auf einmal mein Eigenthum nannte. G esällt's mir im Osten nicht, hindert mich kein Heiliger, dahin zurückzukehren, woher ich gekom­men bin", und dem aus ihm ruhenden ernsten Blick Mark's ausweichend, betrachtete er mit einer gewissen Scheu die charakteristische Gestalt Kitty's,