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Imftlkr Krkisbllitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMustrirtes UnterhakLungsölaLL".

Nr. 135. Dienstag den 15. November 1887.

# Tas Verbrechertum Uou 18821886. |

Nach den seit 1882 vorhandenen statistischen Nachweisungen über die Kriminalität (Verbrecher- thum) der Bevölkerung des deutschen Reichs ist das hervorragendste Merkmal dieser Periode: gunahme der Verbrechen und Vergehen gegen taat, Religion und öffentliche Ordnung, sowie gegen die Person, Abnahme der Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen; und zwar ist die Zunahme dort, wo also die Triebfedern der Strafthaten vorwiegend Uebermuth und Leiden­schaftlichkeit, Rohheit und Gewaltthätigkeit sind, und die Abnahme hier, wo besonders Hab­gier und wirthschaftliche Noth in Betracht kommen, eine stetige und ununterbrochene.

Die Zahl der Verurteilungen überhaupt stieg von 329,968 (d. i. auf 1000 über 12 Jahre alte Einwohner 10,29) im Jahre 1882 auf 353,000 (oder 10,70 auf 1000 strafmündige Einwohner) im Jahre 1886. Unterscheidet man nach den drei Hauptabtheilungen der Strafthaten, so ergiebt sich folgendes Bild: Es stiegen, und zwar wie gesagt allmählich und ohne Unterbrechung, in den einzelnen Jahren die Verbrechen und Vergehen gegen Staat, Religion und öffentliche Ordnung von 51,623 (1,61 auf 1000 Strafmündige) auf 60,458 (1,83) und die Verbrechen und Vergehen gegen die Person von 107,398 (3,35) auf 134,019 (4,06); es fielen die Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen stetig von 169,334 (5,28) auf 156,930 (4,76.)

In der ersten Gruppe sind u. A. gestiegen: die Vergehen gegen Beamte von 11,948 (1882) auf 13,127 (1886,) die Hausfriedensbrüche von 13,826 auf 15,983, die Verletzungen der Wehr- St von 14,119 auf 19,580. Eine nicht uner- che Abnahme zeigt der Meineid, der fahr­lässige Falscheid und die Verleitung zum Meineide. Die Vergehen gegen die Religion sind sich unge­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.

Von Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.)

Zwei Sommer hatte er in dieser Weise ge» wirthschaftet die Winter verbrachte er nämlich bei seinem Stamm als er eines Abends nach mehrtägiger Abwesenheit wohlgemuth zu den Seintgen heimkehrte. Wie Nekoma erzählte, war es um Mitternacht, und während er das Feuer seines Zeltes schon aus der Ferne in's Auge faßte, mochte er den Gewinn berechnen kärg­lich genug war er sicher welchen ihm sein Jagdzug eingetragen hatte. Plötzlich aber hielt er sein Pferd an, und argwöhnisch lauschend unterschied er auf dieser einen Seite der Emi- grantensährten das gewöhnliche Geräusch der rastenden Caravanen, auf der anderen dagegen das jämmerliche Schreien seiner Kinder. Diese waren damals noch zu klein, um der Mutter von großem Nutzen zu sein; aber schreien konnten sie, für Kagalagiake ein Beweis, daß irgend eine große Gefahr drohte. Denn um ein indianisches Kind überhaupt laut klagen zu machen, muß man es schon in eine Apfelweinpresse schieben und die Schraube aus Leibeskräften andrehen. Sein erster Gedanke fiel natürlich auf die Emigranten und daß von einzelnen derselben irgend ein hinter­listiger Streich gegen die Seintgen in's Werk ge­setzt worden. Denn was damals die Ebenen kreuzte, gehörte nicht Alles zu den ehrlichen Men­

fähr gleich geblieben. Trüber ist das Bild in der zweiten Gruppe: Vergehen gegen die Person. Den Hauptantheil an der Vermehrung hat die Körperverletzung, namentlich die gefährliche Körper­verletzung, welche von 38,291 auf 53,759 also um rund 40 Procent stieg. Auch für fast alle Sittlichkeitsvergehen war für 1886 eine erneute Zunahme festzustellen.

Das Traurige der Erscheinung, daß die Ver­gehen, bei denen sich Uebermuth, Entartung und ruchlose Gesinnung offenbart, eine steigende Tendenz ausweisen, kann nicht durch die erfreulicheren Zahlen der Vergehen gegen das Vermögen aus­gewogen werden, zumal hier namentlich die wirthschaftlichen Verhältnisse in Betracht kommen, also Umstände, die unabhängig von dem ver­brecherischen Willen sind. Der Rückgang der Vermögensvergehen stellt sich im Wesentlichen als eine Folge des seit 1881 eingetretenen Um­schwungs in den Nahrungsverhältnissen des Volkes dar; die Lebensmittelpreise sind zu einem außergewöhnlich niedrigen Satze (die Durchschnitts- ireise des Weizens und Roggens im Großhandel ielen von 18811886 um 32 Procent) herabge- unken, der Verdienst hat sich erhöht, die gewerb- iche Thätigkeit zugenommen. Die Zahl der wegen einfachen Diebstahls Verurtheilten sank von 79,116 auf 68,479 (d. i. 13,5 Procent trotz des gleichzeitigen Wachsthums der Bevölkerung), die Zahl der wegen schweren Diebstahls Verur- theillen von 8,972 auf 6,658 und die gleiche Tendenz zeigen die verwandten Gattungen der Hehlerei und des strafbaren Eigennutzes. Auf das Treiben der Diebe von Profession hat das Fallen der Lebensmittelpreise keinen Einfluß ge­habt; vielmehr stieg die Zahl der 6 und mehr- mal wegen Diebstahls Vorbestraften.

Für die Beurtheilung der öffentlichen Moral sind die Vergehen gegen die Strafgesetze nicht blos zu zählen, sondern auch zu wägen und von

schen Sacrs Tonnerre! wenn je Schurken und Kehlabschneider dutzendweise beisammen gefunden wurden, so geschah es in den Tagen, in welchen das erste Goldfieber die Leute gepackt und verrückt gemacht hatte und das elendeste Gesinde! in Hellen Haufen westlich trieb.

Mit der Besorgniß um die Seintgen wurde Kagalagiake's ganze Vorsicht wachgerufen. Er gab daher seinen Pferden die Freiheit und legte den Rest des Weges zu Fuße zurück. Selbst von den im Schatten des Stromufers jammernden Kindern unentdeckt gelangte er in die Nähe seines Zeltes. Behutsam spähte er durch die Spalte neben dem Thürvorhang und was er da sah, das wäre genug gewesen, den langmüthigsten Heiligen in einen Tiger zu verwandeln. Zwei Emigranten­schurken befanden sich nämlich bei seiner Frau und mißhandelten dieselbe, nachdem sie zuvor die Kin­der hinausgejagt hatten, in unerhörter Weise. Wohl kämpfte Nekoma mit aller Kraft gegen ihre unbarmherzigen Feinde, allein wozu konnte ihr das in ihrer Ohnmacht helfen 3 Denn die Hände hatte man ihr gefesselt, und so war sie der Will­kür der beiden Schurken vollständig preisgegeben. War ich an des Indianers Stelle, so sollte nichts mich gehindert haben, zuzuspringen und ihnen mit dem Beil schneller den Schädel einzuschlagen, als sie um sich zu schauen vermocht hätten. Kagala giake aber erwog, daß damit sein eigenes Todesurtheil und das seiner Familie ausgesprochen gewesen wäre; und so beschränkte er sich daraus, in's Zelt hineinzuschlüpsen und dem einen Ver­

diesem Gesichtspunkt aus wird man im Hinblick auf die überwiegende Bedeutung, welche der Ver­mehrung der Vergehen gegen Staat, öffentliche Ordnung, Religion und die Person beizumessen ist, eine Besserung in der Criminalität der Be­völkerung nicht behaupten können, so erfreulich die Thatsache des Rückganges der Vermögens­vergehen auch ist.

UoMische Nachrichten.

(Deutschland.) Nach einer recht gut ver­brachten Nacht erledigte Se. Majestät der K a i s e r im Laufe des Sonnabend Vormittags Regierungs- angelegenheiten, nahm den Vortrag des Ober­hofmarschalls Grafen Perponcher entgegen und empfing Mittag den Besuch des Prinzen Heinrich und der Erbprinzessin v. Sachsen-Meiningen. Am Nachmittage empfing Se. Majestät der K a i s e r den General-Feldmarschall Grafen Moltke und arbeitete dann auch noch längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets v. Albedyll. Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers war am Sonnabend ganz vorzüglich. Mittags beim Vorbeimarsch der neu aufziehenden Wache, wie auch beim Abbringen der Fahne erschien der Kaiser am Fenster seines Arbeitszimmers.

(V o m Befinden des Kronpri nzenZ DerReichsanzeiger" meldet: Ueber das Be­finden Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit des Kronprinzen ist folgendes Bülletin, einge­gangen:San Remo, 10 Nov., Nachmittags. Die versammelten Aerzte constatiren eine in den letzten Tagen eingetretene Schwellung im Kehl- kopfe Sr. Kaiserl. Hoheit des Kronprinzen, welche hoffentlich unter dem Gebrauch der geeigneten Mittel und bei dem ausgezeichneten Verhalten des hohen Patienten wieder zurückgehen wird. Morell Mackenzie. Schrötter. Schrader. Krause. Moritz.Schmidt. Mark Hovell." Aus San

brecher das Messer quer durch's Gesicht zu ziehen dem anderen dagegen, der seine Frau am Halse gepackt hielt, das rechte Handgelenk halb durchzu- schneiden. Entsetzt sprangen die beiden Hunde em­por, und da fiel ihr erster Blick auf Kagala giake, der zwei Schritte weit von ihnen stand, den Pfeil aus der Bogensehne und bereit, bet dem ersten Anzeichen eines Angriffs jedem einige der scharfen Eisenspitzen in den Leib zu jagen. Und im Bogenschießen war er eine große Hand. Sacrs Dieu, in Schnelligkeit und Sicherheit des Treffens lhat's ihm Keiner zuvor.

Fluchend und mit Mord und Todtschlag dro­hend, jedoch fortgesetzt von dem mißtrauischen Indianer überwacht, verließen die Schurken das Zelt. Sie waren indessen noch nicht weit ge­gangen, da hatte Kagalagiake seine Frau von den Fesseln befreit, und bevor jene ihr Lager er­reichten, befand er sich bereits in demselben an­wesend. Dort war sein Erstes gewesen, Lärm zu schlagen und die Leute zusammenzurusen und seine Erlebnisse wahrheitsgetreu schildernd, forderte er Alle zu seinem und seiner Familie Schutz aus.

Man antwortete ihm mit Hohn, nannte das Treiben der beiden Verbrecher einen lustigen Streich, zu welchem jeder Weiße farbigen Men­schen gegenüber berechtigt sei, und als diese endlich blutend im Lager erschienen, da hatte er seine Noth, ungeschädigt zu entkommen. Nur seine große Gewandtheit bewahrte ihn davor, schon jetzt todtgeschlagen zu werden. Verdammt! Für ihn gab es ja keine Gerechtigkeit. Ihm wurde als